001

001

Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Buch
Unser Alltag wird immer hektischer, viele Menschen fühlen sich erschöpft und getrieben wie ein Hamster im Laufrad. Inge Hofmann plädiert deshalb für das richtige Maß an Faulheit, denn es schenkt mehr Gelassenheit und Lebensqualität und beugt vor allem Krankheiten vor. Die Autorin zeigt, wie man die Signale des Körpers deutet und seine kostbare Lebensenergie gezielt nutzt und nicht sinnlos verpulvert. Ihr Buch bietet praktische Tipps und Anwendungen, mit denen man sich Energie-Inseln zum Entspannen und Auftanken schafft und Stress und
Ärger einfach abprallen lässt.
Das Praxisbuch zum Bestseller »Faulheit ist das halbe Leben«.

Autorin
Dr. rer. nat. Inge Hofmann studierte Lebensmittelchemie und Biochemie. Die erfolgreiche Buchautorin arbeitet als Wissenschaftsjournalistin auf den Gebieten Medizin, Ernährung und Gesundheit für Tageszeitungen und Zeitschriften sowie als Dozentin an Volkshochschulen. Sie wurde mit dem Journalistenpreis 2000 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ausgezeichnet.

Von Dr. Inge Hofmann außerdem bei Mosaik bei Goldmann:
 
Faulheit ist das halbe Leben (16564)
Fittmacher fürs Immunsystem. Zus. mit Dr. Arnold Hilgers (16178)
Tabellen für die Traumfigur (16560)

Die Ratschläge in diesem Buch sind von der Autorin und vom Verlag sorgfältig
erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden.
Eine Haftung der Autorin bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-,
Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

Vorwort
Nehmen Sie sich bitte einen Augenblick Zeit und denken Sie über Ihr Leben nach. Sind Sie zufrieden? Oder befällt Sie ein leichtes Unbehagen? Kommt Ihnen die eine oder die andere der folgenden Situationen bekannt vor?
Sie sitzen vor dem Bildschirm, warten auf eine Verbindung mit dem Server und trommeln nervös mit den Fingern auf die Schreibtischplatte. »Was für eine lahme Kiste!«, murmeln Sie vor sich hin. Dabei gab es vor Jahren weder die Kiste noch den Server und schon gar keine ultraschnellen Pentiumprozessoren, die einen Computer auf Höchstgeschwindigkeit bringen. In Bruchteilen von Sekunden wandern heute Informationen um die Welt, die früher Tage, ja sogar Wochen benötigten. Dennoch empfinden wir in dieser schnelllebigen Zeit die moderne Technik als viel zu langsam und werden sofort ungeduldig, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.
An manchen Tagen ist Ihr Gedächtnis löcherig wie ein Sieb. Sie vergessen, wo Sie Ihren Schlüssel hingelegt haben, erinnern sich nicht an die Namen wichtiger Gesprächspartner, stehen im Supermarkt und wissen nicht mehr, was Sie eigentlich kaufen wollten. Insgeheim fragen Sie sich besorgt, ob Sie etwa an Alzheimer leiden. Doch solche Gedächtnislücken haben höchstwahrscheinlich einen ganz anderen Grund: Die moderne Technik liefert Informationen schneller, als das Gehirn in der Lage ist, sie zu verarbeiten. Ihr Denkorgan kann nur alle drei Sekunden neue Botschaften aufnehmen. Vor »Multitasking«, also Überforderung durch eine Vielzahl gleichzeitiger Informationen, schützt sich das Gehirn durch Vergesslichkeit.
Sie fühlen sich zwischen fiependen E-Mails und bimmelnden Handys richtig high und haben das Gefühl, Ihre Kollegen seien schrecklich langsam und kaum belastbar. Für Sie dagegen kann es gar nicht flott genug gehen, Sie nehmen sogar freiwillig zusätzliche Aufgaben an. Plötzlich aber kommt es bei Ihnen zum Zusammenbruch. Warum? Das Stresshoch, das uns auf die Überholspur bringt, ist ein Alarmzeichen des Körpers, wird jedoch häufig fehlgedeutet.
Sie leiden am Wochenende häufig unter Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden, obwohl Sie alles tun, um sich zu entspannen. Doch Stresshormone schlagen langsam zu; in der Freizeit zahlt man den Preis. Unzählige Menschen geben immer mehr Geld für Fitness-Gurus und Wellness-Seminare aus, um ihre Gesundheit wiederzuerlangen, die sie oft in der ersten Lebenshälfte geopfert haben, um Geld zu verdienen. Letztlich bessert man aber nur die eigene Lebensweise nach.
Wenn Sie sich in diesen Situationen wiedererkennen, dann sollten Sie gleich weiterlesen. Sie erfahren, wie Sie es schaffen, im temporeichen Alltag Ihre Kräfte zu schonen und Ihre Gesundheit zu schützen, und wie Sie Alarmsignale rechtzeitig erkennen. Lassen Sie nicht zu, dass moderne Technik Ihre biologischen Programme überrollt, sondern programmieren Sie Ihr Leben nach Ihrer eigenen Gangart. Entschärfen Sie typische Stressfallen mit Ihren körpereigenen Waffen und bleiben Sie auf diese Weise gesund und munter.
Biologische Faulheit heißt das Geheimnis, mit dem Ihnen der Alltagsstress nichts mehr anhaben kann. Lernen Sie die dynamische Kraft der Faulheit kennen und starten Sie in ein angenehmeres Leben. Ganz nebenbei schaffen Sie sich einen unübertroffenen Jungbrunnen: Sie bewahren Ihre Energie und bleiben lange jugendlich frisch und vital. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Ihnen dieses Buch ebenfalls vermittelt, sind überzeugend. Sie werden automatisch langsamer und bewusster leben!

Die schockierende Wahrheit über die Lebensenergie

Das Energiekonto des Lebens: eine feste Größe
Kennen Sie auch Menschen, die scheinbar mühelos durchs Leben gehen, immer gut gelaunt sind, blendend aussehen und deren innere Zufriedenheit geradezu faszinierend ist? Meist genießen diese beneidenswerten Geschöpfe überdies ein glückliches Privatleben und sind höchst erfolgreich im Beruf. Wer nun glaubt, diese Menschen würden rund um die Uhr arbeiten und schuften, der irrt – jedenfalls in vielen Fällen.
Wenn man sich das Leben solcher Glückspilze genauer ansieht, wird man schnell feststellen, dass es hier immer wieder Freiräume gibt: Zeit, einen schönen Ausflug zu machen, (Sch)musestunden mit dem Partner, erfüllende Hobbys, Phasen puren Nichtstuns. In der Ruhe scheint die Kraft für ihren Erfolg zu liegen.
Managementtrainer plädieren heute zunehmend für einen bewussten Umgang mit der Zeit. Im Gegensatz zum bisherigen Credo »immer schneller in immer kürzerer Zeit« und »alles ist erreichbar« stehen jetzt eine Kehrtwende zu mehr Zeit für sich selbst und eine Entschleunigung des Arbeitsalltags hoch im Kurs. Die »Ressource Mensch« hat Vorrang vor der Ressource »Zeit/Geld«.

Faulheit und Energieverbrauch

Auch in Bezug auf Ihr persönliches Lebens- und Gesundheitsmanagement dürfen Sie umdenken: Statt durch Willenskraft das Letzte aus dem Körper herauszuholen, wie es so mancher Motivationscoach predigt, sollten Sie die »biologische Faulheit« pflegen. Ja, Sie haben richtig gelesen: In der Faulheit steckt das Erfolgsrezept für ein glückliches und gesundes Leben. Es gibt wissenschaftliche Beweise dafür, dass Faulsein Vitalität und Lebensfreude schenkt und das Überlebensgeheimnis in einer immer schneller werdenden Welt ist.
Biologische Faulheit ist nicht identisch mit absolutem Nichtstun. Biologisch faul sein heißt Leben an der biologischen Ideallinie, heißt, dem Körper und der Seele geben, was sie brauchen, um optimal zu funktionieren. An die Stelle von Leistung um jeden Preis tritt die typgerechte Auslastung der Organe und Körpersysteme. Und hierzu müssen Sie unterschiedliche Programme wählen: Beispielsweise heißt Faulheit für die Leber: nicht zu viel Fett und Alkohol. Faulheit für Gefäße und Muskeln heißt insbesondere Training (Bewegungslosigkeit wäre hier Stress!). Faulheit für das Immunsystem liegt im Meiden von Schadstoffen und in Abhärtung. Und Faulheit für die Seele kann zum Beispiel darin bestehen, ein gutes Buch zu lesen.
Info
Überprüfen Sie selbst: Fühlen Sie sich nicht wohler oder weniger verbraucht, wenn Sie nicht permanent durchs Leben eilen, sondern sich eine Verringerung des Tempos erlauben? Sehen gelassen durchs Leben gehende Menschen nicht besser aus als ihre ewig gehetzten Zeitgenossen?
Faul sein, das bedeutet Lebensenergie sparen – auf diese scheinbar einfache Formel bringt es die Wissenschaft. Doch in der Praxis ist das nicht so einfach. Deshalb finden Sie in diesem Buch zahlreiche »Bio-Tipps«, die Ihnen zu einem Leben nach den Gesetzen der biologischen Faulheit verhelfen. Sie müssen nicht alles befolgen. Übernehmen Sie davon, was zu Ihnen und Ihren Vorstellungen vom Leben passt. Und Sie werden merken: Bereits kleine Schritte in Richtung biologischer Ideallinie können Ihr Leben entscheidend verändern.
Auf unserem Planeten gibt es Lebewesen, die richtig faul sind – Krokodile und Schildkröten – und dafür mit einem langen und gesunden Leben belohnt werden. Das hat die Forscher interessiert. Sie untersuchten den Energieverbrauch verschiedener Tiere und stellten fest, dass große Unterschiede im Lebenstempo herrschen: So leben etwa Tiere wie der ständig umherflatternde Kolibri oder die rasch atmende Maus äußerst energieaufwendig, während die trägen Schildkröten und Krokodile, aber auch der Blauwal oder der Elefant, mit ihren Ressourcen sehr sparsam umgehen.
Das Lebenstempo bestimmt, wie schnell ein Organismus dem Zahn der Zeit erliegt. Das zunächst simpel erscheinende Ergebnis: Leben ist Energieverbrauch. Je rascher diese Energie verrinnt, desto schneller »verschleißt« oder verbraucht sich ein Organismus. Wie in den folgenden Kapiteln gezeigt wird, ist dieser wissenschaftlich gut belegte Zusammenhang geradezu ein neues Grundgesetz des Lebens. Vieles spricht dafür, dass es auch für den Menschen gilt.

Leben heißt Energie verbrennen

Jedes Lebewesen benötigt Energie zum Leben – wir unterscheiden uns da nicht von einem Auto oder einer Maschine. Diese Energie lässt sämtliche Betriebsvorgänge im Körper ablaufen, zum Beispiel den Abbau von Nahrung, den Aufbau neuer Zellen, die Atmung, die Weiterleitung einer Schmerzempfindung. Dahinter steckt der Stoffwechsel: die Summe aller Prozesse, die einen Menschen »lebendig« sein lassen. Der Stoffwechsel stellt den Motor dar, der unseren Körper antreibt. Je schonender dieser Motor arbeiten darf, desto länger und besser tut er seinen Dienst. Wie bei einem technischen Motor bestimmt auch hier die Arbeitsleistung den Verschleiß: Je mehr Ihr Stoffwechsel arbeiten muss, je mehr Energie er folglich verbraucht – und vor allem je mehr er gegen die eigene »Betriebsanleitung« (das heißt »im falschen Gang«) arbeiten muss -, desto höher ist die Abnutzung, desto schneller fühlen wir uns verbraucht und desto leichter können wir krank werden. Es ist ähnlich wie bei einem Auto: Mit einem tiefer gelegten Sportwagen werden Sie wohl kaum durch unwegsames Gelände düsen, und ein PS-armes Gefährt bringen Sie durch ständige Raserei über kurz oder lang auf den Autofriedhof.
Ein weiteres Ergebnis der Forscher: Jedem Lebewesen – somit auch dem Menschen – steht von Geburt an der gleiche Vorrat an Energie pro Körpermasseneinheit zur Verfügung. Je schneller »die Briketts des Lebens« verfeuert werden, je heller also die innere Stoffwechselflamme brennt, desto kürzer fällt die tatsächliche Lebenserwartung aus. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies: Menschen (oder Tiere), die immer in Aktion und Bewegung sind, »verbrauchen« ihren Lebensvorrat rascher als solche, die ihr Dasein mit mehr innerer und äußerer Ruhe und Ausgeglichenheit angehen. Dies erklärt die so unterschiedlichen Lebensspannen von vier Jahren etwa bei einer Maus oder bis zu 250 Jahren bei einer Schildkröte.
In jedem Organismus schlummert das Potenzial für Gesundheit und ein langes Leben. Krankheit, vorzeitiges Altern oder ein früher Tod sind Fehlentwicklungen, die normalerweise nicht genetisch programmiert, sondern meist durch die Lebensführung und Einflüsse der Zivilisation, manchmal auch durch einen Unfall verursacht sind. Jeder Mensch besitzt folglich die Macht, sein eigenes Lebenstempo zu bestimmen. Denken Sie an Ihren Energietank, mit dem Sie durch das Leben gehen und der nicht wieder aufgefüllt werden kann. Diese Erkenntnis mag zunächst schockieren, doch sie sollte als ein Appell verstanden werden, das Leben zu genießen.
Wer intensiv lebt, lebt gegen die biologische Uhr und handelt sich oft zahlreiche typische Zivilisationskrankheiten – in Wahrheit sind dies »Tempokrankheiten« – ein.

Der gnadenlose Takt der Lebensuhr
Während Sie diese Zeilen lesen, verrinnt Lebensenergie. Sie ist unwiederbringlich ausgegeben und kann nicht zurückgeholt werden. Das Ablaufen der Lebensvorgänge können Sie nicht stoppen. Sobald ein Mensch das Licht der Welt erblickt, beginnt seine Uhr gnadenlos zu ticken. Einmal gezündet, laufen biologische Vorgänge mit einer geradezu unerbittlichen Konsequenz ab.
So verlässt beispielsweise ein Baby nach neun Monaten den Mutterleib. Bei einem Mädchen tritt heute mit durchschnittlich 12 Jahren die erste Periode ein, und sie wiederholt sich rund 40 Jahre lang im Vierwochentakt. Ein Junge kommt mit etwa 15 Jahren in den Stimmbruch. Der Mensch ist gegen solche Prozesse weitgehend machtlos. Die Natur kennt bestenfalls eine Notbremse (beispielsweise Fehlgeburt bei genetischer Schädigung der Frucht), aber keine Stoppsignale. Das gilt auch für das Ablaufen des Lebens. Einmal gestartet, verrinnt es Stunde um Stunde.
Einfluss nehmen können Sie dagegen auf den Takt Ihrer Lebensuhr. Sie entscheiden über das Lebenstempo und den damit verbundenen Verschleiß an Ihren Strukturen. Sie bestimmen, ob Ihre Energie einfach verrinnt oder ob Sie für Ihren Energieaufwand auch das Äquivalent an Leben erhalten. Leben Sie also Ihr Leben bewusst im Takt der biologischen Uhr und es wird zu einer wunderbaren Reise durch die Zeit. Setzen Sie Ihre biologischen Programme gegen den immer härteren Takt des modernen Alltags. Leben Sie mutig an der biologischen Ideallinie. Je älter Sie werden, desto mehr wird man Sie dann um Ihr jugendliches Aussehen und um Ihre Energie beneiden.

Die Sprache der biologischen Signale
Wie ein Automotor die Energie des Kraftstoffs in Bewegung umwandelt, so setzt der Körper die ihm zugeführten Stoffe um: in Substanzen, die er zur eigenen Erhaltung braucht, und in Energie, die er zum »Betrieb« benötigt. Dieser Stoffwechsel ist die Antriebskraft des Lebens. So wie der technische Motor besitzt auch dieser »Lebensmotor« entsprechend seiner Auslastung lediglich eine mehr oder weniger lange »Haltbarkeit«.
In der Technik ist es schon lange üblich, das Alter von Maschinen, Flugzeugen oder Autos nicht in chronologischen Einheiten (in Tagen, Monaten oder Jahren) zu messen, sondern danach, welche Leistung erbracht wurde. Beispielsweise werden bei manchen Automobilen die Wartungsintervalle wie bei Flugzeugen durch den Computer bestimmt. Diese Bordcomputer messen unablässig, wie stark beschleunigt wird, in welchem Gang gefahren wird, welche Leistung abverlangt wird usw., und danach – und nicht nur nach der Zahl der gefahrenen Kilometer – richten sich die Wartungsintervalle. Ein Auto, mit dem man 100 000 Kilometer auf der Autobahn zurückgelegt hat, muss ja nicht unbedingt so alt (im Sinne von verbraucht) sein wie ein Pkw, der 20 000 Kilometer nur im Stadtverkehr gefahren wurde. Und bei Flugzeugen ist dieses Altersbestimmungsverfahren längst üblich. Es entspricht auch wesentlich mehr der Logik einer Altersangabe, danach zu fragen, wie viel ein Gegenstand oder ein Organismus an Arbeit geleistet hat, als danach, wie lange er, in Jahren gemessen, schon existiert.
Über einen eingebauten Bordcomputer verfügt der Mensch zwar nicht, doch normalerweise signalisiert uns der Körper, wie wir leben sollen. Wer die biologischen Impulse wahrnimmt und befolgt, der kann nichts falsch machen. Das Problem: Im heutigen Alltag verhallen biologische Signale häufig ungehört. Unsere inneren Impulse sind nicht für das moderne Leben ausgelegt, ihre Entwicklung hat mit dem immer schnelleren Wandel unserer Zeit nicht Schritt gehalten. Oft ist uns auch das Bewusstsein für die biologischen Bedürfnisse verloren gegangen.

Richtige Signale – falsche Reaktionen

Als ich vor kurzem einen Vortrag über das Geheimnis der Lebensenergie hielt, meinte ein junger Mann, er habe wohl zu wenig Energie. Abends sei er immer so müde und müsse bereits um halb elf Uhr ins Bett gehen, um halbwegs ausgeschlafen zu sein. Ich fragte ihn nach seinem Tagespensum. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann einen überaus stressigen Tagesablauf hatte, mit jeder Menge Besprechungen und großem Zeitdruck. Nicht selten arbeitete er zwölf Stunden ohne Pause. Ich versicherte ihm, es sei völlig normal, sich nach einem solchen Tag müde zu fühlen und den Wunsch nach Schlaf zu verspüren. Der junge Mann fiel aus allen Wolken, als ich ihm sagte, sein Organismus schreie regelrecht nach einer Regenerationspause. Er hatte ein ganz normales biologisches Signal als persönliche Schwäche fehlgedeutet.
Damit ist der junge Mann allerdings keine Ausnahme. Die folgenden biologischen Signale werden mit schöner Regelmäßigkeit missachtet:
• Mit Einbruch der Dunkelheit am Abend wird ein Schlafhormon (Melatonin) im Organismus in Umlauf gesetzt, Müdigkeit entsteht, das Bedürfnis nach Schlaf kommt auf. Die Realität: Helles Licht, Fernsehen und jede Menge Umtriebigkeit verdrängen die Müdigkeit. Wer abends zu einer »normalen« Zeit schläfrig wird, muss sich oft als Schlafmütze belächeln lassen.
• Der Wunsch, sich zu dehnen und zu strecken, signalisiert den Zeitpunkt einer Pause. Wir glauben jedoch, uns diese nicht leisten zu können, und putschen uns stattdessen mit einer Tasse Kaffee auf.
• Wärme lässt uns schwitzen und bewahrt so den Körper auf natürliche Weise vor Überhitzung. In voll klimatisierten Büros kann dieser Schutzmechanismus nicht mehr funktionieren – und man bekommt schnell eine Erkältung.
• Hungersignale sprechen eine scheinbar eindeutige Sprache. Doch durch moderne Fertigprodukte, Junkfood und die Angewohnheit, hastig oder gar während der Arbeit zu essen, entfernt sich die Nahrungsaufnahme immer mehr von ihrer biologischen Bedeutung, den Körper leistungsfähig zu erhalten.
• Schlaffe Muskeln, ein schwacher Kreislauf und Energiemangel sind meist Anzeichen dafür, dass wir mehr Bewegung brauchen. Um keine »unnötige Zeit« zu verschwenden, wird jedoch nicht selten zu muskelstraffenden Cremes und Lotionen, zu oft zweifelhaften Sport- oder Energiegeräten oder zu munter machenden Powerdrinks gegriffen.
• Heißhunger auf Süßes gepaart mit einer depressiven Stimmung signalisiert fehlende Sonne und Licht. Als »Ersatz« sollen dann häufig Süßigkeiten oder Zigaretten das Problem lösen.
• Bei schweren Beinen legen wir uns hin, anstatt uns – was angebracht wäre – auf die Beine zu machen und zu bewegen.
In den folgenden Kapiteln lernen Sie, wie Sie Ihre biologischen Signale wieder wahrnehmen und wie Sie darauf richtig reagieren. Sie erfahren alles darüber, wie Sie biologische Faulheit im Alltag praktizieren können und dadurch mehr Energie und Vitalität geschenkt bekommen. Sie erhalten das Wissen, wie Sie Ihre »Stoffwechselbriketts« dosiert in das Feuer des Lebens legen können und wie Sie Energieverschwendung im Körper bekämpfen. Und Sie werden erkennen: Faul leben ist ein einfacher und höchst erfreulicher Prozess, der letztlich keine Anstrengungen erfordert und bei dem nichts schief gehen kann. Im Gegenteil. Sie werden ein solches Leben als äußerst angenehm empfinden, da es biologisch in die Natur des Menschen einprogrammiert ist.

Energie-Kicks aus dem eigenen Körper
Kennen Sie das berauschende Gefühl, auf Wolken zu schweben? Es stellt sich beispielsweise ein, wenn man frisch verliebt ist, wenn man ausgiebig Sport getrieben hat – und auch bei Stress! Schuld daran sind Hormone und Botenstoffe, die der Körper in Umlauf schickt, um mit der Belastungssituation fertig zu werden. Diese Stoffe sprechen auch im Gehirn eine deutliche Sprache: Sie machen anfangs high und später süchtig.

Das Notfallprogramm

Wenn der Mensch eine außergewöhnliche Belastung wie etwa eine plötzliche Gefahr, eine Hiobsbotschaft oder eine schwere Krankheit verkraften muss, werden zunächst bestimmte Notfallmechanismen in Gang gesetzt. Diese sorgen dafür, dass wir körperlich und seelisch mit der Ausnahmesituation zurechtkommen. Dabei gerät der Stoffwechsel kurzfristig aus dem Gleichgewicht. Hormone bringen den Körper in einen solchen überaktiven Zustand. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Bewegungen werden rasch und zielgerichtet, das Immunsystem wird »heruntergefahren«, und das Blut wird mit Energiespendern (Zucker, Fettsäuren) überflutet. Der ganze Körper wird auf aktives Handeln vorbereitet. Die freigesetzten Hormone dienen der Lebenserhaltung, die bereitgestellten Energien liefern die Kraft für den Kampf oder die Flucht. Dieses biologische Programm putscht auf – deshalb kann man sich an der eigenen Leistungsfähigkeit berauschen. Ein absolutes Hochgefühl.
Info
Wer mit seiner Lebensenergie vernünftig umgeht, belastet seinen Körper nicht so stark, und dieser wiederum dankt die behutsame Behandlung mit Wohlbefinden und einem blendenden Aussehen. Schon allein dafür sollten sich ein gewisses Umdenken und der bewusste Gang durchs Leben lohnen.
Achten Sie darauf, dass eine Stressreaktion immer aus zwei Phasen besteht: einer Aktionsphase und einer Entspannungsphase.
Ist die Gefahr vorbei, schaltet das Hormonsystem das körperliche Notfallprogramm wieder ab und leitet eine Ruhe- und Entspannungsphase ein. Diese Erschöpfung wird als angenehm empfunden und sollte bewusst genossen werden. Danach befindet sich der Stoffwechsel wieder im Gleichgewicht. Wenn ein solches Stressereignis nur von kurzer Dauer ist und adäquat abreagiert wird, schadet dies dem Organismus überhaupt nicht und kann dem Leben sogar die richtige Würze geben.
Wichtig ist allerdings, dass nach jedem Stresszustand eine Phase der Entspannung oder der Bewegung eintritt, damit die Stressreaktion in vollem Umfang ablaufen kann. Folgen dagegen immer weitere außergewöhnliche Belastungen, ohne dass der Organismus wieder ins Lot kommt, fehlt also der zweite Teil der Notfallreaktion, gerät der Körper schließlich in einen Zustand ständiger Aktivität und Wachsamkeit und funktioniert wie etwa eine zu scharf eingestellte Alarmanlage. Bereits das Klingeln des Telefons oder ein eingehendes Fax kann dann einen Schweißausbruch oder Übelkeit auslösen. Je mehr solcher Stressfaktoren ein Mensch innerhalb eines bestimmten Zeitfaktors verkraften muss, umso geringer wird seine körperliche und seelische Anpassungsfähigkeit.
Langfristig drohen eine Schwächung des Organismus und Krankheit. Die Anfälligkeit für Erkrankungen nimmt zu. Zunächst sind es nur harmlose Erkältungen, dann folgen Magen-Darm-Erkrankungen bis hin zum Magengeschwür, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infarkt oder sogar Krebs. Die Forscher sind sich heute einig, dass zahlreiche, oft als Altersleiden bezeichnete Erkrankungen wie Allergien, verschiedene Formen von Entzündungen oder auch Impotenz häufig auf das Konto von chronischem Stress gehen.

Im Rausch der Hormone