001

Elke Heidenreich (Hg.)

Ein Traum von Musik

46 Liebeserklärungen

Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann

Die Texte in diesem Buch sind in neuer Rechtschreibung gesetzt,
mit Ausnahme von:

Heiner Geißler, Musikalische Offenbarungen

Peter Hamm, Menschwerdung musikalisch.
Tagebuch einer Lebensgeschichte als Musikgeschichte

Helmut Krausser, Bergungsarbeit

Herbert Rosendorfer, Ganz innen bin ich ein lustiger Mensch

















1. Auflage

© der Originalausgabe 2010 by Edition Elke Heidenreich

bei C. Bertelsmann, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-04870-9



www.edition-elke-heidenreich.de

Inhalt

ELKE HEIDENREICH

Man verliebt sich immer in die Musiker

JOHANNA ADORJÁN

Das Mädchen neben dem Flügel

SENTA BERGER

Mein bleicher Vater

KETIL BJØRNSTAD

Das grüne Auge

ELKE MASCHA BLANKENBURG

Rosen für Fanny Mendelssohn

CHRISTIAN BRÜCKNER

Musikstunden

CAMPINO

Als ich meinen neuen Mantel zum letzten Mal trug

GEORGES DELNON

Trinkt Turandot Tee? Ein Gespräch mit Musik und Schnaps

FRIEDHELM DÖHL

Musik meines Lebens

JÜRGEN FLIMM

Lieber Kurt. Über die Matthäus-Passion

GÜNTHER FREITAG

Elsa

HEINER GEISSLER

Musikalische Offenbarungen

KAROLINE GRUBER

Musik kann Leben retten

ENOCH ZU GUTTENBERG

Vom lieben Gott erzählen

Axel Hacke

In meinem Elternhaus gab es keine Musik

Peter Hamm

Menschwerdung musikalisch. Tagebuch einer
Lebensgeschichte als Musikgeschichte

ANDRÉ HELLER

Heimweh nach sich selbst

HANS WERNER HENZE

Lieder im Herbst

DIETER HILDEBRANDT

Verzweiflung mit Ravel

OLIVER HILMES

Mit Gustav Mahler in Viersen

UDO JÜRGENS UND MICHAELA MORITZ

Spiel des Lebens

HELMUT KRAUSSER

Bergungsarbeit

MAREN KROYMANN

Vom Mädel zum Fräulein,vom Fräulein zur Frau

MICHAEL KRÜGER

Schubert, Impromptus

URSULA VON DER LEYEN

Die wahre Welt ist Musik

REINHARD MEY

Gib mir Musik

ARMIN MUELLER-STAHL

Das Geheimnis bewahren

KENT NAGANO

Musik – was ist das?

VERA NEMIROVA

Heute: Ariadne auf Naxos

HANS NEUENFELS

Die Rosen, sie blühn und verwehen, Wir werden das
Christkindlein sehen!

LEOLUCA ORLANDO

Das Unsichtbare sehen, die Stille hören

HANNS-JOSEF ORTHEIL

Mein Leben mit Robert Schumann

Thomas Quasthoff

Budenzauber und Belcanto

HERBERT ROSENDORFER

Ganz innen bin ich ein lustiger Mensch

ISABELLA ROSSELLINI

Blue Velvet

WOLFGANG RÜB

Klavier spielen können

MICHAEL SCHINDHELM

Ein einziges Zuhören

VOLKER SCHLÖNDORFF

Der Funke des Göttlichen

MANFRED SCHOOF

Moments musicaux

BERND SCHROEDER

Sarahs Melodie

JULIA SPINOLA

Die Musik, das Hören und das Schreiben

CHRISTIAN UDE

Bekenntnisse eines Unmusikalischen

Tomi Ungerer

Zwischen Lärm und Klang

JAN WEILER

Hüsteln bei Horowitz

ROGER WILLEMSEN

Billie Holiday – Strange Fruit

HANNS ZISCHLER

Musik, Musik kann Euch vom Tod erlösen!

ELKE HEIDENREICH

Man verliebt sich immer in die Musiker

Meine Mutter und ich, wir hatten es nicht leicht miteinander. Die im Krieg verhärtete Frau mit dem zu späten Kind, sie war fast vierzig, das im Krieg geborene, schwierige, aufsässige Kind, der früh fehlende Vater – es gab unendlich viele Konflikte und doch einen immer wieder funktionierenden Punkt der Versöhnung: die Musik. Wenn im Radio klassische Musik lief, wurden wir beide weich, freundlich, lächelten uns wieder an und machten uns auf schöne Stellen aufmerksam, und meine Mutter sagte: »Als ich schwanger war, mitten im Krieg, habe ich mir, wann immer es ging, das Radio auf den Bauch gelegt, ich wollte unbedingt ein musikalisches Kind.«

Ist es ein Wunder, dass meine erste große Liebe, 1957, ein Klavier spielender Junge mit blauen Augen aus meiner Schule war? Er hieß Wolf. Wir andern tanzten Volkstänze, er spielte. Er besuchte mich zu Hause, ich hatte ein schäbiges Kleinklavier. Er spielte, und unsere armselige Wohnung leuchtete und wurde schön mit seinen Tönen. Also galt mein erster Kuss aus meinem vollen, vierzehnjährigen Mädchenherzen ihm, dem Pianisten.

Mit siebzehn war es ein Geiger aus einem sogar berühmten Orchester, er war viel älter als ich, hieß Joachim, hatte eine Freundin fürs Bett, aber ich war die Märchenprinzessin, weil ich ihn einfach nur anhimmelte. Er spielte mir stundenlang vor, und ich bewunderte und liebte und schmachtete und hatte lange Jahre Schwierigkeiten mit Brahms, weil mein Geiger Brahms nicht mochte.

Dann kam eine große unglückliche Liebe während der Studentenzeit, kein Wunder, der Mann war unmusikalisch. Ich kann sagen, dass es immer wieder Liebesversuche mit unmusikalischen Männern gab – sinnlos. Ich brauche einen, der ein Instrument spielt, ins Konzert geht, von der Oper schwärmt. Dann habe ich das Gefühl, dass in der Liebe Seele steckt. Ich habe mich schon oft geirrt, bin aber aus solcherart Schaden nie klug geworden. Meine größte Liebe bleibt natürlich unerfüllt – Thomas Hampson ist glücklich verheiratet.

Dabei muss es nicht immer nur Klassik sein! Ich war oft genug verliebt in den Gitarristen der Band, und wenn einer einen guten Song sang, hatte er mein Herz.

Zwölf Jahre lang legte ich im »Pop Shop« in SWF 3 Platten auf, viele Nächte lang. Ich wusste, was der richtige Song zur richtigen Zeit bedeutet. Und ich schickte immer wieder diesen Sehnsuchtsruf der Hörer durch den Äther:

Pilot of the airwaves,

here is my request:

you don’t have to play it

but I hope you’ll do your best!

I’ve been listening to your show on the radio,

And you seem like a friend to me.

Charlie Dore hatte das gesungen, und für mich war klar, dass Gefühle, Verständnis, Freundschaft, Liebe nur über die Musik funktionieren konnten, egal, ob Klassik, Jazz, Pop – Hauptsache, die Töne erreichten das Herz mit Wucht und schlugen da ein, wo es wehtat. Der Kopf war genug beschäftigt, aber die Gefühle lagen oft brach, eine Sehnsucht fraß an mir, wie ein kleines trauriges Tier saß sie immer in der Ecke und beruhigte sich nur, wenn ich Bruce Springsteen hörte, Miles Davis, Schubert, und wenn alles ganz schlimm wurde, half nur noch Bach. Er hilft bis heute, und ich liebe das Gedicht von Reiner Kunze, nur ein paar kurze Zeilen, in denen die ganze riesige Kluft zwischen Künstler und Bürokratie, zwischen Kreativität und Verwaltung sichtbar wird. Es lautet:

Zu füßen gottes, wenn

gott füße hat,

Zu füßen gottes sitzt

Bach,

nicht

der magistrat von Leipzig

Das leuchtet ein: Zu Füßen Gottes sitzt sein größter Musiker, und was gibt es Größeres als die Musik? Die Landschaft, die Tiere, die Poesie. Dann die Literatur, die Malerei, alles brauchen wir, aber nichts erreicht uns unmittelbarer als die Wucht der Töne. Orpheus hat seine tote Eurydike damit zum Leben erweckt, und nur, weil er der eigenen Musik nicht traute und sich umdrehte, um zu sehen, ob die Liebste auch wirklich käme, war alles verloren. Augen zu, hören, vertrauen.

Ich wollte immer treu sein, aber da waren dauernd die Musiker, die den guten Vorsätzen den Weg verstellten. Es war wie beim Rattenfänger von Hameln: Es macht einer schöne Musik, und ich schleiche hinterher wie ein paralysiertes Kaninchen.

Ich habe mich dann gerettet vor so vielen Abstürzen, indem ich Musik zu einem Teil meines Berufes machte – über Musik schreiben, für Musik arbeiten, Libretti verfassen und bearbeiten, zwölf Jahre an der Kölner Kinderoper mitwirken, immer nah dran an dem, was Musik kann: in diesem Fall Kinder verzaubern und für sich gewinnen. Mit acht Jahren kamen sie in die Kinderoper, mit achtzehn hatten sie ein Abonnement fürs Große Haus, und ich sah sie und saß im Dunkeln dabei, wenn wieder mal der Vorhang aufging, und ich wusste: Ich war selbst der Rattenfänger geworden.

Und dann diese Edition: Bücher herausgeben, die mit Musik zu tun haben, mit Schriftstellern arbeiten, die – wie Helmut Krausser, wie Hans Neuenfels, wie Günther Freitag oder Barbara Hall, Elena Cheah oder Julian Dawson Musiker oder Musik-Aficionados sind, leidenschaftlich umgetrieben von der Macht der Töne wie ich – es gibt kaum etwas Schöneres, als die eigene große Liebe so zum Lebensthema machen zu können.

Ich war und bin immer verliebt in die Musiker, aber sie sind nur die Vermittler, das Medium – ich liebe durch sie die Musik. Und weil die nicht greifbar, begreifbar, fassbar ist, sind es eben die Musiker, die man küsst, obwohl man doch immer nur die Musik küssen möchte. Aber Schubert ist tot – also liebe ich stellvertretend den, der mir die Wandererfantasie spielt oder darüber schreibt.

So einfach ist das.

An diesem Buch haben Autoren unterschiedlichster Professionen mitgearbeitet, denen aber eines gemeinsam ist: Ob Opernintendanten, Schriftsteller, Politiker, Kabarettisten, Sänger, Komponisten, Verleger, Schauspieler oder Journalisten – alle lieben sie die Musik. Es war eine Freude, ihre Texte zu lesen, zu sammeln, einzuordnen.

Was da alles kam! Ganze Lebensgeschichten und einzelne Liebeserklärungen, einschneidende Erlebnisse und ernste Bekenntnisse neben augenzwinkernden Anekdoten, und da kamen Billie Holiday und Bach, Sammy Davis jr. und Haydn, der neue Mantel und der liebe Gott, die Oper in Palermo und die Schneekönigin, ein Pianist, der nicht mehr spielen kann, und ein Komponist, der nie gespielt wird. Da kamen die Leidenschaft für Puccini, die Verzweiflung mit Ravel und die Verneigung vor Bernd Alois Zimmermann, der göttliche Janácek und der eher unbekannte Tommaso Giordani, es kamen eine ganz besondere Ariadne auf Naxos, eine ganz andere Turandot und der Song »Blue Velvet«, Schubert, der Herr Schumann, Fanny Mendelssohn, Elvis, Belcanto, Gustav Mahler in Viersen und eine traurige Blockflötenmelodie auf einem Lastwagen, Jacques Brel und »Muss i denn zum Städtele hinaus«, die singende und summende Natur, das Hüsteln bei Horowitz und die Suche nach sich selbst, die Trauer und der Trost, die Mafia und die Matthäus-Passion, Fräulein Pracht und Elsa, und immer wieder: das Radio.

Es war ein Glück, das alles nach und nach zu lesen und mit Menschen zu arbeiten, die so etwas fühlen, denken, lieben, beschreiben.

Ich danke allen, die an diesem Buch mitgeschrieben haben – von ganzem Herzen. Die Liebesgeschichte geht weiter, mein ganzes Leben hindurch. Das macht mein Leben zu einem glücklichen, egal, was sonst darin geschieht.

JOHANNA ADORJÁN

Das Mädchen neben dem Flügel

Katharina steht in dem kleinen dunklen Gang vor dem Künstlerzimmer im Münchner Herkulessaal und fühlt sich nicht wohl. Sie trägt einen Rock, was sie sowieso hasst, die Strumpfhose kratzt, und die Schuhe, perforierte Halbschuhe, die sie normalerweise zu Hosen trägt, passen nicht richtig dazu. Aber sie hatte zu Hause keine besseren gefunden, weder in ihrem Schrank noch in dem ihrer Mutter. Eine kleine Treppe hinauf geht es von hier durch eine Eisentür direkt auf die Bühne. Ein Ordner steht schon bereit, sie gleich von innen aufzuziehen. Es ist kurz nach neun. Eben hat es zum dritten Mal geläutet, die Pause ist vorbei, im Saal haben die Leute wieder Platz genommen, noch kann man sie leise miteinander reden hören, aber spätestens wenn das Licht des großen Kronleuchters heruntergedimmt wird, werden sie verstummen, die Programmhefte auf die Knie sinken lassen, ihre Brillen wieder aufsetzen und vorsichtig an einem Pfefferminzbonbon lutschen, gegen den Sektgeschmack und vielleicht ja auch gegen Hustenreiz.

An diesem Abend spielt ein junges Klaviertrio aus Paris, und Katharina blättert dem Pianisten um. Er heißt Gilles, sie hat ihn zehn Minuten vor dem Konzert zum ersten Mal gesehen, und da er ebenso wenig deutsch spricht wie sie französisch, hat sich ihr Kontakt bisher auf gelegentliches Anlächeln und energisches Nicken seinerseits bei schnellen Stellen auf der rechten unteren Notenseite beschränkt. Er sieht ganz nett aus, spielt gut, und Katharina hat nicht ohne Neid bemerkt, dass er mit seinen kleinen, seltsam gelenklosen Händen mühelos zehn Tasten greifen kann. Sie schafft nur neun.

Fünfundvierzig Euro bekommt Katharina für so einen Abend. Es ist ein guter Job, besser als Briefe eintüten oder babysitten bis spät in die Nacht. Wenn die Konzertagentur an einem Abend keinen Umblätterer braucht, verkauft Katharina manchmal zusammen mit einer Freundin Programme. Das macht mehr Spaß, weil man sich dabei unterhalten und während des Konzerts zusammen durch die riesigen, menschenleeren Säle der Residenz laufen und sich vorstellen kann, man wohne hier. Heute Abend verkauft ihre Freundin alleine die Programme. Während Katharina gleich auf die Bühne muss, in ihrem blöden Rock auf dem Stuhl neben dem Klavierhocker Platz nehmen und vor den Augen des Publikums alle paar Minuten oder schneller aufstehen und in der richtigen Sekunde eine Seite umwenden wird, muss sie nur noch die Einnahmen zählen, die Kasse abschließen und ins Büro im dritten Stock tragen, und hat dann Feierabend.

Hinter sich hört Katharina das Geräusch, das es macht, wenn ein Geiger leise über die Saiten zupft. Sie guckt sich um. Gilles steht im Türrahmen des Künstlerzimmers, vor ihm der Geiger, dessen Namen Katharina vergessen hat. Der Ordner nickt. »Dann bitte«, sagt er, oder etwas Ähnliches. Katharina streicht sich die Bluse glatt, die über dem Rock schnell eine Querfalte schlägt, ein Blick zurück, die Franzosen scheinen ihr den Vortritt zu lassen, also geht sie als Erste die paar Stufen zur Tür, die der Ordner jetzt aufzieht, und tritt auf die Bühne hinaus. Im Saal wird immer noch gemurmelt. Sie bemüht sich, den Kopf gerade zu halten, während sie die knapp zwanzig Meter zu ihrem Platz am Flügel geht. Sie weiß, jetzt gucken sie alle an. Eigentlich mag sie das nicht, aber es gehört halt dazu.

Sie setzt sich. Der Geiger tritt in die Mitte der Bühne. Im Saal wird es jetzt dunkler, das Gemurmel verstummt. Wo nur der Pianist bleibt? Katharina dreht sich um. Mit einem heißen Schrecken sieht sie, dass die Tür zum Künstlereingang wieder geschlossen ist. Aber das kann doch nicht … Der Geiger stimmt jetzt sein Instrument. A. Katharina dämmert die Erkenntnis, dass sie einen Fehler gemacht hat. A – E. Dass die anderen sie haben einen Fehler machen lassen. A – D. D – G. Der Pianist wird nicht kommen, und auch der Cellist nicht. Der Geiger wird jetzt ein Solostück spielen, sie hätte das Programm lesen sollen, aber warum hat denn keiner etwas gesagt, warum hat sie denn niemand zurückgehalten, als sie auf die Bühne ging?

Ihr wird heiß und kalt und sofort wieder heiß. Der Geiger hat fertig gestimmt. Gespannte Stille liegt im Saal, wie immer bei Konzerten vor dem ersten Takt, zu spät, noch von der Bühne zu gehen. Sie wagt es nicht, den Blick von den Flügeltasten zu heben. Sie sieht, was in diesem Moment circa 1200 Menschen sehen, der Saal ist fast voll besetzt, nur auf den hinteren Reihen der Ränge sind noch Plätze frei: eine Bühne, auf der jetzt ein Geiger solo spielen wird, und zwei Meter hinter ihm ein Mädchen, das vollkommen ohne Aufgabe dort am unteren Ende des Flügels sitzt, den Blick fest auf die Tasten vor sich gerichtet, die Hände im Rockschoß versenkt.

Sie erkennt die ersten Takte: Bach Solosonate g-Moll. Das bedeutet, wird ihr in diesem vom Licht der auf die Bühne gerichteten Scheinwerfer gnadenlos ausgeleuchteten Moment klar: Sie wird nun vier volle Sätze hier verbringen müssen. Aber wie? Mit welchem Gesichtsausdruck? Wie kann sie dem Publikum verständlich machen, dass sie nicht hier sitzen will? Mit welcher Körperhaltung könnte sie zum Ausdruck bringen, dass dies alles ein fürchterlicher Irrtum ist, nicht ihre Schuld, dass niemand ihr etwas gesagt hatte, sie sehenden Auges in ihr Unglück geschickt worden ist? Sie merkt, dass sie rot wird, fühlt die Blicke der Zuschauer und weiß, dass sie immer röter wird. Ein leuchtendes, kräftiges Rot, von innen fühlt es sich purpurn an.

Der erste Satz ist ein Adagio, ein ruhig getragenes Stück, sie kann den Geiger im Takt schwer atmen hören. Sie erwägt die Möglichkeiten des Verschwindens. Es gibt keine. Kein Loch im Bühnenboden, in das sie hineinschlüpfen könnte, kein Vorhang, der plötzlich von oben zwischen sie und den Geiger fallen und sie vor den Augen des Publikums verbergen könnte. Ohne sich umzudrehen, zählt sie die Schritte bis zur Bühnentür. Dreißig sind es bestimmt, und es wären laute Schritte mit diesen Schuhen auf dem Holzboden, undenkbar laut angesichts der Musik. Der Geiger würde vielleicht abbrechen, wenn er hinter sich Bewegung wahrnehmen würde, er würde die Geige vom Kinn nehmen und sich umdrehen, bevor sie die rettende Tür erreicht hätte, nein, unmöglich, sie sitzt hier fest, gefangen vor aller Augen. Und dann steigt Wut in ihr auf. Wut auf diese blöden Franzosen, die sie nicht aufgehalten haben, auf den Ordner, der das Programm doch kennen muss. Und auf diesen erbärmlichen Pianisten, der auch dann noch glaubt, ihr mit Nicken den Einsatz zum Umblättern geben zu müssen, wenn sie doch schon längst bereitsteht, die Seite in Fingern, sowie der drittletzte Takt auf der rechten Seite erreicht ist. Und der hat nichts gesagt, als er sah, dass sie auf die Bühne ging, wo er doch wusste, er hatte jetzt noch gute zwanzig Minuten Pause.

Der Geiger spielt den ersten Satz langsamer, als Katharina es von ihrem Bruder kennt, der das Stück zu Hause oft übt. Und schlechter, wie sie findet. Zu französisch in der Phrasierung, zu romantisch, und überhaupt, was soll dieses laute Atmen dabei. Wenn er Geigespielen so anstrengend findet, warum hat er nicht einen anderen Beruf gewählt? Die bösen Gedanken beruhigen sie. Sie wagt einen Blick ins Publikum. Die Gesichter der Menschen, im halbhellen Saal von der Bühne aus gut zu sehen, gucken alle nach vorne, aber sie meint in keinem Belustigung zu erkennen, niemand scheint Notiz von ihr zu nehmen. Ob es am Ende gar nicht so unfassbar peinlich ist, dass sie hier sitzt? Sie dreht ihren Kopf wieder zum Flügel. Schaut auf die Tasten. Ein beruhigender Anblick, so vertraut. Dieselbe Anzahl weißer und schwarzer Tasten wie zu Hause, nur dass sie hier weiter unten sitzt.

Irgendwann, Katharina hat schon nicht mehr daran geglaubt, ist der erste Satz zu Ende. Im Saal wird sich ein paarmal geräuspert, ein paar Menschen, die wahrscheinlich gar nicht husten müssten, husten trotzdem, einfach, weil jetzt Gelegenheit ist, dann setzt der Geiger zum zweiten Satz an. Fuga. Wenigstens etwas schneller. Katharina hat sich mittlerweile in ihr Schicksal ergeben und versucht, so unauffällig wie möglich im Hintergrund zu sein. In ihrer Vorstellung ist sie mit dem Stuhl, auf dem sie sitzt, zu einer Einheit verschmolzen, sie bewegt sich nicht, den Kopf hält sie starr nach vorne gerichtet, Profil zum Publikum, zum Glück ist es das rechte, von links findet sie sich hässlicher. Ihre Nase ist nicht ganz gerade, sondern hat einen kleinen Höcker, der Katharina, wenn sie sich im Profil betrachtet, vor allem im linken, so überdimensioniert vorkommt, dass sie ihn möglichst niemandem zumuten will. In der Straßenbahn sieht sie deshalb nie aus dem Fenster, wenn jemand hinter ihr sitzt. Und jede Nacht drückt sie sich vor dem Einschlafen mehrmals hintereinander kräftig mit dem Handballen die Nasenspitze herunter, in der Hoffnung, die Form so vielleicht noch korrigieren zu können. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Irgendwie vergeht die Zeit. Auf den zweiten Satz folgt der dritte, dann das Presto, kurze Stille im Saal, solange der letzte Ton verklingt. Dann beginnen die Leute zu klatschen. Der Geiger nimmt das Instrument vom Kinn und verbeugt sich. Einmal und gleich noch einmal. Dann dreht er sich zur Bühnentür, wobei sein Blick auf Katharina fällt. Er sieht überrascht aus. Ja, hallo, dachtest du, du wärest alleine hier? Sie steht auf, endlich, und legt all die Wut, die sich in ihr aufgestaut hat, in den Gang zur Bühnentür. Jeder, wirklich auf den hintersten Rängen noch jeder soll sehen, dass sie die letzten zwanzig Minuten ihres Lebens nicht freiwillig hier verbracht hat. Mit großen Schritten überquert sie die Bühne, sie braucht viel weniger als dreißig Schritte, sie geht vor dem Geiger durch die sich von innen öffnende Tür, marschiert ohne abzubremsen die Stufen der kurzen Holztreppe hinunter und bleibt vor dem Pianisten stehen, der im dunklen Gang vor dem Künstlerzimmer wartet, er guckt sie unschuldig an, die Noten des folgenden Stücks in der Hand. »Merci«, sagt Katharina. Sie sagt es mit der größtmöglichen Verachtung, zu der eine gedemütigte Siebzehnjährige fähig ist. Der Geiger geht noch einmal hinaus, der Applaus wird lauter, dann kommt er wieder in den Hinterraum und bleibt oben auf dem Treppenabsatz stehen. Er sieht kurz aus, als wolle er etwas zu ihr sagen, sagt dann aber doch nichts. Im Saal verebbt der Applaus. Der Cellist kommt aus dem Künstlerzimmer dazu, sein Instrument und Noten in der Hand. Ein paar Sekunden stehen sie schweigend, dann zieht der Ordner die Tür wieder auf, und Katharina lässt den drei Musikern den Vortritt, bevor sie ihnen in sicherem Abstand auf die Bühne folgt, die Bluse wieder ordentlich zurück in den Rock gesteckt.

SENTA BERGER

Mein bleicher Vater

Am Abend spät – ich war schon in der Waschschüssel von meiner Mutter gewaschen, meine verfilzten Zöpfe geöffnet, nass gekämmt und neu geflochten worden – kam mein Vater von seiner Arbeit nach Hause. Lautlos. Man hörte seine Schritte nicht im Treppenhaus. Die Nachbarn konnte ich am Schritt erkennen. Der müde Herr Lukas kam schleppend, hustend, der erfolgreiche Herr Pankraz aufgeräumt pfeifend. Den schnellen Schritt meiner Mutter höre ich noch heute. Meinen Vater hörte ich nie. Er öffnete leise und überraschend die Türe, murmelte ein »Guten Abend« und ging noch im Hut und Mantel – in den kalten Jahreszeiten trug er immer einen Hut, der seine blauen Augen umschattete – durch die kleine Küche, in die er so unvermittelt und geheimnisvoll geräuschlos eingetreten war, in das andere Zimmer, das wir je nach Bedarf Wohn- oder Schlafzimmer nannten.

Bevor mein Vater nach Hause kam, war es fast jeden Abend sehr gemütlich bei uns. Meistens saßen unter der tief herabgezogenen Küchenlampe, rund um den wackeligen Küchentisch, der meinen Vater wahnsinnig machte und den er mit vielen verschieden gelagerten und gestaffelten Bierfilzln im täglichen Kampf zu bezwingen suchte, die Nachbarin Frau Gärtner, rund, bäuerlich, schlau, meine geliebte schmale Tante Elly, die Schwester meiner Mutter, und meine Mutter selbst. Jede hatte ihre Handarbeit. Das Radio lief, Musik, ein Hörspiel. Die Frauen unterhielten sich leise. Ich saß oft in meinem Flanellnachthemd dabei und fühlte mich so sicher und geborgen. Die Frauen steckten die Köpfe zusammen und lachten, ich verstand nicht, warum.

Dann kam mein Vater nach Hause. Mit dem kleinen kalten Windzug, der das Öffnen der Türe begleitete, änderte sich spukartig die Stimmung. Frau Gärtner sagte: »Guten Abend, Herr Berger – also dann, gemma …«, und packte ihre halb fertigen Socken in die Schürzentasche. Meine Tante Elly glitt vom Küchenstuhl, erwiderte kaum das »Guten Abend« meines Vaters, flüsterte höchstens ein »Ah, bist schon da, Berger« – sie nannte meinen Vater rätselhafterweise nur bei seinem Familiennamen –, räumte ihre Näharbeit in eine Küchenschublade, in der Knöpfe, Nadeln, Zwirne und Wollreste lagen, und nach einem »Behüt dich, mein Kind, Servus Resel« war sie auch schon in ihrem dünnen Mäntelchen draußen.

Mein Vater schien das alles nicht wahrzunehmen. Er setzte sich an das Klavier, das in dem elf Quadratmeter kleinen Zimmer den größten Platz einnahm. Die Klappbetten meiner Eltern waren bereits heruntergelassen. Mein Vater setzte sich also auf das Bett, oder aber er blieb in dem schmalen Zwischenraum zwischen Klavier und Bett stehen, als hätte er Zeit zu verlieren, wenn er sich setzte, und begann zu spielen. Im Winter war es sehr kalt in diesem Zimmer. Mein Vater blieb also in Hut und Mantel und spielte Klavier. Sehr oft waren es Melodien, die ich schon kannte, er hatte sie geschrieben und mir vorgespielt. Ich hatte sie nachgesungen, »glockenrein«, wie er sagte, und ihn dadurch ein wenig glücklich gemacht.

Häufig aber spielte er Motive aus Symphonien von Mahler und von Bruckner. Sie waren seine Götter.

Meine Mutter brachte mich zu Bett. Ich schlief in diesem Zimmer auf einem herausklappbaren Sofa. Im Winter war es so kalt, dass mein Vater mich in ein Schaffell wickelte, das er aus dem Krieg mit nach Hause gebracht hatte, bevor ich mit einem schweren, verklumpten Federbett zugedeckt wurde.

Mein Vater begann dann sehr leise Brahms’ »Guten Abend, gute Nacht« zu spielen. Erst die reine zarte Melodie und dann viele Variationen, zumeist schwer und dunkel.

Das Licht wurde ausgemacht. Mein Vater ging in die Küche, ich konnte ihn durch die geriffelte Glastüre sehen, ich hörte, wie meine Eltern leise miteinander sprachen, und unter diesem sanften Gemurmel schlief ich ein.

Mein Vater war ein schöner Mann. Nicht groß. Wer war schon groß in seiner Generation! Seine helle Haut war makellos. Vor Erschöpfung, aber auch aus Wut konnte er weiß werden bis in die Lippen. Blaue Adern traten dann hervor. Seine Hände waren kräftig und schlank. Die Nägel wurden tief und unbarmherzig kurz geschnitten. Die Nagelhaut war oft blutig aufgerissen. Seine Haare waren blond, dicht, gewellt. Im Sommer rasierte er sie sich ab. Er sah dann schrecklich aus. Wie ein Sträfling. Wenn ich wagte, so einen Vergleich zu ziehen, sagte er: »Richtig. Ich bin ja auch einer. Eingesperrt. Lebenslang.« Er lachte grimmig.

Mein Vater arbeitete in dem kleinen Handwerksbetrieb seines Vaters. Sein Vater, ein geschäftstüchtiger schlauer Tscheche, hatte sich vom einfachen Schleifer zum Meister einer Metallschleiferei- und Verchromungswerkstatt hochgearbeitet.

Mit seinem Sohn, dem Peperl, konnte er wenig anfangen. Der Peperl war mehr das Kind seiner Frau. Mein Großvater ging oftmals in der Woche zum Heurigen. Dort wurde seine Musik gespielt. Die Klampfen, die Zither – das waren seine Instrumente. Meine Großmutter hatte ein Abonnement in der Wiener Volksoper. Ihr Sohn durfte sie begleiten. Beim Kochen sang sie: »Martha, Martha, du entschwandest …«

Aus unerfindlichen Gründen begann der fünfjährige Peperl Klavier zu spielen – auf dem Flügel der Nachbarn, der Familie Osterrieder. Es dauerte Jahre, bis meine Großmutter dem Großvater ein Klavier für den Peperl abgerungen hatte. Und endlich durfte er auch Unterricht im Musikkonservatorium bekommen. Das muss damals im Wiener Konzerthaus untergebracht gewesen sein. Gleich daneben war der große Eislaufplatz des Wiener Eislaufvereins. Mein Vater ging vormittags zur Schule, nachmittags zum Unterricht ins Konservatorium und abends auf den Eislaufplatz. Fünfzehn, sechzehn muss er gewesen sein.

»Das war eine gute Zeit für mich«, erzählte er mir, sooft wir am Wiener Konzerthaus mit der Straßenbahn vorbeifuhren. »Ich hab ja noch den Max Reger kennengelernt, der hatte eine Dirigentenklasse. Ich hab alles aufgesogen wie ein Schwamm.«

Natürlich hatte ich keine Ahnung, wer Max Reger war.

Dann kam die schlechte Zeit. Die Zwanzigerjahre. Meinem Großvater, der offensichtlich mit seinem Handwerk am Ersten Weltkrieg nicht schlecht verdient hatte, blieben die Aufträge aus. Er musste seine vier Arbeiter entlassen. Das Geschäft sollte weitergeführt werden, natürlich, niemals würde er es aufgeben, und Peperl sollte ihm dabei helfen. Es muss zu furchtbaren Szenen gekommen sein. In einem Streit schleuderte mein Großvater dem Peperl ein heißes Bügeleisen an den Kopf und verletzte sein linkes Auge. Von da an konnte mein Vater links nur verschwommen sehen. Die Narbe in der Lidfalte war rot und wurde langsam hellbraun. Ein anderes Mal versuchte sich die Großmutter aus dem Fenster im vierten Stock zu stürzen. Bei dem Versuch, sie zurückzuhalten, gab es ein Gerangel zwischen Vater und Sohn, wer sie retten dürfe, und alle drei waren nahe daran, in die Tiefe zu fallen.

Der Peperl fügte sich. Seine Mutter drohte immer wieder, sich umzubringen, sollte er sich dem Vater widersetzen. Der Vater nahm ihn aus dem Gymnasium und aus dem Konservatorium. Von nun an stand Peperl in der verrußten Werkstatt des Galvanisierungsbetriebs hinter einem der riesigen Schleifsteine, notdürftig mit einer Brille vor dem Funkenflug geschützt, oder gebeugt über einem der Säurebäder, dessen hochgiftige Dämpfe ihm Augen, Schleimhäute, Bronchien ruinierten.

Am Sonntag – samstags wurde auch gearbeitet – ging mein Vater zu seinem besten Freund aus dem Konservatorium, zum Kurz Ernstl. Die Freunde sprachen sich wie in der Schule mit dem Nachnamen an. Der Kurz Ernstl studierte Gesang, er muss eine wunderbare warme Baritonstimme gehabt haben, und bald verließ er Wien, um sein erstes Engagement in Dresden anzutreten. Die beiden Freunde gründeten ein kleines Kammerorchester, in dem Mitschüler aus dem Konservatorium spielten. Und weil sie bei ihren Auftritten, sei es in einem Kaffeehaus, sei es bei einer Geburtstagsfeier, sei es in einem Praterlokal, mit Naturalien bezahlt wurden, nannten sie sich »Die Tafelrunde«.

Dieses kleine, feine Kammerorchester gab meinem Vater Halt, Hoffnung. Er begann zu komponieren, sehr beeinflusst von Schubert natürlich. Der Kurz Ernstl sang Papas Lieder. Schließlich lernte mein Vater meine Mutter kennen, Resi, die von nun an bei den Proben im Schlafzimmer vom Kurz Ernstl auf dem Bettrand saß, voller sprachloser Bewunderung. Es war wieder eine gute Zeit.

Nach einer neuerlichen dramatischen Auseinandersetzung mit seinem Vater, der wie rasend schrie: »Wos, a Musiker willst du werden? A Musiker? Willst uns verhungern lassen! I werd dir an Musiker geben …«, und dabei auf meinen Vater einprügelte, verließ der Sohn die Wohnung der Eltern.

In der kleinen Schulwartwohnung, in der seine junge Braut wohnte und die ihrem Vater, dem Schulwart Franz Jany, gehörte, wohnten schon viel zu viele Leute. Ältere und jüngere Geschwister, der Vater Jany selbst. Aber der Peperl wurde aufgenommen, vielleicht auch ein wenig argwöhnisch beäugt. So ein feines Bürscherl aus einem Bürgerhaushalt – ohne Beruf. »Wie wollen Sie unser Reserl erhalten? Musikstudium? So? Muss man Musik überhaupt studieren? Hat der Johann Strauss vielleicht jemals Musik studiert?«

Eines Tages erschien die Mutter meines Vaters. Meine Mutter hat mir das erzählt. »Ganz in Schwarz war sie, die Frau Berger. Wie eine Botin aus einer anderen Welt. Wir haben sie alleine gelassen, damit die beiden reden können. Als wir wieder zurück waren in der Küche, standen beide in einer langen stummen Umarmung. Dann legte die Frau Berger einige Scheine auf den Gasherd, sagte: ›Danke, Herr Jany‹, und: ›Peperl, komm.‹ Und dann gingen sie. Beide.«

Aber in den Tagen von meines Vaters Abwesenheit hatte mein Großvater das Klavier verkauft und alle Noten, die er gefunden hatte, in der Werkstatt verbrannt.

Mein Vater war gebrochen.

Ein junger Mann. Wie alt war er? Etwa zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Jahre alt?

Gebrochen.

»Das war der schlimmste Fehler meines Lebens«, erzählte er mir während einer Autofahrt. Er suchte die Worte, presste sie heraus. Er musste mich beim Reden nicht ansehen, deshalb konnte er sprechen. »Ich bin ein schwacher Mensch. Kein Kämpfer wie die Resel. Nein, ich bin schwach. Meine Mutter hat immer gedroht, sie bringt sich um … Ich hab den Gedanken nicht ertragen …«

Die Musik blieb Teil seines Lebens. Sie blieb unerfüllte Sehnsucht, Qual, Hoffnung, Freude.

Ich wurde im Krieg geboren. Mein Vater war achtunddreißig Jahre alt. Den Krieg überstand er als Soldat in Schreibstuben. Er war ja fast blind auf dem einen Auge, er wurde nicht an die Front geschickt. Ab und zu leitete er eine kleine Militärkapelle in der Kaserne von Pressburg. Einmal habe ich ihn dort dirigieren gesehen. Er war mir ganz fremd. Nicht, weil er in Uniform war – die meisten Männer, die ich kannte, waren ja damals in Uniform –, nein, es war die Art, wie er sich bewegte. Temperamentvoll, leidenschaftlich, hingegeben. Ich kannte ihn so nicht. Zu Hause ging er immer leise, fast gebückt, mit hochgezogenen Schultern, er sprach leise, außer natürlich, wenn er einen seiner hochgefährlichen jähzornigen Wutausbrüche bekam. Als kleines Kind wusste ich nie, warum er zu schreien begann, warum er den Mittagstisch leer fegte, Stühle umwarf. Warum er wenig später am Fenster stand und schluchzte. Viel später habe ich verstanden, dass unter der bleichen Haut meines Vaters eine Glut schmerzte, ein Feuer, das er nicht zulassen konnte oder wollte.

Ich habe ihn öfter dirigieren gesehen. Jedes Mal war ich überrascht und wohl auch ein bisschen peinlich berührt über seine weichen, wiegenden tänzerischen Bewegungen. Er machte gar nicht so viel mit den Armen, nein, der ganze Körper tanzte. Er, der zu Hause niemals tanzte, auch nicht zu Silvester mit meiner Mutter, weil er sagte, er könne es nicht.

Die »Tafelrunde« hatte irgendwie den Krieg überstanden. Nicht alle waren wieder nach Hause gekommen. Der Kurz Ernstl war im Feuer von Dresden umgekommen. Seine Frau Lisl hatte ihren geliebten Foxterrier Felix in die Elbe geworfen, und beide haben sie schwimmend das andere Ufer erreicht. Der Hund war ihr Alles. Seit jener Feuernacht in dem eisigen Fluss war der Hund nierenkrank. Wenn die Lisl zu uns kam, die Proben der »Tafelrunde« fanden in unserer winzigen Wohnung statt und Lisl spielte Viola, brachte sie den mageren, verängstigten Hund mit. Er tröpfelte ohne Unterlass. Stillschweigend wischte mein Vater die Pfützchen auf, er, der so etepetete war und unter einem Waschzwang litt.

Sechs Tage in der Woche arbeitete er in der »Hölle«. So nannte er die Werkstatt seines Vaters. Am Freitag- und am Samstagabend, oft auch am Sonntag trat die »Tafelrunde« bei kleinen Veranstaltungen auf. Die Vorbereitungen auf den Abend glichen rituellen Handlungen. Der kleine Mahagonisekretär wurde aufgesperrt. Mein Vater holte ein längliches schwarzes Schächtelchen hervor, darin lag, auf Samt gebettet, der zusammenlegbare Dirigentenstab. Er legte die Notenblätter in eine Mappe, auf der in Kurrent geschrieben stand: Schüler Josef Berger. Meine Mutter legte das makellos gebügelte Hemd heraus und eine schwarze Fliege, der dunkle Anzug wurde noch einmal gebürstet. Damit mein Vater sich ungestört anziehen konnte, verließen meine Mutter und ich die Küche. Gingen wir auf einen Sprung zu unserer Nachbarin? Oder in den kleinen Garten hinunter? Ich weiß es nicht mehr. Doch wenn wir zurückkamen, stand mein Vater wie ein Wesen von einem anderen Stern, einer fernen Welt vor uns in der Küche. Aufrecht, gespannt, gestrafft, elegant, nach Rasierwasser duftend. Wir sahen ihm nach, wenn er über den Kirchenplatz zur Straßenbahn ging. Ich war unendlich stolz.

Er komponierte auch wieder. Natürlich zerriss er mehr, als er behielt. Wenn er mit Tinte die Noten auf den Zeilen der großen Bögen eintrug, durfte kein Laut ihn stören. Die Fenster blieben geschlossen, auch im Sommer. Das Summen einer Fliege konnte ihn verärgern. Ein Tintenklecks war eine Katastrophe und konnte zu einem wutverzerrten weißen Gesicht führen. Mein Vater hatte eine wunderschöne Schrift. Seine Originalnotenblätter sind kleine Wunderwerke. Er schrieb, ich saß oft neben ihm und las in einem Buch. Bücher waren meine Welt. Ich konnte in die Geschichten von »Lederstrumpf« oder »Huckleberry Finn« versinken – die Bücher hatte ich von meinem älteren Cousin Norbert geerbt –, ich war also mucksmäuschenstill. Dann und wann setzte mein Vater sich ans Klavier und spielte, was er geschrieben hatte. Dann kam er summend zurück und schrieb weiter. Herrliche Nachmittage.

Seine Melodien sind wunderschön. Er nannte sie »Wiener-Lied-Musik«. Nein, keine Heurigenlieder, keine Lobhudeleien auf Wein und Wien, keine Musik, die sich »anranzt«, wie er das allzu Gefällige nannte.

In der »Tafelrunde« gab es einen Mann, der die Texte zu den Liedern machte. Die Texte sind sehr schwach. »Aus G’schichterln wer’n manches Mal G’schichten, die Lieb’ tut halt gar zu gern dichten …« oder »Der schönste Berg ist der Kahlenberg, weil man dort auf Wien runterschaut …«

Also doch Heurigenlieder.

Als erwachsene Frau sagte ich meinem Vater, ich hätte Gelegenheit, seine Lieder zu singen, er möge mir nur erlauben, die Texte zu ändern. Er sagte, nein, das wäre unloyal dem Mann gegenüber, der sie geschrieben hat. Nein, niemals. Aber die Melodien sind schön.

Sängerinnen kamen zu uns ins Haus, um seine Lieder zu lernen, um vor den Vorstellungen zu korrepetieren, sich vorzubereiten. Die Klappbetten blieben oben, solange wir Besuch hatten. Meine Mutter hoffte, man würde den geblümten Vorhang gar nicht als Sichtschutz für Klappbettengestelle erkennen, sie kochte Kaffee und fühlte sich ein wenig ausgeschlossen. Ich erinnere mich an eine Sängerin, die bereits in großer Robe für den abendlichen Auftritt, ganz in Lila, stürmisch zu uns in die Küche hereinwehte. Während des Einsingens mit den Tonleitern riss ihr ein Träger des Abendkleids. »Sie war halt recht busig«, erzählte meine Mutter später verächtlich. Sie selbst hatte die schönsten kleinen Apfelbrüste. Meine Mutter holte aus einer Schachtel, die oben auf der Küchenkredenz stand und in der sie die Reste ihrer Lehrlingszeit als Modistin aufbewahrte – Blumen, Federn, Tüllschleier – eine wirklich scheußliche Lilie hervor, nähte den Träger wieder an und bedeckte mit der Lilie das ausgerissene Knopfloch. Ich sehe das Bild: Meine kleine Mutter näht am wogenden Busen der Sängerin herum, die immer weiter ihre Tonleitern übt, und mein verlegener Vater am Klavier, der nicht wagt aufzublicken.

»Na, was hätten’s jetzt g’macht ohne mich, die zwei?«, fragte mich meine Mutter, die natürlich auf die wogende Sängerin eifersüchtig war. Vielleicht zu Recht.

Ab meinem fünften Lebensjahr gab mir mein Vater Klavierunterricht. Er war der schlechteste Lehrer, den man sich denken kann. Regelmäßig endete unsere Stunde mit meinen Tränen. Ich war kein Naturtalent. Ich brauchte Zeit. Ich musste Noten lernen, konnte nicht nach Gehör spielen. Das verlangte er aber. Für ihn schien es das Einfachste auf der Welt zu sein. »Aber du bist doch musikalisch!«, schrie er und trampelte auf meinem Kinderlieder-Album herum. Hedy Spindler von der »Tafelrunde« kam. Sie war voller Verständnis und Zuneigung. Sie hatte einen schwarzen Damenbart, den ich immer anstarren musste. Ich lernte schnell, aber nicht schnell genug für meinen Vater. »Na ja, das wird nichts«, sagte er ein ums andere Mal.

Ab meinem siebenten Lebensjahr war ich im Ballettunterricht. Auf meinen Wunsch. Mein Vater schickte mich nicht in irgendeine private Schule für untalentierte höhere Töchter, wie er sagte. Ich kam in die Dia-Luca-Schule. Dia Luca war die Choreografin des Volksopernballetts. Ich weiß nicht mehr, wer die Idee hatte, vielleicht doch mein Vater, obwohl ihm alles Praktische, alles Merkantile völlig fremd war und blieb, aber er hatte mich zu Hause tanzen sehen, zu seiner Musik oder zu einer, die nur ich hörte, und er hatte mein Talent erkannt. Dia Luca studierte mit mir einige Tänze ein. Nach Musik meines Vaters und Fritz Kreislers, eine Polka von Johann Strauss, einen Stepptanz nach »Tea for Two«. Wir gingen nun fast jedes Wochenende auf Tour. Er saß am Klavier. Ich tanzte. Meine erste Kritik bekam ich mit sieben. Sie war gut. Mein Vater hat sie in einer Schuhschachtel aufgehoben. Wir traten bei Nachmittagsvorstellungen im Altersheim auf, bei bunten Abenden von Gewerkschaftsverbänden oder großen Konzernen, Weihnachtsvorstellungen in ausländischen Botschaften, Theatermatineen Es gab ja noch kein Fernsehen.

Für einige Jahre machte ich das sehr gern und ganz selbstverständlich. Es band mich sehr an meinen Vater. Er wurde allerdings immer müder, mürrisch, einsilbig. Sein Vater, mein lustiger runder Opa mit seinem tschechischen Akzent, war jämmerlich an Leberkrebs gestorben, mein Vater trug nun alleine die Verantwortung für die »Hölle«. Und über dem Geschäft, oben im vierten Stock, saß wie eine Spinne seine Mutter – schwarz – und wartete darauf, dass ihr Sohn ihr monatlich die Geschäftsbücher offenlegte und ihren Anteil auszahlte. Meine Mutter versuchte zu retten, was zu retten war, aber mein Vater hatte ohne Absicht, aber doch mit Lust innerhalb weniger Monate das Geschäft ruiniert. Wovon wir lebten? Ich weiß es nicht. Meine Mutter ging putzen. Als ich ihr einmal, da muss ich elf gewesen sein, zwei Schillinge aus der Tasche stahl, bekam sie einen Nervenzusammenbruch. Die Verlage schickten die Noten meines Vaters zurück. Kommentarlos. Und, schlimmer noch, mit kleinen Bemerkungen wie »veraltet« oder »passt nicht in unser Programm«.

Keine Sängerinnen kamen mehr ins Haus. Die »Tafelrunde« fiel auseinander. Alle Bemühungen meines Vaters, beim Rundfunk unterzukommen als das, was er konnte, als Komponist und Dirigent, aber auch als das, was er nicht sein wollte, als Berater, als Musikredakteur, schlugen fehl. Er sperrte das Geschäft zu. Was er als Korrepetitor an Wiener Theatern verdiente, ging an seine Mutter, die nun sehr alt geworden war, nicht mehr allzu viel brauchte und nichts mehr wusste.

Als ich vierzehn war, hatte meine Mutter einen Wohnungstausch zustande gebracht. Wir zogen in die kleine Wohnung einer Rentnerin, die ein Zimmer mehr als die unsrige hatte, fließendes Wasser und eine eigene Toilette.

Mein Vater nahm diesen Umzug zum Anlass, eine Art Tabula rasa zu machen. Alles, fast alles, was er seit Jahrzehnten in dem kleinen Mahagonisekretär verwahrt hatte, verbrannte er. Der kleine Schrank war die einzige Privatsphäre, die mein Vater in unserer Zweizimmerwohnung gehabt hatte. Der Sekretär war sein eigenes kleines Zimmer. Abgesperrt. Seine eigene Welt. Und nun verbrannte er seine wenigen Kinderfotos, Briefe, Andenken, all seine Jahrgänge der Zeitschrift »Die Bühne« und alle Noten, die noch nicht publiziert waren, im Ofen der Waschküche. Als wir uns in der neuen Wohnung, wenige Kilometer von unserer alten, endlich einrichten konnten, war der Sekretär leer. Unversperrt. Der Schlüssel steckte. »Da ist nichts mehr drin«, sagte mein Vater, als ich ungläubig davorstand. »Da ist nichts mehr.«

Das Klavier war nun in der neuen Wohnung nicht mehr eingezwängt zwischen Klappbett und Wand. Aber ich spielte nicht mehr. Ich war in die Pubertät gekommen und stellte alles infrage, vor allem meinen Vater. Den Klavierunterricht im Konservatorium hatte ich abgebrochen. Mein Vater duckte sich, als hätte ich ihn geschlagen. Mit fünfzehn ging ich nicht mehr in den Ballettunterricht der Akademie. Mein Vater sagte höhnisch: »Na, wirst halt in ein Büro gehen, wird halt nix aus dir …«

Ich bestand die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule Max Reinhardt. Mein Vater war vorsichtig stolz. Wir sprachen in diesen Jahren wenig miteinander. Die gemeinsamen Opernbesuche, die Konzerte im Musikverein waren vorbei. Was uns so aneinandergebunden hatte, das Erleben von Musik, die Tränen, die bei der Bohème, beim Rosenkavalier über unsere Gesichter geflossen waren, bei der Moldau mit Karajan, die Freude, wenn wir vierhändig Klavier gespielt hatten – alles vorbei.

Mein Vater wies sich immer mehr eine Sonderstellung innerhalb der Familie zu. Er wurde als Eigenbrötler, als Masochist, als Egoist bezeichnet, und er war es auch. Vor allem aber war er unendlich einsam. Ganz selten setzte er sich an das Klavier, aber niemals, wenn wir in der Wohnung waren. Wir hörten ihn spielen beim Heimkommen im Treppenhaus. Er brach sofort ab, wenn wir die Wohnungstür öffneten. Am Küchentisch saß er mit uns beim Essen, ohne ein Wort zu sprechen, und seine linke Hand spielte unaufhörlich auf dem Tischtuch Skalen und Akkorde.

Ich hätte so gerne seine Hand genommen, gestreichelt, zur Ruhe gebracht. Aber ich konnte meinen Trotz nicht durchbrechen und er nicht seine Verzweiflung, seine Resignation.

Als ich siebzehn Jahre alt war, kaufte ich ihm von meiner ersten Gage am Theater einen kleinen Plattenspieler und eine Platte. Karajan dirigierte die Moldau. Von nun an versank er für Tage auf einem Sofa, vor ihm der Plattenspieler, daneben die wenigen Platten, die er sich zu kaufen erlaubt hatte: Mahler, Brahms, Bruckner, Richard Strauss.

Ich hatte ihm Kopfhörer besorgt. Die Wände in der kleinen Gemeindewohnung waren so hellhörig.

Manchmal kam er nach stundenlangem Hören ganz verstört in die Küche, mit aufgequollenem Gesicht. »Was hab ich denn geglaubt?«, sagte er dann, nicht zu uns, zu sich selbst.

»Dass ich da mithalten kann, mit diesen Genies? Was hab ich denn geglaubt? Wer bin ich denn? Niemand bin ich, niemand.« Er machte sich einen Tee und verschwand wieder zu seinem Plattenspieler.

Es tat weh, ihn so zu sehen.

Ich verließ mit achtzehn mein Elternhaus. Mein Weg als Schauspielerin begann.

Jahre später fanden wir uns wieder, mein Vater und ich.

Ich war mittlerweile verheiratet, ich hatte ein Kind. Unser Haus war groß, ich lud meine Eltern ein zu kommen. Sie kamen, und sie blieben. Mein Vater bekam in seinem Zimmer eine kleine Stereoanlage, ich konnte ihm alle unausgesprochenen Musikwünsche erfüllen. Wir kauften einen guten Flügel. Mein Vater begann wieder zu spielen. Mit dem Leisepedal, als wolle er jedes Aufsehen vermeiden.

Mein Mann Michael, der zu meinem Vater natürlich nicht mein gebrochenes Verhältnis hatte, bot ihm an, die Filmmusik zu seinem ersten Film zu schreiben: »Paarungen« nach Strindbergs »Totentanz« mit Paul Verhoeven in der Hauptrolle. Es war ein sehr aufregendes und sehr riskantes Familienunternehmen. Mein Vater wehrte ab, warnte vor seinen Möglichkeiten als Komponist, war voller Skepsis. Aber schließlich schrieb er unter dem beständigen, geduldigen Drängen Michaels – ein Drängen, das meinen Vater rührte – eine wunderbare Musik und viele andere für Michaels weitere Filme.

Eine späte Befriedigung. Zu spät wohl, als dass mein Vater noch einmal Lebensmut und Lebensfreude hätte empfinden können. Er blieb der einsame Sonderling, der er schon so lange war. Er nahm am Essen teil, spielte aber mit seinen Fingern unentwegt auf einem imaginären Klavier und sprach nicht mit uns. Meine Mutter stupste ihn an und seufzte. Meine kleinen Söhne kicherten.

Dann wurde mein Vater alt und schwach.

Er hörte jetzt keine Musik mehr aus dem Radio oder von seiner Anlage, er hörte jetzt nur noch die Musik in seinem Kopf. Er ging nicht mehr in den Garten, an seine langen Spaziergänge durch den Wald war gar nicht mehr zu denken. Seinen Enkelsöhnen war er nicht nahegekommen. Simon, der Ältere, spielte schon Klavier, bei jeder falschen Note hielt sich mein Vater die Ohren zu.

Viel zu früh setzte ein allgemeiner Verfall ein.

Eines Tages kniete ich mich vor seinen Stuhl, versuchte zu ihm durchzudringen und sagte: »Aber schau, Papa, das Leben ist doch schön!«

Er knurrte wie ein bissiger, böser Hund. »Das Leben? Welches Leben? Wo ist denn mein Leben? Wo?«

Mein Vater kam ins Krankenhaus. Sein Köpfchen wurde immer kleiner, seine Haut immer durchscheinender. Meine Mutter und ich besuchten ihn täglich. Er lag meistens mit geschlossenen Augen und summte. Zumeist erkannte ich das Motiv. Auch seine eigenen Sachen sang er leise vor sich hin.

Das letzte Mal, als ich ihn sah, waren wir uns noch einmal ganz nahe, so nahe, wie man es nur in der Stunde des Abschiedes sein kann.

Ich flüsterte in sein Ohr. So vieles wollte ich ihm sagen. Dass er mich so reich beschenkt hat, mit seiner Liebe zur Musik. Mein schönstes Erbe.

So vieles musste ich ihm doch noch sagen. Aber ich weiß nicht, ob er mich noch gehört hat.

Als ich ging und mich in der Türe noch einmal umdrehte, sah ich meinen kleinen bleichen Vater unbeweglich liegen, nur die Finger spielten auf der Bettdecke eine Musik.

Einen Tag später war er tot.

Heute spiele ich öfter auf unserem Klavier.

Wenn niemand zu Hause ist.

Ich spiele nicht, ich klimpere. Es macht mich glücklich.