Beloved Millionaire

Versteckte Gefühle

Alica H. White


ISBN: 978-3-95573-745-0
1. Auflage 2018, Bremen (Germany)
Klarant Verlag. © 2018 Klarant GmbH, 28355 Bremen, www.klarant.de

Titelbild: Umschlagsgestaltung Klarant Verlag unter Verwendung eines Bildes von shutterstock.

Sämtliche Figuren, Firmen und Ereignisse dieses Romans sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit echten Personen, lebend oder tot, ist rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf - auch auszugsweise - nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Inhalt

Prolog

 

Gestern habe ich mich von Ella getrennt und heute versuche ich, mich mit Arbeit abzulenken. Das klappt prima, denn ich habe schon mindestens eine Minute nicht an sie gedacht. Das war die Minute, in der ich in den Spiegel gesehen habe und laut »Du hast es so gewollt!« sagte. Auch jetzt kreisen meine Gedanken nur um sie. War meine Reaktion ihr gegenüber richtig? Sinnierend spiele ich mit dem Kugelschreiber und versuche verzweifelt, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen.

»Alter, wie siehst du denn aus? Ist dein Rasierer kaputt und sind Augenringe in Mode?«, sprudelt mein Freund und Kanzleipartner Jay C. Craft hervor, während er in mein Büro stürmt.

Wie erwischt zucke ich zusammen. »Schon mal was von Benehmen oder Anklopfen gehört?«, motze ich zurück.

»Dann hätte ich dich ja gewarnt und du wärst im Halbschlaf geblieben. So musstest du wach werden.«

»Danke, Alter …, wer dich zum Freund hat, braucht keine Feinde.«

»Ich wollte den Hartwell-Fall mit dir besprechen.«

»Ja, sorry, bin noch nicht dazu gekommen.« Ich reibe mir über die Stirn, aber das wird mich auch keinen klaren Gedanken fassen lassen.

»Hat deine Nutte dich nicht rangelassen, oder was?«

»Sehr witzig. Heb dir deinen Charme für deine Feinde auf, oder für solche, die es werden sollen«, erwidere ich beleidigt.

»Chill mal!«, Jay hebt abwehrend die Hände. »Sag schon, was ist passiert?«

»Ella und ich … das passt einfach nicht. Sie ist wieder weg.«

Erleichtert atmet Jay aus. »Puh! Gott sei Dank! Ich hatte schon befürchtet, dass es länger dauert, bis du merkst, dass du auf dem Holzweg bist.«

»Ach, lass mich in Ruhe!«

»Nein, im Ernst, die Frau hat dir alles Blut aus deinem Hirn geraubt. Du brauchst es aber, denn du hast schließlich eine Verantwortung, als Anwalt in unserer Kanzlei und als Politiker.«

»Bist du fertig? Dann geh bitte!.«

»Nein Mann, ich wollte mit dir arbeiten!«

»Mir geht es aber nicht gut heute. Kannst du das nicht allein machen?«

»Ich hab dir schon mal gesagt, dass ich auch ein Recht auf ein Privatleben habe, klar?«

»Ja, ist ja schon gut, du hast ja recht! Aber heute bin ich nicht leistungsfähig. Ich gehe besser nach Hause.«

»Langsam mache ich mir echt Sorgen um dich. Du warst doch auf einem guten Weg, als du bei Frances kapiert hast, dass die Weiber alle Miststücke sind.«

»Hör auf! Das ist Quatsch! Doch nicht alle!«

»Die kleine dralle Nutte nicht, oder was?«

»Wenn du nicht aufhörst, sie Nutte zu nennen, platze ich, Freundschaft hin oder her.«

»Ach du Scheiße! Dich hat’s ja erwischt!«

»Einen Scheiß hat’s! Und jetzt verschwinde!«

»OMG! Der Himmel stehe dir bei! Das ist der Anfang vom Ende! Schlag sie dir bloß aus dem Kopf!«

»Noch einmal: Quatsch! Wenn du nicht verschwindest, fliegt gleich der Briefbeschwerer in deine Richtung!«

»Getreu unserem Motto: Rechtsberatung mit Niveau!«

»Jay!!!«

»Bin ja schon weg!«, ruft er und knallt mit der Tür.

Mein Kopf sinkt auf den Schreibtisch, mehrmals schlage ich ihn auf die Platte. Der Schmerz tut gut.

Ich sollte wirklich nach Hause gehen.

 

»Oh du bist schon da? Ich hab das Mittagessen noch gar nicht fertig, ist doch erst elf.« Susan, meine langjährige Haushälterin, die schon meine Nanny war, wirkt besorgt.

»Ja, macht nichts. Mir geht’s nicht gut, hab gar keinen Hunger«, sage ich und setze mich in die Küche.

»Was ist los? Setzt dir die Geschichte mit Ella zu?«

»Ach … ist doch Quatsch!«

»Also ja.«

»Susan, was soll das? Du mochtest sie doch gar nicht.«

»Als ich gemerkt habe, dass sie nicht so ist wie deine anderen geldgierigen Schlampen, schon.«

»Wie auch immer … es hat nicht gepasst«, antworte ich genervt.

»Gefühle standen nicht im Vertrag, ja?«

»So ähnlich. Gefühle machen angreifbar und sind nervenaufreibend, das kann ich nicht gebrauchen.«

»Ja, so ist das nun mal. Du brauchst auch jemanden an deiner Seite, wie jeder normale Mensch.«

»Und das soll jetzt plötzlich Ella sein? Ganz neue Töne.«

»Das weiß ich nicht. Das kannst nur du wissen.«

»Ich weiß es auch nicht. Ich kann mit ihren Gefühlen nicht umgehen.«

»Anscheinend kannst du auch mit deinen Gefühlen nicht umgehen.«

»Susan, kannst du dich ausnahmsweise einmal wie eine Haushälterin benehmen und nicht wie meine Mutter?«

»Klar, wenn du dich erwachsen benimmst und nicht wie ein pubertierender Teenager. Hast du mal darüber nachgedacht, was das für Gefühle sind, die du hast?«

»Keine Ahnung … es fühlt sich hier so leer an. Aber das kann doch gar nicht sein, ich kenne sie doch erst ein paar Tage.«

»Dann lerne sie und deine Gefühle besser kennen.«

Ich seufze. Dass Susan auch immer so hartnäckig bleiben muss.

»Susan, das ist meine Sache. Gefühle machen alles nur kompliziert … immer.«

»Ja, das tun sie manchmal. Aber sie machen das Leben auch reicher und schöner.«

»Lass mich in Ruhe … bitte … das ist meine Sache.«

»Genau, wie ich schon sagte: Deine Entscheidung … deine Fehler.«