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Jamie Cat Callan

Warum Französinnen
nicht allein schlafen

Die Geheimnisse unwiderstehlicher Frauen

Aus dem Amerikanischen
von Christiane Burkhardt

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Buch

Für französische Frauen hat die Gabe, Männer anzuziehen, nichts mit Schönheit, besonderer Anstrengung oder Motivation zu tun. Sie halten sich nicht an feste Vorgaben, konzentrieren sich nicht auf die Suche nach dem Traumprinzen und denken auch nicht, dass Männer und Frauen sich unbedingt verstehen müssen. Stattdessen leben sie ihr Leben romantisch, sinnlich spielerisch und leidenschaftlich und bedienen sich gegenüber Männern derselben Leichtigkeit und Raffinesse, mit der sie ihre elegante Garderobe auswählen. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

Jamie Cat Callan enthüllt in ihrem Buch die Geheimnisse, derer sich die Französinnen seit Jahrhunderten bedienen, um ihren Männern den Kopf zu verdrehen und sie an sich zu binden: Warum zum Beispiel fühlen sich französische Frauen immer sexy? Worin besteht das Je ne sais quoi des französischen Flirts? Warum sind Französinnen so überaus beliebt, und wo lernen sie all die Männer, die sie umschwirren, kennen? Und was tun sie, wenn sich der Mann an ihrer Seite nicht gut benimmt? Mit dem Wissen um dieses Savoir Vivre gelingt es jeder Frau, die begehrenswerte Französin in sich zu erwecken.

Autorin

Jamie Cat Callan ist Autorin und Journalistin. Von ihrer französischen Großmutter lernte sie die Geheimnisse der französischen Lebensart. Sie reiste viele Male nach Frankreich und vertiefte dort ihre Kenntnisse und ihre Liebe zur französischen Kultur. In der New York Times erschien ihre Kolumne »Modern Love«, außerdem schrieb sie für Best American Erotica, The Missouri Review und viele andere Publikationen. Sie lebt mit ihrem Ehemann in Cape Cod.

Alle Ratschläge in diesem Buch wurden von der Autorin
und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft.
Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden.
Eine Haftung der Autorin beziehungsweise des Verlags
und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und
Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe Dezember 2010

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

© 2009 Jamie Cat Callan

Originaltitel: French Women Don’t Sleep Alone.
Pleasurable Secrets to Finding Love

Originalverlag: Citadel Press, a division of Kensington Publishing Corp.

Published in arrangement with Jamie Cat Callan,
c/o Baror International, Inc. Armonk, New York, USA

Redaktion: Dagmar Rosenberger

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

CB – Herstellung: IH

ISBN 978-3-641-04979-9

www.mosaik-goldmann.de

Für Thompson
in Liebe

Le mystère de la femme française
c’est que son homme
sait qu’il peut la perdre à tout moment.

(Das Geheimnis der französischen Frau?
Ihr Mann weiß, dass er sie
jeden Moment verlieren kann.)

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Einleitung

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Meine Großmutter war Französin.

Als Kind und Jugendliche hatte ich nie das Gefühl, sie wirklich zu verstehen. Ich dachte sogar lange, dass sie mich gar nicht richtig mag, weil sie oft so kühl oder distanziert war. Ich liebte sie leidenschaftlich. Und ich bewunderte sie. Trotzdem gab es Momente, in denen ich meine Freundinnen um ihre »normalen« grauhaarigen Großmütter beneidete – liebevolle Omas, die geblümte Hauskittel trugen, Kekse backten, uns in die Wange kniffen, küssten und an ihren Busen drückten, bis wir uns wieder aus ihrer Umarmung befreien konnten.

Meine französische Großmutter tat nichts von alledem: Sie war groß, schlank und elegant. Jeden zweiten Sonntag kam sie uns mit ihrer frisch gewaschenen, auf Hochglanz polierten schwarzen Karosse besuchen. Mein Großvater saß am Steuer, weil meine Großmutter keinen Führerschein hatte. Aber das machte nichts, denn sie fand immer jemanden, der sie durch die Stadt kutschierte.

Ich war jedes Mal ganz aufgeregt, wenn meine Großmutter zu Besuch kam. Ich wusste, dass sie mich mustern und nach meinen Ballettstunden fragen würde. Sie würde mich ermahnen, auf eine gerade Haltung und auf meine Kleider zu achten. Ich machte mich extra für sie fein. Ich rannte zum Wagen, riss die Beifahrertür auf und begrüßte sie. Noch bevor sie überhaupt ausgestiegen war, fragte ich, ob sie Süßigkeiten für mich dabeihätte. Das hatte ich mir von meiner besten Freundin und deren Großmutter abgeschaut.

Doch meine Großmutter hatte nie Süßigkeiten dabei. Stattdessen klappte sie ihre kleine Handtasche auf und bot mir ein schwarzes Hustenbonbon mit Lakritzgeschmack an. Ich nahm es entgegen, als wäre es die größte Köstlichkeit überhaupt und bedankte mich. Dann schwang meine Großmutter ihre langen Beine aus dem Wagen und stieg aus, um mich auf beide Wangen zu küssen.

Sie hatte dunkles Haar, bevor sie dazu überging, es silbergrau zu tönen, schlanke, wohl geformte Beine und stets einen bunten Schal um den Hals. Sie trug Seidenstrümpfe und hohe Absätze. Ihre Frisur saß immer perfekt – schließlich verbrachte sie jeden Samstagnachmittag ihres Lebens im Schönheitssalon. Außerdem war sie immer dezent geschminkt und trug Lippenstift. Ihr Lieblingston war Apricot. Auf keinen Fall Pink, sie war da sehr eigen. Es musste Apricot sein. Ihre Schuhe passten zur Handtasche, waren aber kein vorgefertigtes Set, denn das wäre viel zu offensichtlich gewesen. Sie hatte stets ein seidenes Taschentuch dabei. Sie lächelte nicht viel und lachte auch nicht aus vollem Hals. Sie nahm mich nur selten in den Arm. Aber sie besaß eine perfekte Haltung.

Wenn meine französische Großmutter kam, herrschte große Aufregung in unserem Vorstadtviertel. Sie sprach mit einem leichten Akzent, war eine fantastische Köchin und brachte mir bei, tarte tatin zu backen. (Wenn ich mir das Rezept doch damals bloß aufgeschrieben hätte!)

Zu Hause bei meinen Großeltern gab es einen Garten, in dem sie Steckrüben, rote Bete, grüne Bohnen, Kürbis, Mais, Zucchini und Tomaten anbauten und dieses Gemüse für den Winter einmachten – so war die Qualität, die sie erwarteten, stets gewährleistet. Sie hatten auch einen Pfirsichbaum. Aus den Früchten machte meine Großmutter Marmelade und Pfirsichkuchen. Wenn wir bei ihnen aßen, war alles frisch zubereitet und absolut köstlich.

Obwohl mir das damals gar nicht so bewusst war, wuchs ich doch unter den Fittichen meiner geheimnisvollen französischen Großmutter auf und wurde in die Geheimnisse eingeweiht, mit denen die Französinnen seit Jahrhunderten den Männern den Kopf verdrehen und sie an sich binden.

Dabei führten meine Großeltern nicht die harmonischste aller Ehen. Sie konnten sich ziemlich heftig streiten. Als ich zum ersten Mal Zeuge einer ihrer Auseinandersetzungen wurde, war ich völlig verstört. Ich bekam mit, wie mein Großvater herumschrie, während meine Großmutter kochend vor Wut Kuchenteig knetete. Sie zerquetschte den Teig zwischen ihren Händen, schlug auf ihn ein und rollte ihn für ihre berühmte Apfeltarte aus. So ein Streit konnte Stunden, ja sogar Tage dauern, endete aber immer auf dieselbe Art – nämlich mit einer Nacht voller gedämpfter Laute hinter verschlossener Schlafzimmertür. Am nächsten Tag kam meine Großmutter dann mit einem neuen Hut nach Hause.

Es dauerte nicht lange, bis ich merkte, dass es sich bei diesen Kabbeleien nicht so sehr um Meinungsverschiedenheiten, sondern um einen ziemlich komplizierten Balztanz handelte. Ich lernte, dass es einer Französin wichtiger ist, sich zu behaupten, als für Harmonie zu sorgen. Dass es aber manchmal besser ist, eine köstliche tarte zu backen, statt laut zu werden. Und dass »lieb sein« nicht automatisch das Liebesleben verbessert.

Als junge Frau war meine Großmutter Sängerin, Tänzerin und Musikerin, und sie nähte obendrein auch noch Theaterkostüme. Meine französische Verwandtschaft besteht aus lauter Musikern, Tänzern und Sängern, ja, es gibt sogar einen Marionettenmacher. In den 1920er Jahren leitete mein Großvater ein Familientheater, das in ganz Neuengland auftrat. Mein Großvater sang und spielte Geige, meine Mutter tanzte und trug mit ihren Shirley-Temple-Löckchen Gedichte vor. (Einmal war sie sogar in einer Radiosendung für Kinder zu hören.) Mein Onkel spielte Schlagzeug.

Ich wuchs mit diesen Geschichten auf und wünschte mir auch Shirley-Temple-Löckchen. Als ich klein war, machte mir meine Großmutter Locken, indem sie alte Stoffstreifen als Papilloten benutzte. Ich blieb geduldig sitzen, während ihre Finger mein frisch gewaschenes Haar eindrehten. So konnte ich am Montagmorgen mit »Lumpenlocken«, wie sie sie nannte, zur Schule gehen. Ich sah im Spiegel, wie sie hinter mir saß und konzentriert die Lippen spitzte. Ich weiß noch, wie ich dachte: »Ich möchte genauso sein wie sie.« Aber das war natürlich unmöglich, denn ich ähnelte ihr kein bisschen. Und sie sollte immer ein Geheimnis für mich bleiben.

In der sechsten Klasse konnten wir wählen, welche Fremdsprache wir im nächsten Jahr lernen wollten. Natürlich entschied ich mich für Französisch. Ich hatte mein falsches Französisch bereits mit meiner Freundin Joanne ausprobiert: Wir liebten es, in den Supermarkt zu gehen, durch die Gänge zu spazieren und uns als Ausländerinnen auszugeben, die höchst erstaunt über die heimischen Produkte sind: »Wie heißt das hier? – Kellogg’s Cornflakes?« Wir kicherten laut und riefen »Oh la la! Mon dieu!«. Das machte einen Riesenspaß, aber natürlich konnten wir niemandem etwas vormachen. Und wenn wir nichts kauften, setzte uns der Ladenbesitzer vor die Tür. Heute weiß ich, dass es mir bei dem Wunsch, Französisch zu sprechen, mehr darum ging, verführerisch, schön und geheimnisvoll zu wirken, als diese Sprache tatsächlich zu beherrschen. Und ehrlich gesagt war ich furchtbar schlecht in Französisch – obwohl ich es bis zu meinem Schulabschluss als Unterrichtsfach hatte.

Im Sommer vor meinem Abschlussjahr las ich einen Artikel in der Zeitschrift Mademoiselle über Frauenrechte und die Frauenbewegung. Die 1970er Jahre hatten begonnen, und alles wurde anders. Ich ging mit zerlöcherten Jeans in die Schule und mit einem Parka voller Protestbuttons. Eines Nachmittags trieb ich meine Großmutter auf dem Sofa in die Enge und erklärte ihr, dass sie sich nicht länger von meinem Großvater unterdrücken und ausbeuten lassen dürfe. Warum sollte sie die ganze Zeit kochen und abspülen? Und das ganze Gemüse einmachen?

»Aber das machen wir doch gemeinsam«, lautete ihre Antwort. Ich ließ trotzdem nicht locker. »Warum musst du in den Kosmetiksalon gehen und dich schön machen lassen? Großvater treibt keinen so großen Aufwand, um für dich gut auszusehen.« Ich rückte näher und fuhr fort: »Und warum trägst du ständig Röcke, Kleider, Seidenstrümpfe und hohe Schuhe?«

Meine Großmutter lächelte nur. Sie spielte mit ihrer Perlenkette und bat meine Mutter um eine Tasse Tee. Damit war diese Unterhaltung für sie beendet.

Das alles trug dazu bei, dass mir meine Großmutter noch rätselhafter wurde. Sie war und blieb einfach eine geheimnisvolle Französin.

Nach dem Abitur reiste ich nach Frankreich. Ich war 21 und dachte: Jetzt werde ich alles verstehen. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch bei einer Pariser Modeschöpferin. Ich sollte ihr Diktat aufnehmen, was hervorragend klappte (es war eine britische Firma, und man sprach Englisch). Ich bekam den Job, besuchte die Sprachenschule Alliance Française. Ich wohnte in einer Mansardenwohnung im fünften Stock, direkt am Boulevard St. Michel, zusammen mit einer Britin. Ich traf einen Jungen, und ich verliebte mich. Ich entliebte mich. Ich spazierte jeden Morgen durch den Jardin du Luxembourg. Ich verhunzte die französische Sprache und blieb eine Außenseiterin, eine Touristin. Im Februar des darauffolgenden Jahres war es kalt und regnerisch. Ich bekam die Grippe. Mir ging das Geld aus. Am Schalter von American Express wartete ich auf einen Notgroschen von meinen Eltern.

Anschließend zog ich zurück nach Hause und genoss es, wieder meine Muttersprache sprechen zu können.

Das alles ist lange her, und seitdem bin ich oft in Frankreich gewesen. Trotzdem blieb mir das Land im Allgemeinen und die Französinnen im Besonderen ein Rätsel. Nach dem Tod meiner Großmutter und meiner Mutter hatte ich noch so viele offene Fragen zur Kultur, zur Sprache und zur Geschichte dieses Landes. Und auch zum Thema Liebe und Ehe. Sowohl meine Mutter als auch meine Großmutter haben aufregende, leidenschaftliche Ehen geführt. Aber wie sie es schafften, das Interesse ihrer Männer über all die Jahre aufrechtzuerhalten, blieb ein Mysterium. Ich wusste nur, dass es nichts nutzte, »lieb und nett« zu sein und den Männern immer das zu geben, was sie wollten. Denn bei der Beerdigung meiner Mutter sagte mein Vater über sie: »Du hast mich manchmal in den Wahnsinn getrieben, aber es war nie langweilig mit dir.«

Ich bin geschieden und seit Kurzem zum zweiten Mal verheiratet. Deshalb bin ich besonders daran interessiert, herauszufinden, wie die Französinnen die Liebe lebendig erhalten und die Männer dauerhaft faszinieren. Es gibt so vieles, was Romantik, Sex, die Ehe und das Frausein angeht, das meine Großmutter und meine Mutter mir nie erzählt haben. Deshalb beschloss ich, nach Frankreich zu fahren, mit Französinnen zu sprechen und so viel von ihnen zu lernen wie möglich, um dieses Buch zu schreiben.

Aber wie sollte ich bei meinen schlechten Sprachkenntnissen ein Buch schreiben, das die Geheimnisse der Französinnen enthüllt? Obwohl ich meine Kenntnisse mit einer Sprach-CD auffrischte, brauchte ich dringend Hilfe bei der Übersetzung ihrer Boudoirgeständnisse sowie bei delikaten Details, zum Beispiel beim Thema Dessous. Außerdem brauchte ich jemanden, der Französinnen persönlich sehr gut kannte – Verheiratete ebenso wie Singles, die mir ihre Herzen und Türen öffnen würden.

An diesem Punkt kam Jessica Lee ins Spiel. Sie ist schön und intelligent. Sie weiß, wie man sich anzieht. Sie weiß, wo man sich am besten die Brauen zupfen lässt und wie man ein tolles Abendessen veranstaltet. Sie bewegt sich elegant in gehobenen Kreisen, kann wunderbar flirten und ist die Zuvorkommenheit in Person. In ihrem Beruf reist sie viel, um Kunstmessen auf der ganzen Welt zu besuchen.

Sie ist sehr gebildet, sie spricht perfekt Französisch, und sie ist eine abenteuerlustige junge Frau.

Also fuhren wir gemeinsam nach Frankreich. Jessica war meine Übersetzerin, meine Botschafterin und mein Passierschein in das Land der französischen Frauen. Und während wir von den Französinnen unsere Lektionen lernten, haben wir uns beide verändert.

Als Jessica schließlich Frankreich den Rücken kehrte, um nach Italien zu gehen, traf sie einen gut aussehenden Franzosen am Flughafen. Den ganzen Flug über saßen sie nebeneinander. Inspiriert von unseren Interviews mit vielen Französinnen, plauderte Jessica mit Nelson, und die beiden verstanden sich auf Anhieb. Bevor sich ihre Wege trennten, tauschten sie Adressen aus. Sie schreiben sich bis heute – und eines seiner Rezepte wurde sogar in dieses Buch aufgenommen.

Anschließend bestand ein anderer Mann – ein Anglo-Italiener – darauf, Jessica bis Florenz mit ihrem Gepäck zu helfen. Auf ihrem Rückflug von Italien nach Amerika hatte Jessica schließlich sechs Stunden Aufenthalt in London. Sie musste von Gatwick zur Victoria Station. Dort wollte sie ihren Freund Carlo auf einen Drink treffen. Sie hatte ihre übliche Jeans gegen einen Rock und Stiefel getauscht (eine sehr französische Kombination!). Als Jessica am Fahrkartenautomaten stand und nicht wusste, welches Ticket sie lösen musste, bat sie eine Frau um Hilfe. Während sie den Erklärungen der Frau lauschte, blieb ein Mann stehen und fragte: »Brauchen Sie Hilfe?« Er sah aus wie Hugh Jackman. Sehr britisch und einfach toll. Jessica beschreibt ihre Begegnung so:

»Er kam auf mich zu und nahm mir einfach eine meiner beiden Taschen ab. Damit ging er dann zur Rolltreppe. Es war ein wenig peinlich, da ich die blonde Frau, die mir geholfen hatte, soeben gefragt hatte, ob ich mich ihr anschließen dürfe, um in den richtigen Zug zu steigen. Ich sah also von einem zum anderen und wusste nicht recht, wessen Hilfe ich nun annehmen sollte … Aber der Traummann hatte meine Tasche, und als der Zug kam, ging die Frau in eine Richtung und er in eine andere. Da dachte ich ›Na ja, er sieht gut aus, UND er hat meine Tasche …‹ – also folgte ich ihm.

Wir unterhielten uns auf der Fahrt und lachten viel, und kurz bevor er aussteigen musste, bat er mich um meine E-Mail-Adresse. Voilà! Und jedes Mal trug ich dieselbe Kombination: Jeansjacke, Rock und Stiefel. Das scheint Männer magisch anzuziehen!«

Nach ihrer Heimkehr bekam Jessica von ihrem Helden folgende E-Mail:

»Es war schön, dich heute am Bahnhof kennenzulernen, aber leider viel zu kurz. Zu schade, dass du nur auf der Durchreise warst, denn ich hätte mich gern noch ausführlicher mit dir unterhalten. Obwohl ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich die Frau, die dir geholfen hat, so überrumpelt habe, ist es wohl ein Naturgesetz, dass nichts und niemand zwischen einen Mann und eine hilfsbedürftige, schöne Frau kommen darf …«

Die Rock-Stiefel-Kombination ist wirklich unschlagbar, vor allem auf Reisen. Französinnen schwören darauf. Bei unseren Recherchen fanden wir heraus, dass ein Rock Männer deutlich mehr dazu inspiriert, uns die Tür aufzuhalten, uns mit dem Gepäck zu helfen, uns anzulächeln und ja – uns anzumachen.

Aber was haben meine Frankreichrecherchen mir als verheirateter Frau gebracht? Sehr viel: Ich bin mit einem Koffer voller neuer Dessous und Rezepte sowie mit einem tieferen Verständnis für die Natur der Liebe nach Hause zurückgekehrt. Von den vielen Notizen, Fotos und Interviews für mein Buch ganz zu schweigen.

Die Französinnen haben mir wesentlich mehr verraten als nur ihre Liebesgeheimnisse und Kochrezepte: Sie gaben mir auch den Schlüssel zu meiner Vergangenheit in die Hand. Heute kann ich meine Großmutter endlich besser verstehen, und dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.

Wer behauptet, die Franzosen wären unfreundlich, kennt diese Menschen einfach nicht. Ich fand sie außergewöhnlich zuvorkommend, aufmerksam und großzügig. In Paris, wo wir bei Sylvie zu Gast waren, ebenso wie im Burgund und in Besançon (wo Jessica und ich bei Marie-Joëlle und ihrer Familie übernachteten). Dasselbe gilt für Nordfrankreich, Lille und Morbecque. Wir trafen Französinnen in Restaurants, Clubs und Privatwohnungen. Wir befragten die Männer und Frauen auf der Straße, in den Bars und Cafés. Wir trafen uns mit jedem, der bereit war, uns zu verraten, wie Französinnen die Liebe finden und bewahren. Wir machten Fotos und nahmen die Aussagen unserer französischen Interviewpartnerinnen auf Band auf. Das waren Frauen zwischen achtzehn und achtzig, Frauen aus allen sozialen Schichten, Frauen vom Land und Frauen aus der Stadt, Arbeiterinnen und Akademikerinnen.

Aus all diesen Treffen gewannen wir die Erkenntnisse, die Eingang in dieses Buch gefunden haben.

Ehrlich gesagt, wusste ich schon im Vorfeld überraschend viel über französische Frauen, wenn auch auf einer eher intuitiven Ebene. Dazu zählten ihre rätselhafte Fähigkeit, sich ihr Geheimnis zu bewahren, ihre Koketterie und ihr Sinn für Diskretion in der Liebe. Doch Vieles wusste ich auch nicht, bevor ich für dieses Buch nach Frankreich zurückkehrte.

Diese Reise half mir, wieder Zugang zu meiner verschütteten französischen Persönlichkeit zu bekommen. Heute bin ich fest davon überzeugt, dass jede Frau ein bisschen française sein kann. Ganz einfach, indem sie jenen Teil von sich entdeckt, der elegant und diskret, verführerisch und geheimnisvoll, interessant, charismatisch und charmant ist.

Ich spreche dabei vom Idealtypus der »Französin«, aber selbstverständlich sind nicht alle Französinnen gleich. In diesem Buch finden Sie einen bunten Querschnitt, der Sie dazu inspirieren soll, ihre eigene französische Persönlichkeit zu kreieren.

Wenn ich sage, dass wir uns in Liebesdingen ein Beispiel an den Französinnen nehmen sollten, heißt das nicht, dass wir leben müssen wie in den 1950er Jahren. Dass wir unseren Beruf aufgeben, auf unsere Rechte verzichten und zu Hause bleiben sollen. Das tun Französinnen übrigens auch keineswegs. Dieses Buch zeigt vielmehr die positiven Dinge auf, die bei den Französinnen funktionieren und die auch wir in unser Leben integrieren können.

»Französin« steht für einen Lebensstil, der unser Liebesleben aufregender, erotischer, romantischer, abwechslungsreicher, reizvoller, intensiver … und befriedigender machen kann. Picken Sie sich das heraus, was Ihnen gefällt, und passen Sie es an Ihre Bedürfnisse an. Dann werden Sie bald feststellen, dass auch in Ihnen eine Französin steckt!


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