Alfred Bekker Western: Marshal ohne Stern

Neal Chadwick Extra Edition, Volume 1

Alfred Bekker

Published by BEKKERpublishing, 2015.

Inhaltsverzeichnis

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Marshal ohne Stern

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Marshal ohne Stern

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Western von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 105 Taschenbuchseiten.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1

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US-Marshal Brent Arrows wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und blickte nach Süden - dorthin, wo irgendwo das Hauptquartier von Jake Swann sein musste - jenem Mann, dem er das Handwerk legen sollte. Seinen Stern trug Arrows nicht, schon um länger am Leben zu bleiben. Denn das Land, das vor ihm lag, war das Land, in dem Jake Swann regierte und nicht das Gesetz. Sobald irgendjemand erfuhr, dass er im Auftrag des Gouverneurs hier war, um Swann zu entmachten, würde er eine Zielscheibe sein. Arrows war den ganzen Tag geritten und inzwischen war die Sonne bereits milchig geworden. Vor ihm befand sich eine karge, trockene Einöde soweit das Auge reichte.

Ein Geräusch ließ Arrows dann abrupt hochfahren. Seine Rechte fuhr instinktiv in Richtung Hüfte, wo ein Revolvergriff aus dem Holster ragte.

Schüsse peitschten.

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Arrows blickte sich nach allen Seiten um, aber zunächst war nirgends etwas zu sehen.

Die Schüsse krachten irgendwo hinter der nächsten Hügelkette gen Süden und mittlerweile war die Sache zu einer ausgewachsenen Schießerei geworden. Ziemlich heftig musste es da hin und her gehen...

Das Geräusch galoppierender Pferde war zu hören. Es wurde lauter. Ein Reiter, der sich dicht am Rücken seines Gauls hielt, preschte über die Hügel. Er klammerte sich an den Hals seines Schecken. Der Mann war verletzt. Sein Hemdrücken rot. Ein Wunder, dass er sich noch in den Steigbügeln halten konnte.

Der Kerl ritt direkt auf Arrows zu.

Dann kam ein zweiter Reiter über den Hügel. In einem mörderischen Galopp hetzte er mit einem 45er in der Rechten hinter dem Verletzten her. Der Verfolger zielte kurz und feuerte.

Der Flüchtende hatte keine Chance. Die Kugel zerfetzte ihm den Hinterkopf. Ein Ruck ließ ihn vorn über den Hals des Pferdes zu Boden fallen. Der Gaul stoppte. Der Körper des Getroffenen kam mit einem dumpfen Laut auf dem ausgetrockneten Boden auf.

Arrows' Hand war indessen zur Hüfte gegangen.

Der US-Marshal hatte keine Ahnung, worum es hier ging und was der Hintergrund dieser Fehde war. Eine grausige Mischung aus Schreien und Schüssen drang unterdessen über die Hügelkette.

Der fremde Reiter sah Arrows für den Bruchteil eines Augenblicks mit schmalen Augen an. Ein kantiges, brutales Gesicht mit einem gemeinen Grinsen um den dünnlippigen Mund. Seine Nase sah aus, als wäre sie mal gebrochen gewesen.

Der Kerl riss die Waffe hoch und feuerte. Rot züngelte es aus dem langen Lauf des Peacemakers heraus.

Aber Arrows war schnell.

Blitzartig hatte er die Waffe aus dem tiefgeschnallten Holster herausgerissen und abgedrückt.

Die Schüsse fielen beinahe gleichzeitig.

Arrows erwischte sein Gegenüber an der Schulter. Der Kerl wurde durch die Wucht des Geschosses nach hinten gerissen. Sein eigener Schuss ging daher haarscharf an Arrows' Hutkrempe vorbei.

Der fremde Reiter riss sein Pferd herum. Er versuchte, noch einmal auf Arrows zu schießen, riss die Waffe hoch und drückte ab...

Arrows duckte sich und schoss um den Bruchteil einer Sekunde früher. Der Kerl hatte ihm keine Wahl gelassen.

Sein Gegner stöhnte auf. Das Pferd preschte davon, während der Reiter schlaff im Sattel hing.

Arrows folgte ihm.

Der Reiter rutschte einen Augenblick später aus dem Sattel und blieb regungslos liegen.

Arrows blickte kurz zu dem Mann hinunter, der im Staub lag.

Dem konnte keiner mehr helfen...

Bevor Arrows seinem Gaul die Sporen gab, langte er noch hinunter zum Scabbard, riss das Winchester-Gewehr heraus und lud die Waffe mit einer energischen Bewegung durch.

Dann preschte er vorwärts - dorthin, wo geschossen wurde.

Arrows hatte nicht die leiseste Ahnung, um was es hier ging oder was ihn hinter der nächsten Hügelkette erwarten würde. Er sah jetzt hinter den Hügeln eine schwarze Rauchsäule in den strahlend blauen Himmel hinaufsteigen

Unbarmherzig trieb er den Braunen vorwärts und hetzte ihn schließlich einen flachen Hang hinauf. Oben, auf dem Hügelkamm angekommen blickte er hinab.

Noch immer wurde wild hin und her geschossen.

Hier war ohne Zweifel ein erbarmungsloser Kampf im Gange...

Arrows sah eine mittelgroße Ranch, deren Wohnhaus in hellen Flammen stand.

Flammen schlugen bereits auch aus der Scheune und dem Pferdestall.

Einzig und allein ein etwas abseits gelegenes Gebäude, das wohl als Unterkunft für die Cowboys diente, war bislang noch vom Feuer verschont geblieben, aber wenn es nach den Angreifern ging, dann würde sich auch das bald ändern.

Etwa ein Dutzend Männer schossen wie wild auf die Ranch und dabei vor allem auf die Unterkunftsbaracke, denn dort schien sich der letzte Widerstand zu halten...

Aus Zweien der Fenster konnte man in steter Regelmäßigkeit Mündungsblitze zucken sehen, aber was war das schon gegen die Flut der Angreifer?

Arrows sah einige Leichen im braunen, trockenen Gras und beim nahegelegenen Pferdecorral.

Es war nicht zu sehen, welcher Seite sie angehörten, aber sie zeugten davon, mit was für einer Verbissenheit hier gekämpft worden war.

Die Sache schien klar.

Ein Rancher und seine Leute verteidigten sich hier mit dem Mut der Verzweiflung gegen eine Bande von Gesindel. Aber ihre Chancen standen schlecht.

Arrows' Augen wurden schmal.

Dann ließ er seinen Braunen den Hang hinunterstürmen, wobei er Schuss um Schuss aus seiner Winchester abgab.

Schon mit den ersten Kugel holte er zwei der Kerle aus ihrer Deckung heraus.

Arrows konnte nicht genau sagen, wie schwer er sie erwischt hatte. Er hörte nur ihre Schreie - Schreie, die so klangen, als wären sie halb aus Schmerz und halb aus Wut ausgestoßen worden.

Die Bande wurde jetzt auf den fremden Reiter aufmerksam, der aus dem Nichts aufgetaucht zu sein schien und sich da so unerwarteterweise eingemischt hatte.

Man hörte sie wild durcheinander rufen und dann pfiffen Arrows die ersten Kugeln um die Ohren, so dass er den Kopf einziehen musste.

Arrows ließ den Braunen einen Haken schlagen und hängte sich seitwärts an den Sattel, so dass der Gaul den größten Teil seines Körpers deckte.

Im vollen Galopp ließ Arrows noch ein paar Mal seine Winchester krachen.

Einer der Kerle schrie auf und stürzte nieder. Es musste ihn schwer erwischt haben, denn er blieb reglos am Boden liegen.

Vermutlich war er tot.

Zur gleichen Zeit kam aber von der anderen Seite ein Schrei. Einen der letzten beiden Verteidiger musste es getroffen haben, denn fortan wurden nur noch aus einem Fenster Schüsse abgegeben.

Einer der Banditen hatte sich von hinten an die Baracke herangemacht und Feuer gelegt.

Bald schon fraßen sich die Flammen empor und begannen hell aufzulodern.

Alle Ranchgebäude waren aus Holz. Wochenlang hatte die Sonne brennend heiß vom Himmel geschienen und das Holz pulvertrocken werden lassen.

Nun brannte es wie Zunder.

Ganz gleich, was jetzt auch noch geschehen mochte: Von der Ranch würde kaum bleiben als verkohlte Ruinen...

Plötzlich spürte Arrows, wie ein Ruck durch den kräftigen Körper des Braunen ging.

Das Tier ließ ein markerschütterndes Wiehern hören und Arrows ahnte, was das zu bedeuten hatte.

Es hatte den Braunen erwischt.

Ein paar Pferdelängen strauchelte der Gaul noch voran, bevor er dann zu Boden kam.

Arrows warf sich gerade noch rechtzeitig aus dem Sattel, um nicht unter dem massigen Tierkörper begraben zu werden. Geschickt rollte er sich am Boden ab, während links und rechts von ihm Sand von den einschlagenden Geschossen zu kleinen Staubfontänen aufgewirbelt wurde.

Es war verdammt knapp.

Arrows drehte sich blitzartig um die eigene Achse, riss den Lauf der Winchester hoch und feuerte. Sein Schuss traf einen Mann, der sich bei der brennenden Scheune verschanzt und gerade auf den fremden Reiter angelegt hatte.

Der Kerl klappte zusammen wie ein Taschenmesser und blieb regungslos liegen, während Arrows wieder hochgeschnellt war.

Eine Bleikugel riss ihm den Hut vom Kopf, während Arrows sich vor dem aufbrausenden Geschosshagel hinter eine Pferdetränke rettete.

Das Blei der Banditen schlug innerhalb weniger Sekunden ein gutes Dutzend Löcher in die Tränke, aus denen das Wasser herauslief.

Arrows presste sich auf den Boden und nutzte die Gelegenheit, um neue Patronen in das Magazin seiner Winchester hineinzuschieben.

Dann wartete er ab, bis das wütende Geballere etwas abgeebbt war, bevor er sich schließlich wieder aufrichtete und hinter der Tränke hervortauchte.

In schneller Folge schoss er sein Winchester-Gewehr ab und aus dem Barackenfester bekam er Unterstützung.

Zwei der Kerle wurden tödlich getroffen, einen dritten erwischte es an der Hand, so dass er fluchend seine Waffe fallenließ.

"Los, weg hier, Männer!", hörte man eine kehlige Stimme.

Die überlebenden Banditen rannten in Richtung ihrer Pferde, wobei sie weiter sporadisch in Arrows' Richtung ballerten.

Dann schwangen sich die ersten von ihnen in die Sättel und preschten davon.

Arrows jagte ihnen noch ein paar Kugeln hinterher, aber sie waren bald schon außerhalb seiner Schussweite. Arrows richtete sich nun zu voller Größe auf und legte sich den Lauf der Winchester über die Schulter.

Es war so, wie er vermutete hatte.

Diese Kerle hatten offenbar mit wenig Gegenwehr gerechnet und sich bei ihrem Überfall dementsprechend sicher gefühlt.

Aber in dem Moment, in dem ihnen jemand entschlossen gegenübertrat, liefen sie davon wie die Hasen.

Arrows ging ein paar Schritte zurück und nahm seinen Hut vom Boden auf. Dann wandte er den Blick zu der Cowboy-Baracke hin, deren Dach nun hell in Flammen stand.

In diesem Moment trat eine junge Frau durch die Tür, in deren zarten Händen sich eine Winchester befand. Sie war wohl die letzte überlebende Verteidigerin dieser Ranch, von der kaum etwas bleiben würde, als das Land selbst.

Ihr eigenes Leben war mit Mühe und Not gerettet worden, aber das war auch schon alles.

Sie trug Männerkleidung, die ihr viel zu groß war und ihre Figur sicherlich nicht betonte.

Aber selbst das Wenige, das die grobe Drillich-Hose und das karierte, sehr weit geschnittene Hemd davon preisgaben, ließ Arrows unwillkürlich schlucken.

Sie war eine aufregende Schönheit.

Ihr Haar war dick und blond und fiel ihr in einem mächtigen Schopf bis weit über die Schultern. Die Züge ihres Gesichts waren feingeschnitten und stolz, während die vollen Lippen ihr etwas Sinnliches gaben.

Sie kam näher heran und dann sah Arrows in ihre meergrünen Augen, in denen ein wildes Feuer loderte.

"Ich danke dir, Fremder!", brachte sie heraus und atmete tief durch. "Wie heißt du?"

"Mein Name ist Arrows."

"Wenn du nicht gewesen wärst, wäre ich jetzt wohl auch tot - so wie meine Cowboys", sagte sie und in ihrem Tonfall schwang Bitterkeit und Wut mit.

Arrows sah es in ihren Augen glitzern. Sie weinte still vor sich hin.

Arrows trat zu ihr, und sie blickte zu dem hochgewachsenen Mann auf. Dann legte er ihr den Arm um die Schultern, und sie schmiegte sich an seine breite Brust.

"Es war furchtbar...", flüsterte sie.

Arrows nickte verständnisvoll.

"Ich weiß", murmelte er. "Aber jetzt ist alles vorbei!"

Eine ganze Weile lang standen sie einfach nur so da, ohne ein Wort zu sagen.

Sie stand wohl unter einer Art Schock und brauchte ein bisschen Zeit, um sich zu erholen und wieder zu sich zu kommen.

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"Ich bin Larina McCormick", brachte sie schließlich heraus, während sich sich mit dem Handrücken über die Augen wischte. "Und dies hier war einmal meine Ranch... Drei Cowboys standen bei mir in Lohn und Brot. Die Kerle haben sie einfach niedergeknallt..."

"Es ist etwas ungewöhnlich, dass eine Frau auf einer Ranch der Boss ist", meinte Arrows, während er sie immer noch bei den Schultern hielt.

Sie blickte zu ihm auf.

"Glauben Sie etwa, dass eine Frau so etwas nicht kann?", fragte sie. Arrows sah das Blitzen ihrer grünen Augen und lächelte leicht.

Er schüttelte den Kopf.

"Nein", meinte er. "Du kannst das bestimmt!"

Sie zuckte mit den Achseln.

"Ich hatte keine andere Wahl", erklärte sie. "Vor zwei Jahren bin ich mit meinem Mann in dieses Land gekommen, und wir haben versucht, eine Ranch aufzubauen. Aber dann ist er bei einer Schießerei ums Leben gekommen und ich versuchte, die Ranch weiterzuführen. Es ist mir auch ganz gut gelungen. Zumindest bis jetzt!"

Ihre letzten Worte klangen sehr bitter, und Arrows konnte nur zu gut verstehen, was sie meinte.

"Hast du eine Ahnung, was das für Männer waren?", fragte er.

Ihr Gesicht wurde zu einer steinernen Maske.

"So etwas kann nur jemand fragen, der nicht aus der Gegend ist!"

Arrows nickte.

"Ich bin tatsächlich nicht aus der Gegend", gab er zu.

"Das waren die Männer von Jake Swann! Diese mordgierigen Bastarde!"

Arrows horchte auf.

Wegen Jake Swann war er schließlich hier her, in die Gegend um Columbus, New Mexico gekommen... Aber von seinem Auftrag würde Arrows Larina nichts sagen. Und auch nicht von dem Marshal-Stern, der sich in seiner Westentasche befand... Arrows wollte auf Nummer sicher gehen. Einen Fehler konnte er sich nicht erlauben.

"Was hatten Swann und seine Männer für einen Anlass, deine Ranch niederzubrennen?" Arrows musste den Unwissenden spielen, um nicht Larinas Argwohn zu erregen.

"Fremder, das verstehst du nicht!"

"Warum versuchst du nicht, es mir zu erklären, Larina?"

Ihre meergrünen Augen unterzogen Arrows einer kritischen Musterung. Dann schien Larina McCormick einen Moment lang nachdenken zu müssen, bevor sich schließlich doch ihre Lippen bewegten.

"Okay", meinte sie. "Die ganze Gegend zahlt an diesen Swann dafür, dass er sie in Ruhe lässt. Jeder Rancher und auch die Leute in der Stadt."

Arrows nickte.

"Und du wolltest nicht mehr zahlen, nicht wahr?"

"Ich konnte nicht mehr, Arrows! Wir hatten eine Seuche bei unseren Rindern, unsere Einnahmen waren schlecht... Ich habe ein bisschen Geld auf der Bank von Columbus, aber diese Rücklagen hätte ich gebraucht, um über dieses Jahr hinwegzukommen! Ich bat um Aufschub, aber sie wollten ihn mir nicht geben..."

Sie barg ihr Gesicht mit den Händen. "Was hätte ich denn tun sollen?", rief sie. "Wenn ich gezahlt hätte, wäre das das Ende der Ranch gewesen!"

Sie blickte wieder auf und fügte noch bitter hinzu: "Es war wohl dumm, zu glauben, dass wir allein gegen diese Banditen eine Chance haben könnten!"

Arrows wandte sich um und blickte zu den Toten, die überall auf dem Boden verstreut lagen.

Larinas Cowboys waren ebenso darunter, wie ungefähr die Hälfte des Banditentruppe.

Aber nach allem, was Arrows  über Jake Swanns Meute erfahren hatte, konnte dies nur eine kleine Abteilung seiner Bande gewesen sein...

Vielleicht waren es fünfzig, vielleicht hundert Mann, die unter dem Befehl dieses Mannes standen.

Niemand wusste das so genau, aber Arrows schätzte, dass man mindestens so viele Schießer brauchte, um ein derart großes Gebiet wirksam zu kontrollieren. So wirksam, dass es bisher offenbar niemandem gelungen war, sich mit Erfolg dagegen aufzulehnen...

"Arrows!", hörte er dann plötzlich Larinas Stimme. Er wandte sich zu ihr herum.

"Ja?"

"Was hast du vor?"

Arrows war klar, dass er sich etwas um Larina würde kümmern müssen.

Er deutete zum Horizont, wo die Sonne im Begriff war unterzugehen.

"Bevor es dunkel wird, will ich die Toten begraben haben", meinte er.

"Und dann?"

"Mein Ziel ist Columbus. Wenn du willst, nehme ich dich bis dorthin mit, Larina!"

Sie nickte.

"Okay!"

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Es war schon fast Mitternacht, als Arrows und Larina die ersten Häuser der Stadt Columbus als dunkle Schemen aus der Dunkelheit auftauchen sahen.

Arrows hatte dem Pferd eines erschossenen Banditen seinen Sattel aufgelegt, und auch Larina ritt auf einem dieser Pferde, denn ihre eigenen Tiere hatten die Kerle schon vorher aus dem Corral getrieben.

Der Ritt durch die Dunkelheit war nicht einfach gewesen, aber Larina kannte sich vorzüglich in der Gegend aus. Sie hätte den Weg von ihrer Ranch vermutlich auch blind gefunden, wenn es vonnöten gewesen wäre.

"Was wirst du tun, wenn wir gleich in Columbus ankommen, Larina?", fragte Arrows. "Hast du jemanden, wo du erst einmal unterkommen könntest?"

Sie schüttelte den Kopf.

"Nein. Niemanden. Aber das macht nichts. Ich habe dir ja bereits gesagt, dass ich noch etwas Geld auf der Bank habe. Ich werde mich erst einmal im Hotel einmieten, um wieder zu mir zu kommen..." Sie zuckte mit den Schultern. "Wer weiß, vielleicht gebe ich auf..."

Arrows runzelte die Stirn.

"Was soll das heißen?"

"Dass ich möglicherweise das Land verkaufen werde, auf dem die Ranch gestanden hat. Viel werde ich im Augenblick wohl nicht dafür bekommen... Aber vielleicht reicht es, um irgendwo anders ein neues Leben zu beginnen..."

"Überlege dir gut, was du tust", meinte er.

Wenig später ritten sie bereits durch die finsteren Straßen von Columbus.

Erst als sie auf der Main Street waren, wurde es etwas heller, denn in den Saloons war noch Betrieb.

Arrows wandte sich an seine Begleiterin und meinte: "Du wirst am besten wissen, wohin wir uns jetzt wenden sollten... Ich brauche ebenfalls ein Zimmer."

Larina McCormick nickte und streckte den Arm aus.

"Dort hinten ist Saul Conroys Hotel. Ich kenne den Besitzer. Er ist ein anständiger Kerl und so etwas wie ein Freund. Ihm gehört übrigens auch der Columbus Silverdollar in der unteren Etage des Gebäudes..."

Arrows zuckte mit den Schultern.

Sein Blick glitt die anderen Kaschemmen an der Main Street entlang, in denen um diese Zeit noch etwas los war, und blieb dann dort hängen, wo Larinas schlanker Arm hingedeutet hatte.

Saul Conroys Laden machte von außen keinen schlechten Eindruck und so nickte er.

"Okay, Larina!"

Sie lenkten ihre Gäule auf Saul Conroys Silverdollar zu. Mehr als zwei Dutzend Pferde standen schon davor.

Arrows und Larina stellten ihre Tiere dazu.

"Sehen wir erst einmal zu, dass wir Zimmer bekommen", murmelte Arrows. "Um die Pferde werde ich mich dann nachher schon noch kümmern."

Als Arrows ihr aus dem Sattel half, huschte zum erstenmal ein Lächeln über Larinas Gesicht. Es war ein entzückendes Lächeln.

Der Blick ihrer meergrünen Augen traf ihn und diesmal war dieser Blick nicht mehr wütend und zornig, sondern warm.

Arrows hielt ihre Hand einen Augenblick länger, als eigentlich nötig gewesen wäre.

Sie ließ es gewähren.

"Unter deiner rauen Schale scheint ja ein vollendeter Gentleman zu stecken, Arrows", meinte sie dann.

Arrows gab ihr das Lächeln zurück.

"Nur, wenn ich es mit einer echten Lady zu tun habe, Larina! Nur dann!"

Sie lachten beide darüber, und dann gingen sie Arm in Arm die durch Schwingtüren.

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Drinnen herrschte viel Betrieb und ausgelassenes Treiben. An der Theke standen Männer und tranken Whiskey, während ein graubärtiger Pianospieler auf einem verstimmten Klavier herumklimperte.

Ein paar Kerle sangen ziemlich schräg dazu.

Arrows ging mit Larina direkt zum Schanktisch.

Es war sicher das größte Etablissement weit und breit. Insgesamt drei Keeper standen hinter dem Tresen und füllten den Männern ihre Gläser auf.

"Mister Conroy!", rief Larina mit heller, klarer Stimme, die durch das sonore Gemurmel der Männer hindurchdrang. Einer der drei Keeper wandte den Kopf.

Es war ein massiger Kerl, wahrscheinlich schon weit über fünfzig. Er war so riesig, dass er selbst den hochgewachsenen Arrows noch um ein paar Zentimeter überragte.

Saul Conroy kam herbei und in seinem feisten, etwas angestrengt wirkenden Gesicht breitete sich ein Lächeln aus.

"Sowas... Mrs. McCormick! Sie hier? An einem solchen Ort!"

"Ich brauche für die nächste Zeit ein Zimmer, Mister Conroy. Natürlich zahle ich dafür!"

Conroys Gesicht veränderte sich.

Es wurde ernst, sehr ernst. Der Saloon- und Hotelbesitzer zog die Augenbrauen in die Höhe.

"Was ist geschehen?", erkundigte er sich. Aber sein Tonfall verriet, dass er die Antwort im Voraus ahnte.

"Es war Swanns Meute..." Larina McCormick versuchte weiterzusprechen, aber ihre Stimme versagte ihr auf einmal den Dienst.

Ein Kloß schien ihr im Hals zu sitzen und sie am Reden zu hindern. Sie schluckte, und dann barg sie das Gesicht in den Händen.

Das Geschehene musste sie ohne jeden Zweifel stark mitgenommen haben.

So sprach Arrows für sie.

"Sie haben die Ranch niedergebrannt. Es hat niemand überlebt. Ich kam dazu, aber da war das meiste schon geschehen..."

Der Keeper erschrak und wandte den Kopf zu Arrows.

"Oh, mein Gott!", stieß der dicke Mann hervor. "Diese Hunde! Diese verfluchten Hunde!"

Und dann schlug er mit der flachen Hand auf den zerkratzten Schanktisch. Einige der Kerle an der Theke blickten sich kurz zu ihm um, dann fuhren sie in ihren Gesprächen fort.

"Zahlen Sie auch an Jake Swann?", erkundigte sich Arrows dann kühl.

Conroy sah Arrows an, als wäre dieser ein exotisches Tier.

"Sie sind wohl nicht aus der Gegend, was Mister..."

"...Arrows."

Conroy verzog das Gesicht.

"Wenn Sie aus der Gegend wären, würden Sie so etwas nicht fragen! Jeder zahlt hier an Jake Swann! Jeder! Und alle die versucht haben, es nicht zu tun, liegen jetzt unter der Erde!" Conroy machte eine hilflose Geste. "Swann residiert auf einer Hacienda in Mexico. Dort ist er sicher, dieser verfluchte Bastard!"

"Wie sieht Swann aus?", fragte Arrows. "Sind Sie ihm schon einmal begegnet? So von Angesicht zu Angesicht..."

Aber Conroy schüttelte den Kopf.

"Nein. Ich bin Swann nie begegnet. Er lässt die Drecksarbeit von seinen Leuten machen... Wenn du ein kleiner Gauner bist, Fremder, dann musst du deinen Hals riskieren! Aber nicht, wenn man so groß ist wie Jake Swann!"

Conroy stellte zwei Gläser auf den Schanktisch.

"Whisky?", fragte er.

"Ja", kam es von Arrows.

"Und die Lady?"

Larina McCormick hatte sich inzwischen wieder etwas gefangen und nickte.

"Ja", meinte sie. "Ein Whisky wird auch mir heute guttun!"

Conroy holte die Flasche mit dem braunen Saft und schenkte ein. "Geht auf Kosten des Hauses, Mrs. McCormick!", meinte er. "Genau wie Ihr Zimmer!"

Larina wollte protestieren, aber Conroy winkte ab und erstickte ihren Protest schon im Keim. "Wir haben uns immer gut verstanden, Mrs. McCormick, und Sie sind jetzt in einer bösen Lage. Da muss man sich gegenseitig helfen!"

"Ich danke Ihnen!"

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Später gingen sie mit Conroy die Treppe hinauf zu den Zimmern. Arrows begann inzwischen zu ahnen, dass dieser Auftrag alles andere, als eine gewöhnliche Sache werden würde. Hier hatte er es mit einem ganz großen Wolf zu tun, der einen ganzen Landstrich in seinen unbarmherzigen Fängen hielt.

Conroy öffnete eine Zimmertür und machte eine einladende Armbewegung.

"Hier, Mrs. McCormick! Dies ist mein bestes Zimmer! Es steht zu Ihrer Verfügung!"

"Ich danke Ihnen."

"Hoffentlich gefällt es Ihnen!"

"Es ist wunderbar, Mister Conroy!"

"Wenn Sie noch irgendeinen Wunsch haben sollten, dann sagen Sie es mir bitte!"

"In Ordnung."

Conroy wandte sich nun an Arrows.

"Ihr Zimmer liegt genau gegenüber, Mister Arrows... Wissen Sie schon, wie lange sie in Columbus bleiben werden?"

Arrows machte eine unbestimmte Miene.