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Die kleine Residenz


Die kleine Residenz

Ein Lesebuch über Bernburg
1. Auflage

von: Volker Ebersbach

CHF 11.00

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 17.08.2022
ISBN/EAN: 9783965217416
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 1154

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Bernburg an der Saale war die erste und älteste unter den Residenzen der anhaltinischen Fürstentümer, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts Herzogtümer wurden. Heinrich I., Enkel Albrechts des Bären, ist als Minnesänger in der Manessischen Liederhandschrift vertreten. Till Eulenspiegel vollführte hierseine ersten Streiche. Dichter wie Ewald von Kleist, Goethe, Novalis, Eichendorff gedachten als Durchreisende der Stadt. Superintendent Friedrich Adolph Krummacher wurde als Fabeldichter bekannt. Der Hofmaler Wilhelm von Kügelgen schrieb die „Erinnerungen eines alten Mannes“. Napoleon wechselte 1813 auf dem Viehmarkt die Pferde. Bismarck wäre beinahe Erster Minister geworden. Der DDR-Architekt Hermann Henselmann wuchs hier auf. Der Band versammelt Selbstzeugnisse und Dokumente der verschiedensten Persönlichkeiten aus der Geschichte dieser Stadt.
Früheste Zeugnisse
Zur Geschichte der Forschung
Geschichtliche Äußerungen über das hohe Alter Bernburgs
Die Urkunde vom 29. Juli 961
Deutungen des Namens Bernburg
I. TEIL: FRÜHE STIMMEN
Das Tanzwunder in Kölbigk und andere Sagen
Der Kölbigker Heele Christ oder Kölbigker Spukegeist
Der Bernburger Heele Christ
Das Gespenst auf der Altstädter Pfarre
Der Leichenzug auf dem Zepziger Wege
Die Bläsjungfer
Der Nickert
Der Gottsingende Grund bei Gröna
Die Kreuzsteine in Ilberstedt
Die Raubburg Pfuhle
Ein anhaltischer Minnesänger
Till Eulenspiegel an der Saale
II. TEIL: BERNBURG UND SEINE FÜRSTEN
„Von der Stat Bernburg“ – von Johann Christoph Beckmann
Das Fürstliche Schloss
Der Heringskrieg
Wolfgang, 1492–1566
Joachim Ernst, 1536–1586
Ricarda Huch über Christian I. (1568–1630)
Golo Mann über Christian I.
Golo Mann über Christian II. von Anhalt Bernburg
Aus dem Tagebuch Christans II. von Anhalt-Bernburg
Victor Amadeus, 1634–1718
Victor Friedrich als Bräutigam in Potsdam – (Aus den Memoiren einer Schwester Friedrichs II. von Preußen)
III. TEIL: BERNBURG 1644
Bernburg 1644 in Friedrich Schillers Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs
Der Dreißigjährige Krieg 1644 in Bernburg
IV. TEIL: DICHTERGRÜSSE
Ewald Christian von Kleist in Bernburg
Ein Dichter am Fürstentisch: Goethe in Anhalt-Bernburg
Franz Stieler: Geschäftlicher Briefwechsel Goethes mit dem Herzog von Anhalt-Bernburg
Harzreise eines Frühromantikers: Novalis sieht Bernburg
„In einem kühlen Grunde“: Joseph von Eichendorff und Anhalt-Bernburg
1813: Ludwig Achim von Arnim und sein „Nachruf an Heinrich Ferdinand von Krosigk“
V. TEIL: DER ÄTTI – SUPERINTENDENT UND DICHTER – Friedrich Adolph Krummacher in Bernburg
Der Vorgänger: Johann Caspar Häfeli
Aus Krummachers Werken
Aus den „Parabeln“
Aus „Bilder und Bildchen“
Aus Krummachers Briefen
VI. TEIL: HOFMALER UND ERZÄHLER, – Wilhelm von Kügelgen in Anhalt-Bernburg
Aus den „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“
Viertes Kapitel – In Ballenstedt
Ein Besuch bei Hofe
Drittes Kapitel – Ankunft in Bernburg
Die Hausgenossen
Wie man sich bei Damen insinuiert (13)
Musikalische Leistungen
Zwei Kanzeln
Die Schule
Der Verfasser ergibt sich der Demagogie
Meine Wirksamkeit bei Hofe
Das Aktenstück
Aus den Briefen und Tagebüchern
Anmerkungen zu den Texten von Wilhelm von Kügelgen:
Anhang: Wilhelmine Bardua über Bernburg
VII. TEIL: NICHT GEKOMMEN – NICHT GEBLIEBEN
Beinahe Bismarck
Otto von Heinemann und das Bernburger Gymnasium
Erinnerungen von Hermann Henselmann
Volker Ebersbach ist am 6. September 1942 in Bernburg/Saale geboren und dort aufgewachsen. Nach Abitur und Schlosserlehre studierte er von 1961 bis 1966 Klassische Philologie und Germanistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 1967 promovierte er über den römischen Satiriker Titus Petronius. Danach lehrte er Deutsch als Fremdsprache ab 1967 in Leipzig, 1968 in Bagdad, 1971 bis 1974 an der Universität Budapest, wo er auch mit seiner Familie lebte.
Seit 1976 ist er freier Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber. Er schreibt Erzählungen und Romane, Kurzprosa, Gedichte, Essays, Kinderbücher, Biografien und Anekdoten. Er übersetzte aus dem Lateinischen ausgewählte Werke von Catull, Vergil, Ovid, Petronius, das Waltharilied, Janus Pannonius und Jan Kochanowski. Einzelne Werke wurden ins Slowenische und Koreanische übersetzt.
Von 1997 bis 2002 war er Stadtschreiber in Bernburg. Danach lehrte er bis 2004 an der Universität Leipzig.
Beinahe Bismarck
Beinahe hätte Otto von Bismarck (1815–1898), der später als Staatsmann umstritten war und als „Reichseiniger“ und Kanzler des deutschen Kaiserreiches zu Ruhm gelangte, als junger preußischer Politiker 1851 im Herzogtum Anhalt-Bernburg ein bedeutendes Amt übernommen. Der bekannte Bismarck-Biograf Ernst Engelberg schreibt: „Im Januar 1851 kam die wunderliche Idee auf, Bismarck als preußischen Staatsvertreter nach Bernburg ins Anhaltische versetzen zu lassen.“ Er mag recht haben, wenn er den Plan angesichtes des weiteren Werdegangs „wunderlich“ nennt. Er ist aber ungenau informiert, wenn er ihn zu einem „preußischen Staatsvertreter“ macht, denn seine Berufung hätte gerade der Unabhängigkeit des Ländchens dienen sollen. Bismarck sollte Erster Minister werden.
Die revolutionären Ereignisse der Jahre 1848 und 1849 hatten den Zwergstaat und seine beiden kleinen Residenzen Ballenstedt und Bernburg nicht wenig erschüttert und, obwohl anstelle des geistesgestörten Herzogs Alexander Carl ein noch von Herzog Alexius berufener Geheimer Konferenzrat regierte, den Wunsch nach einem „starken Mann“ an seiner Spitze genährt. Nach dem Tod des Geheimrats Heinrich von Krosigk (1789–1850) war dieses Gremium ohne Leitung. Victor Hempel, ein Ballenstedter Advokat, galt nur als Übergangslösung. Herzogin Friedrike war mit ihren Bemühungen, die Regentschaft für ihren Gatten zu übernehmen, noch nicht zum Erfolg gekommen. Erst 1855 gelang es ihr, an ihrem 44. Geburtstag, dem 9. Oktober, die Mitregentschaft, die eine Regentschaft bedeutete, zu übernehmen.
Auf dem Spiel stand die Unabhängigkeit von Dessau. Das Gespenst der Übernahme Anhalt-Bernburgs durch Dessau, das nach dem Aussterben der Linien Zerbst (1793) und Köthen (1847) nur noch auf das Ende auch der Bernburger Linie wartete, hatte schon den Verlauf der Revolution mitbestimmt. Auch ein Anschluss an Preußen wurde vielerseits erwogen. Die enge Anlehnung an Preußen, das wie ein preußischblaues Meer Anhalt umgab, verstand sich beinahe schon von selbst.
Bismarck verhandelte nach Erhalt des verlockenden Angebotes aus Ballenstedt mit Ludwig August Graf von der Asseburg-Falkenstein (1796–1869), dem Besitzer der Burg Falkenstein im Selketal, der als Erster Oberjägermeister am preußischen Hof diente. Den Unterharz kannte Bismarck seit 1846 von Wanderungen mit seiner Braut Johanna von Puttkamer (1824–1894), die inzwischen – am 28. Juli 1847 – seine Frau geworden war. Seine Neigung, den Posten anzunehmen, wurde von diesen Erinnerungen genährt. Doch den Ausschlag gab für ihn die Meinung des Königs, und, da Friedrich Wilhelm IV. ein schwacher Monarch war, mehr noch die der preußischen Minister. Und man hatte mit dem begabten jungen Politiker mehr vor. Bismarck wurde am 8. Mai 1851 an die preußische Gesandtschaft beim Bundestag in Frankfurt berufen und am 15. Juli zum Bundestagsgesandten ernannt. Erster Minister in Anhalt-Bernburg wurde am 5. Mai 1851 der mit Bismarck befreundete konservative Danziger Regierungsrat Max von Schaetzell (1804–1879), der bereits im März im Herzogtum eingetroffen war.
Einzige Quelle für den hochbedeutsamen und dennoch nur am Rande der Zeitgeschichte spielenden Vorgang sind drei an seine Frau gerichtete Briefe Otto von Bismarcks (zit. nach: Ernst Eilsberger, Bismarck und Anhalt-Bernburg, Bernburger Kalender 1933, S. 34, vgl. auch Ernst Engelberg, Bismarck – Urpreuße und Reichsgründer, Berlin 1986, S. 365, und Lothar Gall, Bismarck – Der weiße Revolutionär, Frankfurt am Main und Berlin 1990, S. 120, sowie Petra Dollinger, Frauen am Ballestedter Hof, Leipzig 1999, S. 534 ff.):
Berlin, 20. 1. 51 (…) Sonntag 6 Uhr auf 7 zu Assenburg wegen Besetzung des Ministeriums in Bernburg (was sie mir anboten), bis 9 verhandelt. (…) Ich habe die Sache in Bernburg bisher nicht betrieben, sondern Gott überlassen; sonst ist die Stellung angenehm: der Herzog ist blödsinnig und der Minister Herzog. Wenn der König es von mir fordert, so gehe ich hin, sonst nicht. In ersterem Falle Du natürlich auch, da die Sache voraussichtlich länger dauern würde, Jahrelang. Sprich nur mit den Eltern davon, sonst niemand. (…)
Berlin, 22. 1. 51 (…) Nach Bernburg gehe ich nicht, der König wollte zwar, die Minister aber nicht, weil sie mich in der Kammer nicht missen können, wie sie sagen, und gegen sie ist es nicht durchzusetzen. Es wäre recht hübsch dort, als unabhängiger Herzog (der wahre ist blödsinnig) und dicht im Harz mit Viktorshöhe und das ganze Selketal zu regieren, in Ballenstedt wohnend. (…)
Berlin, 31. 1. 51 (…) Aus Bernburg wird nichts (…)

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