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Vorwort
Wie viele Kalorien hat Sperma? Macht Lakritze impotent? Wie kann ich an Äußerlichkeiten erkennen, ob ein Mann ein guter Lover ist? Und worauf stehen Männer wirklich bei Frauen? Auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft beantwortet dieses Buch die verschiedensten Fragen über Männer und ihre Sexualität.
Bei dieser Gelegenheit räumt es mit vielen vermeintlichen Binsenweisheiten auf. Wussten Sie zum Beispiel, dass auch Männer eine Scheide haben und Milch geben können, bei Pornos wählerischer als Frauen sind und dass ihr Ejakulat ein Spermizid enthält, das Samen abtötet? Verblüffenderweise ist die männliche Sexualität nicht im Geringsten so simpel, wie manch einer glauben mag. Stattdessen wirken viele Dinge auf überraschend vielschichtige und ausgeklügelte Weise zusammen. Sobald man begonnen hat, diese Zusammenhänge zu durchschauen, erstarrt man nahezu vor Ehrfurcht, was das komplexe Naturwunder des männlichen Körpers angeht.
Aber nicht nur der männliche Körper, auch die männliche Psyche ist durchaus bemerkenswert, wenn es um die Themen Partnerschaft und Erotik geht. Eine aufmerksame Leserin sollte nach der Lektüre dieses Buches in der Lage sein, Männer und deren Verhalten besser zu durchschauen, als diese selbst es vielleicht können. Wobei ich hoffe, dass die neu gewonnenen Einsichten auch ein größeres Maß an Verständnis mit sich bringen. Vieles von dem, was wir Kerle tun und was von außen betrachtet mitunter vielleicht etwas seltsam anmuten mag, hat bei näherer Betrachtung durchaus einen tieferen Sinn.
Einiges von dem, was ich für dieses Buch recherchieren konnte, beruht auf den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie, anderes stellt eben diese Lehre an verschiedenen Punkten überzeugend infrage. Jedenfalls hoffe ich, dass diese Erkenntnisse nicht lediglich wieder zu jener längst schon nervig gewordenen Rhetorik beitragen, der zufolge Männer »wie Tiere« oder »in der Steinzeit stehengeblieben« sind. Damit Sie nicht nur alle Informationen selbst überprüfen, sondern auch noch ein wenig mehr über Themen lesen können, die Sie näher interessieren, habe ich jedes behandelte Stichwort durch ausführliche Quellenangaben ergänzt, die Sie im Anhang aufgeführt finden. Wie Sie bei einem Blick darauf feststellen werden, war die Menge der für dieses Buch gesichteten Literatur immens. Vieles findet man darüber hinaus auch auf wissenschaftlichen Websites im Internet. Meine Quellenangaben beziehen sich jeweils auf den Text, in dem ich die entsprechende Frage am treffendsten beantwortet finde. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
 
Arne Hoffmann

ALKOHOL

Warum werden betrunkene Männer kontaktfreudig, lüstern oder gar zudringlich, sind später im Bett aber eine Enttäuschung?

Auf den ersten Schluck ist Alkohol eine prima Sache, wenn es um das Anbahnen von intimen Beziehungen geht. Nehmen wir beispielsweise einen Mann, der so verklemmt ist, dass man ihm zum Beginn eines Abends ein Stück Kohle zwischen die Gesäßbacken schieben könnte, um wenige Stunden später einen echten Diamanten zu erhalten. In vielen Fällen braucht man so jemandem nur das eine oder andere Gläschen Wein oder Bier zu servieren, und schon verwandelt er sich in einen sprudelnden Quell guter Laune. Lässt eine Frau sich von demjenigen allerdings überrascht ins Bett quatschen, muss sie bald schon feststellen, dass dort weder von »sprudelnd« noch von »guter Laune« die Rede sein kann. Solche Erfahrungen machen Frauen (und Männer) bereits seit Jahrtausenden. Schon Shakespeare wusste: Alkohol »fördert das Verlangen und schwächt das Tun«. Woran liegt’s? Das lässt sich in einigen Sätzen erklären: Nicht ohne Grund funktioniert Alkohol auch wunderbar als Haushaltsreiniger. Das liegt daran, dass er Fett gut löst. Dasselbe gelingt den Alkoholmolekülen aber auch im menschlichen Gehirn. Sie greifen die Fetthülle von Nervenzellen an, und infolge einer Kettenreaktion schütten diese den berauschenden Botenstoff Dopamin aus. Bald kommt es zu einem regelrechten Feuerwerk an Glücksgefühlen. Man wird entspannt, gut gelaunt und selbstbewusst. Zusammen mit dem Fett löst der Alkohol jetzt auch bei der Kontaktanbahnung störende Hemmungen einfach auf – auch jene, die durch Selbstkritik entstehen, die die Ursache für viel männliche Zurückhaltung und Schüchternheit ist. Der betreffende Mann möchte seine Glücksgefühle jetzt gerne mit jemandem teilen. Gleichzeitig beeinträchtigt der Alkohol aber seine Wahrnehmung. Vielleicht baggern auch deshalb Männer in angetrunkenem Zustand Frauen an, die ihnen allein aus optischen Gründen ansonsten eher schnuppe wären. Wo früher Reserviertheit herrschte, übernimmt jetzt Eroberungsdrang. Auch die Blutgefäße dehnen sich, woraufhin der Penis sich streckt und räkelt und tatendurstig wird.
Das alles spielt sich ab, solange Alkohol in Maßen genossen wird. Leider genießen ihn viele Männer stattdessen in Massen, um diese beseligenden Gefühle noch zu verstärken. Inzwischen haben ihre Nervenzellen aber gemerkt, dass dieses Volk, das sich die ganze Zeit über an sie ranschmeißt, bei ihnen gar nichts zu suchen hat, und machen die Schotten dicht: Sie fahren die Andockstellen für das Dopamin wieder ein. Jetzt prallt der Alkohol von den Zellwänden ab und entfaltet nur noch eine leicht depressive Wirkung. Der Trinker sucht immer noch verstärkt Kontakt zu anderen Menschen, aber jetzt aus anderen Gründen: Er ist nicht mehr so glücklich wie zu Beginn.
Noch unglücklicher wird er, völlig entgegen seinen Erwartungen, wenn er in diesem Zustand mit einer Frau im Bett landet. Der Alkohol wirkt inzwischen nur noch als Depressivum und beeinträchtigt damit die Fähigkeit, so in Fahrt zu kommen, wie es nun eigentlich wünschenswert wäre. Viele Männer kriegen schon nach zwei bis drei Drinks keinen mehr hoch und gelangen deutlich schwerer zum Orgasmus. Der Mangel an kritischer Selbstwahrnehmung führt dazu, dass man schon mal auf ein Kondom verzichten zu können meint. Und der Rauschzustand macht vernünftige Kommunikation sehr schwer. Weil der Alkohol darüber hinaus die Konzentration schwächt, kann der betreffende Mann längst nicht mehr all jene Feinheiten wahrnehmen, die bei sinnlichem Sex so wichtig sind. Mit einem Wort: Riesenpleite.
Noch schlimmer sind die Langzeitschäden bei Männern, die öfter mal einen bechern. Während langanhaltender Genuss von täglich zwei Gläsern Rotwein (am besten mit Tanningeschmack) die Elastizität der Blutgefäße fördert, führt langanhaltender, übermäßiger Alkoholgenuss: zu Verkalkungen und Verengungen, die die Wände der Blutadern in Mitleidenschaft ziehen. Damit wird die Blutzufuhr behindert, die zum Ausdehnen der Schwellkörper notwendig ist. Der Alkohol stört auch zunehmend die Nervenimpulse, die vom Gehirn bis zu den Schwellkörpern des Penis ausgehen. Aus der Pleite eines einzigen Abends entwickelt sich ein dauerhaftes Problem.
Aber es kommt noch schlimmer: Alkohol senkt den Testosteronspiegel und scheint den Umbau von Testosteron in Östrogen zu beschleunigen. Dem Macho, der sich und anderen seine Männlichkeit als Kampftrinker beweisen möchte, wachsen auf Dauer Brüste. Kippt er sich zweimal die Woche fünf Bier oder mehr hinter die Binde, schrumpfen noch dazu seine Hoden. Und schließlich stört das ständige Vorbeitorkeln von Alkoholmolekülen massiv die Arbeit der Enzyme am Spermienkopf, womit sich die Chance auf gesunde Nachkommen – oder überhaupt auf Nachkommen – deutlich verringert. So erhöht der väterliche Genuss von Alkohol vor der Zeugung nicht nur das Risiko von Fehlgeburten, sondern kann sich auch schädigend auf die Entwicklung des Kindes auswirken.
Wie also soll sich ein Mann verhalten, der all die positiven Wirkungen von Alkohol nutzen möchte, ohne dessen Nachteile zu erleiden? Hier empfiehlt sich, nicht mehr als ein halbes Gramm Alkohol pro Kilo Körpergewicht zu sich zu nehmen, bevor man mit jemandem in die Laken springt. Rechnet man nach, ergibt sich klar: Diese Grenze hat ein Mann, der 75 Kilo auf die Waage bringt, bereits mit zwei Vierteln Wein überschritten.

Wie kann ein Mann auch ohne Trinken von Alkohol dessen anregende Wirkung genießen?

Sittenwächter sind bekannt für Parolen wie »Alkohol ist keine Lösung« (was stimmt: Alkohol ist ein Destillat). Freunde des geselligen Beisammenseins kontern dagegen inzwischen mit dem Spruch »Kein Alkohol ist auch keine Lösung!« Hier haben die Schluckspechte allerdings Unrecht. Denn es ist für einen Mann durchaus möglich, auch ohne einen einzigen Tropfen zu trinken, all die Vorteile abzugreifen, welche die Spirituosenabteilung des Supermarkts ihm bietet – und sich gleichzeitig all die geschilderten Nachteile zu ersparen. Allerdings läuft dieser Prozess unbewusst ab, weshalb er sich leider nicht einfach so planen lässt.
Tatsächlich kann nämlich schon das Lesen von Wörtern wie »Wein«, »Whisky« oder »Schampus« die männliche Lust auf Sex steigern. Das fanden die beiden Psychologen Ronald Friedman und Denis McCarthy von der University of Missouri-Columbia heraus, als sie 82 Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren einem wegweisenden Experiment unterzogen. Dabei hatten die Versuchspersonen zunächst in Fragebögen dargelegt, wie stark sie ihren Sexualtrieb durch Alkohol beeinflussbar glaubten. Danach wurden sie in zwei Gruppen geteilt, die sich in sehr rascher Folge Buchstabenkombinationen auf Bildschirmen anschauen sollten. Gruppe eins wurde dabei, ohne dass die Betreffenden es merkten, mit Wörtern gefüttert, die mit Alkohol in Zusammenhang standen, beispielsweise »Bier«, »Branntwein« und »Fässchen«. Gruppe zwei wurden neutrale Wörter wie »Kaffee«, »Wasser« und »Soda« untergejubelt. Danach legten die Forscher den Männern 21 Fotografien von Frauen mit sehr unterschiedlichem Aussehen vor. Die Probanden hatten diese auf einer Neun-Punkte-Skala hinsichtlich ihrer Attraktivität zu bewerten. Das Ergebnis: Jene Männer, die glaubten, Alkohol bringe ihre Libido in Fahrt, fanden die gezeigten Frauen anziehender, nachdem sie die Begriffe gelesen hatten, die aus dem Wortfeld »Alkohol« stammten. Und die Männer, die überzeugt waren, Alkohol dämpfe ihren Sexualtrieb, fanden die Damen nach dem Erfassen alkoholgeschwängerter Wörter weniger attraktiv. Keinen Einfluss hatte das Lesen dieser Begriffe übrigens darauf, wie stark die Männer die Intelligenz der abgebildeten Frauen einschätzten.
Auch stocknüchterne Männer können also alleine durch die Kraft ihres Unterbewusstseins in Wallung gebracht werden. Zu einem passenden Ergebnis gelangten auch Untersuchungen bei Männern, die fälschlich glaubten, gerade Getränke genossen zu haben, die Alkohol enthielten. Auch diese wurden geselliger, ungezwungener, aggressiver und sexuell offensiver. Allem Anschein nach hat die unterbewusste Annahme »Ich hab was gesoffen, ich kann nichts dafür, jetzt kann ich endlich richtig loslegen« auf Männer eine größere Wirkung als das Getränk selbst. Wissenschaftler sprechen hier von einem Placebo-Effekt: Oftmals zeigen in klinischen Untersuchungen »falsche« Medikamente, also solche ohne Wirkstoffe, vergleichbare Veränderungen wie richtige Medizin. Neueren Studien zufolge stellt sich dieser Placebo-Effekt sogar dann ein, wenn die Betreffenden wissen, dass die Mischung, die ihnen gerade verabreicht wurde, überhaupt keine Wirkstoffe enthält – solange man den Patienten nur mitteilt, dass sie trotzdem mit den gewünschten Veränderungen rechnen dürfen. Falls sich diese Erkenntnis durchsetzt, könnten viele Männer alleine dadurch in Fahrt geraten, dass sie die Etiketten auf Weinflaschen lesen. Dann bleibt nur zu hoffen, dass ein »negativer Placebo-Effekt« nicht ebenfalls ihre Erektion ruiniert.

ALTER

Wie verändert sich die Sexualität von Männern im Alter?

»Früher hatte ich vier biegsame Glieder und ein steifes«, bekundete schon im 19. Jahrhundert der Herzog Henri D’Aumale. »Jetzt habe ich vier steife und ein biegsames.« Hier darf man sich wohl wenig Illusionen machen: In vielfacher Hinsicht geht die sexuelle Potenz von Männern im Alter zurück. Wenn die Zahl der Lebensjahre steigt, beginnt ab einem bestimmten Punkt das Niveau der männlichen Geschlechtshormone zu fallen.
Auf diese Auswirkungen muss sich ein alternder Mann einstellen:
− Er braucht länger, um eine Erektion aufzubauen.
− Der Erektionswinkel wird stumpfer, der Penis richtet sich also nicht mehr steil nach oben.
− Auch bis zum Samenerguss kann es länger dauern.
− Die gefühlte Heftigkeit des Orgasmus kann abnehmen.
− Die Dauer seiner Ejakulation verkürzt sich von vier bis acht auf drei Sekunden.
− Sie erfolgt mehr fließend als stoßweise.
− Manchmal bleibt sie ganz aus.
− Die Menge seines Ejakulats nimmt von einem Teelöffel auf die Hälfte ab.
− Die Kraft, mit der sein Sperma herausgeschleudert wird, halbiert sich, so dass es nicht mehr quer durchs Zimmer fliegt, sondern teils schon nach wenigen Zentimetern eine Bruchlandung hinlegt.
− Nach dem Samenerguss wird der Penis schneller schlaff.
− Die Zeit bis zur nächsten Erektion verlängert sich – im Alter von 80 Jahren bis zu einer Woche.
− Die Hoden werden leichter.
− Der Penis reagiert weniger empfindlich auf Berührungen.
Es wird also alles etwas gemächlicher. Wo der Mann früher oft einen Spurt hinlegte, macht sein Körper nun lieber einen kleinen Spaziergang. Aber ist das alles wirklich so übel, wie es im ersten Moment wirkt? Oder kann ein gemütliches Schlendern gegenüber hektischem Rumgerenne nicht auch angenehme, lustvolle Seiten haben? Tatsächlich bringt das Alter für die meisten Männer auch Vorteile mit sich, was das sexuelle Erleben angeht:
− Der Mann ist im Lauf der Jahrzehnte sexuell erfahrener und einfallsreicher geworden, was die verschiedenen Techniken und Positionen angeht.
− Er hat gelernt, sich besser auf die Bedürfnisse seiner Partnerin auszurichten.
− Wenn ihn seine nachlassende Manneskraft zu einem längeren Vorspiel bewegt, vergrößert sich seine Chance sogar, seine Partnerin zum Orgasmus bringen zu können. (Die wenigsten Frauen freuen sich über einen Mann, der schon nach wenigen Minuten kommt.)
− Dass er länger bis zur Ejakulation braucht, bedeutet eben auch längeren Sex, und auch das kommt dem weiblichen Orgasmus entgegen.
Natürlich sind alle aufgeführten Punkte Verallgemeinerungen. Während einige Männer ihre Erektions- und Ejakulationsfähigkeit gänzlich verlieren, sind andere bis ins höchste Alter voll dabei. Gerade wenn sie in jüngeren Jahren sexuell sehr unternehmenslustig waren, sind sie dies oft auch im Alter. Viele ihrer Geschlechtsgenossen lassen sich aber von den körperlichen Anzeichen für nachlassende Potenz vollkommen aus der Bahn werfen. So überraschte es nicht, dass Viagra trotz zahlreicher Berichte über negative Nebenwirkungen den Apothekern förmlich aus den Händen gerissen wurde.
Für manche Männer ist das veränderte Rollenverhalten der Geschlechter wenig erfreulich. Während sie in ihrer Jugendzeit an sexuellen Aktivitäten viel interessierter waren als die Frauen, die sich häufig zierten, scheinen sich die Rollen jetzt vertauscht zu haben. Bereits im Jahr 1978 enthüllte der sogenannte Ralf-Report für die Bundesrepublik, dass der Wunsch nach mehr Sexualität bei Männern von 78 Prozent der 20-Jährigen auf 38 Prozent der 60-Jährigen zurückgeht, bei Frauen aber von 23 Prozent der 20-Jährigen auf 60 Prozent der 60-Jährigen zunimmt. Das läuft den gängigen Klischees stark zuwider: Sexuelle Lust wird normalerweise auch im fortgeschrittenen Alter eher mit Männern in Verbindung gebracht, häufig mit einem abwertenden Unterton.
Schon Aristophanes schimpfte über »die Lüsternheit der Greise«, und die englische Redewendung vom »dirty old man« hat kein weibliches Gegenstück. Älteren Frauen hingegen scheint unsere Gesellschaft oft eine geringere Libido zuzutrauen als einer Hausschildkröte.
Das Gegenteil ist der Fall: Frauen erreichen das höhere Lebensalter mit nur geringen Beeinträchtigungen, was ihr Sexualleben angeht. Das Aufrichten der Brustwarzen und das Anschwellen der Klitoris sind bei 70-jährigen Großmüttern ebenso zu beobachten wie bei ihren geschlechtsreifen Enkeltöchtern. Weder die Stärke ihrer Erregbarkeit noch die Intensität ihres Orgasmus geht zurück. Die weit überwiegende Mehrzahl der Frauen berichten, Sex sei für sie nach den Wechseljahren gleich geblieben oder gar besser geworden. Viele Forscher sehen den Grund hierfür im Erlöschen der Fortpflanzungsfähigkeit. Die älteren Damen sind endlich sicher vor einer unerwünschten Schwangerschaft, ohne ständig die Pille schlucken zu müssen, und gelangen so zu einem wirklich freien Genuss der Sexualität. Dazu haben sie oft auch viel mehr Zeit für Erotik, weil es keine Kinder mehr zu versorgen gibt. Soweit sie noch mit ihren Partnern zusammenleben, beschreiben fast 60 Prozent ihre sexuellen Beziehungen als befriedigend bis sehr gut und nur 16 Prozent als quälend. Selbst von den 80-jährigen Frauen sind noch 10 bis 20 Prozent sexuell aktiv.
Wenn ältere Frauen trotzdem weniger häufig mit ihren Männern schlafen, dann liegt dies oft an der erwähnten Sozialisation beider Geschlechter: Praktisch ihr ganzes Leben lang haben Männer wie Frauen dieser Generation gelernt, dass überwiegend der Mann den sexuellen Kontakt aufnimmt. Jetzt aber ziehen sich die Männer aufgrund von Ängsten, sexuell zu versagen oder einen Herzinfarkt zu erleiden, mehr und mehr zurück. Daraufhin vermuten an mehr Sex durchaus interessierte Frauen eine Impotenz ihres Partners und beginnen auch deshalb häufig nicht damit, selbst die Initiative zu ergreifen. Auch wünschen sich viele ältere Frauen zwar mehr Sex, haben aber mangels eines Partners weniger Gelegenheit dazu. Da zum einen Frauen traditionell eher ältere Männer heiraten und zum anderen Männer durchschnittlich sieben Jahre früher sterben, entsteht in dieser Altersgruppe ein Ungleichgewicht von eins zu neun. Kurioserweise sind die herkömmlichen Meinungen zu diesem Thema sogar bei den Betroffenen dermaßen festgefahren, dass sie sogar dann noch daran festhalten, wenn es ihnen selbst ganz anders geht. Auf die Frage, welches Geschlecht im Alter stärker an Sex interessiert sei, nannten nur 21 Prozent der Senioren die Frau. Dass der Trieb vor allem bei älteren Männern zu Hause ist, glaubten unbeirrt selbst die Frauen, die durchgehend ein großes Verlangen gezeigt hatten, zugleich aber angaben, ihr Partner sei lustlos oder impotent.

Warum wachsen vielen Männern im Alter Brüste?

Viele glauben, dass Männer das »männliche« Sexualhormon Testosteron produzieren und Frauen das »weibliche« Sexualhormon Östrogen. Tatsächlich aber produzieren auch Frauen Testosteron (nur deutlich weniger als Männer) und Männer Östrogen (nur viel weniger als Frauen). Das Verhältnis dieser Sexualhormone bleibt im Verlauf eines Menschenlebens aber nicht gleich. Je älter Männer werden, desto weniger Testosteron schütten ihre Hoden aus – während die Menge von Östrogen in ihrem Körper jedoch auf demselben Niveau bleibt. Insgesamt verschiebt sich also das Verhältnis: Die weiblichen Geschlechtshormone nehmen im alternden Mann überhand. Das kann sich unter anderem durch die Entwicklung von Brüsten zeigen – insbesondere bei schwergewichtigen Männern, da Fett die Entfaltung von Östrogen begünstigt.

ANBAGGERN

Warum baggern Männer Frauen häufig mit dummen Sprüchen an?

»Kannst du schwimmen?« – »Wieso?« – »Ich würde dich zu gerne ins Becken stoßen.«
»Hey, die Klamotten, die du da trägst, sehen echt super aus. In einem Bündel neben meinem Bett würden sie noch besser aussehen.«
»Hi, ich heiße Karsten. Merk dir den Namen. Du wirst ihn die ganze Nacht schreien.«
»Schöne Schuhe. Ficken?«
Mit diesen und vielen anderen vermeintlich flotten Sprüchen versuchen Männer bemerkenswert häufig zu punkten. Allerdings haben verschiedene Umfragen in der Damenwelt längst ergeben, dass solche Sätze, die witzig und forsch wirken sollen, von der weiblichen Zielgruppe alles andere als geschätzt werden. Die freundliche, zurückhaltende Vorgehensweise wirkt bei weitem sympathischer, als eine nichtsahnende Frau zu überrumpeln und verbal zu bespringen. Noch dazu ist es bei solchen Sprüchen offensichtlich, dass sie von irgendwoher übernommen wurden und insofern (bis auf mangelnde Kreativität und Feinfühligkeit) wenig über die Persönlichkeit des entsprechenden Aufreißers aussagen. Warum werden sie also immer wieder verwendet – obwohl ihr Einsatz in den meisten Fällen nicht belohnt wird?
Eine naheliegende Antwort wäre: Männer, die so vorgehen, sind nun mal selbst weder besonders witzig noch herausragend intelligent und versuchen deshalb lieber, mit geborgtem Witz zu punkten. Tatsächlich aber weisen neuere Untersuchungen darauf hin, dass hier die Intelligenz von Männern wieder einmal unterschätzt wird. Sie setzen diese Sprüche nämlich sehr bewusst und gezielt ein – als Auswahlkriterium.
Das zumindest ist die Theorie amerikanischer Psychologen, die untersuchten, wie unterschiedliche Methoden, eine Frau anzusprechen, auf verschiedene Frauen wirkten. Dabei stellten sie fest, dass bestimmte Annäherungsversuche von bestimmten Frauen gutgeheißen wurden:
− Da gab es einmal Männer, die in ihren Sprüchen ihre Finanzkraft und Bildung unterbrachten. (»Das erinnert mich an ein Gemälde, das ich neulich im New Yorker Museum of Modern Art gesehen habe …«) Diese landeten vor allem bei Frauen, die einen Ernährer suchten oder einen Mann, der gerne die Führung übernimmt.
− Andere Männer machten einfach Komplimente. (»Hey, du tanzt echt toll!«) Diese wirkten auf die befragten Damen nett und freundlich, insofern durchaus anziehend, wenn auch nicht besonders aufregend.
− Und schließlich gab es den Typ des offenkundigen Aufreißers: Von sich eingenommen, ein wenig herablassend, eindeutig nur auf Sex aus – also eigentlich völlig indiskutabel. Und trotzdem, irgendwie hatte er was …
Im nächsten Schritt ließen die Wissenschaftler ihre weiblichen Versuchspersonen Fragebögen ausfüllen, anhand derer man verschiedene Charakterzüge ermitteln konnte: Psychotizismus (eine Neigung zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, Impulsivität und Sorglosigkeit), Extrovertiertheit (kontaktfreudige und gesellige Natur) und Neurotizismus (emotionale Labilität und mangelnde Belastbarkeit). Daraufhin untersuchten sie, bei welcher Gruppe von Frauen welche Kontaktversuche am wirkungsvollsten sind.
Das Ergebnis: Neurotikerinnen interessierten sich vor allem für den Typ Mann, der sich als »netten Kerl« präsentierte. (Womit ganz nebenbei auch die Menschheitsfrage beantwortet wäre: Warum landen die nettesten Männer immer bei total gestörten Tussen?) Extrovertierte Frauen schätzten Männer besonders, die sich als Führungspersönlichkeiten präsentierten. Und Frauen mit einem hohen Grad an Psychotizismus sprangen auf jene Männer an, die das Etikett »böser Junge« auf der Stirn kleben hatten.
Offenbar ist manchem erfahrenen Mann auch ohne lange Studien bewusst oder unbewusst bis zu einem gewissen Grad klar, welche Zusammenhänge hier bestehen. Infolgedessen wählen einige Kerle ihre Sprüche, um in Sekundenschnelle herauszufinden, ob die Persönlichkeit der angesprochenen Lady in ihr Beuteschema passt. Wenn diese auch auf einen plumpen Anmachspruch nicht naserümpfend, sondern amüsiert und mit funkelnden Augen reagiert, dann ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier einiges geht. Diese Frau lässt sich vermutlich im Laufe eines Abends ins Bett quatschen.
Für Sie, werte Leserin, bedeutet das: Wenn Sie ein Mann mit einem sehr dreisten Spruch aufreißen möchte, traut er Ihnen ein gewisses Ausmaß an psychotischem Verhalten zu. Am besten, Sie schütten ihm empört ihr Getränk ins Gesicht, um ihn in seinem Urteil zu bestätigen. Und Sie, werter Leser, können aus der geschilderten Untersuchung lernen, welche Methode Sie am besten verwenden sollten, je nachdem, auf welchen Typ Frau Sie es abgesehen haben.
Die erwähnten Studien zeigten übrigens auch, dass Männer am liebsten mit Sprüchen angeflirtet werden möchten, in denen es um Sex geht, während Frauen Humor bevorzugen. Und schließlich unterschätzen Männer häufig die Wirkung von Kontaktversuchen, mit denen sie einer Frau ihre Hilfe anboten, ihr die Kontrolle über ein Gespräch überließen oder auf subtile Weise demonstrierten, wie vermögend sie sind.

Wie bringt eine Frau einen Mann am geschicktesten dazu, sie anzusprechen?

Auch im Zeitalter der Gleichberechtigung sind die Geschlechterrollen noch so stark eingefahren, dass zum Beispiel in einer Cocktailbar weit eher vom Mann erwartet wird, eine fremde Frau anzusprechen. Und trotzdem herrscht überwiegend Damenwahl: Es sind nämlich die Frauen, die mit ihrer Körpersprache signalisieren, dass sie einer Anmache aufgeschlossen gegenüberstehen und so überhaupt erst dazu einladen.
Ob sich ein Mann einer Frau nähern wird, könne man mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent voraussagen, brachte das Forschungsteam um Monica Moore diese Erkenntnis auf den Punkt, nachdem die Wissenschaftler über lange Zeit das Flirtverhalten an solchen Begegnungsstätten beobachtet hatten. Entscheidend dafür, dass sie von einem fremden Mann angesprochen wird, ist dabei keineswegs die Schönheit der betreffenden Frau, wie man zunächst meinen könnte. Den Ausschlag gibt vielmehr, ob und welche körpersprachlichen Flirtsignale sie aussendet. Das kann ein Blick sein, den sie dem Mann zuwirft, ein Lächeln, das Neigen ihres Kopfes und das Zurückwerfen oder Zurückstreichen ihres Haars. Selbst eine nur durchschnittlich attraktive Frau muss, wenn sie es richtig anstellt, nicht unbegleitet nach Hause gehen.
Umgekehrt kann auch eine gut aussehende Frau praktisch immer kontrollieren, ob sie von einem fremden Mann angesprochen wird oder nicht. Das fanden Moores Kollegen Debra Walsh und Jay Hewitt heraus, indem sie eine attraktive Frau in eine Cocktail-Lounge setzten und sie anwiesen, drei unterschiedliche Verhaltensweisen zu zeigen:
1. besonders auffordernd: Dabei sah sie den Mann, mit dem sie eine Bekanntschaft wünschte, wiederholt an, nahm Blickkontakt auf und lächelte;
2. auffordernd: Dabei stellte sie nur mit den Augen einen Kontakt her, ohne dabei zu lächeln;
3. spröde: Hierbei verzichtete sie sogar auf den Augenkontakt.
Das Ergebnis: Im ersten Fall trauten sich 60 Prozent der Männer an ihren Tisch, im zweiten waren es nur noch 20 Prozent und im dritten kein einziger.
Immerhin ließen sich aber 40 Prozent der körpersprachlich Angeflirteten auch durch deutliche Signale nicht dazu bewegen, die unbekannte Schöne anzusprechen. Vielleicht waren viele von ihnen in einer festen Beziehung, vielleicht ist die Schüchternheit unter Männern aber auch weiter verbreitet, als manche Frau glaubt. Tatsächlich würden sich viele Männer von den Frauen einen aktiveren Part bei der Kontaktaufnahme wünschen. So wurden in einer weiteren Studie mehr als 200 von ihnen befragt, welche dieser Annäherungsweisen sie von einer Frau bevorzugen würden:
a. direkt eine Verabredung vorzuschlagen,
b. erkennen lassen, dass sie an einem Date Interesse hätte,
c. abwarten, bis der Mann eine Verabredung vorschlägt.
Das bemerkenswerte Ergebnis: Die Mehrheit von 53 Prozent bevorzugte es, die Andeutung von Interesse an einem Date zu erhalten, was ich bestens nachvollziehen kann. Diese diplomatische Vorgehensweise erlaubt uns schließlich, unserer Männerrolle gerecht zu werden und selbst den ersten Schritt zu tun, sie signalisiert uns zugleich, dass wir kein großes Risiko eingehen, eine demütigende Abfuhr zu erhalten, und wenn wir die betreffende Dame nicht sehr interessant finden, kommen wir am Ende nicht in die Situation, ihr eine Abfuhr erteilen zu müssen. Immerhin noch 44 Prozent der befragten Männer war allerdings eine direkte Aufforderung zu einem Treffen am liebsten, und nur drei Prozent der Männer bevorzugten es, wenn die Frau passiv blieb und abwartete. Dass das rein passive Abwarten einer Frau überhaupt zu einem Date führen könnte, glaubten nur vier Prozent der Männer – selbst wenn sie die Frau mochten und an einer Verabredung mit ihr Interesse gehabt hätten.

Gehen Männer bei der Partnersuche wirklich wahlloser vor als Frauen?

»Frauen sind bei der Partnersuche wählerischer als Männer.« Diese Aussage ist seit dem Siegeszug der Evolutionsbiologie eine Binsenweisheit: Dieser Lehre zufolge sind Männer genetisch programmiert, ihren Samen möglichst breitflächig zu verstreuen, während Frauen darauf aus sind, einen Beschützer und Ernährer für all die langen Jahre zu finden, in denen sie ihren Nachwuchs großziehen. Deshalb gehen Männer bei der Partnersuche relativ wahllos vor, während Frauen das Angebot äußerst kritisch prüfen. Sagt die Evolutionsbiologie. Aber stimmt die Ausgangsthese überhaupt? Sind Frauen wirklich wählerischer?
Um das herauszufinden, simulierten amerikanische Forscher eine Situation, die aus dem sogenannten Speed-Dating bekannt ist. Acht Frauen werden dabei an jeweils einen Tisch gesetzt, und acht Männer haben jeweils vier Minuten Zeit, sich ihnen zu präsentieren. Dann geht es weiter an den nächsten Tisch. Schließlich müssen alle Beteiligten auf Fragebögen ankreuzen, mit wem sie sich gerne wieder treffen würden. Und ganz dem Klischee entsprechend äußerten die Männer ihr Interesse an mehreren Frauen, während die Frauen mit viel kritischeren Maßstäben prüften. Ich habe so ein Speed-Dating selbst einmal mitgemacht und kann diese Beobachtung bis zu diesem Punkt absolut bestätigen. Und auch aus Internet-Partnerbörsen weiß man schließlich, dass Frauen sehr viel mehr Kontaktwünsche erhalten als Männer.
Nun aber entwarfen die beiden amerikanischen Psychologen Eli Finkel und Paul Eastwick von der Northwestern University in Illinois ein Experiment, das geeignet war, vermeintliche Binsenweisheiten noch einmal genauer zu überprüfen. Sie werteten dazu 15 Speed-Dating-Veranstaltungen aus, an denen insgesamt 350 Studenten teilnahmen. Erste Runde: Die Frauen blieben nach dem üblichen Schema an ihren Tischen sitzen, und die Männer mussten schaulaufen. Das Ergebnis war bekannt: Es fanden mehr Männer Frauen ansprechend als umgekehrt. Dann jedoch folgte Runde zwei: Nun mussten die Frauen von einem Tisch zum anderen wandern und wirkten vermutlich wie Bewerberinnen auf der Suche nach einem Job. Daraufhin drehte sich das Resultat: Plötzlich waren die Frauen viel weniger wählerisch, während die Männer die Kandidatinnen sehr kritisch beurteilten.
»Der reine Vorgang des Sich-Annäherns an einen potenziellen Partner scheint unsere Leidenschaft für ihn zu steigern«, folgerte Eli Finkel. Einen anderen Menschen ansprechen zu müssen, führt offenbar dazu, dass die kritische Haltung gegenüber dem Betreffenden sinkt. Umgekehrt fühlen sich Menschen, die angesprochen werden, begehrenswerter und glauben deshalb, sich eine abwägende Haltung leisten zu können. In einer Gesellschaft, in der bei der Partnersuche die Männer grundsätzlich eher den aktiven, ansprechenden Part übernehmen und die Frauen die passiv abwartende Rolle spielen, erscheinen Männer zwangsläufig so, als ob sie hinter fast jedem Rock hinterher wären, die Frauen hingegen entspannt und bedächtig.

AUTOFELLATIO

Können sich manche Männer selbst einen blasen?

In den bekannten Untersuchungen des amerikanischen Sexualforschers Alfred Kinsey (»Kinsey-Report«) berichteten zwar viele Männer, entsprechende Versuche unternommen zu haben, aber nur zwei oder drei von tausend seien dazu in der Lage gewesen. Notwendige Voraussetzungen dafür sind wohl ein wirklich großer Penis und eine außerordentlich biegsame Wirbelsäule. Die sogenannte Autofellatio kommt in einigen pornographischen, aber auch nicht-pornographischen Filmen vor, beispielsweise in John Cameron Mitchells Homosexuellen-Liebesfilm »Shortbus«, wo er mit einer unvollständigen Rolle rückwärts eingeleitet wird. Die deutsche Wikipedia zitiert hierzu aus einer Rezension der Frankfurter Rundschau, in der »eine Nummer höchster Akrobatik« gelobt wird, »deren Reiz man sich schwer erwehren kann. Ein junger Mann bläst sich tatsächlich selbst einen, und dies ist kein Trick oder eine Computeranimation. Nicht jeder wird es nachmachen können, aber es ist doch beruhigend zu wissen, dass so etwas grundsätzlich geht.«

BAUCHNABEL

Warum finden Männer den weiblichen Bauchnabel so erotisch?

Frauen tragen nabelfreie Tops und sehen darin sexy aus, Männer tun dies nicht und würden damit auch keine besondere erotische Wirkung erzielen – selbst wenn sie über einen Waschbrettbauch verfügen. Wie kommt das? Psychologen sprechen hier von einem »genitalen Echo«, was im Klartext so viel bedeutet wie: Jeder Körperteil, der auch nur entfernte Ähnlichkeit mit den Genitalien hat, erzeugt im Kopf des Betrachters bewusst oder unbewusst entsprechende Assoziationen. Körperöffnungen wie der rot geschminkte Mund einer Frau erinnern Männer demnach unweigerlich an die Vagina. Für den Bauchnabel trifft dasselbe zu.

BLONDINEN

Warum fahren viele Männer gerade auf Blondinen ab?

»Blondinen bevorzugt« – so lautet nicht nur der Titel eines Filmklassikers mit Marilyn Monroe. Noch immer scheint er der Wahlspruch vieler Männer zu sein. Blonde Kellnerinnen und Bardamen erhalten einer deutschen Untersuchung zufolge 20 Prozent mehr Trinkgeld als ihre nicht-blonden Kolleginnen, und Frauen wie Männer stellen sich im Supermarkt lieber bei einer Kasse an, wo eine blonde Verkäuferin die Preise eingibt. Kein Wunder, dass viele Frauen ihre von Natur aus dunkleren Haare entsprechend färben, um so attraktiver zu erscheinen. Aber woher kommt diese bemerkenswerte Vorliebe?
Naheliegende Vermutungen sind, dass Blond eher positive Konnotationen wie wertvolles Gold oder gleißendes Sonnenlicht hervorruft. Nicht ohne Grund werden auch Engel und Feen überwiegend mit blonder Lockenpracht dargestellt; dieselbe Symbolik findet sich etwa im Märchen: Man denke etwa an die Goldmarie und die Pechmarie bei »Frau Holle«.
Der bekannte britische Verhaltensforscher Desmond Morris weiß es allerdings genauer. Er weist darauf hin, dass blonde Menschen feinere Haare in überdurchschnittlich hoher Zahl aufweisen – im Schnitt 140 000 pro Kopf. (Brünette hingegen bringen es nur auf 108 000, Rothaarige auf etwa 90 000 Haare.) Wenn man ihn berührt oder mit den Fingern durchkämmt, wirkt ein blonder Schopf deshalb weicher, sinnlicher und femininer. Auch stehen blonde Haare als Merkmal für Jugend: Wer als Mädchen noch blond war, hat in späteren Jahren häufig dunkleres Haar. Auch erwachsene Frauen wecken mit dieser Farbe so den Beschützerinstinkt im Mann, sie signalisieren Schwäche und Hilflosigkeit. Allerdings ist auch der Nachteil dieses Effektes wohlbekannt: Blondinen werden immer wieder als etwas dümmlich dargestellt und geraten so zur Zielscheibe vieler Witze, die sich womöglich dunkelhaarige Frauen ausgedacht haben. Oder Männer, die bei den begehrten Blondinen nicht landen konnten …
Im Jahr 2005 sorgten der kanadische Anthropologe Peter Frost und sein britischer Kollege John Manning für Aufmerksamkeit mit einer neuen Theorie: Sie wiesen darauf hin, dass in den meisten Teilen der Welt die Haarfarbe der Bevölkerung eher einheitlich ist und nur in Europa eine große Bandbreite aufweist. Als Grund dafür erkannten die Wissenschaftler die harten Umweltbedingungen während der Eiszeit – vor etwa 11 000 Jahren. Vermutlich hatten die damals lebenden Menschen überall auf der Welt das gleiche dunkle Haar. Vor allem im nördlichen Europa, wo es im Gegensatz zu Afrika weit weniger essbare Früchte gab, konnten die Jäger den Fortbestand ihres Stammes aber nur sichern, indem sie auf die Jagd nach Mammuts, Bisons und anderem Großwild auszogen. Dabei kamen viele Männer ums Leben und das weibliche Geschlecht, das zu Hause blieb und Unterkünfte baute, geriet immer mehr in die Überzahl. Um für einen Jäger attraktiv zu erscheinen, musste eine Frau jetzt Besonderheiten aufweisen, die sie von der Masse ihrer Mitbewerberinnen hervorhob. Das geschah im Laufe der Zeit durch die Herausbildung blonder Haare infolge genetischer Mutation. Die Männer mussten diese seltenen Geschöpfe besonders reizvoll gefunden haben, weshalb sie sich häufig mit ihnen paarten und dadurch die Zahl der Blondinen in der Bevölkerung anstieg. Aber noch immer sind nur etwa 2 Prozent der Weltbevölkerung von Natur aus blond – und gerade was selten ist, erscheint häufig besonders begehrenswert.
Zuletzt wies Peter Frost darauf hin, dass blonde Frauen neueren Studien zufolge über einen höheren Östrogenspiegel als dunkelhaarige verfügten. Auch dadurch könnten sie weiblicher und fruchtbarer wirken und von Männern besonders begehrenswert gefunden werden.
Also lauter schlechte Nachrichten für Frauen mit rotem, schwarzem oder braunem Haar? Hoffnung bringen ihnen in den letzten Jahren zwei Untersuchungen aus England:
− In einer Umfrage unter 3800 Männern im Jahr 2008 zeigte sich, dass diese überwiegend eine Blondine für die bessere Freundin oder Geliebte hielten, aber eine Brünette als besser geeignet für eine dauerhafte Partnerschaft. Zwar betrachteten viele der befragten Männer Blondinen eher als sexy und kontaktfreudig, weshalb es mehr Spaß mache, sich mit ihnen zu treffen. Heiraten würde über die Hälfte der Männer allerdings eher eine dunkelhaarige Frau, weil sie diese als verlässlicher, vernünftiger und bodenständiger, ja sogar als liebevoller betrachteten.
− Bereits drei Jahre zuvor hatte das Forscherteam um den Psychologieprofessor Peter Ayton in einer Studie herausgefunden, dass sich die Vorstellung von der Wunschpartnerin bei modernen Männern parallel zum Rollenwandel der Frauen verschoben hatte. Die Wissenschaftler zeigten 1500 Männern drei Bilder ein und desselben Models, dessen Haarfarbe über digitale Bearbeitung mal als blond, mal als brünett und mal als rothaarig gezeigt wurde. Danach sollten die Männer schildern, welchen Eindruck sie von der Persönlichkeit der Dame hatten. Die Antworten waren in ihrer Tendenz klar: Die Brünette wurde demnach als intelligent, unabhängig, ausgeglichen und kompetent wahrgenommen. Die Blonde galt als freundlich, zugänglich und kontaktfreudig, aber auch als hilfsbedürftig und unselbstständig. Die Rothaarige schließlich empfanden die Männer als intelligent, temperamentvoll und neurotisch. Da die befragten Männer überwiegend auf eine kluge und erfahrene Partnerin Wert legten, entsprach die brünette Dame ihrem Idealbild am ehesten.
Aber natürlich verlieben sich auch Männer nicht nur in den Haarschopf, sondern in die komplette Persönlichkeit einer Frau. Es gibt also absolut keinen Grund, sofort zum Friseur zu rasen und sich die Haare färben zu lassen.

Warum benehmen sich Männer Blondinen gegenüber oft so hirnlos?

Immer wieder dürften dunkelhaarige Frauen die Erfahrung gemacht haben, dass eine blonde Geschlechtsgenossin Männer im wahrsten Sinne des Wortes um den Verstand brachte. Ist das vielleicht nur ein dummes Klischee? Mitnichten, fanden französische Wissenschaftler im Jahr 2007 heraus. Das Team um den Sozialpsychologen Thierry Meyer an der Universität Nanterre (Paris) legte 250 männlichen Versuchspersonen verschiedene Fotos vor: mal von brünetten, mal von schwarzhaarigen und mal von blonden Frauen. Danach machten die Wissenschaftler mit ihren Probanden einen Intelligenztest. Das überraschende Ergebnis: Nur wenn Männer zuvor eine Blondine betrachtet hatten, fiel ihr Ergebnis um einige Punkte schlechter aus. Auch im Wissenstest schnitten sie plötzlich schlechter ab.
Den Grund dafür sah Thierry Meyer in dem beliebten Klischee, dass Blondinen für ein gutes Stück dümmer gehalten werden als Frauen mit einer anderen Haarfarbe. Der Grund dafür ist der Gleiche, aus dem Blondinen lange Zeit als besonders begehrenswert galten: Blondes Haar gilt als verlässliches Zeichen für Jugend, und Jugend wird mit Unerfahrenheit gleichgesetzt. Um Blondinen auf demselben Niveau zu begegnen, drosselten Männer, die mit ihnen in Kontakt kommen wollten, automatisch ihre geistige Leistungsstärke. Wir sind einander ähnlich, lautet offenbar die Botschaft, die so vermittelt werden soll. Meyer verglich diesen Vorgang in seinem Beitrag für das Journal of Experimental Psychology damit, dass viele Menschen, wenn sie es mit Senioren zu tun hatten, unbewusst lauter sprachen und langsamer gingen.
Zwei Jahre später stießen holländische Wissenschaftler indes auf einen weiteren denkbaren Grund. Sie fanden mit ähnlichen Methoden wie Thierry Meyer heraus, dass die Intelligenz von Männern nicht nur gegenüber Blondinen absinkt, sondern generell, wenn sie sich gerade mit einer attraktiven Frau unterhalten hatten. Vermutlich hatte man dieses Phänomen nur zuerst bei Blondinen entdeckt, weil diese von Männern für besonders anziehend gehalten werden. Direkt nach dem Gespräch mit einem anderen Mann blieb die Intelligenz der Probanden gleich, auch die Intelligenz von Frauen ließ sich bei dem Experiment in keiner Weise negativ beeinflussen. Die denkbare Erklärung, die die Forscher für den mentalen Absturz der Männer anboten: Die Herren der Schöpfung widmeten bei den Gesprächen einen Teil ihrer intellektuellen Ressourcen dem Versuch, die angesprochene Frau durch besondere Kompetenz zu beeindrucken, weil sie dadurch attraktiver erscheinen wollten. Ironischerweise zeigte das im Intelligenztest direkt nach dem Gespräch den gegenteiligen Effekt. Bei Frauen, die mit Männern sprachen, zeigte sich diese Auswirkung offenbar deshalb nicht, weil sie nicht durch ihre geistige Brillanz anziehend wirken wollten, sondern sich vor allem auf ihr Aussehen verließen. So blieb ihre Intelligenz auf dem Level, auf dem sie sich von Anfang an befand – während die Männer dümmer wirkten, als sie eigentlich waren.

BRÜSTE

Warum lieben viele Männer große Brüste?

Zwar beileibe nicht allen, aber doch recht vielen Männern scheint bei einer Frau besonders wichtig zu sein, dass ihre Hände gut gefüllt sind, wenn sie deren Brüste umfassen. Das ist durchaus bemerkenswert: Bei den meisten Säugetieren schrecken große Brüste die Männchen nämlich eher ab. Sie sind ein Zeichen dafür, dass sich das Weibchen gerade in einer Schwangerschaft oder der Stillphase befindet und deshalb für eine Paarung nicht problemlos abkömmlich ist. Bei Menschenweibchen hingegen bleiben die Brüste, sobald die Pubertät durchschritten ist, ihr ganzes Leben über voll (auch wenn »voll« bei verschiedenen Frauen eine höchst unterschiedliche Bedeutung haben kann).
Leider gibt es hier keine definitive Antwort, die sich mal eben so per Experiment klären lassen könnte. Stattdessen stehen einige mal mehr, mal weniger überzeugende Vermutungen im Wettbewerb miteinander:
− Evolutionsbiologen wie Desmond Morris sind sich sicher: Die prallen Brüste stehen stellvertretend für das weibliche Hinterteil, das unsere den aufrechten Gang noch nicht beherrschenden Vorfahren vor sich sahen, kurz bevor es zur Sache ging. Dieser Anblick habe sich tief im genetischen Unterbewusstsein unserer Art eingeprägt. Kritiker der Evolutionsbiologie greifen sich hier an den Kopf und verlangen einmal mehr Belege dafür, dass es so etwas wie ein »genetisches Unterbewusstsein« überhaupt gibt.
− Eine andere These: Pralle, symmetrische Brüste belegen, dass eine Frau gut ernährt ist (Fettreserven), gesund und fruchtbar. Denn große Brüste entstehen unter anderem durch viel Östrogen, das Frauen fruchtbar macht. Während vollbusige Damen dreimal so häufig schwanger werden wie die mit wenig Holz vor der Hütte, haben insbesondere Frauen mit asymmetrischen Brüsten weniger Babys.
− Ein weiteres Argument lieferte der Harvard-Anthropologe Frank Marlowe: Große und schwere Brüste sacken im Alter eher nach unten. Wenn eine Frau große Brüste hat, kann ein Mann somit weit eher ihr jugendliches Alter erkennen, als wenn sie flach wie ein Brett ist. Büstenhalter sind ja eine menschheitsgeschichtlich gesehen recht neue Erfindung.
− Und schließlich gibt es folgende Argumentation: Die Brüste einer Frau sind besonders groß, wenn sie gerade ein Kind zur Welt gebracht hat und sich in der Stillphase befindet. In dieser Zeit war die Frau besonders auf einen Mann angewiesen, der bei ihr blieb und sie versorgte. Also wählten Frauen eben jene Männer zum Partner, die große Brüste mochten und bei denen deshalb das Risiko gering war, dass sie – statt sich um die junge Mutter zu kümmern
− flachbrüstigen Frauen hinterherstreunten. Das unausweichliche Resultat: Es konnten überwiegend jene Männer Nachwuchs zeugen, die große Brüste prima fanden. Damit waren es die Gene dieser Männer, die sich in der Evolution auf Dauer durchsetzten.