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Petra Liermann

 

Eine Seele, zwei Körper

Der Weg der Dualseelen in eine glückliche Beziehung

 

Ein Buch aus dem FRANZIUS VERLAG

 

Cover: Jacqueline Spieweg

Bildlizenzen: Shutterstock

Korrektorat/Lektorat: Petra Liermann

Verantwortlich für den Inhalt des Textes

ist die Autorin Petra Liermann

Satz, Herstellung und Verlag: Franzius Verlag GmbH

Druck und Bindung: SDL, Berlin

 

ISBN 978-3-96050-119-0

 

 

Alle Rechte liegen bei der Franzius Verlag GmbH

Hollerallee 8, 28209 Bremen

 

Copyright © 2018 Franzius Verlag GmbH, Bremen

www.franzius-verlag.de

 

 

 

 

 

 

 

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

 

 

 

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das Erkennen einer Dualseele … oder: Ist er´s oder ist er´s nicht?

Die Entscheidung für ein Leben als Teil eines Dualseelenprozesses … oder: Was zum Henker hat mich da denn wieder geritten?

Die verschiedenen Inkarnationen … oder: Warum ist mein anderer Teil nur wie ein Alien für mich?

Die zwei Rollen in der Dualseelenbeziehung … oder: Wie kann der nur so mit mir umgehen?

Das erste Treffen … oder: Und das ist wirklich Liebe?

Der Liebeskummer des Gefühlsklärers … oder: Wie bewege ich ihn endlich in meine Richtung?

Der Weg zur Selbstliebe … oder: Was tue ich, wenn mich einfach keiner lieben will?

Das Leben im Hier und Jetzt ist schön … oder: Warum habe ich das nicht vorher gewusst?

Liebe hoch zwei … oder: Wie konnte ich jemals anders leben?

Aus dem Klammerer wird der Loslasser … oder: Warum soll ich etwas hergeben, was ich doch will?

Die Spiegel-Methode … oder: Was will der Gefühlsklärer mir jetzt schon wieder sagen?

Was sonst noch helfen kann … oder: Steht es in den Sternen?

Stolpersteine auf dem Weg zur Dualseelenbeziehung … oder: Wo ist das nächste Fettnäpfchen?

Die Notwendigkeit, ehrlich zu sich selbst zu sein … oder: Aber ich will doch auch so was!

Der Kurs zum Glücklichsein … oder: Wie arbeite ich am besten an unserem Glück?

Woche 1

Woche 2

Woche 3

Woche 4

Woche 5

Woche 6

Woche 7

Woche 8

Woche 9

Woche 10

Woche 11

Woche 12

Woche 13

Woche 14

Woche 15

Woche 16

Woche 17

Woche 18

Woche 19

Woche 20

Woche 21

Woche 22

Woche 23

Woche 24

Woche 25

Woche 26

Woche 27

Woche 28

Woche 29

Woche 30

Woche 31

Woche 32

Woche 33

Woche 34

Woche 35

Woche 36

Woche 37

Woche 38

Woche 39

Woche 40

Woche 41

Woche 42

Woche 43

Woche 44

Woche 45 und 46

Woche 47

Woche 48

Woche 49

Woche 50

Weiterführende Hinweise

Weitere Veröffentlichungen der Autorin im Franzius Verlag:

Veröffentlichungen des Franzius Verlages:

 

 

Vorwort

 

Der Büchermarkt ist voll von Büchern über die alles umfassende, bedingungslose Liebe zwischen zwei Menschen. Vorzugsweise überraschend und zwischen zwei Partnern, die sich auch noch dagegen wehren, aber vollkommen machtlos im Angesicht der Heftigkeit ihrer Gefühle sind. Schnulzen treiben vor allen Dingen Frauen zu Heulkrämpfen und werden verschlungen wie ein Stück Brot durch einen Halbverhungerten. Alles und Jeder sehnt sich nach dieser Liebe, wünscht sich seine eigene Liebesgeschichte, die so romantisch ist, wie es in Büchern und Filmen immer beschrieben wird, und hängt doch fest in einer Normalo-Beziehung, was zu einem tiefen und bedauernden Seufzer führt. Es sind eben nur Geschichten …

Oder eben auch nicht. Denn die Liebe zwischen Dualseelen ist genau das: plötzlich, überraschend, vollkommen überwältigend und lebensverändernd. Doch wer nun meint, dass all diejenigen zu beneiden sind, die das erleben dürfen, liegt weit daneben. Der Dualseelenprozess erfordert harte Disziplin, große Leidensfähigkeit und ähnelt einem Studium der Medizin oder Rechtswissenschaften: Lernen, lernen und nochmals lernen. Doch von nichts kommt nichts oder wie war der Spruch, den uns unsere Eltern schon eingehämmert haben?

Ich weiß nicht, ob es meinen eigenen Prozess beschleunigt hätte, wäre da jemand gewesen, der vor Jahren schon ein Buch wie dieses geschrieben hätte. Doch glaube ich fest daran, dass das Verständnis gewisser Abläufe hilfreich ist und zumindest den Schmerz lindern kann. Denn eins kann man mit Sicherheit sagen: Weder der eine noch der andere Teil in einer Dualseelenbeziehung ist in der Lage, den anderen ausreichend zu verstehen.

Starten wir also mit dem Versuch, den Seelenpartner und die Abläufe im Prozess hin zur erfüllenden Beziehung zu erklären 

Das Erkennen einer Dualseele …

... oder: Ist er´s oder ist er´s nicht?

 

Die meisten Menschen, die ihrer Dualseele begegnen, haben sich noch nie über dieses Thema Gedanken gemacht. Die Stärke der Gefühle und die außergewöhnlichen Verläufe werden jeden aber über kurz oder lang an den Punkt bringen, nach Erklärungen zu suchen. Und hier trifft man dann unweigerlich irgendwann auf dem Begriff der Dualseele.

Es gibt einen großen Kreis von Menschen, die angeblich oder wirklich ihrer Dualseele begegnet sind. Viele träumen von dieser Begegnung, weil sie damit bedingungslose, romantische und allumfassende Liebe verbinden, sich aber nicht im Klaren darüber sind, dass mit dieser Verbindung einer der härtesten Prozesse im Leben verbunden ist, der zugleich äußerst schmerzhaft sein kann.

Diejenigen, die wirklich ihre Dualseele kennenlernen durfte, aber noch in keiner festen Partnerschaft mit ihr leben, werden alle – und das ohne Ausnahme – in einem Prozess sein, der zum Ziel das Loslassen und am Ende die Eigenliebe hat. Und sie werden mehr oder weniger Schmerz empfinden, besser oder schlechter mit ihren Lernaufgaben klarkommen und meistens die Anforderungen an sich als zu groß empfinden, weil der Dualseelenprozess jeden Menschen an den Rand seiner Möglichkeiten bringt.

Es gibt fünf Merkmale, die als Alleinstellungsmerkmale für eine Dualseele angesehen werden können und in einer Entwicklung erkennbar werden:

 

- Vom ersten Augenblick an besteht ein Gefühl tiefer Verbundenheit. Man hat den Eindruck, sich schon ewig zu kennen. Gleichzeitig besteht auf beiden Seiten eine Vertrautheit, die sich keiner erklären kann. Fast sofort hat man zur Dualseele ein uneingeschränktes Vertrauen, sich zu öffnen.

- Das auf den ersten Blick erstaunlichste Merkmal ist die Tatsache, dass es scheinbar keine Entsprechung mit dem klassischen Bild des Traumpartners gibt. Dementsprechend fehlt bei den Meisten auch der spontane Wunsch, mit diesem Menschen eine Partnerschaft einzugehen, weil die Prägungen auf einen bestimmten Typ zu stark sind und das Gehirn dies so schnell nicht umsetzen kann. Ursache ist, dass das Bild eines idealen Partners von außen geprägt wurde und nicht uns selber komplett entspricht, weil es von unserem Gehirn vorher gefiltert wurde. Es besteht also keine besondere Anziehung am Anfang der Beziehung.

- Fast von Beginn an verfügen die Dualseelenpartner über ein scheinbar übernatürliches Wissen über das Denken und Fühlen des Anderen. Es wird Momente geben, in denen ein ganz außergewöhnliches Einheitsgefühls auftritt. Genauso funktioniert etwas wie Telepathie zwischen Dualseelen, die die Gedanken des anderen zwar nicht unbedingt von Anfang an als solche wahrnehmen, aber dann einen Drang verspüren, auf etwas zu reagieren, was bewusst gar nicht wahrgenommen wurde. Viele Dualseelen haben Visionen, in denen sie den anderen in einer bestimmten Situation sehen, ihn fühlen oder reden hören, obwohl er kilometerweit entfernt ist. Auch gemeinsame Träume kommen vor, die sich deutlich von normalen Träumen unterscheiden und die von beiden aus der jeweiligen Perspektive eins zu eins wiedergegeben werden können.

- Dualseelen haben oftmals das Gefühl, dass Zeit im Zusammensein nicht existiert, dass sie erstaunt feststellen, dass Stunden vergangen sind, obwohl sie glauben, erst ein paar Minuten miteinander verbracht zu haben.

- Die Gespräche von Dualseelen können auch nach langen Unterbrechungen nahtlos fortgeführt werden. Es ist egal, wie viel Zeit wirklich vergangen ist.

 

Bei manchen Dualseelen sind die Merkmale ausgeprägter vorhanden, doch sie sind immer da.

Es ist wichtig, sich selbst ehrlich dahingehend zu prüfen, denn es gibt auch »falsche« Dualseelen, die ein wichtiger Schritt im Leben eines Menschen sind, jedoch lediglich das Ziel verfolgen, auf den richtige Weg zu kommen. Auch diese erkennt man an bestimmten Zeichen:

 

- Eine »falsche« Dualseele handelt nie aus Liebe heraus. Sie wird Energie ziehen, aber nie welche zurückgeben. Der Partner wird regelmäßig im Stich gelassen oder alleine gelassen, wenn es ihm nicht gut geht, eine tiefere Verbindung ist nicht möglich.

- Eine »falsche« Dualseele spielt eine Rolle, sie lässt nicht erkennen, wer sie wirklich ist. Dies geschieht mit der Absicht, dem Anderen Energie zu entziehen und den größten persönlichen Nutzen daraus ziehen zu können. Im Umkehrschluss wird von ihr auch nichts zurückgegeben.

- Eine »falsche« Dualseele wird komplett andere Überzeugungen vertreten, Werte werden sich massiv unterscheiden und ein gemeinsames Ziel wird von beiden nie definiert werden können. Hier ist es wichtig, zwischen Prägungen und Werten zu unterscheiden. Während die Prägungen bei Dualseelen zwei scheinbar völlig unterschiedliche Menschen hervorgebracht haben, die auf den ersten Blick wenig gemein haben, sind es bei »falschen« Dualseelen die Werte, die andere sind. Wirkliche Dualseelen werden hierin übereinstimmen.

- Eine »falsche« Dualseele wird die Schwächen des anderen ausnutzen und zum eigenen Vorteil missbrauchen. Eine wirkliche Dualseele erkennt die Stärken und wird intuitiv wissen, dass die Förderung des Partners zum eigenen Vorteil geschieht.

 

Viele Punkte kann man nur im Verlauf der Beziehung herausfinden, doch hilft das Bauchgefühl immer, die richtige Entscheidung zu treffen. Es ist nicht wünschenswert, sich durch das innere Drängen, endlich auch eine Dualseele zu finden, auf einen falschen Dualseelenweg zu begeben, jedoch ist auch dieser sehr lehrreich und kann helfen, es im späteren Leben mit der »echten« Dualseele einfacher zu haben.

Die Entscheidung für ein Leben als Teil eines Dualseelenprozesses …

… oder: Was zum Henker hat mich da denn wieder geritten?

 

Diese Frage wird sich jeder, der Teil einer Dualseelenpartnerschaft ist, das eine oder andere Mal sicherlich stellen. Da waren wir gerade raus aus einer Inkarnation mit vielen Erfahrungen und angekommen in der wundervollen Welt der allumfassenden Liebe, als uns auch schon die Idee kam, auf einmal besonders viele Erfahrungen in einer Inkarnation machen zu wollen, damit wir endlich mal damit durch sind. Und so schien es uns sicherlich eine hervorragende Möglichkeit, unsere Seele in zwei Teile aufzuteilen. Der eine Teil macht diese Erfahrungen, während der andere die anderen erledigt. Nebenbei wäre man dann auch noch der ideale Spiegel, um wirklich auch alles an Erfahrungen mitnehmen zu können, was geht.

In der Theorie sicher ein gut eingefädelter Plan, würden nicht manche an der Herausforderung eingehen wie eine Primel.

Verabredungen der Seelen, sich gegenseitig zu bestimmten Erfahrungen während einer Inkarnation zu verhelfen, dürften für die meisten keine große Neuigkeit sein. Eine vielzitierte Geschichte ist hierzu die der kleinen Seele:

 

»Du kannst Dir aussuchen, was für einen Teil von Gott du sein möchtest«, sagte Gott zu der kleinen Seele. »Du bist absolute Göttlichkeit, die sich selbst erfährt. Welchen Aspekt der Göttlichkeit möchtest du nun als dein Selbst erfahren?«

»Du meinst, ich habe die Wahl?«, fragte die kleine Seele.

»Ja.« antwortete Gott. »Du kannst dir jeden Aspekt der Göttlichkeit aussuchen, den du in deinem als und durch dein Selbst erfahren möchtest.«

»Okay«, sagte die kleine Seele, »dann wähle ich Vergebung. Ich möchte mein Selbst als jenen Aspekt Gottes erfahren, den man vollkommene Vergebung nennt.«

Nun, das war keine geringe Herausforderung, wie man sich vorstellen kann. Es gab niemanden, dem man hätte vergeben können. Alles, was Gott geschaffen hat, ist Vollkommenheit und Liebe.

»Keiner, dem zu vergeben wäre?«, fragte die kleine Seele etwas ungläubig.

»Keiner«, bestätigte Gott. »Schau dich um. Siehst du irgendwelche Seelen, die weniger vollkommen, weniger wunderbar sind als du?«

Die kleine Seele wirbelte herum und sah sich zu ihrer Überraschung von allen Seelen im Himmel umgeben. Sie waren von fern und nah aus dem ganzen Reich gekommen, weil sie gehört hatten, dass die kleine Seele ein außergewöhnliches Gespräch mit Gott führte.

»Ich sehe niemanden, der weniger vollkommen wäre als ich!«, rief die kleine Seele. »Wem soll ich denn dann vergeben?«

Da trat eine andere Seele aus der Menge hervor. »Du kannst mir vergeben«, sagte die freundliche Seele. 
»Ich werde in deinem nächsten physischen Leben zu dir kommen und etwas tun, wofür du mir vergeben kannst«, erwiderte die freundliche Seele.

»Aber was? Was könntest du, ein Wesen so vollkommenen Lichts, tun, das ich vergeben sollte?« erkundigte sich die kleine Seele.

»Oh«, gab die freundliche Seele lächelnd zurück. »Ich bin sicher, wir können uns da etwas einfallen lassen.«

»Aber warum würdest du das tun wollen?« Der kleinen Seele war es ein Rätsel, warum ein Wesen von so hoher Vollkommenheit tatsächlich etwas »Schlechtes« tun wollte.

»Ganz einfach, ich würde es tun, weil ich dich liebe«, erklärte die freundliche Seele. »Du möchtest dein Selbst als vergebend erfahren, nicht wahr? Abgesehen davon hast Du dasselbe für mich getan.«

»Das habe ich?«, fragte die kleine Seele.

»Natürlich. Erinnerst du dich nicht mehr? Wir sind alles davon gewesen, du und ich. Wir sind das Oben und Unten, das Linke und das Rechte davon gewesen. Wir waren das Hier und das Dort und das Jetzt und das Dann. Wir waren das Große und das Kleine, das Männliche und das Weibliche, das Gute und das Schlechte davon. Wir alle waren das Alles davon. Und das taten wir aufgrund einer Vereinbarung, damit jede von uns sich, wir alle uns als den großartigsten Teil Gottes erfahren konnten. Denn wir haben verstanden, dass in der Abwesenheit dessen, was du nicht bist, das, was Du bist, nicht ist. In der Abwesenheit von kalt kannst du nicht warm sein. In der Abwesenheit von traurig kannst du nicht glücklich sein, ohne ein Ding, das man ›Böse‹ nennt, kann die Erfahrung, die man das ›Gute‹ nennt, nicht existieren.

Wenn du die Wahl triffst, etwas zu sein, dann muss irgendetwas oder irgendjemand im Gegensatz dazu irgendwo in deinem Universum auftauchen, um das zu ermöglichen.«
Dann erklärte die freundliche Seele, dass diese Wesen Gottes »Spezialengel« und diese speziellen Umstände Gottes Geschenke sind.

»Ich bitte dich nur um eines im Austausch dafür«, sagte sie schließlich.

»Alles, was es auch sei!«, rief die kleine Seele. Das Wissen, dass sie die Erfahrung von jedem Aspekt Gottes machen konnte, machte sie ganz aufgeregt. Sie verstand nun den Plan.

»In dem Augenblick, in dem ich dich schlage und peinige, in dem Moment, in dem ich dir das Schlimmste antue, das du dir je vorstellen kannst – genau in diesem Augenblick …«, so sagte die freundliche Seele, »... solltest du dich daran erinnern, wer ich wirklich bin.«

»Oh, ich werde es nicht vergessen!«, versprach die kleine Seele. »Ich werde dich in all der Vollkommenheit erkennen, in der ich dich jetzt sehe, und ich werde mich immer daran erinnern, wer du bist.«

»Weißt du, ich werde mich so verstellen müssen, 
dass ich mich selbst vergessen werde. Und wenn du dich nicht erinnerst, wie ich wirklich bin, dann werde ich mich selbst für eine sehr lange Zeit auch nicht daran erinnern können. Wenn ich vergesse, wer ich bin, dann kann es passieren, dass auch du vergisst, wer du bist.

Und dann sind wir beide verloren. Dann brauchen wir eine weitere Seele, die in unser Leben kommt und uns daran erinnert, wer wir wirklich sind.«

Doch die kleine Seele versprach noch einmal: »Nein, wir werden nicht vergessen, wer wir sind!

Ich werde mich an dich erinnern! Und ich werde dir sehr dankbar dafür sein, dass du mir dieses große Geschenk machst – das Geschenk, dass ich erfahren darf, wer ich wirklich bin.«

Und so schlossen die beiden Seelen ihre Vereinbarung. 
Die kleine Seele begab sich in ein neues Erdenleben. 
Sie war ganz begeistert, dass sie das Licht war, das so besonders war, und sie war so aufgeregt, dass sie jener Teil des Besonderen sein durfte, der »Vergebung« hieß. 
Sie wartete begierig darauf, sich selbst als Vergebung erfahren zu können und der anderen Seele dafür danken zu dürfen, dass sie diese Erfahrung möglich gemacht hätte. Und in jedem Augenblick dieses neuen Erdenlebens, wann immer eine neue Seele auftauchte, ob sie nun Freude oder Traurigkeit brachte – natürlich besonders, wenn sie Traurigkeit brachte –, fiel der kleinen Seele ein, was Gott ihr einst mit auf den Weg gegeben hatte:

»Denke stets daran:«, hatte Gott mit einem Lächeln gesagt, »Ich habe dir immer nur Engel geschickt!«

 

(Quelle: N.D.Walsh: Gespräche mit Gott)

 

Der Dualseelenprozess ist ein ähnlicher, darf jedoch ohne Weiteres als die Königsdisziplin bezeichnet werden.

Es ist also nicht erstaunlich, wenn unsere Seelen so manches Mal an der Herausforderung scheitern und zwei oder gar mehrere Anläufe brauchen, um diese zu meistern. Doch schaffen wir es, haben wir etwas erreicht, das unsere Inkarnation zum Himmel auf Erden macht und uns in unserer seelischen »Laufbahn« ein gutes Stück weiterbringt.

Ich glaube nicht, dass jede Seele sich so einfach in einen Dualseelenprozess begeben kann und bin der Überzeugung, dass schon einige Inkarnationen erledigt worden sein müssen, um hierfür bereit zu sein. Doch ist dies weder ein Grund, sich als besonders privilegiert zu betrachten, noch eine Absicherung gegen Scheitern.

Wie dem auch sei – und genau wird uns niemand diese Frage beantworten können – : Wir haben aus gutem Grund und mit den besten Voraussetzungen die Entscheidung getroffen, in zwei Teilen in vollkommen unterschiedliche Leben zu inkarnieren und uns bei passender Gelegenheit wieder zu vereinen.

Die verschiedenen Inkarnationen …

… oder: Warum ist mein anderer Teil nur wie ein Alien für mich?

 

Bekanntermaßen suchen wir uns unsere Eltern, unsere Umgebung und unsere Lebensumstände vor der Inkarnation sehr bewusst aus, um genau die Rahmenbedingungen vorzufinden, die es uns ermöglichen, die Erfahrungen machen zu dürfen, die wir uns vorgenommen haben.

Nun wäre es vollkommen sinnlos, sich aufzuteilen, wenn der andere nicht ganz andere Erfahrungen machen würde. Das heißt nicht unbedingt, dass ein Teil ein berühmter Filmstar in Hollywood werden muss, während der andere am Hungertuch in einem Dritte-Welt-Land nagt. Es bedeutet aber schon, dass sich auch in ein und derselben Stadt und auf dem gleichen sozialen Level zwei vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten entwickeln können. Alles ist hier möglich. Auch werden beide nicht immer im selben Jahr geboren oder gar am selben Tag. Doch erstaunlich häufig sind die Sternzeichen von Dualseelen gleich.

Fakt ist, dass Jahre zwischen den einzelnen Inkarnationen liegen können und die Geburtsorte und Lebensumstände genauso oft unterschiedlich wie extrem ähnlich sind. Trotzdem ist sicher, dass beide Teile sich vollkommen unterschiedlich entwickeln werden. Sie werden mit Werten und Prägungen durchs Leben gehen, die verschiedener nicht sein könnten, werden mit Situationen und Problemen vollkommen anders umgehen als der andere Teil.

Dies ist nicht einfach nur eine besondere Erschwernis, für die wir hinterher ein paar Sternchen bekommen, sondern eine Notwendigkeit, die es beim späteren Zusammentreffen ermöglichen wird, unsere Ziele wirklich zu erreichen. Diese Verschiedenheit bietet uns erst die Chance, jede kleine Veränderung sofort zu spüren und den richtigen Weg zu wählen.

Unser idealer Spiegel ist ein Mensch, der vollkommen anders reagiert, denkt und fühlt. Und den haben wir in unserer Dualseele gefunden.

Wir arbeiten also unser ganzes Leben darauf hin, diesen einen Menschen zu treffen – unterbewusst und perfekt geführt. Haben wir ihn dann gefunden, mag ihn unsere Seele vielleicht erkennen, unser Kopf sagt aber definitiv: »Was sollst ich denn mit der/dem anfangen?«

Oftmals treffen in diesem Moment zwei Menschen aufeinander, die kaum etwas miteinander gemein haben: Während der eine seinen Sommerurlaub am Strand verbringt, fährt der andere Wandern. Der eine isst gerne Fisch, der andere ist Vegetarier. Teil A mag es lieber ruhig, während Teil B auf Party nicht verzichten kann und während er sich nur auf dem Land wohlfühlt, will sie auf keinen Fall auf die Stadt verzichten. Denkbar ungünstig. Doch auch bei der Handhabung bestimmter Dinge, den Denkweisen und Herangehensweisen an bestimmte Gegebenheiten ist es ähnlich, und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Ist ein Teil für seine Freunde ein offenes Buch, ist der andere extrem sparsam damit, sich zu offenbaren. Sucht A für jedes Problem Hilfe im Außen, macht B alles mit sich alleine aus.

Diese Verschiedenartigkeit ist wichtig und nur durch den Weg, der zu ihr geführt hat, können wir sicher sein, ein Maximum an Erfahrungen »abgearbeitet« zu haben. Doch die Wahrscheinlichkeit, mit einem solchen Menschen eine Beziehung führen zu können, erscheint im ersten Augenblick gleich Null.

Eigentlich brauchen Dualseelen ein Lexikon oder eine Gebrauchsanweisung, um einigermaßen mit ihrem anderen Teil zurechtkommen zu können. Nichts ist uns fremder als dieses Verhalten, nichts unmöglicher, als diese Denkweise zu verstehen. Und auch ausführliche Erklärungen helfen oftmals nicht, denn diese Methoden sind uns so fremd wie nichts anderes auf dieser Welt.

Doch eine Eigenschaft, nämlich der Umgang mit Gefühlen, bringt uns zu einem Charakteristikum, das alle Dual-seelen auszeichnet.

 

Die zwei Rollen in der Dualseelenbeziehung …

… oder: Wie kann der nur so mit mir umgehen?

 

Es gibt verschiedene Arten des Umgangs mit Gefühlen, die wir uns in unserem Leben oftmals schwer und besonders schmerzhaft erarbeitet haben. Unser Gehirn hat realisiert, dass Schmerz nicht gut und sogar gefährlich für uns ist und so haben wir vielleicht beschlossen, diesen Schmerz einfach zu vermeiden. Kleine Gefühle = kleiner Schmerz, große Gefühle = großer Schmerz. Dementsprechend hoch bauen wir unsere Mauer um unser Herz, dass dieser Schmerz erst gar nicht mehr eintreten kann.

Sind wir oft verlassen worden, haben wir vielleicht sogar einen Partner oder geliebten Menschen durch Tod verloren, hat unser Gehirn mit tiefen Gefühlen auch die tiefen Verletzungen verbunden und beschlossen, dass es für uns gefährlich ist, so zu empfinden. Tiefe Gefühle werden also vermieden und Verdrängung ist eine unserer Lieblingssportarten geworden. Dieses Verhalten haben wir trainiert, kultiviert, gehegt und gepflegt. Und so gehen wir durchs Leben, verdrängen alles, was uns gefährlich werden könnte, und fahren eine Mauer um unserer Gefühle hoch, so dass diese uns in unserem Leben nicht mehr gefährlich werden können.

Alternativ ist es aber auch möglich, dass wir immer nach Liebe gesucht haben und es unser erklärtes Ziel im Leben ist, diese endlich zu bekommen. Unser Gehirn ist der Überzeugung, dass Liebe das erklärte Lebensziel sein muss, und klammert sich an allem fest, was nach Liebe aussieht. Aufgeben gibt es nicht. Wir geben alles von uns, um Liebe zu erhalten und sind unterbewusst der festen Überzeugung, dass mit genügend Leistung und Anstrengung diese Liebe irgendwann erreicht werden kann. Haben wir dann einmal echte Liebe gefunden, können wir diese nicht loslassen und müssen alles tun, um sie zu halten. Alles in uns ist auf die Angst gerichtet, diese Liebe wieder zu verlieren. Ein »Nein« ist für uns nicht nur unverständlich, sondern auch noch im höchsten Maße inakzeptabel.