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Für meine lieben Eltern, die seit fast vier Jahrzehnten gefasst hinnehmen, wie jede freie Minute und jeder übrige Pfennig ihrer Tochter einfach verschwinden – und die meine Pferde trotzdem noch leiden können.

 

 

 

Copyright © 2010

by Cadmos Verlag, Schwarzenbek

 

Titelfoto und Innenfotos: Nikola Fersing

Lektorat: Christa-Maria Ossapofsky

 

Alle Rechte vorbehalten.

 

ISBN: 978-3-8404-6002-9

 

Datenkonvertierung eBook:

Kreutzfeldt digital, Hamburg

 

Satzweiss.com Print Web Software GmbH

 

Vorwort

 

Wenn Träume wahr werden

Finanzielle Unabhängigkeit

Geld zur rechten Zeit

 

Zeit ist Geld

Kostenfaktor bauliche Anlagen im Pferdebetrieb

 

Geld sparen im Pensionsstall

Versorgung des eigenen Pferdes

Andere Arbeitsleistungen

Einsatz des Pferdes

Begrenzte Anlagennutzung

Reitbeteiligung

Sommerweide

 

Ideen zum Geldsparen für Selbstversorger

Der Offenstall ist kein Billig-Stall

Immer wieder Rechnungen

Das Bauamt: Kosten aus heiterem Himmel

Kann teuer sein: der Auslauf

Stall und Einstreu

Futterplatz

Wasser

Weide

Mist

 

Keine Zeit, zu viel zu tun?

Arbeitsteilung in der Haltergemeinschaft

Pferde allein betreuen: Organisation ist gefragt

Flott fertig in Stall und Auslauf

Zeit sparen bei der Weidepflege

Zeitfaktor Wasserversorgung

Maschinen und Geräte

Ordnung wirkt Wunder

Zeitfalle Heustaubvermeidung

Achtung Zeitfresser

 

Günstig füttern

Raufutter

Krippenfutter

Weideaufwuchs

Zusatzfuttermittel

 

Tierarztkosten niedrig halten

Heuallergien, Dämpfigkeit, chronische Bronchitis

Zerrungen, Verstauchungen, Sehnen- und Gelenkentzündungen

Koliken

Infektionen

Tierarzt wozu?

 

Ohne Eisen?

Anpassung der Hufe

Hygiene

Bodenbeschaffenheit

Bewegung

Hufpflege

 

Sattel, Zaum und Zubehör

Reitweisen

Pferdeausrüstung

Notwendig oder überflüssig?

Reitkleidung

Haftpflichtversicherungen

 

Raus aus den roten Zahlen

Was kostet mein Pferd?

Das Jahr planen – die Vorschau

Immer das nötige Geld haben

Ohne rosarote Brille: der Jahreslauf im Rückblick

 

Zum Weiterlesen

 

Stichwortregister

Vorwort

 

Wer seine Pferde selbst versorgt, muss mit seiner Zeit gut haushalten.

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ganz gleich, was die staatlichen Statistiker sagen: Das persönliche Empfinden der meisten Menschen ist längst, dass Geld knapper wird und seit dem Umstieg auf den Euro vieles wesentlich teurer geworden ist. Spätestens nach der Anhebung der Mehrwertsteuer haben auch die letzten Pensionsstallbetreiber ihre Preise angepasst. Die Preise für Pizza und Heu sind in den letzten zehn Jahren fast aufs Doppelte angestiegen.

Niemand kann wissen, wie es um seine wirtschaftliche Situation morgen bestellt ist. Sicher wird man sich kein Pferd anschaffen, wenn kein festes Gehalt da ist – aber oft ist das Pferd längst da, wenn plötzlich der Arbeitgeber Konkurs anmeldet oder die vermeintlich sichere Stelle gestrichen wird. Nun ist guter Rat teuer.

Ein Pferd zu halten kostet immer und in jedem Falle eine ganze Menge Geld, und in der Stadt meist viel mehr als auf dem Land. Im Laufe der Jahre habe ich viele, manchmal versteckte, Möglichkeiten entdeckt, wie man kleine und größere Summen sparen kann – natürlich ohne dass das Pferd etwas davon spürt. Insbesondere Pferdehalter, die ihre Tiere selbst versorgen, haben einen Ermessensspielraum, was das Geldausgeben betrifft, doch auch Einsteller im Pensionsstall können ihre Ausgaben senken.

Für Selbermacher kann auch die fehlende Zeit zum Problem werden. Die Tage sind immer zu kurz. Mit ein bisschen Überlegung kann man die Stallarbeiten aber so in den Griff bekommen, dass sogar noch Zeit zum Reiten übrig bleibt.

Der Markt rund ums Pferd bietet eine Vielzahl sinnvoller und völlig unsinniger Produkte, und immer wieder einmal verspricht die Werbung mehr, als das Produkt anschließend hält. Vermiedene Fehlkäufe sind ein Weg, Geld zu sparen. Auch die Pferdegesundheit ist ein nicht zu unterschätzender finanzieller Faktor. Ganz ohne Tierarzt geht es natürlich nicht, aber artgerecht gehaltene und gefütterte Pferde sind oftmals dauerhaft gesund mit klaren Beinen, festen Hufen und einer problemlosen Verdauung.

 

Nikola Fersing

 

Wenn Träume wahr werden

 

Vor Anschaffung eines Pferdes sollte man seine wirtschaftliche Lage genau unter die Lupe nehmen.

 

Gern wird behauptet, Reiten sei heute kein elitärer Sport mehr und für jeden erschwinglich. Soweit es die wöchentliche Reitstunde und den Sommerurlaub auf dem Reiterhof betrifft, ist das auch richtig. Die Anschaffung, Unterhaltsfinanzierung und Sorge um das Wohl eines eigenen Pferdes jedoch ist da eine ganz andere Sache!

Wer wissen will, ob ein Pferdekauf möglich ist, sollte sich erst einmal einen Überblick über die Lage verschaffen. Listen Sie dazu Ihre regelmäßigen monatlichen Ausgaben auf, von Miete bis Versicherung, und ziehen Sie diese vom Nettogehalt ab. Sparverträge und nur einmal jährlich anfallende Kosten nicht vergessen! Auch die Rechnungen des vergangenen Jahres sollten auf zusätzliche unregelmäßige Aus gaben wie Autoreparaturen oder Urlaub hin durchgesehen werden. All diese Ausgaben müssen, auf den Monat umgerechnet, vom verbliebenen Nettogehalt abgezogen werden.

Gelingt es nicht, ohne eine unerträgliche Senkung des Lebensstandards mindestens 400 Euro monatlich einfach „übrig“ zu haben, schiebt man den Gedanken an den Kauf eines Pferdes besser auf. Anders sieht es selbstverständlich aus, wenn man bereit ist, andere kostspielige Angewohnheiten dafür aufzugeben: Ein Pferd zu halten kostet auch nicht mehr, als drei oder vier Schachteln Zigaretten am Tag zu rauchen.

Die Kosten für den Unterhalt eines Pferdes sind langfristig spürbar, im Gegensatz zum einmal anfallenden Kaufpreis, und im Falle des durchschnittlichen Freizeitpferdes übersteigen die laufenden Ausgaben ihn bereits im ersten oder zweiten Jahr.

Ganz gleich, wie chaotisch Sie in Ihren Geldangelegenheiten sonst verfahren und dabei dennoch zurechtkommen: Das einmal gekaufte Lebewesen Pferd ist auf Gedeih und Verderb auf Sie angewiesen und damit auch darauf, dass immer ausreichend Geld für sein Wohl vorhanden ist.

 

 

Haben Sie tagsüber Zeit?

Die Zeit, die Ihnen für Ihr Hobby zur Verfügung steht, hat einen ganz direkten Einfluss auf Ihre Ausgaben, denn nicht zuletzt Ihr Zeitrahmen entscheidet mit darüber, wie und wo Sie Ihr Pferd unterbringen oder ob Sie es sogar selbst versorgen möchten und können.

Für eine Haltung in Eigenregie, bei der die anfallenden Arbeiten kostengünstig selbst erledigt werden, ist viel freie Zeit Voraussetzung. Täglich. 365 Tage im Jahr.

 

 

Finanzielle Unabhängigkeit

Vielleicht haben Sie einen günstigen Stall gefunden, können Ihr Pferd gegen Mithilfe und Futterkosten bei einer Freundin unterbringen oder bei Bekannten, und trotz kleinen Gehalts scheint die Erfüllung des Traumes so plötzlich in greifbare Nähe gerückt.

Auf den ersten Blick ist das ein großer Glücksfall. Die Gefahr bei derlei Arrangements jedoch ist, dass für Sie keine Möglichkeit besteht, Ihr Pferd anderweitig unterzubringen, wenn es unterschiedliche Vorstellungen über die Pferdehaltung gibt: Sie sind finanziell auf dieses Angebot angewiesen, weil Sie die regulären Einstellpreise nicht bezahlen können. Sie sind also gezwungen, alle Bedingungen zu akzeptieren!

Das wird oft auf Kosten Ihres Pferdes gehen: Die befreundete Familie will im Winter keine Koppel zertreten sehen, also gibt es keinen Auslauf; der Sohn im Teenageralter besteht darauf, nachmittags Ihr Pferd zu „reiten”, und die Eltern lassen ihn gewähren; die Freundin ist unzuverlässig beim Füttern. Deshalb ist es wichtig, dass Ihre Finanzen Ihnen Unabhängigkeit garantieren, damit im Zweifelsfalle nicht Ihr Pferd leiden muss oder Sie es wieder verkaufen müssen.

Geld zur rechten Zeit

Das Pferd kann bei finanziellen Engpässen nicht einfach einige Monate abgemeldet werden wie ein Sportwagen. Es braucht sein Futter, seine Impfungen, Wurmkuren, Zahn- und Hufpflegetermine, und häufig werden gerade in ohnehin angespannten Situationen, wenn etwa das Weihnachtsfest alle Reste aufgefressen und die Autoreparatur anschließend das Konto ordentlich überzogen hat, unerwartete Tierarztrechnungen fällig. Schlimmstenfalls wird eine teure Operation nötig, die mehrere Tausend Euro kosten kann – und was, wenn der Überziehungskredit ohnehin schon ausgereizt ist?

Daneben sind die beträchtlichen monatlichen Unterhaltskosten aufzubringen.

Das Problem, benötigte Geldsummen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu haben, lässt sich ohne Managergehalt nur durch gute Organisation und vorausschauende Planung lösen: Man legt über lange Zeit regelmäßig kleinere Beträge zurück, sodass bei Bedarf dann zum richtigen Zeitpunkt günstig eingekauft werden kann. Durch die Abnahme großer Mengen auf einmal beispielsweise kann man viel Geld sparen.

 

 

Der Pferdebesitzer ist dafür verantwortlich, dass es seinem Pferd gut geht.

 

 

Pferde-Lebensqualität ist Besitzerverantwortung

Weder im Pensionsstall noch in der eigenen Haltung sollte ein Minimum an Lebensqualität unterschritten werden, das ungefähr folgende Bedingungen umfasst: ganztägiger Auslauf mit Artgenossen an einem geeigneten Platz; ein hygienisches, pferdegerechtes Lebensumfeld sowie fachgerechte Versorgung und Fütterung. Das sollte man auf jeden Fall garantieren können, auch wenn es praktische Nachteile für die Pferdebesitzerin hat.

 

 

Zeit ist Geld

 

Zehn Minuten mit dem Frontlader ersparen stundenlanges Schaufeln und Karren.

 

Zeit und Geld stehen in einer einfachen Wechselwirkung: Um ein bestimmtes Ergebnis, zum Beispiel einen gefegten Auslauf, zu erzielen, kann man die Arbeit selbst machen (das kostet Zeit und man muss einen Besen kaufen) oder man kann sie machen lassen (das kostet regelmäßig Geld). Man kann natürlich auch eine Kehrmaschine kaufen, das ist dann eine einmalige teure Anschaffung, die sich nach einer bestimmten Zeit rechnet. Nach diesem Prinzip funktioniert in der Pferdehaltung alles, aber nicht immer sind die Vor- und Nachteile vorher so leicht abzuschätzen wie in diesem Beispiel.

Eine erste Bestimmung des eigenen Standortes nimmt jede Pferdebesitzerin bereits in dem Augenblick vor, in dem sie sich für eine Unterbringungsmöglichkeit entscheidet:

Sie wählt den Profistall mit Vollpension, in dem ihr Pferd rundum betreut und während ihrer Abwesenheit auch geritten wird, zahlt für die erbrachten Dienstleistungen und für die Anlagennutzung.

Vielleicht wählt sie eine kleine Haltergemeinschaft, weil sie Freude an tätiger Mithilfe und auch die nötige Zeit zur Verfügung hat. Hier wird sie viel Eigenleistung erbringen, Investitionen in die Anlage oder einen Maschinenpark werden sich jedoch in Grenzen halten.

Möglicherweise kauft sie aber sogar einen Resthof oder eine Stallanlage. In diesem Falle muss sie immer wieder abwägen, welche Arbeiten sie selbst zeitaufwendig von Hand erledigt, welche Arbeiten sie durch Umbauten oder Maschinen ein für alle Mal erleichtern oder abschaffen kann (einmalige größere Geldausgabe) und was beispielsweise der Lohnunternehmer gegen Bezahlung macht.

Dass das Selbstversorgen der Pferde finanziell immer die günstigste Lösung ist, stimmt keinesfalls. Die Personalkosten sind zwar im unternehmerischen Pferdebetrieb meist diejenigen Ausgaben, die für den Stallbetreiber am meisten zu Buche schlagen. Deshalb bedeutet viel Handarbeit auf einem Hof oft eine vergleichsweise hohe Stallmiete. Durch die Möglichkeit der Mechanisierung in größeren Betrieben oder auf Bauernhöfen verzerrt sich dieses Verhältnis jedoch, was dazu führen kann, dass das Unterstellen eines Pferdes beispielsweise in einem bäuerlichen Betrieb trotz betriebsseitig erbrachter Arbeitsleistungen wie Misten und Heumachen (die aber maschinell gemacht werden) nicht teurer ist als die Unterbringung im eigenen oder gepachteten Stall, für den dann in den meisten Fällen Heu und Stroh vom Bauern gekauft und wo der Mist mühsam von Hand entfernt werden muss.

 

 

Landwirte nehmen oft zusätzlich zur Landwirtschaft einige Pensionspferde auf. So ergeben sich kleine, übersichtliche Stallgemeinschaften.

Kostenfaktor bauliche Anlagen im Pferdebetrieb

Nicht zu unterschätzen sind die Ausgaben, die für Grund und Boden, für bauliche Anlagen und Instandhaltungsmaßnahmen anfallen. Mit einem Kredit finanzierte Stallungen oder gepachtete Reitanlagen verursachen Monat für Monat Kosten, die natürlich ebenfalls durch die Pensionspreise für eingestellte Pferde aufgefangen werden müssen. Reithallenböden müssen gepflegt, Reparaturen vorgenommen und Gebäude gestrichen werden. Allein die regelmäßige Erneuerung von Tretschichten in Ausläufen verschlingt hohe Summen.

Es liegt auf der Hand, dass sowohl die zur Nutzung angebotene Reitanlage eines Pensionsstalles als auch die gepachtete Weide einer Haltergemeinschaft die Kosten ganz beträchtlich beeinflussen. Genau wie die erbrachte Arbeitsleistung steht deshalb das Flächenangebot in direktem Verhältnis zum finanziellen Aufwand: Bequeme Stadtnähe der Anlage (dort sind Flächen teurer!), pflegeintensive Reitplätze oder großzügige Paddocks verursachen höhere Kosten als sie etwa bei einer abgelegenen Pachtweide ohne weitere Anlagen oder bei vielen Pferden in Boxenhaltung auf wenig Fläche anfallen.

 

 

Bau und Unterhalt von Reitplätzen oder Zirkeln kosten Geld.