image
image

image

Bernhard Kegel

Der Rote

Roman

Für Jasper

© 2007 by mareverlag, Hamburg

Lektorat Ingrid Grimm, Berlin

Typografie (Hardcover) Farnschläder & Mahlstedt, Hamburg

ISBN E-Book-Ausgabe: 978-3-86648-337-8

www.mare.de

Inhalt

I Moby-Klick

1. Kaikoura

2. Der Friedhof-Komplex

3. Tage am Wasser

4. Otago

5. Die Station

II Der Koloss

6. Julio und Taningia

7. Der Taucher

8. Angriff der Killerkraken

9. Sharky und der Paradiesvogel

10. Auf der Klippe

11. Die Jagd

12. ROV

III Wellington

13. Maria

Das ist, glaube ich, das Erstaunlichste an der See: ihre Kraft, alles, was auf ihr lebt und sich bewegt, als ein Wunder erscheinen zu lassen, dem an Land nichts gleichkommt.

Laurens van der Post, Der Jäger und der Wal

In Hawaiki, der sagenhaften Urheimat der Polynesier, lebte vor langer Zeit ein Halbgott namens Maui. Eines Tages beschloss er, fischen zu gehen. Da ihn seine Brüder nicht mitnehmen wollten, versteckte er sich in dem großen Kanu, das Platz für zwei mal siebzig Ruderer hatte, und zeigte sich erst weit draußen auf See, als es zu spät war, umzukehren. Er nahm seinen magischen Angelhaken – es war der Kieferknochen seiner Großmutter, einer einstmals berühmten Zauberin –, befestigte ihn an einem Seil, und da seine Brüder böse auf ihn waren und ihm keinen Köder gaben, tauchte er den Haken in sein eigenes Blut und warf ihn ins Wasser. Der Haken sank tief hinab ins Meer, immer tiefer, bis mit einem Ruck ein riesiger Fisch anbiss. Die Brüder fürchteten um ihr Leben, weil das Tier so stark war, und sie schrien, er solle loslassen. Aber Maui hielt fest. Erst nach erbittertem Kampf gelang es der Mannschaft, den Fang an die Oberfläche zu ziehen.

Aus dem Riesenfisch wurde die Nordinsel Neuseelands. Das Tier kämpfte, deshalb ist das Land wild und zerklüftet. Als gekrümmte Landzunge im Norden der Hawke Bay ist Mauis Haken noch heute zu erkennen. Die große Südinsel Neuseelands war einst das Kanu, in dem Maui und seine Brüder aufs Meer fuhren, und die Halbinsel Kaikoura an ihrer Ostküste war der Sitz dieses Kanus. Von hier aus warf der Halbgott den magischen Haken aus und angelte die Nordinsel. Sie heißt Te ika a Maui, Fisch des Maui. Seine Brüder hatten es nicht geschafft, das kräftige Tier nah am Boot zu halten. Deshalb liegt zwischen den Inseln eine Meeresstraße, ein tückisches Gewässer.

Die Menschen wussten nichts von der Existenz dieses Landes. Bis ein mutiger Mann namens Kupe mit seinem Kanu weiter als je zuvor nach Südwesten fuhr, in die Richtung, aus der die großen Vogelschwärme kommen. Das Wasser wurde kälter, und nach Tagen stießen Kupe und seine Gefährten auf ein Land mit dunklen Wäldern und riesigen Vögeln. Sie ruderten an der Küste entlang. Als sie in eine breite Meeresstraße einfuhren, begannen plötzlich ungeheure Kräfte an ihnen zu zerren. Sie wurden hin und her geworfen und drohten an Felsen zu zerschellen. Manche sagen, es seien die unberechenbaren Strömungen der Cook Strait gewesen, die Kupe und seinem Kanu fast zum Verhängnis wurden, andere behaupten, dass die Entdecker in die Fänge eines riesigen Kraken geraten sind.

I Moby-Klick

Seeleute berichten vom plötzlichen Auftreten seltsamer Stürme, die, wie es scheint, eher eine Folge von Konvulsionen in den Tiefen als im Himmel über ihnen sind. Kann es sein, dass die vom Menschen entfesselten Zerstörungskräfte mächtig genug waren, um das terrestrische Gleichgewicht aus der Bahn zu werfen und das Universum in Unordnung zu bringen? Irgendwas läuft jedenfalls mit Sicherheit irgendwo schief.

Aus einem Leitartikel des Philadelphia Public Ledger im Sommer 1916.

Solche tristen Geschichten lenken die Unterhaltung der Fischer auf den Kabeljau. Dave Malloy, der Gabelstapler fährt, sagt: «Sie wollen was über Kabeljau wissen? Ich kann’s Ihnen sagen.» Er hebt die Hand zum Mund und gibt vor, mir ein Geheimnis zuzuflüstern. «Es gibt keinen mehr.»

Mark Kurlansky, Kabeljau

Aber nun genug von dem ganzen Gejammer,
wir gehen auf Walfang …

Herman Melville, Moby-Dick

1. Kaikoura

Maui

Wieder war er schweißgebadet aufgewacht. Seit Tagen fand er abends nicht in den Schlaf, dann folgten Nächte, so kurz und wenig erholsam, dass es ihm beim ersten müden Blinzeln am Morgen vorkam, als hätte es sie gar nicht gegeben. Hermann Pauli kannte diesen Zustand, er hatte weiß Gott genug Zeit im Kampf mit quälenden Gedankenspiralen verschwendet, die irgendwann nur noch um sich selbst kreisten. Er hatte es kommen sehen und vielleicht sogar provoziert. Es war schließlich seine Entscheidung gewesen hierherzufahren, um in den eigenen alten Fußstapfen zu wandeln. Er hatte versucht, sich zu wappnen, aber als der Rückfall dann mit Urgewalt über ihn hereinbrach, hatte er nur noch Schutz suchen können und gehofft, das Unwetter würde sich bald ausgetobt haben und vorüberziehen.

Doch dieser Morgen war anders. Die aufgehende Sonne schickte helle Lichtpfeile durch das Gebüsch hinter den Dünen ins Innere seines Campingbusses. Das monotone Getrommel des Regens auf dem Wagendach war verstummt. Stattdessen Vogelgezwitscher. Hermann konnte es kaum glauben. Er schlug die Augen auf, rollte sich zum Fenster, zog die Vorhänge zur Seite und war sofort hellwach. Endlich. Heute würde er sich nicht durch den Tag quälen müssen, würde nicht auf ihr Foto starren und sich nach dem Warum fragen und wie es zu Hause weitergehen sollte. Die Sonne schien. Und er hatte etwas vor. In wenigen Stunden würde er Wale sehen.

Den Weg zum Duschhaus sparte er sich und erledigte die Morgentoilette zu John Lee Hookers grummeliger Greisenstimme rasch an der kleinen Spüle im Wagen. Er pumpte Wasser in das Becken und brummte mit, I’m in the moohood, baby

Als er sich das Gesicht abgetrocknet hatte, verharrte er einen Augenblick und schenkte dem schmucken kleinen Technikwunder, das vorne auf der Ablage thronte, einen liebevollen Blick. Den MP3-Player hatte er, mit Dateien vollgestopft, von zu Hause mitgebracht, die Konsole mit den beiden Lautsprecherboxen bei der Zwischenlandung in Singapur auf dem Flughafen gekauft. Eine gute Entscheidung. Ohne die Musik, das dachte er heute nicht zum ersten Mal, ohne seinen Bach und den in Australien wiederentdeckten Blues hätte er das alles nicht durchgestanden.

Auf der Fahrt die Küstenstraße entlang hörte er The Healer. Es war John, der ihm vor Monaten Hookers letzte Alben mitgebracht hatte, weil er das einseitige Musikangebot seines Kollegen nicht mehr ertragen konnte. Mittlerweile war Hooker tot, aber Ende der Achtziger hatte eine Plattenfirma den greisen Bluesrecken aus der Versenkung geholt und ihm eine musikalische Frischzellenkur verpasst, die ihn weltberühmt machte. Hermann, der sein altes Idol seit Jahrzehnten aus den Augen verloren hatte, reagierte mit Befremden. Wie konnten sie es wagen, aus John Lee, der unverfälschten minimalistischen Blues spielte, einen verdammten Popstar zu machen? Aber dann hatte er Gefallen gefunden an den alten Songs im neuen Gewand. Sie beförderten ihn auf eine Zeitreise zurück ins Göttingen der sechziger und siebziger Jahre. Er studierte damals Biologie, aber wenn er gerade keine Pflanzen bestimmte oder sich in den Innereien eines Regenwurms zu orientieren versuchte, verbrachte er jede freie Minute im muffigen Übungsraum der Electric Hookers. Sie hatten etliche Songs ihres damals fast unbekannten Namengebers im Programm. Hermann spielte die Rhythmusgitarre.

Inzwischen begleitete ihn John Lee Hookers Musik auf Schritt und Tritt, und er war froh über das Comeback. Er bewunderte den Mann, der es im biblischen Alter von siebzig Jahren geschafft hatte, sich noch einmal vollkommen neu zu definieren. Und er beneidete ihn um seine zweite Chance. Manchmal wünschte er, es käme jemand, ein Healer, der auch ihm ein neues Leben schenkte, einen neuen Anfang. Aber ihm half niemand. Er würde wohl in Zukunft sein eigener Heiler sein müssen.

Hermann war die Strecke nach Kaikoura in den letzten Tagen schon ein paarmal gefahren, achtete kaum auf die Umgebung und hing seinen Gedanken nach. Was wohl aus den Jungs von der Band geworden war? Zu Bennie hatte er noch Kontakt. Er war Internist in Lübeck, stolzer Vater von drei Kindern, ein rundlicher Mann mit schütterem Haar, mit dem er gelegentlich essen ging und in alten Erinnerungen schwelgte. Bennie setzte sich immer noch im Keller seines Hauses hinter das Schlagzeug, um, wie er es nannte, ein wenig zu grooven. Ganz relaxed, versteht sich, rein zur Entspannung. Als Drummer der Electric Hookers war Entspannung für Bennie ein Fremdwort gewesen. Er hatte so wild auf die Felle eingedroschen, dass ihnen die Bruchstücke seiner Sticks um die Ohren flogen.

Von den anderen hatten sie lange nichts gehört. Hermann musste lachen, als er an Pit dachte. Sie hatten ihn Floh genannt. Er war nur eins dreiundsechzig groß, und um mit Bennies Energie mitzuhalten, spielte der Arme sich auf den scheppernden Seiten seines riesigen Fenderbasses regelmäßig die Fingerkuppen blutig. Mein Gott, warum er jetzt an diese alten Geschichten denken musste, ausgerechnet hier, am anderen Ende der Welt.

Bei einem Konzert der Hookers hatte er Brigitte getroffen, vor über dreißig Jahren. Vielleicht deshalb. Die Biologie und die Musik, das war damals sein Leben. In wen hatte sie sich eigentlich verliebt, dachte er plötzlich. In den langhaarigen Gitarristen, der mit seinen Kumpels auf Unifesten den wilden Mann markierte, oder in den scharfen Analytiker, den Wissenschaftler, der damals schon in ihm steckte? Dass er sie nie danach gefragt hatte …

Er schüttelte verwundert den Kopf und schaltete die Musik aus, um sich auf die Fahrt und den bevorstehenden Ausflug zu konzentrieren. Die ersten Häuser von Kaikoura tauchten auf. Er würde gleich da sein.

Als er seinen Bus abgestellt hatte und aus der Wagentür kletterte, herrschte auf dem weitläufigen Parkplatzgelände schon lebhafter Betrieb. Vor geöffneten Kofferraumhauben wurden Jacken, Pullover, Wasserflaschen und Obst in Taschen und Rucksäcke gestopft. Aus zwei Reisebussen quoll eine laut durcheinanderredende Touristengruppe, alle in Turnschuhen und bunten Windjacken. Mütter und Familienväter versuchten, ihre aufgeregten Kinder im Auge zu behalten. Überall erwartungsvolle Gesichter, Lachen, Vorfreude und Begeisterung über das herrliche Wetter. Hermann hatte geahnt, dass er nicht der Einzige sein würde – in den vergangenen Tagen waren alle Bootstouren wegen des Regens und der rauen See gestrichen worden –, aber mit einem derartigen Andrang hatte er nicht gerechnet. Seine Enttäuschung machte sich in einem tiefen Stöhnen Luft, und er überlegte, ob er zurück auf den Campingplatz fahren sollte. Aber er hatte gestern für teures Geld einen Platz auf dem Zehn-Uhr-Boot gebucht und zu lange auf diesen Moment gewartet.

Er atmete tief durch, schulterte den ausgeblichenen Leinenrucksack, der ihn seit Jahren auf seinen Reisen begleitete, und lief an einer Reihe von Pkws und Campervans vorbei auf das Terminalgebäude zu. Dass es sich um einen umgebauten Bahnhof handelte, erkannte man nur an den Gleisen, die an der Rückseite des Flachbaus vorbeiführten. Noch immer hielten hier täglich zwei TranzCoastal-Züge aus Picton und Christchurch, doch die Bahngleise – vor fünfzig Jahren in einem Ort, der jahrzehntelang nur über das Meer zu erreichen war, eine gefeierte Sensation – waren zur Nebensache geworden. Jetzt beherrschte Whale Watch Ltd. die Szenerie. Wer heute in Kaikoura haltmachte, kam – wie die ersten weißen Siedler vor hundertfünfzig Jahren – vor allem wegen der Wale.

Froh darüber, dass er sich nicht in eine der langen Schlangen vor den Ticketschaltern einreihen musste, ging Hermann außen an dem Gebäude entlang bis zum Eingang des Cafés, wo er sich ein Chicken-Sandwich und einen doppelten Espresso bestellte und mit dem Tablett draußen auf die Treppenstufen setzte. Drei Tage hatte er viele Stunden lesend, dösend und frierend allein in seinem Bus verbracht, was seiner Stimmung alles andere als zuträglich gewesen war. Aber das Warten hatte sich gelohnt. Wo vorher nur Regenschleier und dunkle Wolkenmassen zu sehen waren, funkelten heute die mit frischem Neuschnee bepuderten Gipfel der Kaikoura Range in der Morgensonne. Auf der Fahrt hatte er es kaum registriert, aber die Bergkulisse im Landesinneren war so grandios, dass er sich kaum sattsehen konnte. Sie umgab die Halbinsel wie die Zuschauerränge eines riesigen Amphitheaters. Es ist doch gut, dass ich hierhergekommen bin, dachte er und biss in sein Sandwich. Er hatte vergessen, wie schön dieser Ort ist.

Abgesehen von dem Besuch der Fischereitagung in Auckland, die vor vier Tagen zu Ende gegangen war, hatte er für die letzten zwei Wochen seiner langen Forschungsreise keine konkreten Pläne gehabt. Er dachte daran, mit der Bahn quer durch die neuseeländische Nordinsel zu fahren, um in Wellington einen Freund seines australischen Kollegen John Deaver zu besuchen. «Glaub mir», hatte John gesagt. «Raymond ist genau der Richtige, um dich auf andere Gedanken zu bringen. Du wirst sehen, ihr geht irgendwo am Strand spazieren, und ehe du dich’s versiehst, stolpert ihr über einen Riesenkalmar.»

Doch im National Institute of Water & Atmospheric Research hatte er erfahren, dass Raymond Holmes mit dem Forschungsschiff Otago im Südpazifik unterwegs sei. Also hatte er seinen Plan geändert, war auf die Südinsel geflogen, hatte sich ein weißes Campingmobil mit Kühlschrank und Gaskocher gemietet und, wie damals vor über zehn Jahren, Kaikoura angesteuert, das etwa drei Autostunden nördlich der Inselmetropole Christchurch liegt. Er hoffte, sich hier, an einem Ort, den er schon einmal mit seiner Familie besucht hatte, daran zu gewöhnen, dass ihn die Erinnerungen auf Schritt und Tritt verfolgten, bevor es zu Hause kein Entkommen mehr geben würde.

Hermann hatte sein Frühstückssandwich aufgegessen, wischte sich mit einer Papierserviette das Fett von den Fingern und schaute auf die Uhr. Ihm blieb noch mehr als genug Zeit für einen zweiten Kaffee, mit dem er sich sofort wieder nach draußen in die Sonne setzte. Einen tiefblauen, fast wolkenlosen Himmel über sich zu haben, wie in Australien, wo er in vier Monaten nicht einen Regentropfen gesehen hatte, war Balsam für seine Seele. Er konnte es nicht lassen, ununterbrochen in sich hineinzuhorchen und wie ein Seismograph jede noch so kleine Stimmungsänderung zu registrieren. Wenn er sich besser fühlte, traute er dem Frieden nicht und fand Gründe in der Außenwelt, auf die er keinen Einfluss hatte, das Wetter zum Beispiel oder eine schöne Landschaft. Ging es ihm schlecht wie in den Tagen zuvor, fühlte er sich bestätigt, weil er insgeheim vor seinem Rückflug nach Deutschland mit einem solchen Absturz gerechnet hatte.

Erst die deprimierende Tagung mit Dutzenden von Vorträgen über zusammenbrechende Fischbestände in aller Welt, dann die endlosen Grübelstunden hinter den beschlagenen Fenstern seines Campingbusses, das war genug, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Sofort waren sie wieder da, die Tage und Wochen von Brigittes Siechtum, und sie ließen sich weder durch halbherzige Leseversuche noch durch Bier oder australischen Rotwein vertreiben. Die erhabene kühle Schönheit Bach’scher Instrumentalmusik, die er dagegen in Stellung brachte, machte alles nur noch schlimmer, und selbst John Lees whiskeygegerbte Stimme half nicht. Eines seiner Lieder hatte es ihm in diesen dunklen Tagen besonders angetan. Es wurde zu einer Art Hymne, die er wieder und wieder hörte, obwohl sie ihm nicht guttat. Es war der alte John Lee Hooker, der ihn zutiefst berührte, nur seine Stimme, das energische Gitarrenspiel, das rhythmische Tappen seines Fußes. Und Textzeilen, einfache Worte, die ihm die Tränen in die Augen trieben, die klangen, als wäre dieser Song nur für ihn geschrieben:

«It’s raining here, raining here, and storming out on the deep blue sea. I’m so lonely, baby, I’m so lonely for you. I’m so lonely, so lonely, baby. It’s raining here and storming out on the deep blue sea.»

Ab und an war er der Enge seines Campervans entflohen, hatte sich zu einem Besuch des kleinen Historischen Museums aufgerafft, zu einsamen Strandspaziergängen, sogar zu einer Wanderung rund um die Halbinsel von Kaikoura, von der er bis auf die Haut durchnässt zurückkehrte. Aber die furchtbaren Bilder verfolgten ihn, wohin er auch ging. Ihr spitzes Gesicht und der bis zum Skelett abgemagerte, mit Morphium vollgepumpte Körper, die gelben Augen, ihr nächtliches Stöhnen, ihre Rufe nach Marion, nie nach ihm, ihr Kopfschütteln, wenn sie sich weigerte zu essen, die aufgesprungenen Lippen, die vergeblichen Versuche, ihr Flüssigkeit einzuflößen, ihre Hand, die zitternd nach dem Griff am Krankenbett tastete, die wunden Stellen auf ihrem Rücken, ihre letzten Atemzüge, so qualvoll, als könnte oder wollte sie nicht loslassen, all diese grauenvollen, entwürdigenden Details, die sich unauslöschlich in sein Gehirn gebrannt hatten und Angst machten, weil sie ihm wie eine Vorführung seines eigenen Endes erschienen, das Ende eines verpfuschten Lebens. Die Vorstellung, zu Hause wieder in dieses Leben hineinzuschlüpfen wie in einen alten mottenzerfressenen Mantel, war unerträglich. Die Konkurrenz unter geltungssüchtigen Kollegen, der Kleinkrieg öder Gremiensitzungen, gelangweilte Studenten, die in ihm nur den Spinner sahen, den Cephalo-Pauli, der am Montagmorgen um acht Uhr die Vorlesung in Sinnes- und Nervenphysiologie hielt. Es gab nichts, auf das er sich freute, nichts, was ihn nach Hause lockte. Brigitte war tot. John hatte sich getäuscht. Das Schlimmste war keineswegs überstanden. Dicht unter der Oberfläche lauerte ein bodenloser Abgrund.

Endlich, während Hermann sein Gesicht in die wärmenden Strahlen der Morgensonne hielt, verblassten die Eindrücke der letzten Tage. Er dachte an John Deaver und ihre gemeinsame Arbeit an Australiens Riesensepien. Sie hatten sich erst vor wenigen Tagen verabschiedet, aber er vermisste den schlaksigen jungenhaften Zoologen schon jetzt, seine unkomplizierte Art, seine Begeisterung und die nie versiegende Energie, mit der er sich in seine zahllosen Projekte stürzte. Vielleicht war es ein Fehler, die letzten Wochen allein in Neuseeland verbringen zu wollen. Er hätte in Sydney bleiben sollen, bei John, unter Menschen, in dieser quirligen Metropole mit viel Ablenkung. Sie hätten wieder in dem grandiosen Naturhafen der Stadt mit seinen vielen Buchten tauchen können. John kannte sich in den Unterwasserrevieren des Port Jackson aus wie normale Menschen in den Stadtparks und Kneipen ihrer Nachbarschaft. Hermann hatte es kaum glauben können, aber unter der mächtigen Hafenbrücke, mitten in der Stadt und nur einen Steinwurf von der berühmten Oper entfernt, lebten drei verschiedene Krakenarten. Die trüben Wasser der Kieler Förde hatten nichts annähernd Vergleichbares zu bieten.

Das Gespräch, in dem der Australier ihm von Raymond Holmes erzählte, war Hermann nachdrücklich in Erinnerung geblieben. Sie hatten an einem ihrer letzten gemeinsamen Abende im südaustralischen Whyalla zusammengesessen, und ihre Unterhaltung wäre beinahe in einen handfesten Streit gemündet, den ersten in den fast vier Monaten. John hatte es die ganze Zeit über nicht leicht mit ihm gehabt, besonders in den ersten Wochen, aber an diesem Abend war ihm kurz der Kragen geplatzt. Die Aussicht auf die immer näher rückende Heimkehr nach Deutschland hatte Hermann auf einen neuen Tiefpunkt befördert, zurück in die weit ausgestreckten Arme seiner Depression. Vor vier Monaten, als er in Sydney aus dem Flugzeug stieg, war er nur ein Schatten seiner selbst gewesen, und nun hatte er das Gefühl, Australien in genau derselben Verfassung wieder zu verlassen. Dass es ihm in Neuseeland, wo er sich erholen und auf seine Rückkehr vorbereiten wollte, noch schlechter gehen könnte, hatte zu diesem Zeitpunkt jenseits seiner Vorstellungskraft gelegen.

Das Gespräch hatte harmlos begonnen, eine Unterhaltung unter Kollegen, unter Cephalopodomanen, wie John es gerne nannte. Hermann hatte gerade ein längeres Interview mit Hans Peter Degenhardt gelesen, der sich zu Dreharbeiten in Neuseeland aufhielt. Ein Foto zeigte den berühmten deutschen Tierfilmer und Kryptozoologen an einem steinigen Flussufer vor wilder Hochgebirgskulisse, breitbeinig, massiv, vollbärtig, ganz der unerschrockene Entdecker. Der übliche Unsinn über angeblich noch lebende Moas im feuchtkalten Regenwald der Südinsel füllte fast eine Doppelseite. Obwohl die Riesenvögel seit Jahrhunderten ausgestorben waren, gab es immer wieder Leute, die sie gesehen haben wollten. Sie und obskure Gesinnungsgenossen in aller Welt versorgten die Presse mit ihren haarsträubenden Berichten und hielten damit eine Pseudowissenschaft wie die Kryptozoologie am Leben, auf die Hermann nicht gut zu sprechen war.

«Was für ein Schwachsinn», stöhnte er und ließ kopfschüttelnd die Zeitung sinken. «Warum sie diesem Kerl immer wieder ein solches Forum bieten, ist mir ein Rätsel.»

John blickte forschend über den Rand der Zeitung. «Von wem redest du?»

«Von Hans Peter Degenhardt.»

«Wer?» John zog fragend die Augenbrauen zusammen, dann lachte er. «Ach, so spricht sich dieser Name aus. Bei uns heißt er Diegnhärt. Jetzt verstehe ich. Du hast das Interview gelesen. Wollte ich mir auch noch vornehmen.»

«Er scheint bei euch ziemlich bekannt zu sein.»

«Degenhardt ist ein Star. Die Leute lieben seine Filme. Naturfilme sind ohnehin der Renner. Seltsam eigentlich. Tagsüber würden viele, ohne zu zögern, jedes Känguru abknallen, das ihren Schafen das Gras wegfrisst, und abends sehen sie sich romantische Filme über die ungestörte Wildnis an. »

«Das ist die übliche Schizophrenie.»

«Wir müssen eben raus aus unseren Labors und mit den Menschen reden.»

«Hoffnungslos. Seriöse Wissenschaft ist den Leuten zu anstrengend. Und zu langweilig. Sie wollen dieses dramatische Fressen-und-Gefressenwerden, das Degenhardt bietet.»

«Du magst ihn nicht.»

«Nein.»

«Warum nicht? Mir gefallen seine Filme. Die Musik und der Kommentar sind, na ja, ein wenig schwülstig, ziemlich dick aufgetragen. Aber die Aufnahmen sind phantastisch. Das muss man ihm lassen.»

«Ja, spektakuläre Bilder, klar. Aber sonst …»

«Ach komm. Was erwartest du? Was ist daran auszusetzen?»

«Entschuldige, wahrscheinlich bin ich ungerecht. Ich kenne seine Filme überhaupt nicht. Ich habe mir nie einen angesehen. Aber ich kenne ihn

John streckte überrascht den Kopf vor. «Du kennst Hans Peter Degenhardt?» Diegnhärt. Seine Stimme klang skeptisch.

«Sagen wir, ich kannte ihn. Wir sind ein Jahrgang. Wir haben zusammen studiert. Glaub mir, er war schon damals ein großmäuliges Arschloch. So einer ändert sich nicht.»

«Was sind das denn für Weisheiten?»

«Ach», Hermann winkte verärgert ab. «Lass uns über etwas anderes reden, bitte.»

John runzelte die Stirn. «Ist alles in Ordnung mit dir?»

«Natürlich. Was soll denn sein?»

«Ich weiß nicht. Du kommst mir heute den ganzen Tag schon etwas … wie soll ich sagen, deprimiert vor.»

«Nein, nein, da täuschst du dich.» Hermann schüttelte entschieden den Kopf. «Ich mag diese Kryptoschwachköpfe einfach nicht. Das ist alles.»

Für Minuten herrschte Schweigen, beide starrten auf ihre Zeitungsseiten. Hermann ärgerte sich, dass er sich zu derart unsinnigen Bemerkungen hatte hinreißen lassen. Degenhardt war ihm doch herzlich egal, und sich seinetwegen mit John zu streiten, war idiotisch.

Als er umblättern wollte, fiel sein Blick auf einen Kasten unten auf derselben Seite, den er bis jetzt übersehen hatte. Er enthielt ein kleines Foto und eine aktuelle Meldung aus Japan. Hermann überflog den Inhalt, stutzte und las den Text ein zweites Mal.

«Das gibt’s doch nicht», sagte er überrascht. «Wusstest du, dass die Japaner einen Architeuthis gefilmt haben?»

John ließ sofort die Zeitung sinken. «Wirklich? Wer? Wo?»

«Zwei Japaner, Kubodera und Mori. Sie haben es gerade veröffentlicht.»

Hermann begann vorzulesen: «Japanischen Wissenschaftlern ist es in der Nähe der Ogasawara-Inseln erstmals gelungen, einen lebenden Riesenkalmar zu fotografieren. Das Tier, das mit wissenschaftlichem Namen Architeuthis heißt, hatte sich in neunhundert Metern Tiefe in den Haken einer Köderleine verfangen und wurde dabei von einer automatischen Kamera fotografiert. Beim Versuch, sich zu befreien, verlor es einen fünfeinhalb Meter langen Tentakel, den die Forscher an die Oberfläche holen konnten. Möglicherweise hat ihn das Tier sich selbst abgebissen. Aus seiner Länge ließ sich eine Gesamtkörpergröße von etwa acht Metern errechnen. Riesenkalmare gehören zu den Cephalopoden oder Kopffüßern und sind die größten bekannten wirbellosen Tiere auf Erden.»

«Teufel noch mal!» John schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. «Haben sie es also endlich geschafft. Ich habe immer gedacht, dass so ein Vieh irgendwann einmal einer automatischen Kamera vor die Linse schwimmt.»

«Das Foto ist allerdings enttäuschend», sagte Hermann.

Die Aufnahme hatte kaum Passbildgröße. Offenbar hatten auch die Redakteure keine sehr hohe Meinung von den Fotokünsten der Japaner, sonst hätten sie dem sensationellen Bild sicher mehr Platz eingeräumt. Der Riesenkalmar, wenn es denn einer war, schien mit seinen Armen im Wasser herumzufuchteln. Er sah aus wie eine Spinne, die im Netz sitzt und ihre acht Beine um sich herum drapiert hat.

«Stimmt», sagte John. «Der war ja fast noch ein Baby.»

«Mit acht Metern?»

«Bei euch im Nordatlantik erreichen sie achtzehn Meter. Manche glauben, dass sie noch wesentlich größer und mehrere Tonnen schwer werden.»

Hermann sah ihn ungläubig an. «Das ist nicht dein Ernst. Es gibt keine Cephalopoden, die mehrere Tonnen wiegen.»

«Nein?» John schmunzelte. «Was ist mit dem berühmten Octopus giganteus?»

Hermann winkte ab. «Auch so ein Hirngespinst der Kryptozoologen, nichts weiter. Riesenkalmare wiegen jedenfalls nur wenige Zentner.»

«Bist du da so sicher? Vielleicht kennen wir bisher nur ein paar Halbstarke.»

«John», sagte Hermann mahnend. Wollte der Australier ihn provozieren? «Zwischen ein paar Zentnern und einigen Tonnen liegen Welten. Außerdem waren unter denen, die du Halbstarke nennst, geschlechtsreife Tiere. Man hat Spermatophoren gefunden.»

«In der Haut, ich weiß, sowohl in Weibchen als auch in Männchen. Regelrecht injiziert. Die Biester scheinen damit ziemlich wahllos um sich zu schießen. Keine besonders zärtliche Methode.»

«Also waren sie ausgewachsen.»

«Die Männchen, ja. Aber die Weibchen hatten noch keine reifen Eizellen. Vielleicht sind Riesenkalmare so selten, dass sich die Tiere da unten in der Finsternis kaum begegnen. Und wenn sie sich doch mal über den Weg schwimmen, platzieren die Männchen ihre Spermienpakete, egal bei wem, auch wenn die weiblichen Tiere noch nicht alt genug sind. Die Spermatophoren halten sich.»

«Also …»

«Alles Spekulation, ich weiß. Aber es wäre möglich, eine denkbare Strategie, als Anpassung an geringe Populationsgrößen. Es gibt Arten, bei denen das so läuft, warum nicht bei Architeuthis? Wir beide haben es leicht, wir können unsere Sepien direkt beobachten, aber bei Tiefseetieren bleibt uns gar nichts anderes übrig, als ein bisschen rumzuspinnen. Macht doch Spaß.» Er grinste. «Ich wusste gar nicht, dass dir Riesenkalmare so am Herzen liegen.»

«Was heißt, am Herzen liegen? Ich …»

«Beruhige dich, Hermann! Du bist heute wirklich leicht aus der Fassung zu bringen. Da fällt mir ein, kennst du eigentlich Raymond Holmes?»

«Den Namen habe ich schon mal gehört.»

«Es gibt niemanden, der so viele Riesenkalmare untersucht hat wie er. Ein Journalist hat ihm vor Jahren den Namen Mr Architeuthis verpasst, weil nahezu jeder große Kopffüßer, der in neuseeländischen Gewässern gefangen wird, auf seinem Präparationstisch landet. Letztes Jahr hat er sogar Jungtiere aus dem Wasser gefischt und für einige Tage am Leben erhalten.»

«Stimmt, davon habe ich gelesen.»

«Ray ist ein Eigenbrötler, sind wir ja alle, mehr oder weniger. Stimmt doch, oder?» Froh, ein unverfängliches Thema gefunden zu haben, versuchte John in einen munteren Plauderton zu fallen. Aber an diesem Tag gab es offensichtlich keine unverfänglichen Themen. «Er sagt, andere Menschen könnten seinen Geruch nicht ertragen, wenn er wieder bis zu den Ellenbogen in den Eingeweiden eines großen Kalmars gewühlt hat. Er ist über zwei Meter groß, weißt du, und manchmal ein wenig anstrengend, aber wir hatten schon viel Spaß miteinander.» Er lächelte.

Ja, dachte Hermann, darum geht es, Spaß haben. Mit mir hat man keinen Spaß.

John nahm die Lesebrille ab, die in seinem braungebrannten jugendlichen Gesicht wie ein Fremdkörper wirkte. «Normalerweise ist Ray ein Glückspilz. Wenn irgendwo ein großer Cephalopode auftaucht, ist Mr Architeuthis in der Nähe, darauf kannst du fast wetten. Er arbeitet selbst an einem Produkt, mit dem er die Biester vor die Kamera zu bekommen hofft, einem Extrakt aus den Keimdrüsen der Weibchen. Wie weit er damit gekommen ist, weiß ich nicht. Na ja, man kann nicht immer die Nase vorn haben. Diese Fotos werden ihm mit Sicherheit zu schaffen machen.» Er zuckte mit den Achseln. «Du musst Ray unbedingt kennenlernen. Wolltest du nicht nach Neuseeland, bevor du zurückfliegst, zu der Fischereitagung in Auckland? Wellington ist nur eine Flugstunde entfernt. Ich maile ihm, dass du kommst. Bei unserer letzten Begegnung habe ich ihm erzählt, was wir in Whyalla vorhaben. Er fand das sehr …»

Hermann machte ein gequältes Gesicht und ließ den Kopf sinken. Seine Mundwinkel zuckten. «John … ich …» Er holte tief Luft, versuchte zu verhindern, dass ihm vor seinem Kollegen die Tränen in die Augen schossen. Die Heimreise hätte er nicht ansprechen dürfen, alles, nur das nicht. «Es tut mir leid», sagte er mit einem Zittern in der Stimme. «Aber du bist mich ja bald los.»

Der Australier verdrehte die Augen und stöhnte, jetzt unverhohlen genervt. «Hermann, tu mir den Gefallen und hör endlich auf, dir selbst leidzutun», sagte er scharf. «Das ist wirklich nicht mit anzusehen. Du merkst es offenbar nicht, aber du mäkelst und jammerst über alles.» John trank aus seinem Glas und stützte sich dann mit beiden Ellenbogen auf die Tischplatte. Der freundschaftliche Ton, den er wieder anzuschlagen versuchte, fiel ihm sichtlich schwer. «Was ist denn los mit dir? Wenn ich irgendwie helfen kann …»

«Du hast mir schon genug geholfen.»

«Du spinnst. Was habe ich denn getan?»

«Ich will dich damit nicht belasten.»

«Unsinn.»

Hermann betrachtete die Runzeln auf seinem Handrücken. «Ich kann nichts dagegen machen, John», sagte er widerwillig. «Ich habe Albträume. Es wird immer schlimmer.»

«Was wird schlimmer?»

«Ich weiß nicht … alles. Es hört sich bestimmt lächerlich an, aber ich habe Angst, Angst vor den Kollegen, vor den Studenten, vor unserem Haus. Alles wird mich an Brigitte erinnern, ich habe nichts verändert. Jedes Bild, jedes Handtuch, jeder Teller. Sie hat alles ausgesucht. Wenn ich nicht gearbeitet habe, war ich quasi ihr Gast. Sie hat dafür gesorgt, dass Freunde ins Haus kommen. Und jetzt gibt es niemanden mehr. Meine Tochter hat von ihrem trübsinnigen Vater schon lange genug. Aber das Alleinsein ist Gift für mich. Es geht hier schon los. Ich bringe kaum etwas zustande, sitze stundenlang da und starre Löcher in die Luft.»

«Bei dem Gedudel, das du den ganzen Tag über dich ergehen lässt, würde ich auch trübsinnig werden.»

«Du sprichst von Bach, einem der größten Komponisten, die je gelebt haben.»

«Ich weiß.» Er machte eine wegwerfende Handbewegung. «Aber alles zu seiner Zeit, Hermann. Du musst das Haus verkaufen. Fang ein neues Leben an.»

«Das sagt sich so leicht. Wie soll das gehen? Ich werde bald sechzig.»

John verzog mitleidig das Gesicht. «In zwei Jahren, Hermann. Mach dich nicht älter, als du bist.»

«Ich habe nicht mehr die Kraft dazu. Ich fühle mich dem nicht gewachsen.»

«Das redest du dir ein! Ich habe dich erlebt. Du kannst arbeiten wie ein Tier.»

«Ja, hier. Das war etwas anderes. Diese wunderbare Natur, die Arbeit mit dir, das Tauchen, unsere Gespräche … Ich weiß nicht, ob du dir das vorstellen kannst, John, aber hier habe ich zum ersten Mal seit Monaten wieder erlebt, was es bedeutet, zufrieden zu sein, tief und fest zu schlafen, morgens aufzuwachen und sich auf den Tag zu freuen. Aber es ist zu Ende. Ich habe Angst, dass ich meine Zeit hier vergesse, sobald ich das Flugzeug besteige.»

«Lass es einfach auf dich zukommen. Was soll denn schon passieren? Natürlich hast du Angst davor, dass alles wieder hochkommt. Das würde jedem so gehen. Aber irgendwann musst du dich der Situation stellen, wegzulaufen ist bestimmt der falsche Weg. Die Zeit hier hat dich gefestigt. Wenn du wieder zu Hause bist, wirst du merken, wie sehr du dich verändert hast, dass du stärker geworden bist.»

«Ich brauche nur das Wort Zuhause zu hören, und schon würde ich mich am liebsten irgendwo verkriechen. Wie ein kleines bockiges Kind. Ich will nicht zurück.»

«Musst du ja auch nicht, jedenfalls noch nicht», sagte John. «Du Glücklicher hast noch Neuseeland vor dir, ein phantastisches Land. Was meinst du, wie ich dich darum beneide. Fahr nach Wellington! Fahr zu Ray!»

Hermann zeigte ein schwaches Lächeln. Er ergriff Johns Hand und drückte sie. «Siehst du, das meine ich», sagte er. «Komm, lass uns was essen gehen. Ich lade dich ein. Worauf hast du Lust?»

«Egal. Auf alles, nur keinen Tintenfisch.»

Hermann schreckte aus seinen Gedanken auf und schaute auf die Uhr. Es wurde Zeit, dass er sich um seinen Bootsausflug kümmerte. Er stand auf, stellte die leere Kaffeetasse drinnen auf einen Tisch und lief durch die angrenzende Halle, die einem Provinzflughafen zur Ehre gereicht hätte.

Die Damen, die ihn drei Tage lang wegen des schlechten Wetters vertröstet hatten, hockten hinter ihren Computerterminals und buchten die in Schlangen anstehenden Touristen unermüdlich für die verschiedenen Boote. Die heutigen Touren waren bereits ausverkauft. Im Raum verteilt standen hohe Regale mit Stapeln von T-Shirts, Pullovern, Mützen, mit Teetassen, Fotobänden und anderen Andenken. Hier wurde mit Whale Watching viel Geld verdient, das Unternehmen war Kaikouras größter Arbeitgeber. Ein paar Wale, die vor der Küste nach Nahrung tauchten, hatten sich als ergiebige und zuverlässige Geldquelle entpuppt, die man nur clever anzuzapfen brauchte, die gleichen Wale, die man noch vor wenigen Jahrzehnten harpuniert und zu Tran verkocht hatte. Ihre Knochen waren im Ort zu sehen, im Historischen Museum und in einer Grünanlage an der Esplanade, wo ausgebleichte meterlange Walrippen ein Spalier bildeten. Es waren Überbleibsel aus den wilden Anfangsjahren des Ortes, als ein Mann namens Fyffe in Kaikoura eine Küstenwalfangstation gründete. Aus Robbenschlägern, die nichts mehr fanden, was sie erschlagen konnten, waren damals Walfänger geworden, der Blutrausch blieb der gleiche. Hermann dachte an die vergilbten Fotografien, die er im Museum gesehen hatte. Vor Stapeln von Tranfässern und Walkadavern, die halb zerlegt im flachen Wasser lagen, posierten stolze bärtige Männer in verdreckter Kleidung. In alten Folianten war dort nachzulesen, dass neben all dem Schmutz, den stinkenden Haufen von Waleingeweiden, Knochen und Blubber, den Schweinen, Hunden und Ratten, den Bordellen und armseligen Hütten vor allem zwei Eindrücke schier überwältigend waren: der Gestank nach billigem Rum und der schwere süßliche Geruch von Blut, der über allem lag. Gott sei Dank waren diese Gemetzel vorbei, ein Hoffnungsschimmer. Heute lebte auf den Küstenfelsen rings um die Halbinsel wieder eine stattliche Pelzrobbenkolonie, und die lebendigen Wale waren zur größten Attraktion der Ostküste geworden. Offenbar gab es nur diese beiden Möglichkeiten, dachte Hermann, entweder Rummel oder Gemetzel. Kann man die Tiere nicht einfach in Ruhe lassen?

In einem Nebenraum lief ein Film mit Sicherheitshinweisen für die bevorstehende Fahrt. Die Stuhlreihen davor waren dicht besetzt, Familien mit Kindern, die mit großen Augen auf die Leinwand starrten, aber auch viele ältere Leute. Einige sahen aus, als könnte die Bootsfahrt zu den Pottwalen das letzte große Abenteuer ihres Lebens sein.

Wahrscheinlich ist das meine Gruppe, dachte Hermann. Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schock. Er war nur ein zahlender Kunde, ein Tourist, der eine als Massenevent inszenierte Whale-Watching-Tour gebucht hatte, einer von anderthalb Millionen jährlich. Es fiel ihm schwer, diese Rolle für sich zu akzeptieren. Normalerweise musste er keinen Eintritt bezahlen, wenn er Meeressäuger oder andere Tiere sehen wollte. Er war Zoologe, Hochschullehrer an der Universität in Kiel. Er gehörte auf ein Forschungsschiff, wie Raymond Holmes. Dieser Zirkus war nichts für ihn, Zirkus, ja, das war das richtige Wort. Der Überlebenskampf von Wildtieren wurde als Kunststück vermarktet.

Hermann blieb stehen und schüttelte inmitten der dichtgedrängt stehenden Menschen den Kopf über sich selbst: Er war nicht als Wissenschaftler hier, er machte diesen Ausflug aus nostalgischen Gründen, aus reiner Sentimentalität. Er beschloss, draußen zu warten. Er wusste, wie man eine Schwimmweste anlegt.

Ein mit springenden Delphinen und Pottwalfluken bemalter Reisebus brachte ihn und die anderen Touristen auf die Südseite der Halbinsel. Hatte das alles schon damals diese Ausmaße gehabt? An das Whale-Watch-Terminal mit dem großen Parkplatz erinnerte er sich, auch an die lange bunte Kette der Cafés und Restaurants in der Hauptstraße, aber das kulinarische Angebot war internationaler geworden, in den Kneipen lief andere Musik und zwischen den Souvenirläden hatte ein Internet-Café aufgemacht. Der Ort, der damals als Geheimtipp galt, hatte sich zu einem Mekka für Ökotouristen entwickelt. Mittlerweile konnte man hier nicht nur Wale sehen, sondern auch mit Delphinen oder Pelzrobben schwimmen, Seevögel beobachten, hochseefischen, wandern, reiten, Höhlen besichtigen oder mit seltsamen kleinen dickrädrigen Geländewagen die Bergwelt unsicher machen. Kaikoura war reicher und selbstbewusster geworden. Hermann war sich nicht sicher, ob es ihm auch sympathischer war.

Bei seinem letzten Besuch hatten die Boote an Land gewartet, aufgebockt auf stählernen Anhängern, die man umständlich über Leitern besteigen musste und die von Treckern ins Wasser und wieder an Land gezogen wurden. Hermann erinnerte sich, wie witzig sie diesen ungewöhnlichen Auftakt ihrer Bootstour fanden, das Abenteuer hatte schon an Land begonnen. Jetzt gab es hier, exklusiv für die kleine Whale-Watching-Flotte, ein neuangelegtes Hafenbecken samt Toilettenhaus, und statt der alten Motorboote schaukelten zwei moderne Katamarane im Wasser. Ein dritter war schon draußen in der Bucht.

Ihr Schiff war die Maui. Hermann ging als einer der Ersten an Bord, lief durch die leeren Sitzreihen und suchte sich einen Platz auf der Backbordseite, außen an der Reling. Sofort kramte er sein Fernglas aus dem Rucksack und suchte nach Seevögeln, die in Hafennähe auf einigen Felsblöcken im Wasser saßen. Während er sie beobachtete, fragte er sich noch einmal, ob er nicht lieber an Land hätte bleiben sollen, anstatt diesen Unsinn mitzumachen.

Als sich die Plätze in seiner Reihe füllten, ließ er das Fernglas sinken. Ein schmächtiger blasser Mann mit einer runden Sonnenbrille setzte sich neben ihn. Den Stuhl innen, am Gang, nahm seine Frau, zwischen ihnen hockte die kleine Tochter. Sie hatte einen Stoffdelphin auf dem Arm und sah Hermann neugierig an.

Während der Kapitän, ein bulliger Maori mit kurzen, stämmigen Beinen, die Passagiere auf der Maui willkommen hieß, rangierte der Katamaran schon vorsichtig aus dem Hafenbecken heraus und steuerte, vorbei an knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Felsplattformen, die sich weit hinaus in die Bucht zogen, Richtung Süden. Der Sturm der letzten Tage hatte sich zwar zu einem kräftigen Wind abgeschwächt, aber das Meer war noch immer bewegt, und gegen die bald einsetzende Schaukelei waren auch die modernen Katamarane nicht gefeit. Eine zierliche Asiatin, die drei Reihen vor Hermann saß, stürzte schon nach wenigen Minuten mit Leidensmiene an die Reling und stöhnte fortan leise vor sich hin. Alle, die hinter ihr saßen, vermieden es, in ihre Richtung zu schauen.

Hermanns Nachbar und seiner kleinen Tochter schienen die Bootsbewegungen nichts auszumachen, die Frau aber hatte zu kämpfen. Sie war kreidebleich, klammerte sich mit beiden Händen an die Rückenlehne der vorderen Sitzreihe und versuchte verzweifelt, den Horizont im Blick zu behalten.

Hermann griff in seinen Rucksack und zog ein Medikament gegen Reisekrankheit hervor. «Entschuldigen Sie», sagte er zu dem Mann neben ihm, der ihm vage bekannt vorkam, «mir haben diese Tabletten immer geholfen. Man muss sie nur rechtzeitig nehmen, sonst bewirken sie eher das Gegenteil. Wenn wir aufs offene Meer kommen, wird es noch schlimmer.»

«Das ist sehr nett von Ihnen», antwortete der Mann sichtlich erleichtert und nahm Hermann die Medikamentenschachtel aus der Hand. Sein Akzent war unverkennbar. Die Familie kam aus Deutschland. «Wir sind wirklich schlecht vorbereitet. Unsere Tabletten liegen im Auto. Darf ich auch?»

«Natürlich, bedienen Sie sich», sagte Hermann auf Deutsch.

Schnell erfuhr er, dass die drei aus Gießen kamen und in wenigen Tagen zurück nach Hause reisen würden. Das Kind hieß Lena. Er hörte sich bittere Klagen über das neuseeländische Wetter an und ließ sich ihre Reiseroute erläutern. Sie hatten ein anstrengendes Besuchsprogramm absolviert. Hermann nickte immer wieder, stellte aber keine Fragen. Er erinnerte sich jetzt, dass er der Familie, während des Dauerregens der letzten Tage, in der Küche des Campingplatzes begegnet war. Sie hatten oft zu dritt an einem Tisch gesessen und Mensch ärgere dich nicht! gespielt. Auf seine dunkle Hautfarbe angesprochen, erzählte Hermann, er sei für einige Monate in Australien gewesen. Danach riss der Gesprächsfaden, und der Mann wirkte ein wenig deprimiert, als dächte er darüber nach, warum ausgerechnet er bald wieder im Büro sitzen müsste, während andere monatelang Zeit hätten, um durch die Weltgeschichte zu reisen.

Zwei junge Frauen gingen durch die Reihen und verteilten leere Plastiktüten. «Oh, wie vorausschauend», kommentierte Hermanns Nachbar höhnisch. Anschließend wurden Getränke serviert, und über die Außenlautsprecher tönten Erklärungen. Lena sah ihren Vater auffordernd an. Er sollte dolmetschen.

Zunächst pries der Kapitän der Maui die neuen Katamarane mit ihrem Jet-Antrieb. Sie seien viel leiser als die alten Boote mit den schweren Außenbordmotoren. Wale hätten ein empfindliches Gehör, und in Kaikoura sei es oberstes Gebot, die Tiere so wenig wie möglich zu stören. Das Naturschutzministerium habe ein Auge auf das Whale Watching. Es gebe strenge Auflagen. Man könne hier zwar auch anderen Walarten begegnen, aber Pottwale seien am häufigsten. Direkt vor der Küste Kaikouras befinde sich ein Tiefseegraben, in dem Tintenfische lebten, ihre Beute.

Hermann hätte schwören können, dass Brigitte, Marion und er vor über zehn Jahren Wort für Wort denselben Vortrag gehört hatten.

«Da die Boote tagelang nicht ausfahren konnten, werden wir heute vielleicht etwas mehr Zeit benötigen als sonst, um sie zu finden», fuhr der Kapitän fort. «Wir wissen nicht, wo die Tiere sich im Moment aufhalten, unsere Wale sind frei und wild. Wir können Ihnen nicht garantieren, dass wir Erfolg haben, aber wir tun unser Bestes. Ich bin ziemlich optimistisch. Also, entspannen Sie sich und genießen Sie die Fahrt!»

«Ziemlich optimistisch», spottete Lenas Vater. Er nahm seine Sonnenbrille ab und wandte sich an Hermann. «Ein wenig Optimismus ist ja wohl das Mindeste, was man für das Geld erwarten darf, hab ich recht?»

«Stimmt. Für eine Familie ist das Ganze ein teures Vergnügen.»

Der Nachbar schnaubte entrüstet. «Ich bitte Sie: 120 Euro. Mit Touristen kann man’s ja machen. Das steht doch in keinem Verhältnis. Das Whale-Watching-Geschäft soll sich ja in der Hand einer einzigen Maorifamilie befinden. Dass die Regierung so etwas gestattet. Wenn überhaupt jemandem, sollten die Wale doch allen Menschen gehören, oder dem Staat.»

«Ich bin mir auch nicht sicher, was ich von dem Zirkus halten soll», stimmte Hermann zu, obwohl ihn der nörgelnde Ton des Mannes störte, ein Vorgeschmack auf das, was ihn in Deutschland erwartete.

«Kohle, worum soll es denn sonst gehen? Und dann hat er noch die Frechheit zu sagen, dass wir vielleicht gar keine Wale sehen werden.»

«Was?» Lenas große Kinderaugen waren weit aufgerissen.

«Keine Angst, soviel ich weiß, halten sich hier immer Pottwale auf», sagte Hermann schnell. Ein jammerndes Kind fehlte ihm gerade noch. Er hatte gehört, dass diese Wale mehr oder weniger ortstreu waren. Die Bootsführer taten nur so, als wäre der Erfolg ihrer Fahrt ungewiss, was die Spannung zweifellos erhöhte. Ein Abenteuer und eine Fotopirsch, deren Erfolg von vornherein feststeht, ist eben kein Abenteuer, sondern ein besserer Zoobesuch. In Wirklichkeit wussten die Kapitäne genau, wo sie die Wale finden würden. Sie benutzten sogar Unterwassermikrophone und besuchten dieselben Tiere fünf-, sechsmal am Tag.

Er beugte sich vor und sprach Lena direkt an. «Mach dir keine Sorgen. Wir werden bestimmt Wale sehen. Als ich das letzte Mal hier war, haben wir drei an einem Nachmittag gesehen. Meine Tochter war damals so alt wie du.»

«Ohh, gleich drei?», staunte das Mädchen und sah seinen Vater an.

«Sie ist völlig verrückt nach Walen», schaltete sich die Mutter ein, der es inzwischen deutlich besserging. Sie hielt eine Büchse Cola in der Hand.

Lenas Vater setzte die Sonnenbrille auf und legte den Arm um seine Tochter. «Aber es dauert noch. Der Kapitän sagt, die Wale tauchen gerade.»

«Nach Riesentintenfischen?»

«Klar, nach Riesentintenfischen.»

Lena nickte zufrieden. «Ich pass auf. Dann sehe ich sie gleich, wenn sie nach oben kommen. Es ist bestimmt schwer, sie zu finden. Hier gibt es nämlich nur …», sie überlegte, «… Walmänner. Die sind immer allein.»

«Du weißt ja gut Bescheid», sagte Hermann und schmunzelte.

Er erzählte Lena die Geschichte von Maui, nach dem ihr Schiff benannt sei, und dessen magischem Angelhaken. Sie lachte. Hermann hatte keine Ahnung, was ihn zu diesem kleinen Vortrag veranlasst hatte, warum er sich überhaupt mit diesen Leuten unterhielt. Vielleicht war es die Begeisterung des kleinen Mädchens, die ihm gefiel.

Bald meinte Lena, in jeder zweiten Welle den Rücken eines Pottwals zu erkennen, und ihr Gesicht glühte vor freudiger Erwartung.

Die Halbinsel Kaikoura schrumpfte zu einem flachen Streifen am Horizont, überragt von den Bergen mit ihren Schneekappen. Die Maui bewegte sich in südöstliche Richtung, und Hermann schätzte, dass sie sich auf Höhe des Campingplatzes am Peketa Beach befanden, wo er die letzten Nächte verbracht hatte, nur drei, vier Kilometer von der Küste entfernt. Im Wasser schwammen orangerote Wolken von Krill. Walfutter! Unter der Maui lag jetzt der Graben, eine gigantische Rinne in der Erdkruste, Moby-Dicks Jagdgründe.

Er erzählte seinem Nachbarn, wie außergewöhnlich dieser Ort sei, ein Tiefseecanyon in unmittelbarer Küstennähe. Er würde sonst was dafür geben, wenn er hier mit einem Tauchboot auf Entdeckungsreise gehen könnte, sagte er und wunderte sich selbst über seinen Enthusiasmus.

Lenas Vater zeigte dafür wenig Verständnis. «Um Gottes willen», sagte er und hob abwehrend die Hände. «Niemals!» Er dürfe gar nicht darüber nachdenken, wie viel Wasser der Katamaran unter seinen Kielen habe. Selbst die Wale brauchten eine halbe Stunde, um unten anzukommen. Außerdem seien sie ja praktisch am Ende der Welt. Nicht weit von hier beginne das Packeis der Antarktis, das müsse man sich mal klarmachen. Und im Osten gebe es über Tausende von Kilometern nichts als Leere, Wetter und Wasser. Erst einen halben Erdball entfernt liege die Südspitze Amerikas und die chilenische Küste, wo sich die El Niños austobten. Nein, keine zehn Pferde würden ihn dazu bringen, hier ins Wasser zu springen.

Blödmann, dachte Hermann. Hat ja auch niemand gesagt, dass du mitkommen sollst. Er wandte sich ab und starrte in das tiefblaue Wasser.

Warrior

Klick!

Barbara war unkonzentriert. Warum meldete sich Mark nicht? Sie hatte heute Morgen wieder versucht ihn anzurufen, wahrscheinlich viel zu früh für den notorischen Langschläfer, aber sie konnte ihn nicht erreichen, weder in der Bar noch zu Hause. So ging das seit Tagen. Mittlerweile war aus ihrer Enttäuschung Ärger geworden, aus Ärger Besorgnis und aus der Besorgnis, ja, was? – Gleichgültigkeit?

Klick!