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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 

Dieses Buch will Sie informieren. Es liegt nicht in der Absicht des Autors, Diagnosen zu stellen oder medizinische Anweisungen zu erteilen. Wenn Sie die vorliegenden Informationen ohne Einschaltung eines Arztes anwenden, so verordnen Sie sich eine Selbstbehandlung, ein Recht, das Ihnen zusteht. Verlag und Autor übernehmen hierfür jedoch keine Verantwortung. Bei den verwendeten Fallstudien wurden die Namen, Berufe, Orte und andere biografische Details geändert. Irgendwelche Übereinstimmungen mit lebenden Personen wären demnach rein zufällig.

Vorwort
Dass die uns innewohnende Lebensenergie einen entscheidenden Einfluss für Wohl und Wehe eines Menschen ausüben kann, war mir schon seit langem bewusst, aber die ganze Tragweite und Komplexität dieses Phänomens wurde mir erst klar, als einer meiner besten Freunde eines Tages vor meiner Tür stand und um eine dringende Unterredung bat. Er, der früher den Erfolg gepachtet zu haben schien, als Sportskanone Furore gemacht hatte und immer vital und unternehmungslustig wirkte, war abgemagert, um Jahre gealtert, krank, nur noch ein Schatten seiner selbst.
Was war passiert? Aufgrund verschiedener Ereignisse war er aus der Harmonie gefallen und hatte dabei alles verloren, was für ein erfüllendes Leben notwendig ist: seine eigene Identität, seine Gesundheit, die Liebe seiner Mitmenschen, seine Aufgabe, zu der er berufen war, seine Lebenszeit und seinen klaren Geist, der ihm Auswege aus dem Dilemma hätte zeigen können.
Da ich seine Vorgeschichte kannte, wurde mir relativ schnell klar, welche Umstände für den negativen Umschwung ausschlaggebend waren. Aber es wurde auch evident, dass schon vor diesen Ereignissen einiges im Argen lag, dass er bereits vorher energetisch geschwächt gewesen war, was schließlich zu einer Anziehung von ungünstigen Lebensumständen führen musste. Die folgenden Ereignisse waren also nur eine Verstärkung der vorherigen negativen Faktoren. Ich begann zu ahnen, was sich in seiner Psyche abgespielt haben muss, aber ich konnte bei alldem noch nicht das dahinterliegende System erkennen.
Erst als ich mein Augenmerk verstärkt darauf richtete, zeichneten sich über die Lebensgeschichten von verschiedenen Klienten und Seminarteilnehmern allmählich Konturen ab, und es fügte sich ein Mosaikstein zum anderen. Schließlich wurde deutlich, dass es sich hier um ein Energieflusssystem handelt. Daraus entwickelte sich fast zwangsläufig ein neuer Beruf: der Energieflusscoach. Seine Aufgabe ist es, den Klienten dabei zu unterstützen, sein Energieniveau auf ein Level zu heben, das ihn nicht mehr zu Krankheit, Misserfolg und Leid disponiert.
Dieses Buch soll den Leser dazu befähigen, sein eigener Energieflusscoach zu werden; d. h., die Energien so zu lenken und zu leiten, dass das, was das Leben ausmacht, gelingen kann: die eigene Identität zu verwirklichen, Liebe zu finden, Gesundheit zu erhalten, die Zeit konstruktiv zu nutzen, seine Berufung wahrzunehmen und das eigene Leben durch den Geist zu bereichern.
 
München, im Januar 2009 Hermann Meyer

Denkvoraussetzungen

Wir leben in einer Kollektivneurose

In der Kollektivneurose sind die Anlagen und Energien der Menschen überwiegend darauf ausgerichtet, den Rollenerwartungen und Idealen der jeweiligen Kultur zu entsprechen. Viele dieser Ideale sind mittlerweile überholt und für die heutige Zeit nicht mehr relevant.
Einige dieser Ideale aber haben alle Zeitepochen überdauert. Und zwar diejenigen, die auf den Prinzipien des Lebens aufbauen und daher zu den großen Zielen der Menschheit gehören, z. B. Geborgenheit, Liebe, Zärtlichkeit, seelische Wärme, sexuelle Erfüllung, Selbstverwirklichung, materielle Sicherheit, Gesundheit, glückliche Partnerschaft und Freiheit.
Diese wie auch alle anderen Lebensprinzipien existieren in der Kollektivneurose als Normen. Durch sie wird der Einzelne in der Entwicklung seiner Anlagen gehemmt. Er wird entsprechend den Idealen seines Kulturkreises erzogen. So lernt er, wie ein Mann oder eine Frau zu sein hat, welche körperlichen Triebe erlaubt sind, wie materielle Sicherheit aussieht, wer und was wertvoll ist, wie und was man wann zu empfinden hat, wie Geborgenheit definiert wird, zu welchen Zeiten Sexualität stattfinden darf und wie sie verlaufen soll, was man zu denken, welchen Geschmack man auszubilden hat, welche Meinung man haben darf, was Bildung ist, was anerkannt ist, wie man seine Freizeit verbringen soll und was irreal und was utopisch ist.
Wegen dieser Normen und Ideale können sich die Anlagen eines Menschen jedoch nicht auf ungezwungene Weise entwickeln, sie werden in ihrem natürlichen Wachstum und in ihrer individuellen Differenzierung gehemmt. Insofern ist ein erfülltes Leben in der Gegenwart sowie ein konstruktiver Aufbau der eigenen Zukunft nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich.
Wie sehr der Einzelne meist in der Vergangenheit verhaftet bleibt, wird im Folgenden anhand des Gehemmten und des Kompensators dargestellt. Im Anschluss daran geht es dann um den »Erwachsenen«, der quasi deren erlöste Form symbolisiert.

Kindrolle, Elternrolle und Erwachsener

Das Schicksal jedes Menschen wird durch seine Prägung in der Kindheit bestimmt. Unbewusst will er die Familienkonstellation und die damit verbundenen Ängste, Spannungen, Konflikte und Freuden immer wieder erleben. Der Einzelne spielt also auf der Bühne des Lebens die Umstände zur Zeit seiner Kindheit symbolisch nach; d. h., es wird dasselbe Theaterstück auf verschiedenen Symbolebenen mit jeweils ähnlichen Schauspielern und Kulissen aufgeführt, bis er die zugrunde liegende Gesetzmäßigkeit durchschaut hat. Das geht so weit, dass sogar die Wahl der Partner, der Wohnungen und der Arbeitsplätze darauf zurückzuführen ist.
Die meisten Menschen kennen, obwohl sie die Hauptdarsteller in ihrem Theaterstück sind, das Drehbuch nicht. Sie stecken so sehr in ihrer Rolle, dass sie den Gesamtzusammenhang nicht erfassen können. Um eine Orientierung zu bekommen, ist es also zunächst wichtig, zu erkennen, ob man auch heute weiter die Kindrolle einnimmt, ob man in die Rolle der Eltern bzw. in die Rolle von Vater oder Mutter gestiegen ist oder ob es einem schon gelungen ist, sich aus dem Zwang, das frühkindliche Theaterstück immer wieder neu zu inszenieren, zu befreien und so als »Erwachsener« in der Gegenwart zu leben.

Der Kindrollenspieler (der Gehemmte)

Die Stellungnahme eines Seminarteilnehmers über das Phänomen der Hemmung spricht Bände. Er sagte: »Nie hätte ich gedacht, dass ausgerechnet die Maßstäbe, Ideale und Normen der Gesellschaft, besonders Anstand und Anpassung, mich so sehr am Leben gehindert haben. Man sollte meinen, dass man dafür belohnt wird, wenn man brav, anständig und bescheiden ist, wenn man sich zurücknimmt, sich nicht vordrängt und nicht egoistisch ist.«
Es liegt eine gewisse Tragik darin, dass gerade das Streben nach Normalität und Anerkennung den Individuationsprozess so sehr behindert, ja, mehr noch, dass dies den Menschen in ein Karma-Karussell katapultiert, dem zu entrinnen nur schwer möglich ist. Doch wer es sich zum Ziel gesetzt hat, »normal«, also wie alle anderen zu sein, wer danach strebt, den Normen und Idealen der Gesellschaft zu entsprechen, der verleugnet seine Individualität und kann sich nicht so entwickeln, wie es seine Anlagen verlangen. Ein solcher Mensch beschneidet sich selbst, indem er die Normen und Ideale der Gesellschaft über die Gesetze des Lebens stellt. Und weil er sich selbst innerlich hemmt, zieht er in der Außenwelt Situationen und Personen an, die ihn blockieren und ihm einen Schicksalsschlag nach dem anderen versetzen.
Die Folge ist gewöhnlich, dass der Gehemmte meint, noch braver, noch anständiger und noch angepasster sein zu müssen – eine Haltung, die unweigerlich zu neuem Leid führt, etwa zu Krankheiten oder Unfällen. Der in der Entfaltung seiner ureigenen Lebensenergien gehemmte Mensch verharrt eigentlich noch in einer Kindrolle. Die Vorgesetzten und Chefs geben ihm vor (wie früher die Eltern), was er zu tun und zu lassen hat. Aufgrund dessen zeigt er die seelischen und geistigen Reaktionsmuster, die er schon im Elternhaus entwickelt hat. Er reagiert auf die Elternrollenspieler mit Angst, Ärger, Hass, Wut, Traurigkeit, Widerstand, Auflehnung oder Bewunderung, Liebe, Anpassung und Fleiß. Wie damals als Kind buhlt er um Anerkennung und Liebe, versucht er, es den Elternrollenspielern recht zu machen, vor Verpflichtung und Verantwortung zu fliehen, Gebote und Verbote zu umgehen und sich auf diese Weise ein schönes Leben zu machen. Doch das ist im Zustand der Hemmung kaum möglich; denn immer wieder ereilt ihn die Norm, das Gesetz und die Pflicht zur Arbeit, Anpassung und Unterordnung. Im Grunde genommen bewundert er die Elternrollenspieler, diejenigen, die auf dieser Welt das Sagen haben, die Mächtigen, die Reichen, die VIPs und die Hochwohlgeborenen, und möchte so gern zu ihnen gehören. Die wenigen Hoffnungen, die ihm bleiben, sind ein Lottogewinn oder die Vorstellung, dass sein Kind einmal etwas ganz Großes wird, dass dessen Stern einmal hell am Himmel leuchtet und er darauf stolz sein kann.
Gehemmt zu sein bedeutet also, ein Leben auf Sparflamme zu führen, nie richtig erfolgreich sein zu können und nie das große Glück zu erleben. Und es heißt unter anderem, immer nur so viel zu verdienen, dass die Existenz eben noch gesichert ist.

Der Elternrollenspieler (der Kompensator)

Das Leben eines kompensierenden Menschen ist etwas angenehmer als das eines gehemmten. Der Kompensator verkörpert die Normen und Ideale der Gesellschaft, und er gibt sich nach außen so, als ob er sie erfüllen und nach ihnen leben würde. Im Umgang mit gehemmten Menschen, also mit jenen, die in der Kindrolle verharren, übernimmt er die Elternrolle. Dadurch gewinnt er Einfluss auf sein Schicksal und ist damit weniger passiv: Er teilt sozusagen das Schicksal aus, statt es selbst zugewiesen zu bekommen. Allerdings macht sich der Elternrollenspieler z. B. ständig Sorgen wegen der »Kinder«, muss sich über sie ärgern oder ist frustriert, wenn sie nicht so funktionieren, wie er es will.
In der Elternrolle wird der Mensch zum Bewahrer und Hüter von Anstand, Moral und Konvention. Er kritisiert, maßregelt, korrigiert und straft jeden, der gegen die Regeln verstößt. Das Bedürfnis, immer recht zu haben und alles besser zu wissen, ist typisch für ihn.
Er meint, moralisch sauberer, besser, edler und anständiger zu sein als andere Menschen. Nur er besitzt Niveau und Stil, kann alles und weiß alles. Besonders wohl fühlt sich der kompensierende Mensch in der Rolle des Vorgesetzten, in der er auch gesellschaftlich die Legitimation hat, gehemmte Menschen – also alle, die in der Kindrolle geblieben sind – zu maßregeln, zu korrigieren, zu belohnen oder zu bestrafen. Damit wiederholt sich auf einer neuen Ebene ein Rollenmuster, das der Gehemmte bereits in der Beziehung zu seinen Eltern kennengelernt hat.
Genau genommen ist also die Person, die in der Elternrolle verharrt, ebenso gehemmt wie jene, die die Kindrolle übernommen hat. Erstere versucht jedoch, die Hemmung zu kompensieren, indem sie mit großem Ehrgeiz nach der Umsetzung von Normen und Idealen strebt. Dass sie sich nicht mit einem gehemmten Leben zufriedengibt, sondern die Energie zur Kompensation aufbringt, ist dabei als günstig zu bewerten. Der kompensierende Mensch handelt, während der gehemmte Mensch meist passiv bleibt.
Der Akt der Kompensation wird oft wie ein Rausch empfunden. Es ist ja auch ein tolles Gefühl, mehr zu gelten, höher, reicher oder mächtiger zu sein als andere. Das Leben des Kompensators ist ein Leben auf der Überholspur. Es gibt ihm einen besonderen Kick, teure Designerkleidung zu tragen, Feinschmecker- oder Nobelrestaurants aufzusuchen, einen rasanten Sportwagen oder eine schwere Luxuslimousine zu fahren, Freunde und Bekannte von Rang und Namen zu haben, Mitglied in einem exklusiven Club zu sein oder über einen Zweitwohnsitz am Meer zu verfügen. Jeden Tag aufs Neue fühlt er seine Überlegenheit gegenüber den Gehemmten, stabilisiert sich daran und genießt es, »oben« zu sein. Aber es bedeutet für ihn auch immer wieder Mühe, Kampf und Stress, seinen Nimbus zu erhalten, um nicht eines Tages wieder in die Hemmung zurückzufallen. Denn wie in der Medizin das Versagen einer Organkompensation schwerwiegende Folgen haben kann, so wäre eine Dekompensation für einen solchen Menschen kaum zu verkraften. Es ist leichter, permanent in den »unteren« Regionen verweilen zu müssen, als schon mal »oben« gewesen zu sein, dann aber wieder nach »unten« zu fallen.
Doch selbst wenn der Einzelne es schafft, oben zu bleiben, besteht meist die Problematik, dass er es bei all dem Streben nach Ruhm, Ehre und Glanz versäumt hat, sich seelisch und geistig weiterzuentwickeln, um als Mensch erfolgreich zu werden. In diesem Fall bleibt der Betreffende trotz Macht und äußerem Wohlstand unerfüllt und im Grunde seines Herzens unglücklich.
Er merkt, dass er in all den Jahren auf verschiedenen Feldern des Lebens nur eine Rolle gespielt hat, die letztlich mit seinem wirklichen Wesen nur wenig zu tun hatte. Ihm wird bewusst, dass er sich in den steten Akten der Kompensation erschöpft hat, und spürt nun seine innere Leere. Er hat wenig eigene Inhalte entwickelt, seine wahren Anlagen verkümmern lassen. Viele Stars aus der Film- und Showbranche haben im Alter große Schwierigkeiten, weil die Kompensationsmöglichkeiten von Jahr zu Jahr geringer werden und Rollenangebote ausbleiben.

Der Erwachsene

Der Erwachsene hat sich aus der komplementären Verstrickung von Gehemmtem und Kompensator gelöst. Er fällt nicht mehr in den alten Verhaltensmodus zurück. Da er nicht mehr von alten pauschalen Maßstäben gehemmt ist, braucht er auch nicht mehr ständig zur Kompensation zu schreiten, braucht sich nicht mehr zu erhöhen und erniedrigt damit nicht andere.
Er akzeptiert den anderen in seinem Sosein und versteht ihn; wenn dieser z. B. mit seinen Leistungen prahlt, sieht er die zugrunde liegende Hemmung in dessen Selbstwert. Er tritt zum Mitmenschen in eine neue Art der Beziehung, die nicht mehr auf dem Eltern-Kind-Verhältnis basiert, die nicht mehr eine Neuauflage der Vergangenheit ist, sondern unabhängig und frei im Hier und Jetzt stattfindet. Der andere wird als gleichwertiger Partner behandelt. Er sieht den Mitmenschen nun, wie er wirklich ist, da er die Brille abgelegt hat, mit der er nur ein verzerrtes und reduziertes Bild der Wirklichkeit wahrnehmen konnte.
Er steht nun vor einer Fülle von Möglichkeiten. Er ist aus der Erleidensform und Erwartungshaltung des Kindes herausgetreten und nicht mehr den negativen Feedbacks ausgeliefert, die der Elternrollenspieler mit seinem Verhalten und seinen Projektionen erwirkt hat. Er nimmt nun sein Schicksal im Rahmen seiner Anlagen bzw. seiner psychischen Struktur weitgehend selbst in die Hand.
Es ist offensichtlich, dass das unverwirklichte, nicht gelebte, verdrängte Leben des Gehemmten sowie die ständigen Anstrengungen des Kompensators, seine vorhandenen oder eingebildeten Defizite auszugleichen, ungemein Kraft kosten. Wer in der Phase der Kompensation verharrt, ist Sisyphus vergleichbar, einer Figur aus einer griechischen Mythologie. Dieser musste bekanntlich in der Unterwelt immerfort einen Felsblock bergauf wälzen, der stets kurz vor dem Gipfel wieder zurückrollte. Ähnlich wie Sisyphus erreicht der Kompensator nie sein Ziel und erschöpft sich schließlich bei seinen im Grunde von vornherein aussichtslosen Kompensationsversuchen.
Da der Erwachsene seine Energien nicht mehr verdrängt, diese auch nicht immer wieder gegen sich selbst richtet und zudem nicht mehr durch Normen und Ideale erzeugte Hemmungen ausgleichen muss, ist er imstande, in der Gegenwart zu leben und seine Zukunft sinnvoll zu gestalten. Seine Energien sind im freien Fluss und können in konstruktive Bahnen umgelenkt werden. Er ist imstande, den Jackpot des Lebens zu knacken, den wir im nächsten Kapitel kennenlernen werden.

Der Jackpot des Lebens

Millionen Menschen wünschen sich nichts sehnlicher, als einmal im Lotto den Jackpot zu knacken, um dadurch – so der Glaube – ein glückliches und sorgenfreies Leben führen zu können. Doch zum einen ist dies nur ganz wenigen Menschen beschieden, und zum anderen sind die Glücksgefühle, die ein solcher Supergewinn auslöst, nur von kurzer Dauer.
Im Gegensatz dazu gibt es allerdings noch einen Jackpot ganz anderer Art, einen, der Erfüllung und echtes Glück auf Dauer garantiert – dies ist der »Jackpot des Lebens«. Ihn kann jeder gewinnen, der bereit dazu ist, ganz bestimmte Schritte zu gehen, durch die er zu den »sechs Richtigen« gelangt, nämlich zu:
1. Gesundheit,
2. Identität,
3. Liebe,
4. Zeit,
5. Berufung und
6. Geist.
Beschreitet man diesen Weg, wird schließlich deutlich: Wer gesund ist, geliebt wird und lieben kann, wer geistig rege ist, über seine Lebenszeit selbst verfügen und seiner Berufung folgen kann sowie seine eigene Identität gefunden hat, ist reicher, als jeder Multimillionär sein kann. Denn keine dieser »sechs Richtigen« kann mit Geld erworben werden. Alle sind sie unbezahlbar. Und deshalb wird jemand, der sie »erreicht« hat, auch keinen anderen Menschen auf dieser Welt mehr beneiden.
Doch wie ist es möglich, mehr Liebe ins eigene Leben zu ziehen, die eigene Gesundheit zu erhalten oder wiederzugewinnen, zu geistigen Höhenflügen anzusetzen, mehr Zeit für sich selbst zu haben, seiner Berufung zu folgen und aufgrund des Wissens um die eigene Identität die richtigen Entscheidungen zu treffen?
Alle sechs Richtigen hängen davon ab, inwieweit es gelingt, die eigene Lebensenergie, die im übertragenen Sinne als »Superzahl« fungiert, in einen freien Fluss zu bringen. Je besser die Lebensenergie im eigenen physischen und psychischen Organismus sowie im persönlichen Umfeld zirkuliert, desto mehr Lebensfreude kann sich entwickeln.
Am besten ist es, hierbei Schritt für Schritt vorzugehen, indem man Energievergeudungen und falsche Energiekanalisierungen vermeidet sowie neue Energien erschließt und so einsetzt, dass dadurch ein angenehmes Schicksal erwirkt wird. Und was das Erstaunliche ist: Nach jedem Schritt ist sofort eine positive Reaktion des Unbewussten bzw. des Schicksals zu beobachten. Es eröffnen sich dadurch weitere ungeahnte Möglichkeiten, wie man strategisch und taktisch vorgehen kann, um positive Wechselwirkungen und Kettenreaktionen im eigenen (vernetzten) Leben auszulösen.
Die Lebensenergie muss auf allen Gebieten im freien Fluss sein, denn überall macht sich ein Abfall der Lebensenergie als Krankheit oder als negativer Schicksalsschlag bemerkbar – im Gefühlsleben, im geistigen Leben, bei den Finanzen, in der Wohnung, im Wohnumfeld, im Berufsleben, in der Partnerschaft, im Freundeskreis … (Wenn Sie wissen wollen, auf welchem Energielevel Sie sich derzeit befinden, können Sie den Test im Anhang dieses Buches durchführen.) Die Energieblockaden mögen zwar durch Massagen und andere Körpertherapien vorübergehend beseitigt werden, doch gewöhnlich entstehen sie immer wieder aufs Neue, weil die ihnen zugrunde liegenden psychischen Blockaden bestehen bleiben.
Man kann sich auf einem Lebensfeld oder vielleicht sogar auf mehreren unwohl fühlen. Der eine empfindet sich nach einer Trennung oder Scheidung energetisch ausgelaugt, ein anderer versteht es nicht, sich verschiedene Energiequellen zu erschließen, sodass auch der Fluss seiner Lebenskraft stagniert. Infolge der Wechselwirkungen innerhalb des eigenen Persönlichkeitssystems strahlt der Energiemangel auf einem Lebensgebiet auf andere Bereiche aus und lässt u.U. auch dort den Pegel sinken.
Doch eigentlich haben sowohl die physische und psychische Natur wie auch das Unbewusste stets nur eine Bestrebung: Sie zielen immer wieder darauf hin, dass ein Gleichgewicht erreicht wird. Leben ist Wachstum und Entwicklung. Und dieses Streben der Natur geht in Richtung Gesundheit, Identität, Liebe, Zeit, Berufung und Geist. Die Natur versucht sich immer wieder auf die Gesundheit einzupendeln, sie wird nicht müde, um uns stets auf die eigene Identität aufmerksam zu machen. Sie »drängt« uns dazu, einen anderen Menschen zu lieben, mahnt zu einer konstruktiven Zeitnutzung, stößt uns auf unsere Berufung und strebt nach geistiger Entwicklung. Kurz: Die »sechs Richtigen« sind von der Natur gewollt.
In der Folge werden sie detailliert beschrieben. Am Ende jedes Kapitels finden Sie die grundlegenden Aussagen noch einmal zusammengefasst, sie werden durch Besinnungsfragen ergänzt.
Es geht in diesem Buch aber nicht nur darum, diese wichtigen Bereiche unseres Lebens zu thematisieren. Sondern vor allen Dingen soll auch gezeigt werden, welche Möglichkeiten bestehen, die hier vorgestellten Prinzipien in Ihrem Alltag umzusetzen. Da eine stabile Gesundheit, die eigene Identität und wahre Liebe besonders häufig Irritationen unterworfen sind, wurde dafür ein breiterer Raum verwendet. Dazu kommt, dass es einem nach der Verwirklichung dieser drei Richtigen im Allgemeinen leichter fällt, auch auf den anderen drei Gebieten gut zu Rande zu kommen, nämlich seine Zeit konstruktiver zu nutzen, seine Berufung zu erkennen und ihr zu folgen sowie den eigenen geistigen Interessen nachzugehen.

Gesundheit
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Ein harmonischer Energiefluss bedeutet Gesundheit

Wenn Ärzte nach der Verabreichung einer Spritze oder der Verordnung eines Medikaments ihren Patienten gegenüber zum Ausdruck bringen, dass diese auch selbst etwas dazu beitragen müssten, um wieder gesund zu werden, antworten die meisten von ihnen sinngemäß etwa so: »Ja, selbstverständlich, Herr Doktor, das werde ich tun!« Der eine hat dabei den Vorsatz: »Ich nehme mir vor, weniger zu rauchen und zu trinken«, ein anderer wiederum denkt vielleicht: »Ich muss mit dem Essen aufpassen und mehr auf mein Gewicht achten.« Aber was wirklich konkret zu tun ist, weiß kaum jemand.
Tatsächlich erweist sich ein solches Unterfangen in der Praxis als sehr schwierig. Man muss dazu die Tatsache erkennen, dass der Mensch ein Energiesystem ist und dass Gesundheit eng mit der eigenen Lebensenergie im Zusammenhang steht. Blockaden, Fehlleitungen oder ein Mangel an Lebensenergie hingegen haben einen Bezug zu Krankheit und Leid. Gesundheit bedeutet also, dass die Energien im freien Fluss sind und sich in Balance befinden.
Das ökologische Gleichgewicht mag hier als Gleichnis dienen. Es liegt vor, wenn in einem Ökosystem über eine lange Zeitspanne hinweg der Organismusbestand, der Energieeinsatz sowie die »Stoffflüsse« aufgrund von Regulierungsprozessen – nach Mittelwerten betrachtet – gleich bleiben. Das ökologische Gleichgewicht ist ein offenes und dynamisches System! Für ein solches Fließgleichgewicht ist entscheidend, dass
• Stoffe und Energien ständig aus der Umgebung aufgenommen,
• zur Aufrechterhaltung der Struktur umgesetzt und
• wieder an die Umgebung abgegeben werden.
Jeder Mensch ist für sich ein eigenes »Ökosystem«, das mit anderen Menschen und mit deren Ökosystemen sowie mit dem der Natur in Wechselwirkung steht.
Das Organismus-Umwelt-Gleichgewicht wird durch Instinktund Reflexverhalten, durch individuell erworbene Gewohnheiten sowie durch bewusste Entscheidungen für bestimmte Handlungen gesteuert. Wenn man in der Lage ist, ein gestörtes Gleichgewicht durch Umstellen auf andere Verhaltensweisen zu stabilisieren, verfügt man über die Eigenschaft der Ultrastabilität. Hierbei spielen Bedürfnisse eine große Rolle, weil sie ein gestörtes Gleichgewicht signalisieren und entsprechende Aktivitäten zur Wiederherstellung der Balance in Gang bringen. Nicht jedem Bedarf entspricht allerdings ein Bedürfnis, das präzise genug wäre, das Verhalten auf eine (an sich mögliche) Deckung des Bedarfs auszurichten. Neben genau ausgerichteten Bedürfnissen gibt es nämlich auch sog. zielblinde Bedürfnisse. Man weiß dann zwar, dass einem etwas fehlt, kann aber nicht angeben, was es ist.
Obwohl also einiges unbewusst abläuft, ist dennoch jeder für seinen Energiehaushalt selbst verantwortlich; denn wie viel Energie man hat, ist das Ergebnis des eigenen Fühlens, Denkens, Verhaltens und Handelns. Oberstes Prinzip ist hierbei, dass man als »Energiebuchhalter« nicht in die »roten Zahlen« kommt; d. h., man muss dafür Sorge tragen, dass die eigenen Energien im »grünen Bereich« bleiben, nicht ins Minus geraten, dass keine Energieschulden entstehen.
Warum aber ist die Umsetzung hiervon so schwierig? Der Volksmund sagt: »Man kann nicht über seinen Schatten springen.« Mit anderen Worten: Es besteht eine unbewusste Abwehr, etwas im eigenen Leben, d. h. im eigenen Fühlen, Denken, Verhalten und Handeln, zu verändern.
Hinzu kommt, dass man gewöhnlich im Laufe der Zeit bestimmte Gefühlsraster entwickelt hat – »Lieblingsgefühle«, die man hätschelt und pflegt -, gewisse Vorurteile hegt und Glaubenshaltungen einnimmt, die nach einem inneren Gesetz danach verlangen, bestätigt zu werden. Und man legt aufgrund von Konditionierungen ein Verhalten und ein Handeln an den Tag, das ineffizient, ja, mehr noch, das vielleicht sogar kräftezehrend und energieraubend ist.
Die Geschichte von einem Bauern und seinem Sohn
Eines Tages lief das schönste Pferd eines chinesischen Bauern davon.
Alle Nachbarn bedauerten den Bauern und beklagten den Verlust. Doch der Bauer sagte nur: »Unglück, wer weiß?«
Nach einigen Tagen kam sein Pferd zurück, und mit ihm kamen einige Wildpferde.
Die Nachbarn beglückwünschten den Bauern. Dieser aber sagte: »Glück, wer weiß?«
Als sein Sohn die Wildpferde zureiten wollte, wurde er abgeworfen und brach sich ein Bein.
Wieder klagten die Nachbarn und sprachen von einem großen Unglück, der Bauer aber sagte nur: »Unglück, wer weiß?«
Kurz darauf kamen die Soldaten des Kaisers, um junge Männer für den Krieg zu rekrutieren.
Da der Sohn des Bauern sich ein Bein gebrochen hatte, taugte er nicht für den Wehrdienst und konnte so zu Hause bleiben.
Demnach wäre es also günstig, innere und äußere Kraftquellen zu nutzen und die Energien wohl dosiert und zielgerichtet einzusetzen. Bevor wir zu dieser Lösung kommen, müssen wir uns jedoch mit den verschiedenen Energiefallen beschäftigen, in die man – ohne sich dessen bewusst zu sein – immer wieder gerät und die unsere Gesundheit so sehr beeinträchtigen können.

Wie zwei Krankheiten entstehen

Kurze Zeit nachdem Bernd O. (48) als Manager eines großen pharmazeutischen Unternehmens trotz großer Verdienste infolge von Intrigen entlassen worden war und er sich fast synchron dazu von seiner Ehefrau hatte scheiden lassen, lernte er Natalie G. (46) kennen, die als Chefärztin in einer norddeutschen Klinik tätig war. Die Liebe zu Natalie half ihm, seinen beruflichen Niedergang zu verarbeiten.
Bereits sechs Monate später zog Bernd in Natalies Einfamilienhaus ein. Ferner erfreute er sich daran, dass Natalie eine geräumige Ferienwohnung an der Costa del Sol hatte. Auf diese Weise war es ihm möglich, ohne große Kosten traumhafte Ferien mit seiner Freundin zu verbringen. Der einzige Wermutstropfen war, dass ihm dort von Natalie nur ein kleines Zimmer von etwa 8 Quadratmetern zugewiesen wurde, während sie und ihre Tochter (18) über je ein zirka 30 Quadratmeter großes Schlafzimmer verfügten.
Zwei Jahre lang konnte Bernd beruflich nicht mehr Fuß fassen. Alle Türen blieben ihm verschlossen, er bekam überall nur Absagen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als immer nur zu warten, bis seine Freundin, die Chefärztin, von der Arbeit nach Hause kam. Sie berichtete ihm von den schweren Fällen, mit denen sie konfrontiert wurde, von ihren therapeutischen Maßnahmen und Anordnungen. Bernd, der sehr ehrgeizig war und trotz allem große berufliche Ambitionen hatte, verlor dabei zusehends an Bedeutung. Sein »Licht«, das in seiner Blütezeit voll zur Entfaltung gekommen war, erlosch mehr und mehr.
Zudem konnte er sich kaum mehr etwas leisten, denn sein Erspartes war allmählich verbraucht. Natalie brachte ihm deshalb von ihren Shoppingtouren in Nobelboutiquen immer wieder mal ein edles Kleidungsstück mit – was der beruflich gescheiterte Mann als Almosen empfand. Natalie fühlte sich dabei als Mäzen und Helferin, verspürte aber auch eine gewisse Genugtuung, dass der ehemals von Frauen so begehrte Mann immer mehr in Abhängigkeit von ihr geriet.
Als Bernd die Situation nicht mehr ertragen konnte, mobilisierte er alle Kräfte, um beruflich wieder nach oben zu kommen. Natalie, die seine Aktivitäten mit Argwohn beobachtete, unterstellte ihm jedoch, dass er wie zu seinen Glanzzeiten mit anderen Frauen amouröse Abenteuer eingehen wollte. Natalie steigerte sich daraufhin so sehr in diese Vorstellung hinein, dass sie schließlich einen Detektiv beauftragte, ihn zu beschatten. Prompt brachte dieser ihr ein Foto, auf dem zu sehen war, wie Bernd mit einer schwarzhaarigen Frau ein Restaurant besuchte.
Ein paar Tage später erkrankte Natalie an Gardnerella vaginalis (Gardnerella vaginalis findet sich gehäuft bei unspezifischer Vaginitis [Entzündungen der Vagina] und Urethritis [Entzündungen der Harnröhre]). Natalie machte ihrem Partner heftige Vorwürfe, sie damit infiziert zu haben. Dies führte dazu, dass ihr Liebesleben, eine tragende Säule der Beziehung, vollkommen eingestellt wurde. Dass es sich bei dem Essen mit der schwarzhaarigen Frau um eine geschäftliche Verabredung gehandelt hatte, glaubte Natalie ihm nicht. Schließlich bildete sich bei Bernd ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi), das monatelang bestehen blieb. Und nachdem die Dissonanzen mit Natalie sich immer mehr verstärkt hatten, zog Bernd schließlich in eine andere Stadt.
Drei Tage später bekam er einen Anruf von einer Firma im süddeutschen Raum. Kurz darauf startete er dort eine neue Karriere im oberen Management. Bernds Magenbeschwerden waren verschwunden, und auch Natalie wurde wieder gesund.
Was lief hier ab? Es kam nicht von ungefähr, dass Natalie Bernd just in dem Moment kennenlernte, in dem er psychisch angeschlagen war. Er konnte nicht mehr wie früher vor der Frau glänzen und nicht mehr auf maskuline Art um sie werben. Aufgrund seiner desolaten Situation konnte sie sich tüchtiger und erfolgreicher fühlen und sich an ihm stabilisieren. Zusätzlich wurde Bernd durch den Einzug ins Haus seiner Partnerin sowie durch die Situation in der Ferienwohnung energetisch geschwächt. Obwohl Natalie es gut mit Bernd meinte, fungierten ihre Almosengaben als weitere Torpedos gegenüber seinem Selbstbewusstsein. Auch dass Bernd als ehrgeiziger Mann nur das Licht seiner Partnerin reflektieren durfte, kam für ihn einer psychischen Kastration gleich. Er war nicht der »Hausmann«, der den ganzen Tag nur darauf warten konnte, bis die erfolgreiche Partnerin nach Hause kam. Natalie sah unbewusst ihre Beziehung zu Bernd gefährdet, als dieser massiv versuchte, aus seinen Rollen als Hausmann, »Gigolo« und Almosenempfänger herauszukommen.
Blitzschnell schaltete ihr Unbewusstes und inszenierte die Gardnerella vaginalis. Allein schon die Vorstellung, Bernd wäre untreu gewesen, gekoppelt mit der Angst, er hätte sich dabei infiziert und die Infektion übertragen, genügte, um sozusagen als »negatives Placebo« die Krankheit entstehen zu lassen. Durch diese Vorstellung, die mit negativen Gefühlen verbunden war, wurde das Immunsystem geschwächt. Diese Schwächung öffnete Tür und Tor für Erreger, die stets vorhanden sind, aber nur bei einer Störung der physiologischen Balance der Vaginalflora virulent werden. Insofern musste Natalie ärztlich behandelt werden. Durch diese Umstände und die danach notwendige sexuelle Abstinenz wurde Bernds ohnehin bereits angeschlagene Männlichkeit erneut verunsichert (Prinzip der negativen Verstärkung). Dass er sich in der Beziehung immer weniger akzeptiert fühlte, somatisierte er schließlich am Magen, der seinen psychischen Zustand widerspiegelte.
Der Fall von Bernd macht deutlich, dass das, was als Glück erscheint, sich oft als ungünstig entpuppt – und umgekehrt. Denn dass er nach seiner Entlassung und der Scheidung sofort eine so erfolgreiche Frau wie Natalie kennengelernt hatte, war ein Glücksumstand, um den ihn viele beneideten. Er fand tolle äußere Rahmenbedingungen vor, und sie unterstützte ihn, wo sie nur konnte. Dennoch oder – wie wir gesehen haben – gerade deshalb wurden die vermeintlichen Vorteile zu Nachteilen, erwies sich sein anfängliches Glück als Unglück, weil er dadurch in eine energetische Abwärtsspirale geriet. Bernd sank so tief, und es ging ihm physisch und psychisch so schlecht, dass er – wollte er überleben – alles versuchen musste, um seine Situation zu verändern (Drop-out-Effekt). Durch die neue berufliche Chance, die sich ihm eröffnete, kam er wieder auf die »Sonnenseite« des Lebens und damit in eine andere Stimmungslage, sodass sein Magengeschwür ausheilen konnte.

Der geschlechtsspezifische Energiefluss

Der Fall von Bernd O. zeigt, dass im Energiefluss große Unterschiede zwischen Mann und Frau bestehen. Was den Mann schwächt, kann die Frau stärken – und umgekehrt. Insbesondere gilt dies für jeden psychisch patriarchal strukturierten Mann und für eine Frau, der die herkömmliche Rolle zugeschrieben wird. Obwohl sich hier durch die Emanzipation der Frau einiges verändert hat, bleibt die Frage offen, ob nicht doch auch in der heutigen Zeit bei Frauen und Männern archaische Muster wirksam sind, die darüber entscheiden, ob eine Situation für ein Geschlecht schwächend oder stärkend ist. Letztendlich ist das Richtmaß hierfür natürlich das eigene Gefühl. Wenn Frauen und Männer in sich hineinhorchen, was ihre innere Stimme sagt, die Stimme der Natur, dann bekommen sie die Antwort.
Abgesehen von diesen individuellen Gefühlsunterschieden lässt sich grundsätzlich sagen, dass ein Mann in seiner Position geschwächt wird, wenn er z. B. in die Wohnung oder das Haus seiner Partnerin bzw. seiner Schwiegereltern zieht, wenn er materiell von ihr abhängig ist oder wenn er von ihr immer wieder beschenkt wird und nicht für einen adäquaten Ausgleich sorgen kann.
Wenn der betreffende Mann in solchen und anderen Situationen dies nicht so empfindet – etwa weil er keinen starken Ehrgeiz aufweist -, wird er dabei allerdings nicht geschwächt. Auch wird es kaum zu einer Schwächung kommen, sofern eine andere Möglichkeit der Kompensation besteht, etwa wenn er in seinem Sportverein eine Alpharolle einnimmt und daher in seiner Männlichkeit gefestigt wieder nach Hause zurückkehren kann.
All die oben erwähnten Punkte, die so manchem Mann Energie entziehen, können im umgekehrten Fall für das Persönlichkeitssystem einer Frau stärkend wirken. Sie freut sich, wenn sie z. B. zu einer Urlaubsreise eingeladen oder wenn sie beschenkt wird – zeigen ihr diese Gesten doch, dass sie vom Mann als Frau umworben, begehrt und geliebt wird. Im Grunde genommen ist klar: In der patriarchalen Phase hat der Mann seine Macht und sein Geld dazu verwendet, um seine Frau oder Partnerin bewusst oder unbewusst von ihm abhängig zu machen. Heute sind seine Einladungen und Geschenke mehr das, was sie eigentlich sein sollten, nämlich Bestandteile seiner Werbung.
Doch wodurch wird eine Frau geschwächt? Sie erleidet Energieverluste, wenn ihr Partner beispielsweise in ihrem Beisein ständig anderen Frauen nachschaut, wenn ihre Freundin besser gekleidet ist oder schöner wohnt als sie, wenn ihr Mann sich zu wenig zu ihr bekennt …
Gehen wir noch einen Schritt weiter: Manche Männer wollen für ihre ehemalige Frau keinen Unterhalt oder für ihre Kinder keine Alimente zahlen. So verständlich einesteils der Gedanke im Falle der Exgattin sein mag – Frauen können heute ohne Weiteres auch selbst für ihren Unterhalt sorgen -, muss nach dem Gesichtspunkt des geschlechtsspezifischen Energieflusses dennoch einiges überdacht werden. Wenn der Mann etwa aus Wut über die bevorstehenden monatlichen Leistungen sein berufliches Engagement drosselt oder sich gar vor den Behörden als sozial schwach darstellt, nur um nicht oder nicht so viel zahlen zu müssen, tut er sich damit keinen Gefallen. Er glaubt, Geld zu sparen, doch in Wirklichkeit schwächt er sich mit dieser erfolgskybernetisch falschen Einstellung ungemein. Sein Energielevel und seine Stimmungslage werden nach unten gedrückt, was mit einer ungünstigen Anziehung verbunden ist.
Hier ist vielmehr die gegenteilige Einstellung gefragt: »Ich stelle die Weichen in meinem Leben auf Erfolg, dann sind die monatlichen Zahlungen, die ich zu entrichten habe, leicht zu verkraften!« Genauso verhält es sich auch bei den Unterhaltszahlungen für die Kinder. Es stärkt den Mann, wenn er ihre Entwicklung fördert, er sozusagen als ihr »Mäzen« fungieren kann. Und es schwächt ihn, wenn er vor der Verantwortung flieht oder gar untertaucht.

Wie eine »Vaterrolle« Energie entziehen kann

Denise G. wurde als Nesthäkchen von ihrem Vater sehr verwöhnt. Für ihn war sie die kleine Prinzessin, und er versuchte, all ihre Wünsche zu erfüllen. Denises Wünsche waren aber weniger materieller als seelischer Art. Sie wollte die fast ununterbrochene Widmung und Zuwendung ihres Vaters. Dabei hatte sie jedoch zwei Konkurrentinnen: ihre drei Jahre ältere Schwester und ihre Mutter. Während sich die Schwester zurücknahm – sie hatte, weil sie ja nicht mehr so klein und niedlich war, ohnehin die »schlechteren Karten« -, wurde ihre Mutter zu ihrem alleinigen Feindbild.
Denise hatte das Empfinden, dass ihr diese Frau den Vater streitig machte. Jedes Mal, wenn ihre Mutter sich mit ihm zurückzog, versuchte Denise, diese traute Zweisamkeit zu stören. Manchmal wussten sich ihre Eltern nicht anders zu helfen, als ihren Rückzugsort, das Schlafzimmer, abzusperren, um vor dem emotionalen Terror ihrer kleinen Tochter Ruhe zu haben. Doch damit verschärften sie die Problematik nur noch. Denise rüttelte an der Tür, bettelte, weinte und rief nach ihrem Vater, bis dieser sich erbarmte und die Kleine wieder in seine Arme nahm.
Dreißig Jahre später lernte Denise einen Mann kennen, auf den sie ihr Vaterbild projizieren konnte. Er hieß Paul und war Shiatsu-Lehrer. Mit seiner besonnenen Art wirkte er klar und beruhigend auf seine größtenteils weiblichen Kursteilnehmer – nicht zuletzt deshalb hatte er einen enormen Zulauf.
Als er sich mit Denise liierte, war er zunächst ganz begeistert. Endlich eine Frau, die voll zu ihm stand, die ihn verehrte und seine Gedankenwelt teilte. Er fühlte eine innige seelisch-geistige Verwandtschaft und wollte mit ihr – nachdem er vorher mit einer anderen Frau eine große Enttäuschung erlebt hatte – ein neues Leben beginnen. Denise und er waren immer zusammen. Dabei wiederholten sich viele Situationen, die sie bereits vom Elternhaus her kannte, wenn sie z.B. mit ihrem Vater zusammen kuschelnd vor dem Fernseher saß oder ihm ihre Sorgen anvertraute, er sie beruhigend streichelte und sich ihr widmete.
Es wäre alles – scheinbar – in Ordnung gewesen, hätte es da nicht diesen eigenartig anmutenden Rückgang der Kursteilnehmer (innen) gegeben, der Paul ziemlich aus der Bahn warf. Das Einkommen reichte nämlich kaum mehr für seinen Lebensunterhalt. Alles, was er versuchte, um den Kursbetrieb wieder anzukurbeln, ging schief. Eines Tages hatte er nur noch eine Schülerin: Denise. In dieser Phase fühlte er sich aber auch als ihr »Vater« nicht mehr wohl. Er war von ihr in diese Rolle gedrängt worden, ohne zu spüren, dass ihm das auf Dauer gar nicht recht sein konnte. Paul merkte erst nach geraumer Zeit, dass er bei ihr nicht als Mann und Partner gefragt war. Insofern musste sich diese einseitige Rolle zwangsläufig im Laufe der Zeit mehr und mehr erschöpfen.
Was hatte Pauls Energiefluss so sehr blockiert? Da er sich Denise fast Tag und Nacht widmete, hatte er keine Zeit und keine Kraft mehr für seine berufliche Tätigkeit. Noch etwas kam hinzu: Wenn seine Kurse weiter erfolgreich gewesen wären, hätte er wohl ein schlechtes Gewissen gegenüber Denise entwickelt – er hätte sich ja nicht mehr so sehr um sie kümmern können … Insofern war sein Unbewusstes aus zwei Gründen gezwungen, die Botschaft in den »Äther« zu senden, dass zurzeit keine Kursteilnehmer erwünscht waren:
1. Seine ganze Energie wurde von der ihm zugewiesenen Rolle als »Vater« von Denise absorbiert. Somit war keine Energie mehr vorhanden, um Vater bzw. Lehrer seiner Schüler zu sein.
2. Das Schuldgefühl, sich Denise nicht genügend widmen zu können, blockierte fast vollends die Anziehung von Kursteilnehmer (inne)n (die sie in unbewusster Übertragung als Konkurrentinnen sah – so wie damals ihre Schwester und ihre Mutter).
Als Paul diesen Mechanismus infolge einer Energieflussanalyse durchschaut hatte (siehe Seite 97) zog er in einen anderen Stadtteil, um sich neu »formieren« zu können. Seine Shiatsu-Kurse sind seitdem wieder gut besucht.
Und Denise? Sie verliebte sich in einen neuen Mann, der aber schon nach kurzer Zeit ebenso in die Vaterrolle schlitterte.

Die Bipolarität der Welt bzw. das Gesetz des Ausgleichs

Die Welt ist bipolar angelegt. Aber auch jeder Mensch hat bei allen Lebensprinzipien zwei Pole in sich, einen Plus- und einen Minuspol, wobei mit Plus und Minus keine Wertung verbunden ist. Man identifiziert sich mit einem Pol und projiziert unbewusst den anderen auf seine Mitmenschen. So sorgt das Unbewusste dafür, dass jeder immer ausgeglichen ist – es fragt sich nur, auf welche Art und Weise.
Meist ist man im Bewussten mit dem einen entsprechenden Ausgleich nicht einverstanden. Doch das Unbewusste fragt nicht danach, ob man ihn gut findet. Das Unbewusste verrichtet ähnlich, wie es auf der körperlichen Ebene das autonome Nervensystem tut, stoisch seine Aufgabe, indem es den für die psychische Homöostase notwendigen Gegenpol anzieht (das Gesetz des Ausgleichs stimuliert das Gesetz der Anziehung). Je weiter man sich von der physiologischen Mitte entfernt, umso heftiger wird die Reaktion sein, vergleichbar mit der Bewegung eines Pendels, die eine gleichförmige, aber entgegengesetzte Wirkung hervorruft.
BIPOLARE KONSTELLATIONEN
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