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Animals To Go


Animals To Go

Anthologie zum Story-Wettbewerb 2017 "Fur-Fiction* des vss-verlags
1. Auflage

Fr. 5.00

Verlag: VSS-Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 20.04.2018
ISBN/EAN: 9783961270965
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 206

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Dreizehn fantastische Kurzgeschichten von zwölf Autorinnen und Autoren, in denen Tiere, Tiermenschen, Misch- und Werwesen usw. eine wesentliche Rolle spielen. Von der klassischen Werwolfsgeschichte bis zu Space Opera.

Dies sind die besten Beiträge zum Story-Wettbewerb 2017 des vss-verlags, der unter dem Thema „Fur-Fiction? stand:

Ulrich Reimer – Niederstieren
Gerhard Fritsch – Die Rache des Benu
Marina Heidrich – Experiment Nr. 8
Melanie Brosowski – Brandnnacht
Tatsyr – Wer war gleich nochmal Ernie
Eberhard Mayr – Hexenmeister
Michelle Schrandt – Animal I have become
Stefan Lochner – Weich
Georg Jansen – Ein Wildunfall
Martina Bethe-Hartwig – Wölfe
Joe Tyler – Metamorphosis
Marcus Watolla – Freunde fürs Leben
Ulrich Reimer – Felid Navidad

Dazu als Bonus eine klassische Fur-Fiction Story aus dem Jahr 1908:

Kurd Laßwitz – Aus dem Tagebuch einer Ameise
Dreizehn fantastische Kurzgeschichten von zwölf Autorinnen und Autoren, in denen Tiere, Tiermenschen, Misch- und Werwesen usw. eine wesentliche Rolle spielen. Von der klassischen Werwolfsgeschichte bis zu Space Opera.

Dies sind die besten Beiträge zum Story-Wettbewerb 2017 des vss-verlags, der unter dem Thema „Fur-Fiction? stand:

Ulrich ...
Er – oder Es, wie man im Nachhinein sagen würde, konnte sich nach der dritten Phiole noch erinnern, dass er alle neun Phiolen trinken müsse. Das hatte ihm der alte Mann gesagt, den er glaubte zu kennen und der Tag für Tag um ihn war. Danach würde er geheilt sein, sozusagen neu geboren.
Nach der fünften Phiole, die ihm wie alle anderen der Alte im Fünf-Stunden-Takt eingab, verlor Benu, wie wir ihn jetzt als Sinnbild für den „wiedergeborenen Sohn“ der altägyptischen Mythologie nennen wollen, das Bewusstsein – oder zumindest den Teil davon, der ihm noch geblieben war.
Fünf Stunden nach der neunten Eingabe des bittersauren Elixiers erwachte er. Sich krümmend und windend versuchte er, die Schmerzen abzuschütteln, die ihn quälten. Der Schrei, den er ausstoßen wollte, erstickte in einem Krächzen, die Hände, mit denen er sich an den Kopf fassen wollte, schienen ihm mehrfach zusammengefaltet zu sein und schnitten ihm Wunden ins Fleisch. Sein Gedächtnis an vorher war nur noch rudimentär vorhanden, doch dass er sich auf seinem Lager wälzen konnte, erstaunte ihn. Er fiel herab und hörte ein Surren, das ihm in vager Erinnerung war, das er aber nicht deuten konnte. Plötzlich wurde es hell und ein Ruf der Verzweiflung durchdrang den Raum. Der alte Mann eilte mit bestürzter Mine herbei und bedeckte voller Schreck sein Gesicht mit den Händen. „Oh mein Gott“, stöhnte er. „Was habe ich getan!“
Doch Benu verstand die Bedeutung seiner Worte nicht. Seine Schmerzen waren wie verflogen, er spürte Kraft in sich, in seinem Körper aufsteigen – ein Gefühl, das ihm wie neu, wie wiedergegeben erschien, und das ihm Selbstvertrauen verlieh, Vertrauen darauf, diese neue Kraft auch zu nutzen. Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und blickte auf den alten Mann vor sich hinab, der gerade seine Hände wieder vor sein Gesicht führen wollte. Doch wie aus einem angeborenen Reflex heraus, der einen Angriff gegen ihn abwehren wollte, schlug Benu dagegen und traf mit seinen Krallen die Augen des alten Mannes.
Hineingeworfen aus dem Nebel seiner Vergangenheit in ein neues Leben mit einem neuen Körper und ohne die Erfahrungen des Hineinwachsens konnte Benu nur den Instinkten des Augenblicks folgen. Und dieser Instinkt befahl ihm, sein Verlangen nach Blut und Eingeweiden zu stillen. Blitzschnell verkrampfte er sich im Kopf seines Opfers und hackte ihm mit seinen krallenbewehrten Händen die Augäpfel aus dem Gesicht. Um sein Leben ringend wand und schlug der Alte verzweifelt um sich. Benu konnte er damit nicht gefährden, vielmehr bestärkte er ihn noch in dessen Aggressivität. Doch er traf mit seinen Füßen den nebenstehenden Tisch, von dem daraufhin diverse Gefäße und elektrische Laborgeräte auf den Boden fielen und in Brand gerieten.
Für Benu war auch das Feuer ungewohnt. Er konnte sich schleierhaft erinnern, so etwas schon einmal gesehen zu haben, aber nicht, welche Wirkungen es haben kann. Den Versuch, es zu bekämpfen, gab er bald auf und floh durch die Tür, durch die der alte Mann hereingekommen war.
Das Feuer wurde größer und größer. Bald vernahm Benu rasch näherkommende laute Signalgeräusche und blau aufflackernde Lichter in der Dunkelheit. Angst überkam ihn vor dem Unbekannten, das tosend und blitzend herbeieilte. Instinktiv beschloss er, sich in Sicherheit zu bringen. Er begann zu rennen, und ohne dass er es bewusst herbeiführte, breitete er seine langen mit Flughäuten verbundenen Arme aus und schwang sich in die Lüfte.

***

Das Rodenwälder Tagblatt berichtete am 2. Mai von einem sehr tragischen Geschehen. Das Haus eines emeritierten Professors der Zytologie, etwas abseits eines kleinen Dorfes im Rodenwald gelegen, war in der Walpurgisnacht vollständig abgebrannt. Brandursache, hieß es, wäre ein Kurzschluss im Privatlabor des Professors gewesen, hervorgerufen wahrscheinlich durch das Herabfallen eines elektrischen Prüfgerätes. Die Begleitumstände waren überaus mysteriös: der Professor selbst hatte sich anscheinend ins Freie retten können, wurde aber mit ausgestochenen Augen aufgefunden. Seine Ehefrau war im Bett liegend verbrannt und der 30jährige, nach einem unverschuldeten Autounfall seit Jahren querschnittsgelähmte und geistig behinderte Sohn spurlos verschwunden. Er musste zuletzt im Labor gewesen sein, da sich dort sein umgestürzter Rollstuhl befand. Ohne diesen hätte er sich aber kaum bewegen können, weshalb man von einem Verbrechen ausging. Schwere Körperverletzung, Entführung, Brandstiftung und Totschlag.
Der Professor konnte bislang noch nicht vernommen werden, da er immer noch unter Schock stand.

***

Als Benu das brennende Anwesen verlassen und voller Überraschung festgestellt hatte, dass er fähig war zu fliegen, kehrte er noch einmal zum Unglücksort zurück. Obschon es noch Nacht war, sah und hörte er, als er darüber kreiste, sehr genau, was dort vor sich ging: Fahrzeuge, Motorengeräusche, Lichter, schreiende und hektisch umherlaufende Menschen, zum Teil mit Helmen auf dem Kopf, alles Dinge, die ihn nur vage an etwas erinnerten, das ihm selbst schon einmal widerfahren war. Es machte ihm Angst. Er wollte Ruhe haben und alleine sein, wie zuvor auch.
Benu drehte ab und suchte die Dunkelheit, ohne Lichter, die verrieten, dass dort Menschen hausten. Am Rande eines hochgelegenen Feldes, weit weg von der nächsten Siedlung, ließ er sich nieder. Als er sich vergewissert hatte, dass er alleine war, verkroch er sich ins Unterholz, um dort zu schlafen.
Doch als das erste Dämmerlicht sich ankündigte, erwachte er von einem Motorengeräusch. Augenblicklich hatte er die nächtliche Szenerie mit den schreienden und umherlaufenden Männern vor dem brennenden Anwesen wieder vor Augen. Angst und auch Wut überkamen ihn.
Der Motor des Fahrzeugs wurde abgestellt, ein in einen grünen Mantel gehüllter Mann stieg aus und warf die Türe des Wagens wieder zu.
Benu wollte sich anpirschen, um zu sehen, was da vor sich ging, verursachte dabei aber Geräusche, die den Waidmann aufhorchen und neugierig näher kommen ließen. Als der aber die Gestalt Benus durch das Gebüsch erspähte, überkam ihn große Furcht und er schickte sich an, zu seinem Wagen zurückzukehren, um sich mit einem Jagdgewehr auszurüsten. Doch der Schatten holte ihn ein und versperrte ihm den Weg.


***

Am 5.5. berichtete das Rodenwälder Tagblatt von einem neuerlichen grausamen Vorfall. Ein Jäger, der eigentlich nur zur Wildbeobachtung sein Revier aufgesucht hatte, war in den frühen Morgenstunden des 4.5. von einem Kollegen tot in der Nähe seines Geländewagens aufgefunden worden. Sein Körper wies eine Vielzahl von Stich- und Schnittwunden auf und war post mortem wahrscheinlich von Raubwild oder Wildschweinen schon angefressen worden. Darauf wiesen zumindest die äußeren Umstände hin, für eine genaue Analyse müsse aber das Ergebnis der Gerichtsmedizin abgewartet werden.

***

Manfred Eiler war erst vor kurzem nach Obschonfurt zugezogen. Er war als Referendar zur Realschule im Nachbarort Alskanfeld versetzt worden, hatte dort aber keine passende Wohnung gefunden. Im Nachhinein dachte Manfred, dass es besser so war, denn die Leute sagten, in Alskanfeld würde man öfter den unangenehmen Geruch der Chemiefabrik in der Nase haben. Außerdem war der Weg zur Schule nicht weiter als drei Kilometer: die Brücke über den Fluss und noch zwei Querstraßen, dann war er dort. Bei gutem Wetter konnte er das mit dem Fahrrad oder zu Fuß machen. Aber das Beste war, dass er in Obschonfurt am Berghang wohnte und von seiner Wohnung aus einen sehr guten Blick auf das große Werk auf der anderen Seite des Flusses hatte. Es faszinierte ihn einfach: die vielen Kamine, Rohrleitungen, Kräne und dergleichen, aber am allermeisten der höchste Schlot. Zweihundert Meter, hatte er gehört, soll er hoch sein, am Fundament breit wie ein Wohnhaus und ganz oben bestimmt noch fünf Meter dick.
Selbst aus dem Hinterland der Stadt und den umliegenden Hügeln aus war seine Spitze noch zu sehen. Sozusagen war dieser Industriekamin der zentrale Orientierungspunkt für die ganze Gegend. Was die Aufmerksamkeit Manfred Eilers besonders auf sich lenkte, waren die rundherum befindlichen, rechteckigen Öffnungen knapp unterhalb der Schornsteinmündung. Unter Zuhilfenahme eines Fernrohres konnte er erkennen, dass sich dahinter tatsächlich ein Hohlraum befinden müsse. Dafür sprach auch, dass ganz oben nur ein abgasführendes Innenrohr, anscheinend aus Edelmetall, herausragte, das einen erheblich geringeren Durchmesser hatte als der eigentliche Kamin.

***

Auch wenn die grausame Verstümmelung des Professors nicht in dieses Schema passte, hatte die Kriminalpolizei eigentlich eine Lösegeldforderung erwartet. Eine solche aber war selbst nach fünf Tagen noch nicht eingegangen, weshalb die Vermutung einer Entführung wieder in Frage gestellt wurde. Die Spurensicherung durchsuchte zwei Tage lang die ausgebrannten Räume und das gesamte Grundstück des Anwesens, konnte aber keinerlei Hinweise auf irgendwelche Eindringlinge entdecken. Wenn aber der Sohn des Professors vor Ort umgekommen sein sollte, so hätten Überreste gefunden werden müssen, denn ein absolut restfreies Verbrennen eines menschlichen Körpers konnte ausgeschlossen werden, umso mehr, als ja auch die Feuerwehr relativ rasch zur Stelle war. Die meisten Aufschlüsse erhofften sich die Kriminalisten von einer Befragung des Professors. Dieser hatte bislang jedoch noch kein einziges Wort gesprochen. Auf Schockzustand konnte man das nach einer Woche nicht mehr zurückführen. Erschwerend für die Beamten kam hinzu, dass sie dem Professor dabei nicht in die Augen sehen konnten, was ihnen möglicherweise einen Eindruck von seiner Gefühlslage oder seinen Absichten vermittelt hätte.

***

Manfred Eiler kam sehr gelegen, dass er an seiner Schule auch Berufskundeunterricht erteilte. Er bemühte sich um einen Termin für eine Werksbesichtigung im Chemiewerk, das jährlich mindestens zehn Auszubildende einstellte. Solch eine Besichtigung wurde wenig später tatsächlich auch gewährt.
In den Produktionshallen, in denen viskosehaltige Kunstfasern hergestellt und auf riesige Rollen aufgespult werden, herrschte großer Lärm, so dass keiner ein Wort des Anderen verstehen konnte. Auf den Freiflächen vor den Hallen erklärte der Werksführer jeweils, was zu sehen war und was in den nächsten Räumen besichtigt werden konnte. Das Interesse der Schüler nahm mit der Zeit ab, so dass Manfred Eiler endlich die Initiative ergreifen und den Werksführer über die verschiedenen technischen Aggregate im Freigelände und vor allem über den großen Industrieschlot ausfragen konnte. Viel Neues erfuhr er dabei nicht, hörte aber bestätigt, dass sich ganz oben eine begehbare Plattform, und darunter, hinter den Öffnungen ein Raum befindet, der für Wartungs- und Inspektionsarbeiten genutzt werden kann. Carlos sah nun auch die eingemauerte Steigleiter, die bis ganz nach oben führte. Der Werksführer erklärte aber, dass die jährlich durchzuführenden Messkontrollen erst spät im Jahr durchgeführt werden durften, und zwar aus Artenschutzgründen. Mehrere Jahre lang nämlich hatte dort oben ein Wanderfalkenpärchen gebrütet, deren Art vom Aussterben bedroht sei. In diesem Jahr aber, sagte er, müsse etwas Größeres dort Unterschlupf gefunden haben. Die Überreste von großen Vögeln, Enten oder Schwänen, Hasen, ja sogar ein angefressener Schäferhund wurden unten im Bereich des Kaminsockels gefunden. Gesehen hatte das Vieh bis dahin noch niemand, aber hinaufsteigen dürfe aus besagten Gründen auch keiner. Jedenfalls, so schloss der Werksführer das Thema ab, müsse es schon ein ganz großer Vogel sein, ein Adler oder so etwas.

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