3 romantische Romane für den Sommer: Ein schicksalhafter Sommer/Keine Zeit für die Liebe/Nachts...

Rowena Crane

Published by Cassiopeiapress Extra Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Drei Romantische Romane für den Sommer: Ein schicksalhafter Sommer/Keine Zeit für die Liebe/Nachts...

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Ein schicksalhafter Sommer

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Keine Zeit für die Liebe

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Blutstropfen #9

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Vorwort

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32.

33.

Epilog

Also By Rowena Crane

About the Publisher

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Drei Romantische Romane für den Sommer: Ein schicksalhafter Sommer/Keine Zeit für die Liebe/Nachts...

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Bevor Josephine für ein Jahr in die Staaten fliegt, um dort ein Praktikum zu absolvieren, will sie ein paar Wochen Sommer, Sonne und Strand mit ihrer Freundin Macy genießen.

In der ersten Zeit unternehmen sie viel.

Dann stimmt Josephine dem Bitten von Macy zu, auf eine Party auf einer Yacht zu gehen. Macy ist blind für alles um sie herum, während Josephine instinktiv die Gefahr spürt. Durch ein Unglück, bei dem Josephine fast stirbt, kommt es zwischen den Freundinnen zu einem ersten Streit.

Als ihr gemeinsamer Urlaub endet, verschwindet Macy plötzlich. Josephine macht sich große Sorgen. Auf der Polizei macht man ihr keine großen Hoffnungen, sie zu finden.

Und nun muss Josephine ihr Praktikum antreten. Sie lernt Richard kennen, den Mann ihrer Träume. Aber sie verbietet sich, ihn zu lieben ... Denn zuerst muss sie Macy wiederfinden.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Ein schicksalhafter Sommer

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von Rowena Crane

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

Im Krankenhaus wird Liza von Dr. Enzo Lambert liebevoll nach ihrer schweren Misshandlung versorgt. Bereits vor ihrem Unglück hatte er ein Auge auf sie geworfen, denn sie arbeitet wie er im gleichen Krankenhaus als OP-Schwester. Liza ist aber nicht in der Lage, das zu erkennen, denn sie fühlt sich leer und beschmutzt, und glaubt, dass kein Mann sie mehr lieben wird, wenn er erfährt, was ihr widerfahren ist. Als Liza ihre verwüstete Wohnung sieht, nimmt Enzo sie mit zu sich und hofft, dass sie sich allmählich näherkommen. Doch ist die Gefahr nicht vorüber, denn ihre Vergewaltigter sind noch nicht dingfest gemacht worden ...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover Rowena Crane

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1.

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He, Baby, kommst du heute Abend mit in den Club?“, fragte Jamie, während er sich über den Broiler hermachte, den er sich am Stand vor dem Supermarkt gekauft hatte.

Liza warf ihm einen ärgerlichen Blick zu. Sie hatte es nicht so gern, wenn er sie ,Baby‘ nannte.

„Nee, ich hab keine Lust. Ich muss endlich mal ausschlafen“, antwortete sie.

„Ach, komm schon! Du hast das Wochenende frei. Kannst doch den ganzen Sonntag pennen“, entgegnete er kauend. Wie Liza das hasste, wenn er beim Essen redete!

Eigentlich hatte sie vorgehabt, ihm an diesem Wochenende den Laufpass zu geben. Es hatte eine Weile gedauert, bis sie aufgewacht war. Jamie sah zwar gut aus, aber er war ein Egoist und Schmarotzer. Eigentlich wusste sie nicht einmal, wie er sein Geld verdiente. Wenn sie ihn darauf ansprach, fauchte er sie an, dass es sie nicht anging. Auch ein Nein konnte er schlecht akzeptieren. Dann wurde er meist wütend. Mit so einem Kerl wollte sie nicht leben. Und lieben konnte sie ihn schon gar nicht. Sie verstand im Nachhinein immer noch nicht, wie sie sich hatte in so einen Typen vergucken können.

Aber sie hatte auch Angst. Angst vor seiner Reaktion, wenn sie ihm erklärte, dass es aus zwischen ihnen ist, denn er war in seinen Handlungen unberechenbar.

„Eh, warum sagst du nichts?“ Er klang ungeduldig.

„Ich mag nicht“, sagte sie mit müder Stimme.

„Was magst du nicht? Nicht mitkommen oder antworten.“

„Nicht mitkommen“, sagte sie mit einem genervten Stöhnen. „Ich hab keine Lust. Immer wieder nur der Club. Immer nur Alkohol, immer nur laute Musik.“

„Bist du etwa unzufrieden, Baby?“, fragte er lauernd und ließ den abgelutschten Knochen auf den Teller fallen. Seine fettigen Finger wischte er sich an seiner verwaschenen Jeans ab.

Eigentlich kann ich ihm jetzt auch schon sagen, dass er verschwinden soll, dachte sie angeekelt, während sie ihn musterte.

„Ja, ich bin unzufrieden. Ich will mehr aus meinem Leben machen. Und das ohne dich.“

Nun war es raus.

Jamie sah sie an, als wenn er sich verhört hätte. Doch dann lehnte er sich auf dem Stuhl nach hinten und streckte seine Beine lang aus. Mit leicht zusammengekniffenen Augen sah er sie weiter an und schnaufte: „Ohne mich! Hm! Wie stellst du dir das denn vor?“

„Ganz einfach! Jeder geht seine eigenen Wege. Ich will das alles nicht mehr, deine Partys, das Ungewisse, wie du an Geld kommst ... Und - sieh dich doch mal an! Als ich dich kennengelernt hatte, warst du anders. Jetzt rennst du wie ein Landstreicher rum“, hielt sie ihm vor.

„Hast etwa `nen neuen Macker?“, fragte er gefährlich leise.

„Nein! Hab ich nicht“, antwortete sie wahrheitsgetreu. Sie war auch nicht scharf auf eine neue Männerbekanntschaft. Zeit für sich wollte sie haben und Dinge tun, die mit Jamie unmöglich zu machen waren.

Jamie glaubte ihr, denn nach ihrer Schicht im Krankenhaus, wo sie als OP-Schwester arbeitete, war er jede Minute mit ihr zusammen.

„Und wer soll es dir dann besorgen, Baby?“, fragte er süffisant.

Liza stöhnte auf.

„Sex ist nicht alles auf der Welt, weißt du?“ Sie wünschte sich, dass er ging. Sofort! Es kam ihr merkwürdig vor, dass er gar nicht wütend wurde. Aber das konnte ja noch kommen.

„Bist dir ganz sicher, dass ich gehen soll?“, hakte er nach.

„Ja!“

„Totaler Bruch!“

„Nicht im Streit. Wir können Freunde bleiben“, schlug sie vor.

„Pff! Das funktioniert nicht“, meinte er verächtlich.

Darauf sagte Liza nichts. Sie konnte auch auf seine Freundschaft verzichten. Am besten, er verschwand ganz aus ihrem Leben.

„Okay! Dann werd` ich mal gehen“, hörte sie ihn sagen.

Überraschung spiegelte sich in ihrem Gesicht wider. Kein Geschrei, kein Wutanfall? Er wollte einfach so gehen? Misstrauen machte sich in ihr breit.

Als Jamie an der Tür stand, drehte er sich noch einmal zu ihr um.

„Komm wenigstens heute noch einmal mit in den Club! Brauchst ja nicht so lange bleiben. Und dann kann ich dir auch gleich den Wohnungsschlüssel geben, denn den hab ich gerade nicht dabei.“

Was für ein Zufall, dachte Liza zynisch. Also doch nicht so einfach. Hab's mir doch gedacht. Jetzt fing sie doch an, sich Sorgen zu machen, ob sie heil aus dieser Geschichte herauskam.

„Eine kleine Abschiedsfeier. Trennung in Freundschaft!“, sagte er noch.

Liza überlegte einen Moment. Sie wollte - nein - musste den Schlüssel von ihm bekommen, denn sie wollte unbedingt verhindern, dass er sich weiter Zutritt zu ihrer Wohnung verschaffte, wenn ihm mal wieder so war. Aus diesem Grund stimmte sie notgedrungen zu und nickte kaum merklich, was er aber zur Kenntnis nahm, ohne sich darüber zu mokieren.

„Super! Ich hol dich dann ab“, teilte er ihr mit.

Das wollte Liza auf keinen Fall. Wer weiß, was ihm dann noch einfiel.

„Ich möchte lieber ein Taxi nehmen.“

Jamie hob abwehrend die Hände.

„Eben nicht.“ Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren, verließ er dann ihre Wohnung.

Erleichtert darüber, dass sie es geschafft hatte, ihm dem Laufpass zu geben, atmete sie tief ein. Noch mehr war sie darüber erleichtert, dass er keine Szene gemacht hatte. Aber wundern tat sie sich auch. Das war nämlich sehr untypisch für ihn.

Liza verdrängte einfach diese Gedanken aufgrund ihrer Freude darüber, frei von ihm zu sein. Nur noch dieser eine Abend, und dann war sie ihn für immer los. Nur noch diesen Abend im Club, das schaffte sie auch noch. Am liebsten hätte sie über ihr neu gewonnenes Glück gejubelt.

Jamie war schon eine Weile im Club und wartete ungeduldig auf Liza. Seine Kumpel Kay und Thomas, die ihm stets wie Schatten folgten, waren bei ihm. Jeder hatte ein Bier vor sich zu stehen.

Kurz nach 20 Uhr betrat Liza den Club. Umzusehen brauchte sie sich nicht, denn Jamie saß mit seinen Anhängseln immer am gleichen Tisch. Auf diesen strebte sie nun zu.

„He, Baby! Siehst zum Anbeißen aus!“, begrüßte er sie. „Seht sie euch an! Diese Frau hat mich heute verlassen. Sie will mich nicht mehr“, sagte er, Mitleid einheimsend, zu den anderen.

Die beiden reagierten sogleich, wie er es sich wünschte. Sie bedauerten ihn so, dass es schon peinlich wurde.

Jamie schien sich darin zu baden und setzte dem erst nach einer Weile ein Ende, in dem er sagte: „Ich werde schon darüber wegkommen. Es gibt noch viele schöne Frauen, die bereitwillig ihre Beine breitmachen.“

Als hätte er einen tollen Witz gerissen, lachten seine Schatten wie auf Kommando auf.

Angewidert von diesem Getue tat es Liza jetzt leid, dass sie zugesagt hatte, hierher zu kommen. Sie hätte das Geld doch für ein neues Sicherheitsschloss opfern sollen. Doch nun war sie hier.

„Gib mir meinen Schlüssel!“, forderte sie von ihm.

„Baby, den hab ich im Auto. Kriegst ihn, wenn du gehen willst“, erwiderte er.

„Jetzt!“ Sie wollte wieder gehen.

„Was? Jetzt schon? Bist doch gerade erst gekommen. Wir wollten doch unsere Trennung feiern. Schon vergessen?“, fragte er, Enttäuschung vorgaukelnd.

„Du kannst doch mit den beiden Affen die Trennung begießen. Was soll ich dabei?“, reagierte sie mürrisch. Abweisend schaute sie zu seinen treuen Begleitern.

Jamie bedachte sie mit einem unwilligen Blick.

„Könnte ich, will aber mit dir.“

„Und was soll das bringen? Falls du dir Hoffnung machst, dass ich ...“

„Mach ich nicht“, unterbrach er sie brüsk. „Deine Abfuhr war klar und deutlich.“

Liza sagte darauf lieber nichts, denn es hätte nun zu einer handfesten Diskussion kommen können. Und das wollte sie auf keinen Fall.

Jamie lenkte zu ihrer Überraschung ein.

„Nur auf ein oder zwei Drinks. Dann kriegst deinen Schlüssel, und unsere Wege trennen sich.“

„Gut, aber nicht mit diesen Trotteln“, verlangte sie.

„Okay! Kay, Thomas! Verkrümelt euch!“, wies er die beiden an, die die ganze Zeit mit einem Grinsen im Gesicht das Gespräch verfolgt hatten. Sofort standen sie auf und suchten sich einen anderen Platz. Und das Grinsen klebte immer noch auf ihren Gesichtern.

„Sie sind weg, so wie du es wünscht, meine Prinzessin“, sagte er im sarkastischen Ton.

„Das war ich noch nie“, stellte sie abweisend klar.

Jamie überging diese Bemerkung und fragte: „Was möchtest du trinken?“

„Eigentlich nichts mit Alkohol“, antwortete sie zaghaft, wusste aber sofort, dass er darauf nicht eingehen würde. So sah er sie auch an und wartete darauf, dass sie ihre Meinung änderte.

„Aber nur einen Drink. Dann wie immer!“, verlangte sie.

Jamie nickte zufrieden und grinste. Es dauerte auch nur einen Moment, da kam er mit zwei vollen Gläsern zurück.

„Dann auf deine Zukunft!“, sagte er und stieß mit ihr an.

„Danke. Auch auf deine“, murmelte sie.

Jamie schaffte es, ihr noch zwei weitere Drinks aufzuschwatzen, die bald ihre Wirkung zeigten. Liza fühlte sich beschwipst, und das auf eine merkwürdige Weise. Es hinderte sie aber, darüber groß nachzudenken. Darum beschloss Liza, dass es endlich Zeit wurde, den Club zu verlassen, denn ihr wurde immer komischer zumute.

„Ich will jetzt nach Hause. Gib mir den Schlüssel!“, verlangte sie und schüttelte ihren Kopf, als würde sich das dumpfe Gefühl dann verflüchtigen.

„Klar! Ich bring dich raus“, sagte er bereitwillig, was sie zu einem Stirnrunzeln veranlasste.

Er legte den Arm um ihre Taille, denn sie schwankte etwas, als sie aufstand.

Liza fiel auf, dass sein Wagen nicht, wie gewohnt, auf dem Parkplatz der Bar stand, sagte aber nichts. Vielleicht waren alle Parkplätze besetzt gewesen, als er vorgefahren war. Es war Wochenende, da kam das schon mal vor.

Nun mussten sie ein Stück laufen, denn Jamie hatte diesmal seinen Wagen in einer Gasse geparkt, die nur mäßig beleuchtet war.

„Wieso parkst du hier? Machst du doch sonst nie“, fragte sie verwundert.

„War ja nirgendwo mehr was frei“, brummte er, was sie nicht weiter kommentierte.

Als sie bei seinem Wagen ankamen, sah Liza, dass Kay und Thomas dort standen.

„Was wollen die denn hier“, fragte sie mürrisch. Sie erhielt aber keine Antwort.

Jamie öffnete die Tür und tat so, als würde er nach dem Schlüssel im Handschuhfach suchen. Liza stand hinter ihm, so dass sie nicht mitbekam, dass Thomas den Kofferraum öffnete. Im selben Moment ergriff der stärkere Kay die junge Frau mit einem Arm von hinten und hielt ihr derb den Mund zu, um zu verhindern, dass sie schrie. Schnell erholte sich Liza vom ersten Schreck und wollte sich losreißen. Doch irgendwie fehlte ihr die Kraft, was sie nicht richtig begriff. Sie hörte die beiden Männer lachen.

Jamie aber fauchte sie an: „Beeilt euch gefälligst! Oder soll das hier noch einer mitbekommen? Dann können wir unsern Spaß vergessen.“

Und schon warf Kay sie unsanft in den Kofferraum hinein. Sofort knallte Thomas die Kofferklappe runter. Eilig sprangen beide in den Wagen, den Jamie nun startete. Mit kreischenden Reifen verließen sie die Gasse.

Liza wurde schlagartig nüchtern, obwohl das dumpfe Gefühl blieb, und geriet in Panik. Die Enge des Kofferraums machte ihr Angst. Aber noch mehr fürchtete sie sich vor dem, was Jamie vorhatte, denn sie malte sich in den nächsten Momenten die schlimmsten Szenarien aus.

Mit der Faust trommelte sie an der Klappe des Kofferraums und schrie, dass man sie rauslassen sollte. Doch Jamie stellte einfach das Radio lauter. Die anderen beiden hörte sie lachen.

Sie probierte auch, ihre Füße gegen die Kofferklappe zu stemmen, doch es war nicht genügend Platz. Dabei verlor sie zu ihrem Ärger auch noch ihre Pumps.

Tränen füllten ihre Augen und liefen an den Seiten runter, so dass die Wimperntusche verlief. Ihr Kleid war garantiert auch ruiniert, denn hier drin war alles verdreckt.

Diese absurden Gedanken gingen ihr durch den Kopf, bis sie wieder daran dachte, was das Ganze hier soll.

„Jamie, du hattest jetzt deinen Spaß. Lass mich raus!“, schrie sie erneut.

„Der kommt erst. Wart`s ab, Baby!“, rief Jamie und lachte laut auf. „Unsere Trennungsparty ist noch nicht zu Ende.“

Liza wurde kalt. Es war aber eine Kälte, die von innen kam. Was meinte er damit? Wollte er sie etwa vergewaltigen und dann umbringen? Dass sie sich von ihm trennen wollte, das konnte er doch nicht als Anlass nehmen. Oder doch? Ja - sie traute ihm das zu.

„Mein Baby scheint sich beruhigt zu haben. Mal sehen, ob ihr meine Überraschung gefällt“, sagte Jamie, während er in einen Waldweg abbog.

„Die wird vor Freude schreien“, kam es von Kay, und Thomas lachte vergnügt auf, als er sagte: „Bloß wird das keiner hören.“

Liza wurde sehr unsanft durchgeschüttelt. Mehrmals stieß sie sich schmerzhaft den Kopf an. Ein paarmal glaubte sie schon, sich übergeben zu müssen.

Doch dann stoppte der Wagen.

„Ihr könnt sie rausholen. Bringt sie gleich in die Hütte!“, befahl Jamie seinen Begleitern. Er selbst ging in die alte Jagdhütte, um sich noch einen Zug aus der einen Wodkaflasche zu genehmigen, die er mit zwei weiteren mitgenommen hatte.

Die beiden zerrten Liza unsanft aus dem Kofferraum und stellten sie auf ihre Füße, ohne sie jedoch loszulassen. Sie hatten keine Lust, hinter ihr herzulaufen und sich von Jamie anschnauzen zu lassen.

Liza schaute sich um, soweit sie es konnte, denn es war bereits dunkel, und fragte sich ängstlich, wo sie hier waren. Aber ihre Angst zeigte sie den beiden nicht, denn die Genugtuung gönnte sie diesen Trotteln nicht.

„Seid ihr alle komplett verblödet?“, fauchte sie dafür die zwei an.

„Halts Maul!“, fuhr Thomas sie grob an.

„Was soll das? Wollt ihr mich verarschen? Ich finde das nicht lustig“, fauchte sie weiter.

„Nö, aber wir finden das lustig“, antwortete Kay und grinste sie frech an. „Wirst schon sehen.“ Genüsslich saugte er an seiner Zigarette, die er sich selbst gedreht hatte. Liza konnte riechen, dass er da nicht nur Tabak, sondern auch Cannabis unter gemischt hatte.

Die haben sich mit dem Zeug den restlichen Verstand vernebelt, dachte Liza verächtlich.

Thomas zog sie nun grob in die alte Hütte. Jamie stand an einem kleinen Tisch, auf dem sich mehrere brennende Kerzen befanden. Er hatte gerade wieder einen großen Schluck aus seiner Flasche genommen.

„Na, Baby! Dann wollen wir mal jetzt zum vergnüglichen Teil übergehen“, und rieb sich die Hände.

Thomas ließ Liza los und stellte sich an der Tür auf. Kay lehnte sich lässig an die Wand und grinste einfältig vor sich hin.

„Jamie, was soll der Unsinn? Ich will nach Hause“, sagte Liza, immer noch mit fester Stimme, obwohl ihr nun schon mehr zum Heulen war.

„Nach Hause? Hm. Das geht nicht.“

„Was soll das heißen? Willst du mich jetzt etwa umbringen und im Wald verscharren, nur, weil ich mit dir Schluss gemacht hab?“, ereiferte sie sich.

„Ich bring dich nicht um, Baby. Aber ich dachte mir, dass ich mich mit dir noch etwas vergnüge. Als Entschädigung sozusagen! Ein Abschiedsgeschenk!“

„Bist du völlig übergeschnappt? Hier, in dieser Bruchbude? Und die Idioten da - sollen die zusehen?“, fauchte sie ihn wütend an.

„Wieso zusehen?“ Jamie warf ihr einen überheblichen Blick zu.

Liza sah sich gehetzt um, als die Erkenntnis sie erreichte, dass man sie hier wirklich vergewaltigen wollte. Und ihr war klar, dass sie dem nicht entkommen konnte. Gegen drei Männer hatte sie nicht die geringste Chance.

„Ausziehen!“, forderte Jamie plötzlich von ihr und sah sie grimmig an.

„Bitte, das kannst du nicht machen. Bring mich nach Hause! Wir können doch über alles reden.“ Flehend sah sie ihn an. Doch er verzog abweisend sein Gesicht.

„Reden? Nee! Du hast mich klar abserviert. Und das, Baby, das lasse ich mir nicht so einfach bieten“, stellte er klar. „Zieh dich jetzt aus!“, forderte er ein weiteres Mal.

„Nein!“ Zu ihrer Hoffnungslosigkeit gesellte sich nun Wut. Sie würde sich trotzdem wehren, und das mit allem, was ihr zur Verfügung stand.

„Okay!“, sagte Jamie gefährlich leise und trat einen Schritt auf sie zu. Dabei gab er Kay ein Zeichen. Der stieß sich von der Wand ab und wollte Liza an die Arme fassen, um sie nach hinten zu drehen. Doch sie drehte sich blitzschnell um und trat ihm mit voller Wucht gegen sein Schienbein, so dass er sich vor Schmerz nach vorn beugte. Das nutzte sie sofort aus und holte mit der Faust aus. Die krachte auf seine Nase, aus der auch gleich Blut spritzte.

Natürlich schmerzte auch ihre Hand nach diesem Schlag, doch sie verkniff sich jede Regung dazu.

„Du verdammtes Miststück! Hast mir die Nase gebrochen“, nuschelte Kay und sah sie wutentbrannt an. Am liebsten hätte er sich auf sie gestürzt und sie grün und blau geprügelt. Doch ein Blick von Jamie hielt ihn zurück, der seine Arme wie Schraubzwingen um sie gelegt hatte.

Liza versuchte, ihn mit ihren Füßen zu treten, aber sie landete keinen Treffer. Außerdem drückte Jamie so fest zu, dass sie schon glaubte, er würde ihr die Rippen brechen.

„Ziehst du dich freiwillig aus? Oder sollen wir das machen?“, fragte er dicht an ihrem Ohr.

„Lass mich los, du Schwein!“, fauchte sie und strengte sich weiter an, um aus seiner Umklammerung zu kommen.

„Also nein! Auch gut!“, meinte er. „Thomas! Dann werden wir das jetzt für sie tun.“

„Wagt es nicht!“, zischte sie wütend und trat nun mit ihren Füßen nach vorn. Aber dabei verlor sie den Halt, denn Jamie hatte sie blitzschnell losgelassen. Er schien wohl nur darauf gewartet zu haben. Er griff an ihre Arme und zog daran, so dass sie nun ganz nach hinten fiel. Thomas schnappte schnell nach ihren Füßen. Grob umfasste der ihre Knöchel, was Liza aufstöhnen ließ. Jamie drückte unterdessen an ihren Schultern ihren Körper fest auf den Boden.

Kay hatte sich unterdessen etwas von seinem Schmerz erholt und gesellte sich dazu. Er schnappte sich ihre Arme und zog sie zu einer Matratze, die Jamie hatte herschaffen lassen. Eine Decke lag darüber. Darauf legten sie Liza ab, die weiterhin versuchte, sich zu wehren. Erfolglos.

Kay zog nun ihre Arme nach oben. Mit einem Seil fesselte er sie an einen vorstehenden Balken.

Liza hoffte darauf, dass er morsch war, denn die Hütte machte diesen Eindruck auf sie. Mit der Kraft, die sie noch aufbringen konnte, zerrte sie daran. Doch nichts passierte. Dafür amüsierten sich die drei prächtig.

„Strample nur! Wird aber nix bringen“, meinte Kay grinsend und ließ seinen Blick über ihren sich windenden Körper wandern. Dabei leckte er sich über die Lippen, was Liza anwiderte.

Jetzt bekamen Thomas und Kay ihre Flaschen, um sich ebenfalls den Alkohol einzuflößen.

Jamie grinste und sah lüstern auf Liza herunter.

„Dann wollen wir es ihr heute mal so richtig besorgen“, sagte er und lachte laut auf, als hätte er einen Witz gemacht.

„Füße festhalten!“, forderte er nun, was Kay und Thomas sofort taten. „Wir wollen doch nicht, dass das Fohlen ausschlägt.“

Er stellte sich über Liza, beugte sich runter und riss ihr Kleid entzwei. Den BH zerschnitt er mit dem Taschenmesser und ebenso ihren Slip. Ihre Schuhe hatte sie ja bereits im Auto verloren. Genüsslich schob er die Fetzen auseinander, so dass sie nun völlig entblößt vor den Männern dalag.

„Na, hab ich`s euch nicht gesagt, sie ist `ne Augenweide“, rief Jamie den beiden zu.

Die nickten und begafften Liza gierig, die immer noch versuchte, sich zu wehren, obwohl sie wusste, dass es hoffnungslos war.

Jamie ließ seine Hosen runter und zwängte sich zwischen ihre Beine, die sie versuchte, mit aller Macht zusammenzupressen, was ihr jedoch nicht gelang, denn seine Helfershelfer unterstützten ihren Boss bei seinem Vorhaben.

„Baby, entspann dich! Wir wollen doch beide Spaß haben“, sagte er, während er sein steifes Glied an sie rieb.

„Du perverses Schwein! Geh runter von mir!“, schrie Liza.

Doch Jamie lachte nur und sah sich kurz zu Thomas um, der schon glasige Augen hatte. Er wollte unbedingt der Nächste sein.

Diesen kurzen Moment nutzte Liza und bäumte sich ruckartig zur Seite auf, so, dass Jamie ebenfalls zur Seite fiel. Sofort stieß sie ihre Füße nach ihm, die die beiden Angetrunkenen vor Schreck darüber losgelassen hatten, als sie sahen, dass ihr Boss zur Seite flog und sie ihn nun auch noch empfindlich im Bauch trat.

Jamie stöhnte kurz auf und blaffte: „Miststück! Und ihr Idioten - festhalten!“

Und dann traf Liza seine Faust mehrmals so heftig im Gesicht, dass ihr schwarz vor Augen wurde und sie das Bewusstsein verlor.

Als sie wieder zu sich kam, spürte sie einen anderen Schmerz. Er war schneidend, denn Jamie lag über ihr und rammt sich in ihren Körper.

„Sie kommt wieder zu sich. Passt auf, dass sie keine Dummheiten macht!“, verlangte er keuchend von seinen Kumpanen. Die griffen sofort wieder an ihre Knöchel und hielten ihre Beine fest. Jamie hatte diese während ihrer Ohnmacht angehoben, denn er wollte seinen Pfahl tief in sie reinstecken, weil sie das besonders gern hat, wie er es den anderen erklärte.

Liza stöhnte vor Schmerzen, was Jamie weiter anheizte.

„Ja, Baby, stöhne! Es kommt noch besser.“ Mit einem Knurren entlud er sich in ihr und sagte dann zu Thomas: „Jetzt kannst du es ihr besorgen.“

Der ließ sich das nicht zweimal sagen und zog seine Hosen aus. Als er sich zwischen ihre Beine legen wollte, begehrte Liza auf. Es war ein Verzweiflungsakt. Sie bäumte sich auf und stieß mit den Füßen. Doch es nützte ihr nichts. Jamie trat ihr so heftig in die Seite, dass Liza es knacken hörte und ihr die Luft für einige Sekunden nahm.

Thomas nutzte die Gunst der Stunde und schob sich auf Knien zwischen ihre Schenkel. Dann hob er ihr Becken an und stieß sich hart in sie hinein. Liza schrie vor Schmerzen auf. Die drei Kerle lachten, und Jamie meinte: „Wow! Das ist ja `ne klasse Stellung. Hast wohl das Kamasutra studiert. Das scheint ihr zu gefallen.“

Doch der ließ sich nicht ablenken und stieß immer wieder heftig zu. Liza stöhnte unter dieser Tortur ständig auf, wofür sie nur Hohn erntete. Jamie folterte sie zusätzlich, indem er ihre Brüste quetschte und in ihre Brustwarzen kniff.

„Da steht die voll drauf“, kommentierte er sein Tun.

Unterdessen hatte Thomas seinen Spaß. Kay stand schon bereit.

„Ähm, ich will die von hinten“, verkündete er und grinste.

„Kannste haben“, sagte Jamie. Thomas und Jamie drehten Liza grob um und winkelten ihre Beine an. Kay schob sich hinter sie und stieß genauso grob zu. Lizas zerschundenes Gesicht drückte dabei auf die Matratze, was ihr zusätzlich wehtat. Heiße Tränen traten ihr aus den Augen, die ihre aufgeplatzte Haut brennen ließ.

Die drei vergingen sich noch mehrmals an sie, was Liza nun stumpf über sich ergehen ließ. Kay war der perverseste von ihnen. Er spritzte seinen Samen über ihr Gesicht, und die anderen ergötzten sich daran. Doch als er seinen Penis in ihren Anus bohrte, schrie Liza ihren Schmerz in die Nacht. Es zerriss sie förmlich, und sie wünschte sich, dass dieses Martyrium endlich aufhörte. Sie wollte sterben, und das auf der Stelle.

„Was schreist du so laut?“, keifte Jamie sie lallend an, denn ihre Flaschen waren mittlerweile leer.

„Wirst heute mal so richtig durchgevögelt. Macht doch Spaß, oder?“

Wieder schrie Liza auf, weil Kay nach dem Zurückziehen wieder hart zustieß. Der stöhnte genießerisch auf: „Wow! Man, ist die eng. Das törnt an ...“

„Ihr Schweine! Ihr bringt mich um!“, schrie Liza ihren Schmerz heraus, denn Kay hatte sich wieder in sie hineingerammt.

„Halt`s Maul und genieß das, du Schlampe!“, grölte Jamie. „Son Fick bekommste nich noch mal.“

„Verdammtes Arschloch“, zischte sie.

Jamie, der an ihrer Seite stand, und das Gerammle von Kay genussvoll beobachtete und dabei überlegte, ob er sich das auch gönnen sollte, was der andere gerade sichtlich genoss, ging das Geschrei von ihr auf die Nerven. Dass sie ihn nun als Arschloch betitelt hatte, setzte dem die Krone auf.

„Ich zeig dir, was ein Arschloch mit dir macht.“ Sein Fuß flog an die rechte Seite ihres Gesichts. Das war zu viel für Liza, und sie fiel in eine tiefe Bewusstlosigkeit, die sie den Schmerz und die Schmach nicht mehr fühlen ließ.

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2.

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Dr. Enzo Lambert war mit seinem Wagen auf dem Weg nach Hause. Er kam gerade vom Flughafen. Für ein paar Tage hatte er an einer Tagung in Brüssel teilgenommen. Eigentlich hatte er sich mehr davon versprochen, aber es konnte ja nicht immer gleich Weltbewegendes in der Medizin der Chirurgie entwickelt werden.

Von Bordeaux aus musste er noch eine Weile fahren, um nach Hause zu kommen. Er befuhr die Nebenstraßen, denn da war der Verkehr nicht so stark. So konnte er schneller Zuhause sein und noch ein paar Stunden von dem Sonntag genießen, denn am Montag musste er wieder mit voller Konzentration am OP-Tisch stehen.

Enzo warf einen Blick auf die Uhr. Es war kurz vor drei Uhr. Die Scheinwerfer seines Wagens strahlten weit voraus und ließen die Bäume der Wälder an den Straßenseiten gespenstisch wirken. Er fuhr auch nicht ganz so schnell, denn es konnte gerade hier immer mal vorkommen, dass das Wild von einer zur anderen Seite wechselte. Also wanderte sein Blick des Öfteren in die entsprechenden Richtungen, denn er wollte heil ankommen.

Er war schon eine Weile gefahren, als er plötzlich etwas Merkwürdiges am Rand wahrnahm und stutzte. Automatisch drosselte er das Tempo.

„Was war das denn?“, murmelte er. „Das war doch ein Mensch.“

Ohne weiter über seine Handlung nachzudenken, wendete er an der nächsten geeigneten Stelle seinen Wagen und fuhr bis zu der Stelle zurück, wo er meinte, die vermeintliche Person gesehen zu haben.

Es war kein Irrtum oder ein Streich seiner Sinne, wie er mit Entsetzen feststellen musste. Deutlich konnte er im Licht des Scheinwerfers sehen, dass dort eine Person versuchte, sich zu erheben. Es gelang ihr jedoch nicht. Als Enzo dichter heranfuhr, stellte er mit Unruhe und Besorgnis fest, dass dort eine Frau lag, die fast nackt war.

Nun stoppte er das Fahrzeug, zog die Handbremse an und sprang heraus, um zu der Frau zu eilen, die anscheinend schwer verletzt war. Was er da vor sich sah, ließ ihn erstarren. Fassungslos glitten seine Augen über ihren zerschundenen schlanken Körper. Sie war schmutzig, ihr Gesicht von Prellungen und Platzwunden entstellt. Kratzwunden konnte er ebenfalls am ganzen Körper im Licht des Scheinwerfers entdecken. Ihr Kleid war ein einziger Fetzen, der nichts mehr von ihrer Weiblichkeit verdeckte.

„Hallo, ich bin Arzt. Können Sie mich verstehen?“, fragte er sie, als er sich zu ihr heruntergebeugt hatte. Aber er hörte von ihr nur ein Stöhnen.

Kurzentschlossen holte er eine Decke aus seinem Kofferraum und wickelte sie in die vorsichtig ein, nachdem er sich noch vorsichtig vergewissert hatte, ob sie sich etwas gebrochen hatte. Und das schien bei seiner kurzen Begutachtung nicht der Fall zu sein. Er vermied es aber, ihr Gesicht zu betasten, denn irgendjemand hatte sie derartig geschlagen, dass es sehr angeschwollen und entstellt war. Während der ganzen Zeit stellte er ihr Fragen, doch sie blieb stumm. Sie musste unheimliche Schmerzen haben.

Wer ihr das angetan hatte, konnte nicht ganz richtig im Kopf sein. Der gehörte weggesperrt, waren die wütenden Gedanken des Arztes. Er schob sie mit großer Vorsicht auf den Rücksitz und fuhr nun nicht nach Hause, sondern wieder zurück nach Bordeaux zum Krankenhaus, in dem er als Chefarzt der Chirurgischen Abteilung fungierte. Dort rief er während der Fahrt mit seinem Handy an, das mit dem Auto über Bluetooth verbunden war, und informierte die Notaufnahme.

Liza rührte sich nicht. Sie konnte auch nicht, denn ihr tat alles furchtbar weh. Sogar das Atmen fiel ihr schwer, weil es sich anfühlte, als wäre ihr Brustkorb zu eng.

Vor Stunden war sie langsam aus ihrer Ohnmacht aufgewacht. Sie war also noch am Leben, wie sie mit Enttäuschung feststellen musste. Es wäre besser gewesen, wenn Jamie sie umgebracht hätte, nachdem sie mit ihrer Misshandlung fertig waren.

Mit verschwommenem Blick hatte sie versucht, zu erkennen, wo sie war. Bis sie es erkannte. Sie befand sich immer noch in der verfallenen Hütte. Nein - das war nicht richtig. Sie lag unter Bretter begraben, die schwer auf ihren zerschundenen Körper drückten. Irgendwie roch es auch brenzlig.

Mühsam hatte sie sich Stück für Stück in eine Richtung geschoben, von der sie hoffte, aus dieser Holzruine herauszukommen. Dabei hatte sie die Bretter vorsichtig beiseite gerückt. Aber immer wieder musste sie Pausen machen, weil ihre Kräfte erlahmten und sie fürchterliche Schmerzen hatte. Und sie war am Verdursten.

Da sie kein Zeitgefühl hatte, wusste sie auch nicht, wie lange sie gebraucht hatte, um ins Freie zu kommen. Es war immer noch Nacht. Und sie fragte sich, wie spät es wohl war. Außerdem fror sie entsetzlich. Darum versuchte sie, ihr Kleid vorn zusammenzuhalten - was ein zweckloser Versuch wurde.

Liza hatte dann in sich hineingehorcht, ob sie es schaffen würde, aus diesem Wald zu kommen. Sie brauchte dringend ärztliche Hilfe. Aber vielleicht sollte sie auch einfach liegenbleiben und darauf warten, dass sie starb. Doch wann würde der Tod sie erlösen?

Also versuchte sie mehrere Male aufzustehen, bis es ihr unter Schmerzen endlich gelang. Sie wollte auch nicht warten, bis es hell wurde, denn wenn sie einschlief, konnte es nach dem Erwachen noch schlimmer um sie stehen.

Als sie am Baum gelehnt stand, hatte sie überlegt, welche Richtung sie einschlagen sollte. Aber sie konnte sich erinnern, dass es einen Weg geben musste. Wie war sie sonst hierher gekommen?

Mit einem Auto - im Kofferraum!

Plötzlich stürmte wieder alles mit Macht auf sie ein. Sie vergaß für mehrere Momente zu atmen und starrte blicklos in die Dunkelheit. Doch dann entlud sich ein Schrei, der wohl Tote geweckt hätte.

Entsetzen, Schmerz, Wut - eine wirklich schlechte Mischung für einen Cocktail.

Entsetzen darüber, was Jamie ihr angetan hatte. Vergewaltigt, geschlagen, misshandelt. Und Thomas und Kay - auch sie waren beteiligt gewesen und hatten es genossen, sie zu missbrauchen und ihre abnormalen Triebe an sie auszulassen.

Dann der Schmerz, der sich bei der kleinsten Bewegung verstärkte, kaum auszuhalten war und sie wieder nahe einer Ohnmacht brachte.

Wut, die sich nun mit Rachegelüsten paarte, denn zu all dem kam noch die Tatsache, dass Jamie sie hier zurückgelassen hatte. Er hatte die marode Hütte über sie zusammenfallen lassen. Er wollte, dass sie starb - sie sollte hier sterben, damit ihre Taten nicht ans Tageslicht kamen.

Aber sie war nicht gestorben. Und sie würde auch nicht sterben. Nicht eher, bevor ihre Peiniger ihre gerechte Strafe bekommen haben. Das hatte ihr die Kraft gegeben, viele Stunden durch den Wald zu stolpern, bis sie endlich die Straße erreichte. Dort war sie am Rand zusammengebrochen, denn sie war völlig entkräftet. Keinen Schritt hatte sie mehr gehen können. Liza hatte die Hoffnung, dass irgendjemand sie hier finden und ihr helfen würde.

Als Liza wie aus der Ferne hörte, dass jemand sie ansprach und ihr Fragen stellte, war sie fast erleichtert, denn die Stimme kam ihr fremd vor. Es war keiner von ihren Peinigern.

Doch sie hatte nicht die nötige Kraft, um zu antworten. Auch der Schmerz hinderte sie daran. Aber sie hatte auch Angst, dass sie nun ins nächste Martyrium geraten könnte.

Dann spürte sie, wie ihr wärmer und sie hochgehoben wurde. Fast gleichzeitig rutschte sie zurück in die Bewusstlosigkeit, weil der Schmerz ihr den Atem nahm.

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3.

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Enzo hielt vor dem Krankenhaus und eilte aus dem Wagen. Schon kamen zwei Krankenpfleger mit der fahrbaren Krankentrage heraus, auf die sie Liza schnell, aber behutsam, legten.

„Ich komme gleich nach“, informierte Enzo sie und stieg wieder in den Wagen, um ihn zu seinem Parkplatz zu fahren.

„Oh, mein Gott! Was ist denn passiert?“, fragte die Krankenschwester erschrocken, die drinnen gewartet hatte. „Unfall oder Misshandlung?“

Enzo zuckte mit den Schultern.

„Ich denke, Misshandlung! Und mehr! Sie muss zum Röntgen und zu Dr. Memetz von der Gynäkologie. Er soll sie sich ansehen.“

„Irgendwelche Papiere?“

„Nichts.“

„Hm, das wird Mister Geiz aber gar nicht gefallen“, meinte die Schwester und verzog leicht grinsend den Mund.

Mister Geiz war der Spitzname für den Mann des Hauses, der für die Finanzen zuständig war. Diesen Spitznamen trug er zurecht, denn Morais saß regelrecht auf dem Geld.

„Ich handele nach dem Eid und nicht nach irgendeinem Budget“, knurrte Enzo, „ach, und die Polizei sollte informiert werden. Vielleicht gibt es schon eine Vermisstenanzeige.“

Man zapfte Liza erst einmal Blut ab. Dann brachte man sie zur Röntgenabteilung. Enzo sah sich sofort die Bilder an. Es bestätigte sich, dass sie so keine Brücke an den Gliedmaßen hatte, jedoch hatte man ihr mehrere Rippen gebrochen und - sie hatte einen komplizierten Kieferbruch.

Mittlerweile war auch die Polizei eingetroffen. Enzo berichtete ihnen, wie und wo er die verletzte Frau gefunden hatte. Er teilte ihnen auch seinen Verdacht mit, dass sie durch den Wald geirrt sein muss, denn der Schmutz, der an ihr haftete, deutete darauf hin.

Eine Beamtin ließ sich die total verdreckte Kleidung geben und fotografierte die bewusstlose Frau.

„Bitte lassen Sie uns die Befunde zukommen. Das sieht ganz nach einem Verbrechen aus, dem wir nachgehen müssen. Und lassen Sie es uns wissen, wann sie zu sich kommt!“, verlangte sie.

„Das kann dauern. Sie hat einen Kieferbruch und muss gleich operiert werden. Sie wird danach kaum reden können“, erklärte Dr. Lambert.

„Na, vielleicht aber schreiben“, meinte sie kühl. Damit verabschiedeten sich die Beamten und verließen das Krankenhaus.

Liza bekam das Meiste mit. Sie war erleichtert, als sie begriffen hat, dass man sie in ein Krankenhaus gebracht hatte. Sie hoffte nur, dass es nicht das war, wo sie als OP-Schwester arbeitete.

Als der Gynäkologe mit seiner Untersuchung begann, hatte sie wieder laut aufgestöhnt. Jede Berührung tat ihr höllisch weh. Aber sie wusste auch, dass es sein musste, denn sie wollte, dass die Mistkerle in der Hölle schmorten.

Dr. Memetz redete mit ihr, während er sie untersuchte. Er erklärte ihr mit ruhiger Stimme, was er gerade machte, um sie auch etwas abzulenken, denn Liza verkrampfte sich immer mehr.

Als Dr. Memetz mit seiner Untersuchung fertig war, informierte er Enzo: „Die Frau ist mehrmals vergewaltigt worden. Vaginal und anal! Wenn das Labor die Ergebnisse hat, wissen wir auch, ob es nur einer war, was ich nicht glaube.“

Enzo nickte kommentarlos und machte sich auf den Weg zum OP, um sich darauf vorzubereiten. Er wusste aus Erfahrung, dass das eine lange und schwierige Operation werden würde.

„Armes Kind!“, murmelte die Schwester entsetzt, die dem ebenfalls zugehört hatte.

Dann machte man sich erst einmal daran, Liza vom Schmutz zu befreien, denn so konnte sie nicht in den OP. Eindeutig waren nach ihrer Säuberung die vielen Hämatome von den Tritten und Schlägen zu sehen, die die Krankenschwester Judith für die Polizei fotografierte, denn auch das war eine Bitte gewesen.

„Da hat sich aber einer so richtig an ihr ausgetobt. Hoffentlich weiß sie, wer das war, damit der im Knast verrottet“, schimpfte die schon etwas ältere Krankenschwester, die ihr den Dreck abgewaschen hatte.

Dann wurde Liza in den OP gefahren. Der Kieferbruch musste schnellstens operiert werden. Diese Operation wollte Dr. Lambert selbst durchführen, obwohl er keinen Dienst hatte. Irgendwie fühlte er sich für die Frau verantwortlich. Außerdem steckte sein Kollege seit einer Stunde im zweiten Operationsraum, wo er einen jungen Mann operierte, der einen Motorradunfall hatte.

Da war also nichts mit erholsamen Stunden zu Hause auf der Couch. Doch das war nichts Neues für ihn. Oft machte er Überstunden, um Menschen zu helfen oder auch ihr Leben zu retten, was nicht immer gelang.

Drei Tage später wusste man auch, wer die Patientin war, die auf der Intensivstation lag. Da Liza nach dem Wochenende ihren Dienst nicht angetreten und sich auch an den folgenden zwei Tagen nicht in der Klinik gemeldet hatte, war eine Schwester, die sich mit Liza gut verstand, zu ihr nach Hause gefahren. Doch dort stand sie jedoch vor verschlossener Tür. Sie wusste, dass sie mit einem Jamie zusammen war und hatte ihn mit ihr mal gesehen. Doch wo sie den finden konnte, das wusste sie nicht.

Aber der Zufall half nach. Sie hatte, wie viele im Haus, von der verletzten Frau gehört, die in diesem Krankenhaus lag. Also besuchte sie die Intensivstation und fragte nach der Patientin.

„Kann ich mal zu ihr? Ich will was prüfen“, sagte sie zu der anwesenden Schwester.

„Claudia, was willst du denn prüfen? Ihren Puls?“, fragte sie spöttisch.

„Quatsch! Ob sie an der linken Leiste ein Tattoo hat“, antwortete Claudia.

„Kann ich dir auch sagen. Ja, hat sie. Und nun ...“

„Was für eins?“

„Einen Delphin ...“

„Farbig?“, fragte Claudia ungeduldig.

„Ja. Der Fisch springt über Wellen“, antwortete die Schwester.

„Ein Delphin ist kein Fisch, sondern ein Säugetier“, verbesserte Claudia die andere.

„Man, weiß ich doch. Aber was ist denn mit dem Tattoo?“ Sie verstand nicht, was die Fragerei sollte.

„Wenn ich das mir ansehen kann, sag ich es dir.“ Abwartend sah Claudia ihre Kollegin an.

Die stöhnte genervt auf, sagte dann aber: „Dann mach dich steril! Aber beeil dich, dass du da wieder rauskommst!“

Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Als sie an das Bett von Liza trat, bekam sie einen riesigen Schreck. Lizas Gesicht war noch angeschwollen. Das rechte Auge ebenfalls und alles blau und violett gefärbt. Es war schwer zu erkennen, wer diese Person war. Doch Claudia betrachtete sie genau. Dann sah sie zu dem Tattoo und war sich sicher, dass das Liza, die OP-Schwester, war, die seit einer Woche im Krankenhaus vermisst wurde.

„Oh Gott, Liza! Wo bist du nur hineingeraten? Wer hat dir das angetan?“, murmelte sie mitfühlend, als sie noch einmal das entstellte Gesicht betrachtete. Doch dann verließ sie den Raum.

„Na, was ist?“, fragte die Schwester neugierig.

„Es ist Liza, Liza Durand. Die OP-Schwester. Du weißt schon, die schon seit drei Tagen nicht zum Dienst erschienen ist. Mister Geiz ist doch schon an die Decke gegangen. Man, hat der über sie hergezogen. Wenn der erfährt, dass sie hier liegt, was er dann wohl von sich gibt.“ Claudia schüttelte den Kopf in Erinnerung an seine schlechten Äußerungen.

„Wenn sie das wirklich ist, da wird er aber einiges zurücknehmen müssen.“

„Einiges? Alles muss er zurücknehmen“, ereiferte sich Claudia. „Der hat an ihr kein gutes Stück gelassen. Die Kündigung liegt schon in ihrem Fach.“

„Ehrlich?“ Die Schwester sah sie ungläubig an.

„Ja. Ich such jetzt mal Dr. Lambert und berichte ihm, wen er da gerettet hat. Der wird Augen machen“, grinste Claudia.

„Wieso das denn? Nur, weil du herausgefunden hast, wer die da ist?“ Sie warf einen Blick zu Liza.

„Iwo! Ich glaub, der steht auf sie. Ich hab beobachtet, wie er sie ansieht und einmal, wie er ihr lange hinterher gesehen hat“, tratschte sie und grinste schelmisch. „Aber ich geh jetzt mal, damit er die Neuigkeit als Erster erfährt.“

Und schon war sie weg, was die Schwester etwas ärgerte, denn sie hätte über dieses Thema gern mehr erfahren. Dr. Lambert war nämlich immer noch ledig und ohne Anhang, wie man wusste, was viele junge und auch andere Mitarbeiterinnen des Krankenhauses nicht verstanden, denn er war ein gut aussehender Mann. Schwarzes, leicht welliges Haar, das bis in den Nacken reichte, dunkelbraune Augen, gerade Nase, Grübchen am Kinn, sportlicher Typ. Er hatte immer ein freundliches Wort für das Personal übrig. Auch seine Arbeit wurde sehr geschätzt. Er war eben ein beliebter Arzt. Nur mit einer Person stritt er sich des Öfteren - mit Mister Geiz.

Und gerade eben hatte er wieder einen Disput mit diesem Herrn, der sich über die enormen Kosten aufregte, die die Patientin verursachte, die Enzo angeschleppt hatte. Er hätte doch im Sinne der Klinik, um Kosten zu sparen, die in das andere Krankenhaus bringen können. Wer weiß, was das für eine Landstreicherin war, denn die sind meist nicht versichert. Und dann noch das Theater um diese OP-Schwester, die so dreist war und nicht zur Arbeit erschien.

„Auf diese jungen Dinger ist kein Verlass mehr. Das Pflichtgefühl ist denen total abhanden gekommen“, hatte er gewettert.

Enzo hatte nur verständnislos mit dem Kopf geschüttelt.

„Ich bin Arzt. Da interessieren mich keine Finanzen, wenn es um Menschenleben geht. Aber ich werde an Ihre Worte denken, falls Ihnen mal ein Unglück widerfährt. Dann werde ich Sie in die andere Klinik bringen. Ich denke, dass das ganz in Ihren Sinne, der Finanzen betreffend, sein wird.“

Danach hatte er sich grußlos aus dem Büro des Meckerers entfernt, weil eine vernünftige Diskussion mit diesem Herrn überhaupt nicht möglich war. Von ihm wurde alles abgeblockt, was dem Krankenhaus Geld kosten würde. Es war ein Kampf, neue und modernere medizinische Geräte zu bekommen.

Die wir haben, funktionieren doch und erfüllen noch die nächsten Jahre ihren Zweck, war stets seine Begründung, kein Geld freizugeben. Erst, wenn er von allen Seiten Druck bekam, dann erst war er bereit, das Geld freizugeben, und das nur widerwillig.

Ziemlich verärgert machte Dr. Lambert sich auf den Weg zur Intensivstation, um nach seiner Patientin zu sehen. Das machte er beinahe in jeder seiner freien Minute und kurz vor Dienstbeginn und bevor er nach Hause fuhr. Warum er das tat, das wusste er selbst nicht so genau. Es zog ihn immer wieder zu ihr hin.

Schwester Claudia kam ihm auf dem Treppe entgegen.

„Oh, Dr. Lambert, ich wollte gerade zu Ihnen“, rief sie ihm entgegen.

„Nanu, was gib`s denn so Wichtiges?“ Er sah sie lächelnd an.

„Das möchte ich Ihnen nicht hier auf der Treppe sagen.“ Sie sah ihn mit einem Blick verschwörerisch an.

„Schwester Claudia! Ich habe eigentlich keine Zeit. Ich muss zu meinen Patienten sehen.“

„Um die geht es doch. Ähm, ich meine, um die eine Patientin“, versuchte sie ihm zu erklären.

Jetzt wurde er hellhörig.

„Ist etwas mir ihr? Hat sich ihr Zustand verändert?“

Claudia schmunzelte. „Nichts dergleichen, Herr Doktor. Aber ich kann Ihnen erzählen, ...“

Unwillig unterbrach er sie. „Schwester, ich will keinen Tratsch hören.“

„Das ist kein Tratsch“, reagierte sie beleidigt, war sie doch stolz darauf, herausgefunden zu haben, wer die jetzt nicht mehr namenlose Patienten ist.

Dr. Lambert seufzte. „Dann begleiten Sie mich zur Intensivstation und teilen mir Ihr Wissen mit.“

„Hm, ja. Von da komme ich ja gerade.“

„Ja und?“ Er musste sich zusammenreißen, dass er nicht ungehalten reagierte.

„Sie haben doch davon gehört, dass eine der OP-Schwestern nicht zur Arbeit erschienen ist“, fing sie an.

„Was hat die mit der Patienten auf der Intensiv zu tun?“, fragte er, denn er hörte ihr nur noch mit dem halben Ohr zu. In Gedanken war er schon bei der Frau, die sich noch in der Langzeitnarkose befand.

Claudia verdrehte die Augen und dachte: Man, ist der heute schwer von Begriff.

„Es ist Liza, Liza Durand, die OP-Schwester, die seit Montag fehlt“, offenbarte sie ihm jetzt.

Abrupt blieb Enzo stehen und sah sie an, als hätte er nicht richtig verstanden. Er fragte auch: „Wie bitte?“

Claudia wiederholte ihren Spruch noch einmal und beobachtete ihn ganz genau, denn sie wollte seine Reaktion auf diese Information sehen.

„Wie kommen Sie darauf? Das wäre aber ein merkwürdiger Zufall.“

„Naja, ich kenn sie ganz gut. Die Haare stimmen schon mal überein ...“

„Die Millionen andere Frauen auch haben“ unterbrach er sie brüsk.

Doch Claudia ließ sich nicht beirren.

„Und sie hat ein Tattoo. Genau an der gleichen Stelle wie Liza. Es ist ein kleiner Delphin, der auf den Wellen reitet - und alles schön farbig.“

Ein hoffnungsvolles Leuchten erglomm in seinen Augen, was Claudia nicht entging. Also stimmte ihre Beobachtung doch. Dr. Lambert zeigte Interesse an eine OP-Schwester. Und das war Liza.

„Gut, Schwester Claudia, das ist wirklich mal eine gute Information. Danke!“

„Och, nichts zu danken, Doktor. Ich werde dann mal wieder ... Die Pflicht ruft“, sagte sie und eilte grinsend davon.

Und ab diesem Moment hatten die Mitarbeiter des Krankenhauses in der nächsten Zeit wieder ein neues Thema: Werden Dr. Lambert und seine Patientin ein Paar? Steht ihre Beziehung überhaupt unter einem guten Stern?

Dr. Lambert eilte nun zur Intensivstation. Er wollte nach Liza sehen und sich selbst von dem überzeugen, was Schwester Claudia ihm berichtet hatte. Als er vor ihr stand, betrachtete er sie genauer - als würde er sie nun nach dem verflixten Tag zum ersten Mal wiedersehen.

Jetzt, wo er sie näher betrachtete, weil man ihm gesagt hatte, wer sie war, erkannte er sie auch. Er schimpfte mit sich, warum nicht er sie erkannt hatte. Gerade er, der sie, so oft es ging, heimlich beobachtet hatte, immer darauf bedacht, dass sie und andere es nicht mitbekamen.

Er strich ihr einmal liebevoll über die Haare und verließ dann eilig die Station.

Als die Schwester, die das beobachtet hatte, auf Claudia traf, berichtete sie ihr alles haargenau. Auch Claudia ließ nichts von ihrem Gespräch mit dem Doktor aus.

Dr. Lambert machte sich auf dem schnellsten Weg zu Mister Geiz. Ohne anzuklopfen, trat er in dessen Büro, was den anderen erbost vom Stuhl springen ließ. Doch Enzo ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen.

„Setzen Sie sich wieder! Und jetzt hören Sie mir mal genau zu!“, verlangte er.

„Was erlau...“

„Ich erlaube mir gleich noch mehr, wenn Sie nicht augenblicklich still sind“, sagte Enzo im gefährlich leisen Ton zu ihm und baute sich vor seinem Schreibtisch drohend auf. Der knochige Mann setzte sich und schaute sein Gegenüber wütend an.

„Das wird ein Nachspiel haben, Lambert“, knurrte er.

„Für Sie wird es ein Nachspiel haben, wenn Sie nicht sofort reagieren und alle Schlechtigkeiten, die Sie über Liza Dorand geäußert haben, zurücknehmen und sich, wenn Sie aus der Langzeitnarkose vollständig erwacht ist, öffentlich entschuldigen. Außerdem werden Sie sofort die Kündigung zurückziehen und ihr das Gehalt weiterzahlen. Sollten Sie nichts dergleichen veranlassen, werde ich persönlich dafür sorgen, dass man Ihnen die Tür zeigt. Ich hoffe, wir haben uns verstanden!“

Morais sah ihn ungläubig an.

„Die Frau, die sie gefunden haben, ist die OP-Schwester?“