Cover

Warrior Cats - Special Adventure 5. Gelbzahns Geheimnis

WARRIOR CATS

Staffel I

In die Wildnis (Bd. 1)

Feuer und Eis (Bd. 2)

Geheimnis des Waldes (Bd. 3)

Vor dem Sturm (Bd. 4)

Gefährliche Spuren (Bd. 5)

Stunde der Finsternis (Bd. 6)

Staffel II – Die neue Prophezeiung

Mitternacht (Bd. 1)

Mondschein (Bd. 2)

Morgenröte (Bd. 3)

Sternenglanz (Bd. 4)

Dämmerung (Bd. 5)

Sonnenuntergang (Bd. 6)

Staffel III – Die Macht der drei

Der geheime Blick (Bd. 1)

Fluss der Finsternis (Bd. 2)

Verbannt (Bd. 3)

Zeit der Dunkelheit (Bd. 4)

Lange Schatten (Bd. 5)

Sonnenaufgang (Bd. 6)

Staffel IV – Zeichen der Sterne

Der vierte Schüler (Bd. 1)

Fernes Echo (Bd. 2)

Stimmen der Nacht (Bd. 3)

Spur des Mondes (Bd. 4)

Der verschollene Krieger (Bd. 5)

Die letzte Hoffnung (Bd. 6)

Staffel V – Der Ursprung der Clans

Der Sonnenpfad (Bd. 1)

Donnerschlag (Bd. 2)

Der erste Kampf (Bd. 3)

Der Leuchtende Stern (Bd. 4)

Der geteilte Wald (Bd. 5)

Der Sternenpfad (Bd. 6)

Staffel VI – Vision von Schatten

Die Mission des Schülers (Bd. 1)

Donner und Schatten (Bd. 2)

Zerrissene Wolken (Bd. 3)

Dunkelste Nacht (Bd. 4)

Special Adventure

Feuersterns Mission

Das Schicksal des WolkenClans

Blausterns Prophezeiung

Streifensterns Bestimmung

Gelbzahns Geheimnis

Riesensterns Rache

Brombeersterns Aufstieg

Mottenflugs Vision

Habichtschwinges Reise

Short Adventure

Wolkensterns Reise

Distelblatts Geschichte

Nebelsterns Omen

Taubenflugs Schicksal

Die Welt der Clans

Das Gesetz der Krieger

Die letzten Geheimnisse

Alle Abenteuer auch als Printausgaben bei Beltz & Gelberg

www.warriorcats.de

Hinter dem Namen Erin Hunter verbirgt sich ein ganzes Team von Autorinnen. Gemeinsam konzipieren und schreiben sie die erfolgreichen Tierfantasy-Reihen WARRIOR CATS, SEEKERS, SURVIVOR DOGS und BRAVELANDS.

Besonderen Dank an Cherith Baldry

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DIE HIERARCHIE DER KATZEN

SCHATTENCLAN

Anführer

ZEDERNSTERN – dunkelgrauer Kater mit weißem Bauch

Zweiter

Anführer

STEINZAHN – grau gestreifter Kater mit langen Zähnen

Heilerin

SALBEIBART – weiße Kätzin mit langen Schnurrhaaren

Krieger

(Kater und Kätzinnen ohne Junge)

KRÄHENSCHWEIF – schwarz gestreifte Kätzin

FARNFUSS – hellrotbrauner Kater mit dunkleren Beinen

ERZAUGE – grau getigerter Kater mit schwarzen Streifen und einem dicken Streifen über einem Auge

HOLUNDERBLÜTE – dunkelgrau-weiße Kätzin; Mentorin von MOLCHPFOTE

SCHMUTZKRALLE – grauer Kater mit braunen Beinen

KRÖTENSPRUNG – dunkelbraun gestreifter Kater mit weißen Flecken und Beinen; Mentor von ASCHENPFOTE

NESSELFLECK – weiße Kätzin mit goldenen Flecken

MAUSFLÜGEL – Kater mit schwarzem, dichtem Fell

REHSPRUNG – grau gestreifte Kätzin mit weißen Beinen

BERNSTEINBLATT – dunkelorangefarbene Kätzin mit braunen Beinen und Ohren

FINKENFLUG – schwarz-weißer Kater

GEWITTERFLÜGEL – gefleckter, weißer Kater

ECHSENSTREIF – hellbraun gestreifte Kätzin mit weißem Bauch

Schüler

(älter als sechs Monde, in der Ausbildung zum Krieger)

FROSCHPFOTE – dunkelgrauer Kater

MOLCHPFOTE – schwarz-rotbraune Kätzin

ASCHENPFOTE – hellgraue Kätzin

Königinnen

(Kätzinnen, die Junge erwarten oder aufziehen)

FEDERSTURM – dunkelbraun gestreifte Kätzin, Mutter von Fetzen- und Brandjunges

GLANZBLÜTE – orange gestreifte Kätzin, Mutter von Gelb-, Nuss- und Eschenjunges

TEICHWOLKE – grau-weiße Kätzin

Älteste

(ehemalige Krieger oder Königinnen im Ruhestand)

KLEINVOGEL – kleine, golden gestreifte Kätzin

ECHSENZAHN – hellbraun gestreifter Kater mit einem Hakenzahn

SILBERFLAMME – orange-graue Kätzin (Gelbjunges’ Großmutter mütterlicherseits)

DONNERCLAN

Anführer

KIEFERNSTERN – rotbrauner Kater mit grünen Augen

Zweiter

Anführer


ABENDSONNE
 – leuchtend feuerfarbener Kater mit gelben Augen

Heiler

GÄNSEFEDER – gefleckter, grauer Kater mit hellblauen Augen; Mentor von FEDERPFOTE

Krieger

Königinnen

FLECKENSCHWEIF – hell gestreifte Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen

VIPERNZAHN – braun gefleckter und gestreifter Kater

BERNSTEINFLECK – hellgrau gescheckter Kater mit bernsteinfarbenen Augen

KURZSCHWEIF – dunkelbraun gestreifter Kater

KLEINOHR – grauer Kater mit sehr kleinen Ohren

ROTBRUST – kleine, braune Kätzin mit rotbraunem Brustfleck; Mentorin von LEOPARDENPFOTE

WUSCHELPELZ – schwarzer Kater mit ständig gesträubtem, schwarzem Fell und gelben Augen; Mentor von FLICKENPFOTE

WINDFLUG – grau gestreifter Kater mit hellgrünen Augen

MONDBLÜTE – silbergraue Kätzin

MOHNRÖTE – langhaarige, dunkelrote Kätzin

Älteste

GRASBART – orangefarbener Kater mit gelben Augen

NUSCHELFUSS – brauner Kater mit bernsteinfarbenen Augen, etwas unbeholfen

LERCHENLIED – schildpattfarbene Kätzin mit hellgrünen Augen

WINDCLAN

Anführer

HEIDESTERN – hellgraue Tigerkätzin mit rosa schimmerndem Fell und blauen Augen

Zweiter

Anführer

SCHILFFEDER – hellbraun gestreifter Kater

Heiler

HABICHTHERZ – steingrauer Kater mit dunkelbraunen Flecken im Fell

Krieger

MORGENSTREIF – hellgoldene Kätzin mit cremefarbenen Streifen; Mentor von RIESENPFOTE

ROTKRALLE – dunkeloranger Kater; Mentor von SPITZMAUSPFOTE

Ältester

WEISSBEERE – kleiner, reinweißer Kater

FLUSSCLAN

Anführer

JUBELSTERN – grauer Kater mit dichtem Fell

Zweiter

Anführer

MUSCHELHERZ – grau gefleckter Kater

Heiler

MILCHPELZ – grau und weiß gestreift; Mentor von BROMBEERPFOTE

Krieger

WELLENKRALLE – schwarz und silbern gestreifter Kater

BAUMPELZ – brauner Kater

EULENPELZ – braun-weißer Kater

OTTERSPRUNG – weiß-goldene Kätzin

Königinnen

LILIENHALM – hellgraue Kätzin

REHSCHWEIF – hellbraune Kätzin mit goldenen Flecken um die Schnauze

Ältester

FORELLENKRALLE – grau gestreifter Kater

KATZEN AUSSERHALB DER CLANS

MARMELADE – großer, rotbrauner Kater

PIXIE – flauschig weiße Kätzin

ROTSCHOPF – rostrote Kätzin

KIESELSTEIN – grauer Kater

HÄHER – ältere, schwarz-weiße Kätzin

HANSI – dunkelbraun gestreifter Kater

PROLOG

Sternenlicht schien durch ein gezacktes Loch in der Decke hinab in eine große Höhle. Der schwache, silbrige Glanz war gerade hell genug, einen riesigen Felsbrocken zu enthüllen, der sich vom Boden in der Mitte der Höhle erhob; er wurde von aufragenden Felswänden und auf der anderen Seite von der gähnenden Öffnung eines Tunneleingangs begrenzt. Die Schatten des Eingangs vertieften sich und sechs Katzen betraten die Höhle. Ihr Anführer, ein grau gefleckter Kater mit einem verklebten, ungepflegten Fell, ging auf den Felsen zu und wandte sich dann zu den anderen zurück.

»Salbeibart, Habichtherz, Milchpelz«, begann er und nickte jeder Katze, die er beim Namen nannte, zu. »Wir, die Heiler-Katzen der vier Clans, sind hierhergekommen, um eine unserer wichtigsten Zeremonien zu vollziehen, die Ernennung eines neuen Heiler-Schülers.«

Die zwei anderen Katzen waren im Tunneleingang stehen geblieben. Eine von ihnen schlurfte mit den Pfoten hin und her, als würden sie sonst auf dem kalten Steinboden festfrieren.

»Beim SternenClan, Gänsefeder, nun mach schon«, murmelte Habichtherz und zuckte ungeduldig mit dem Schwanz.

Gänsefeder wandte sich zu den beiden jungen Katzen beim Tunnel. »Federpfote, bist du bereit?«, fragte er.

Der Größere der beiden, ein Kater mit silbernem Fell, nickte nervös. »Ich denke schon«, miaute er.

»Dann komm her und stell dich vor den Mondstein«, forderte ihn Gänsefeder auf. »Es ist bald an der Zeit, sich mit dem SternenClan die Zungen zu geben.«

Federpfote zögerte. »Aber ich … ich weiß nicht, was ich unseren Ahnen sagen soll, wenn ich sie treffe.«

»Du wirst es schon wissen«, beruhigte ihn die andere junge Katze. Ihr weißes Fell leuchtete auf, als sie seine Schulter mit der Schnauze berührte. »Es wird wunderbar sein, du wirst sehen. So wie es war, als ich Milchpelz’ Schülerin geworden bin.«

»Danke, Brombeerpfote«, murmelte Federpfote.

Er trottete zu Gänsefeder. Salbeibart, Milchpelz und Habichtherz setzten sich ein paar Schwanzlängen entfernt hin. Brombeerpfote nahm den Platz neben ihrem Mentor ein.

Plötzlich tauchte der Mond im Loch in der Decke auf und goss sein blendend weißes Licht in die Höhle. Federpfote blieb stehen und blickte erstaunt auf den Mondstein, der zu glitzerndem Leben erwacht war und silbern funkelte.

Gänsefeder trat vor und stand nun über ihm. »Federpfote«, miaute er, »ist es dein Wunsch, als Heiler des DonnerClans das tiefste Wissen des SternenClans mit ihm zu teilen?«

Federpfote nickte. »Ja«, antwortete er; seine Stimme kam als atemloses Krächzen heraus. Er räusperte sich und versuchte es noch einmal. »Ja, das ist es.«

»Dann folge mir.«

Gänsefeder drehte sich um und winkte ihm mit dem Schwanz zu; er machte einige Schritte, bis er nahe am Mondstein stand. Seine hellblauen Augen leuchteten wie zwei Monde, als er sagte: »Krieger des SternenClans, ich präsentiere euch diesen Schüler. Er hat sich für den Weg einer Heiler-Katze entschieden. Gewährt ihm eure Weisheit und Einsicht, dass er eure Wege versteht und seinen Clan nach eurem Willen heilen kann.« Er schnippte mit dem Schwanz zu Federpfote und flüsterte: »Leg dich hierhin und drücke die Nase gegen den Stein.«

Sofort gehorchte Federpfote; er legte sich nahe am Felsbrocken hin und streckte sich, um dessen glitzernde Oberfläche mit der Nase zu berühren. Die anderen Heiler-Katzen kamen zu ihm und nahmen rund um den Stein ähnliche Haltungen ein. In dem Schweigen und dem hellen Licht schloss der neue Heiler-Schüler die Augen.

Federpfote blinzelte, riss die Augen auf und sprang hoch. Er stand bis zur Brust im saftigen Gras einer Lichtung in einem sonnenbeschienenen Wald. Über ihm raschelten die Bäume in einer warmen Brise. Die Luft war gesättigt vom Duft nach Beute und feuchtem Farn.

»Hallo, Federpfote!«

Der junge Kater wirbelte herum. Durch das Gras kam eine gestreifte, weiße Kätzin mit blauen Augen auf ihn zu. Als sie vor ihm stand, schnippte sie freundlich mit dem Schwanz.

Federpfote starrte sie an. »M…Malvenpelz!«, keuchte er. »Ich habe dich so vermisst!«

»Ich bin zwar jetzt eine SternenClan-Kriegerin, aber dennoch bin ich immer bei dir, mein Lieber«, schnurrte Malvenpelz. »Es tut gut, dich hier zu sehen, Federpfote. Ich hoffe, es ist nur dein erster von vielen Besuchen.«

»Das hoffe ich auch«, erwiderte Federpfote.

Malvenpelz ging weiter. Sie schob sich durch das Gras, bis sie sich zu einem rotbraunen Kater am Rande des Waldes gesellte; zusammen tauchten die beiden ins Unterholz ein. In der Nähe der Stelle, an der sie verschwunden waren, kauerte ein anderer SternenClan-Krieger und trank aus einem kleinen Teich. Ein paar Herzschläge später schoss ein Eichhörnchen über die Lichtung und kletterte den Stamm einer Eiche hinauf; zwei weitere von Federpfotes Sternen-Ahnen folgten ihm auf den Pfoten.

Federpfote hörte wieder seinen Namen rufen. »He, Federpfote! Hierher!«

Federpfote schaute sich auf der Lichtung um. Sein Blick fiel auf einen schwarzen Kater, der fast im Schatten unter einem Stechpalmenbusch verborgen war. Er war klein und mager und seine Schnauze war altersgrau.

Der Kater mit dem dunklen Fell winkte ihn mit dem Schwanz heran. »Komm her!«, wiederholte er leise und eindringlich. »Oder sind deine Pfoten am Boden festgewachsen?«

Federpfote schob sich mit den Schultern durch das lange Gras, bis er vor dem Kater stand. »Wer bist du? Was willst du von mir?«

»Ich heiße Wühlpelz«, antwortete der Kater. »Ich habe eine Botschaft für dich.«

Federpfote riss die Augen weit auf. »Eine Botschaft vom SternenClan, gleich beim allerersten Mal?«, hauchte er. »Ach, das ist ja großartig!«

Wühlpelz knurrte ärgerlich. »Vielleicht denkst du anders, wenn du gehört hast, worum es geht.«

»Sprich weiter.«

Wühlpelz warf ihm mit seinen grünen Augen einen eisigen Blick zu. »Eine finstere Kraft ist unterwegs«, krächzte er, »mit der Macht, tief in das Herz des DonnerClans einzudringen. Und sie wird von einer Heiler-Katze aus dem SchattenClan gebracht werden.«

»Was?« Federpfotes Stimme erhob sich zu einem hohen Quieken. »Aber Heiler-Katzen haben keine Feinde und sie machen anderen Clans keine Schwierigkeiten.«

Wühlpelz ignorierte seinen Einwand. »Vor langer Zeit bin ich der Heiler des SchattenClans gewesen«, fuhr er fort. »Meine Clan-Gefährten und ich haben einem anderen Clan großes Unrecht zugefügt – einem Clan, der genauso zum Wald gehörte wie jeder andere von uns; aber er ist durch unsere Selbstsucht und Hartherzigkeit vertrieben worden. Ich wusste damals, dass wir Unrecht getan haben, und seitdem habe ich mit Angst im Herzen gewartet, dass die Clans dafür bestraft würden.«

»Bestraft? Wie?«, fragte Federpfote heiser.

»Die Zeit ist gekommen!« Wühlpelz hatte rund aufgerissene Augen und schien in eine weite Ferne zu blicken. »Gift wird aus dem Herzen des SchattenClans spritzen und zu allen anderen Clans fließen.« Seine Stimme verwandelte sich zu einem leisen, gespenstischen Klagen. »Ein Sturm aus Blut und Feuer wird sich durch den Wald ergießen!«

Entsetzt starrte Federpfote den alten Kater an. Aber bevor er etwas sagen konnte, drängte sich ein mächtiger, schwarz-weißer Kater durch ein Farnbüschel und kam zu der Stechpalme getrabt.

»Wühlpelz, was machst du da?«, fragte er. »Warum erzählst du das alles einem DonnerClan-Schüler? Du weißt doch gar nicht, ob jetzt die Zeit gekommen ist!«

Wühlpelz schnaubte verächtlich. »Du bist einst mein Schüler gewesen, Hohlbauch. Vergiss das ja nicht! Ich bin mir sicher, dass ich recht habe.«

Hohlbauch schaute Federpfote an, dann wieder Wühlpelz. »Die Dinge liegen jetzt anders«, miaute er.

»Was meinst du? Was wird passieren?«, fragte Federpfote.

Hohlbauch ignorierte ihn. »Es gibt keinen Grund, den SchattenClan zu bestrafen«, fuhr er fort. »Was passiert ist, liegt weit zurück. Das Gesetz der Heiler-Katzen wird die Sicherheit der Clans bewahren.«

»Du bist ein Narr, Hohlbauch«, knurrte Wühlpelz. »Das Gesetz der Heiler-Katzen kann nichts tun, um die Clans zu retten!«

»Das kannst du nicht mit Sicherheit wissen!«, entgegnete Hohlbauch. Als Wühlpelz nicht reagierte, wandte er sich zu Federpfote. »Sag bitte nichts über diese Angelegenheit«, miaute er. »Es gibt keinen Grund, Angst zu verbreiten, wenn die Zukunft sogar für den SternenClan im Nebel verborgen liegt. Versprich mir, dass du es keinem von deinen Clan-Gefährten erzählen wirst. Versprich es mir beim Leben deiner Ahnen!«

Federpfote blinzelte. »Ich verspreche es«, wisperte er.

Hohlbauch nickte. »Ich danke dir, Federpfote. Lass es dir gut ergehen.« Er stupste Wühlpelz auf die Pfoten und führte die alte Heiler-Katze zwischen die Bäume.

Federpfote blickte ihnen nach. Ein paar Herzschläge später kroch er unter dem Stechpalmengebüsch heraus und taumelte auf die sonnenbeschienene Lichtung. »Selbst wenn Wühlpelz die Wahrheit gesprochen hat, ergibt das Gesagte keinen Sinn!«, miaute er laut. »Wie kann der DonnerClan von einer Heiler-Katze des SchattenClans bedroht werden?«

1. KAPITEL

»SchattenClan-Krieger, zum Angriff!«

Gelbjunges schoss aus der Kinderstube und preschte durch das SchattenClan-Lager. Ihre Geschwister Nussjunges und Eschenjunges rannten hinter ihr her.

Nussjunges stürzte sich auf einen Kiefernzapfen, der am Fuß einer der Bäume lag, die über die Lichtung ragten. »Ein WindClan-Krieger!«, quiekte er und schlug mit seinen braunen Pfoten darauf ein. »Verschwinde aus unserem Territorium!«

»Ihr Kaninchenjäger!« Eschenjunges spannte knurrend die Krallen an. »Beutediebe!«

Gelbjunges sprang auf eine herabhängende Ranke der Brombeerbüsche, die das Lager umgaben; ihre Krallen verfingen sich darin, sie verlor das Gleichgewicht und rollte in einem Wirbel von Beinen und Schwanz auf den Rücken. Sie rappelte sich auf die Pfoten und kauerte sich mit gebleckten Zähnen knurrend vor die Brombeeren. »Du willst mich wohl zum Stolpern bringen, was?«, kreischte sie und fetzte mit den Krallen über die Blätter. »Das ist meine Antwort!«

Nussjunges suchte mit zusammengekniffenen bernsteinfarbenen Augen die Lichtung ab. »Kannst du noch weitere WindClan-Krieger auf unserem Territorium sehen?«, fragte er.

Gelbjunges entdeckte eine Gruppe von Ältesten, die sich auf einem Sonnenfleck die Zungen gaben. »Ja! Dort drüben!«, jaulte sie.

Nussjunges und Eschenjunges folgten ihr und preschten über die harte, braune Erde. Vor den Ältesten hielten sie rutschend an.

»WindClan-Krieger!«, begann Gelbjunges und versuchte dabei so würdevoll wie ihr Clan-Anführer Zedernstern zu klingen. »Gebt ihr zu, dass der SchattenClan der beste von allen Clans ist? Oder müssen wir euch erst mit Krallen in eurem Fell überzeugen?«

Kleinvogel, deren goldenes Fell im warmen Sonnenlicht glänzte, setzte sich auf und blickte die anderen Ältesten amüsiert an. »Nein, ihr seid viel zu wild für uns«, miaute sie. »Wir wollen nicht kämpfen.«

»Versprecht ihr, dass ihr unsere Krieger euer Territorium überqueren lasst, wann immer sie wollen?«, knurrte Eschenjunges.

»Das versprechen wir.« Silberflamme, die Mutter von Gelbjunges’ Mutter Glanzblüte, presste sich an den Boden und blinzelte ängstlich zu den Jungen hoch.

Echsenzahn drückte sich von den drei Jungen weg und schlurfte dabei mit seinen mageren, braunen Gliedern. »Der SchattenClan ist viel stärker als wir.«

»Ja!« Gelbjunges machte einen Luftsprung. »Der SchattenClan ist der beste!« In ihrer Aufregung sprang sie auf Nussjunges drauf und rollte in einem Knoten aus grauem und braunem Fell mit ihm davon.

Ich werde die beste Kriegerin im besten Clan des Waldes sein!, dachte sie begeistert.

Sie löste sich von Nussjunges und rappelte sich auf die Pfoten. »Jetzt bist du ein WindClan-Krieger«, drängte sie ihn. »Ich kenne ein paar fürchterliche Kampfzüge!«

»Kampfzüge?«, unterbrach sie eine verächtliche Stimme. »Du? Du bist nur ein Junges!«

Gelbjunges wirbelte herum und sah Fetzenjunges und seinen Bruder Brandjunges ein paar Schwanzlängen entfernt von ihr stehen.

»Und was bist du?«, fragte sie den großen, dunkel gestreiften Kater. »Du und Brandjunges, ihr wart auch noch Junge, als ich euch das letzte Mal gesehen habe.«

»Aber wir werden bald Schüler sein«, entgegnete Fetzenjunges. »Und es wird noch Monde über Monde dauern, bis ihr euer Training aufnehmt.«

»Genau!« Brandjunges leckte eine goldene Pfote und wischte sich damit übers Ohr. »Bis dahin sind wir Krieger.«

»Nur in euren Träumen!« Eschenjunges kam angesprungen und stellte sich neben Gelbjunges, während Nussjunges auf ihrer anderen Seite stand. »Es gibt Kaninchen, die bessere Krieger abgeben als ihr beiden.«

Brandjunges bückte sich mit angespannten Muskeln, um sie anzuspringen, aber Fetzenjunges hielt ihn mit dem Schwanz zurück. »Das lohnt sich doch nicht«, miaute er hochmütig. »Kommt mit, ihr Knirpse, seht uns zu, und wir zeigen euch ein paar richtige Kampfzüge.«

»Ihr seid nicht unsere Mentoren!«, blaffte Nussjunges. »Alles, was ihr könnt, ist, unser Spiel zu stören.«

»Euer Spiel!« Fetzenjunges rollte mit den Augen. »Als ob ihr nicht schreiend in die Kinderstube rennen würdet, wenn der WindClan wirklich unser Lager angreift.«

»Würden wir nicht!«, rief Eschenjunges.

Fetzenjunges und Brandjunges ignorierten sie und wandten den Jüngeren den Rücken zu. »Du greifst mich zuerst an!«, befahl Brandjunges seinem Bruder. Fetzenjunges rannte an seinem Wurfgefährten vorbei und zielte einen Hieb auf Brandjunges’ Ohr. Der schwang beiseite und stürzte sich auf Fetzenjunges’ Schwanz. Sofort rollte Fetzenjunges sich auf den Rücken, alle vier Pfoten bereit, sich zu verteidigen.

So ärgerlich Gelbjunges auch war, sie konnte doch nicht umhin, die älteren Kater zu bewundern. Es juckte ihr in den Pfoten, ihre Kampfzüge auszuprobieren, aber sie wusste, sie und ihre Geschwister würden nur ausgelacht, wenn sie es versuchten.

»Komm mit!« Nussjunges stupste sie an. »Lass uns nachschauen, ob es Mäuse in den Brombeerbüschen gibt.«

»Du würdest keine erwischen, selbst wenn da welche sind«, miaute Fetzenjunges; er erhob sich auf die Pfoten und schüttelte sich Schmutz aus dem Fell.

»Ich hab nicht mit dir geredet.« Nussjunges sträubte sich das Fell und er bleckte die winzigen, nadelspitzen Zähne. »Du Hauskätzchen!«

Für einen Augenblick erstarrten alle fünf Junge. Gelbjunges konnte ihr Herz hämmern hören. Wie ihre Wurfgefährten hatte sie den Ältesten zugehört, als diese überlegten, wer wohl der Vater von Fetzenjunges und Brandjunges sei, und sich fragten, ob es wahr sein könnte, dass der Gefährte ihrer Mutter Federsturm ein Hauskätzchen gewesen wäre. Die junge Kätzin war oft in den Zweibeinerort gewandert und sie hatte nie einem Kater im Clan erkennbar nahegestanden. Aber Gelbjunges wusste auch, dass das etwas war, was man unter keinen Umständen jemals laut aussprechen durfte.

Fetzenjunges trat langsam ein Stück näher an Nussjunges heran; er war vor Wut ganz steif. »Wie hast du mich genannt?«, knurrte er mit gefährlich ruhiger Stimme.

Nussjunges’ Augen waren aufgerissen und voller Angst, aber er zog sich nicht zurück. »Ein Hauskätzchen!«, wiederholte er.

Ein tiefes Grollen kam aus Fetzenjunges’ Kehle. Brandjunges’ Blick wurde dunkel und er fuhr die Krallen ein und aus. Keiner von den beiden sah auch nur entfernt wie ein weiches, flauschiges Hauskätzchen aus. Gelbjunges spannte sich an, bereit, ihren Bruder zu verteidigen.

»Nussjunges!«

Beim Klang der Stimme ihrer Mutter drehte sich Gelbjunges um. Glanzblüte stand neben dem Dornengebüsch, das die Senke mit der Kinderstube abdeckte. Ihr oranger Schwanz zuckte vor Ärger.

»Nussjunges, wenn du nicht vernünftig spielen kannst, solltest du besser hierher zurückkommen. Ihr auch, Gelbjunges und Eschenjunges. Ich erlaube es nicht, dass ihr kämpft.«

»Das ist nicht fair«, murmelte Nussjunges, während alle drei Geschwister sich langsam zur Kinderstube aufmachten. Er scharrte mit den Pfoten durch die Kiefernnadeln auf dem Boden. »Sie haben angefangen.«

»Sie sind bloß dumme Hauskätzchen«, flüsterte Eschenjunges.

Sie erreichten den Dornbusch, und Gelbjunges konnte nicht widerstehen, über die Schulter zurückzublicken. Fetzenjunges und Brandjunges standen mitten auf der Lichtung und warfen ihnen funkelnde Blicke nach. Die Stärke von Fetzenjunges’ Wut ängstigte und faszinierte sie gleichermaßen. Dahinter spürte sie noch etwas anderes: einen schwarzen Raum, der von ängstlichen Fragen widerhallte. Sie dachte an ihren eigenen Vater, Farnfuß, der Geschichten erzählte von Patrouillen, vom Jagen und von Großen Versammlungen beim Baumgeviert, der seine Jungen über sich klettern ließ und so tat, als wäre er ein Fuchs, damit sie ihn angreifen konnten. Gelbjunges liebte ihn und wollte so sein wie er.

Wie muss es sein, nicht zu wissen, wer sein Vater ist? Besonders, wenn alle Katzen denken, er wäre ein Hauskätzchen?

Dann merkte Gelbjunges, dass Fetzenjunges und sie sich in die Augen blickten. Mit einem erschrockenen Quieken duckte sie sich unter die Zweige und taumelte hinter ihren Geschwistern hinab in die Kinderstube.

2. KAPITEL

»Mir ist langweilig«, beklagte sich Nussjunges. »Kommt mit, wir können im Kriegerbau spielen.«

Gelbjunges blinzelte ihn an. »Bist du mäusehirnig? Die Krieger werden dir das Fell abziehen.«

Drei Sonnenaufgänge waren vergangen seit dem Streit mit Fetzenjunges und Brandjunges. Gelbjunges fühlte sich immer noch unwohl in ihrer Gegenwart und versuchte, ihnen im Lager aus dem Weg zu gehen.

»Du bist selbst eine ängstliche Maus!«, zog Nussjunges sie auf. »Komm schon – wirf einen Blick unter den Busch. Ich wette, du traust dich nicht!«

Ich kann mich jetzt nicht weigern, dachte Gelbjunges. Sie nahm sich zusammen, während sie über die Lichtung zum dichten Brombeergebüsch schaute, unter dem die Krieger schliefen. Wie alle Baue des SchattenClans lag auch ihrer in einer flachen Senke im Boden, geschützt von dicht verfilzten Dornen und umschlossen von Brombeerranken. Die Baue bildeten unterhalb von Kiefern einen Kreis um eine Lichtung. Der Eingang ins Lager befand sich am einen Ende der Lichtung und der Clan-Felsen, ein großer, mit Flechten bedeckter Felsbrocken, am anderen.

Eschenjunges stupste Gelbjunges an. »Tu’s nicht! Glanzblüte beobachtet uns, schau nur dort hin.« Sie deutete mit den Ohren auf die Stelle, an der Glanzblüte und Farnfuß sich neben dem Frischbeutehaufen eine Wühlmaus teilten. Zwischen den Bissen drehte Glanzblüte immer wieder den Kopf herum und hielt nach ihren Jungen Ausschau.

Eine Welle der Zuneigung zu ihrer Mutter strömte durch Gelbjunges. Ich freue mich, dass ich ihr ähnlich sehe. Sie hatte einmal ihr eigenes Spiegelbild in einer Pfütze entdeckt und fast gedacht, sie blicke auf eine winzige Kopie von Glanzblüte. Obwohl ihr Fell grau und nicht orange war wie das ihrer Mutter, hatte sie selbst doch das gleiche breite, flache Gesicht, die Stupsnase und die weit auseinanderstehenden, bernsteinfarbenen Augen.

Ich will ganz so wie sie sein und ganz so wie mein Vater. Ein Krieger und eine Königin. Ich werde viele Junge haben und ich werde sie zu großen Kriegern für unseren Clan aufziehen.

»Ich weiß ein Spiel!«, verkündete sie. »Ihr seid meine Jungen, und ich bringe euch bei, Frösche zu fangen.«

»Gut!« Eschenjunges setzte sich vor Gelbjunges und wickelte ihren Schwanz ordentlich um die Pfoten.

Nussjunges rollte mit den Augen, sagte jedoch nichts, als er sich neben Eschenjunges setzte.

Gelbjunges zischte. »Ich habe noch nie so unordentliche Junge gesehen«, schimpfte sie. »Nussjunges, bist du in den Brombeeren herumgerollt? Und Eschenjunges, schau dir nur dein Brustfell an. Leck es mal anständig, jetzt sofort!«

Eschenjunges miaute amüsiert und begann, sich das Fell an der Brust zu lecken. Nussjunges wand sich, während Gelbjunges mit den Krallen unsichtbare Dornen aus seinem Fell pickte.

»Das ist ein blödes Spiel«, murmelte er. »Und dein Fell sieht auch nicht so toll aus.«

Gelbjunges gab ihm einen leichten Schlag auf die Ohren. »Wage es bloß nicht, so zu deiner Mutter zu sprechen!«

Sie trat zurück und untersuchte sorgfältig das Fell ihrer Geschwister, dann nickte sie. »Schon viel besser. Nun hört gut zu, Junge. Wir werden lernen, wie man einen Frosch fängt. Nussjunges, pass auf!« Sie schnippte mit dem Schwanz über das Ohr ihres Bruders, als er dem taumeligen Flug eines weißen Schmetterlings zusah. »Das Wichtigste, woran man bei Fröschen denken muss, ist, dass sie springen.«

»Kann ich der Frosch sein? Kann ich?«, bettelte Eschenjunges und hüpfte aufgeregt auf und ab. »Ich kann wirklich hoch springen!«

Gelbjunges stieß einen ärgerlichen Seufzer aus. »Nein! Du musst zuhören!«

Glanzblüte kam über die Lichtung auf sie zu. Ihre Augen waren warm und belustigt. »Das sieht wie ein gutes Spiel aus«, miaute sie. »Gelbjunges, du wirst eines Tages eine großartige Königin sein.«

»Und eine Kriegerin!«, betonte Gelbjunges.

»Natürlich«, schnurrte Glanzblüte. »Wenn du das möchtest.«

»Ja! Ich werde die beste …« Gelbjunges verstummte. Sie sah Zedernstern, wie er aus seinem Bau unter der Eiche kam.

Der Clan-Anführer setzte über die Lichtung und sprang hinauf auf den Clan-Felsen. »Alle Katzen, die alt genug sind, Beute zu machen, fordere ich auf, sich unterhalb des Clan-Felsens zu einem Treffen zu versammeln!«, jaulte er.

Gelbjunges wandte sich an ihre Mutter. »Was ist los?«

»Warte ab«, erwiderte Glanzblüte. »Kommt und setzt euch zu mir und eurem Vater.«

Glanzblüte legte den Schwanz um alle drei Junge und führte sie über die Lichtung zu der Stelle, wo Farnfuß neben dem Frischbeutehaufen saß. Inzwischen versammelten sich weitere Clan-Katzen. Salbeibart, die Heilerin, glitt aus ihrem Bau im Schatten des Clan-Felsens und setzte sich ihrem Anführer gegenüber. Teichwolke, deren Bauch schwer von Jungen war, hievte sich aus der Kinderstube und trottete langsam hinüber zum Eingang des Kriegerbaus, in dem gerade ihr Gefährte Krötensprung aufgetaucht war. Krötensprungs Schüler Aschenpfote sprang herbei und gesellte sich zu ihnen. Die beiden anderen Schüler, Froschpfote und Molchpfote, brachen ihren spielerischen Kampf ab, schüttelten sich das Fell aus und setzten sich, um zuzuhören. Krähenschweif, Erzauge und Holunderblüte schoben sich aus dem Kriegerbau.

Schließlich tauchten Fetzenjunges und Brandjunges aus der Kinderstube auf, gefolgt von ihrer Mutter Federsturm. Ihr Fell glänzte und sie staksten stolz durch das Lager und stellten sich vor der Menge von Katzen auf.

Gelbjunges wurde plötzlich klar, was da vor sich ging. »Sie werden zu Schülern ernannt!«

»Schsch!«, machte Glanzblüte. »Nussjunges, hör auf, dich am Ohr zu kratzen.«

»Ich wünschte, wir wären schon an der Reihe«, flüsterte Nussjunges Gelbjunges zu. »Wir müssen noch ewig warten.«

Gelbjunges nickte. »Vier ganze Monde.« Fetzenjunges und Brandjunges sehen so erwachsen aus, ich kann nicht glauben, dass ich jemals eine Schülerin werde.

Zedernstern blickte auf die beiden älteren Jungen hinab. »Katzen des SchattenClans«, begann er. »Heute haben wir uns versammelt, um …«

Gelbjunges wand sich hin und her und versuchte, bequem zu sitzen. Ihre Hinterpfote pikste, als hätte sie auf einen Dorn getreten. Sie drehte sich um und hob ihren Ballen hoch, um nachzusehen.

Zedernstern brach ab und schaute zu ihr hinüber.

»Gelbjunges!«, fauchte Glanzblüte. »Hör auf, herumzuhampeln!«

»Ich habe einen Dorn in der Pfote!«, jammerte Gelbjunges.

»Dann halt still. Lass mich nachschauen.« Glanzblüte untersuchte Gelbjunges’ Pfote und schnüffelte kurz daran. »Da ist nichts«, blaffte sie. »Sei jetzt ruhig und hör Zedernstern zu.«

Gelbjunges merkte, dass alle ihre Clan-Gefährten sie anstarrten. Sie wünschte, sie könnte in den Erdboden des Lagers versinken und so verschwinden. »Tut mir leid«, murmelte sie. Die Pfote tat ihr immer noch weh, aber sie biss die Zähne zusammen und versuchte, den Schmerz zu ignorieren.

»Katzen des SchattenClans«, fing Zedernstern wieder an, »wir haben uns hier versammelt für die wichtigste Zeremonie im Leben jedes Clans, die Ernennung von Schülern. Fetzenjunges und Brandjunges haben ihren sechsten Mond erreicht, und es ist Zeit für sie, ihre Ausbildung aufzunehmen.«

Anerkennendes Gemurmel kam von den Katzen um sie herum; Gelbjunges hörte allerdings auch eine Bemerkung von Krötensprung, der in ihrer Nähe saß. »Halbe Hauskätzchen ausbilden!«, murmelte er Erzauge ins Ohr. »Als Nächstes werden wir Igel zu Schülern machen.«

Gelbjunges begannen sich schon die Haare aufzustellen, aber Fetzenjunges und Brandjunges hatten die unfreundlichen Worte ihres Clan-Gefährten nicht gehört. Die beiden Jungen standen mit erhobenem Kopf und aufgerichtetem Schwanz da, ihre Schnurrhaare bebten. Gelbjunges hatte den Eindruck, sie würden gleich vor Stolz platzen.

»Fetzenjunges, tritt vor.« Zedernstern rief mit dem Schwanz den dunkel gestreiften Kater zu sich. »Farnfuß«, fuhr er fort, »du bist bereit für einen neuen Schüler und du wirst Fetzenpfotes Mentor sein. Ich bin mir sicher, du wirst ihm deine Fertigkeiten als Krieger und deine Treue zum Clan weitergeben.«

Mein Vater wird Fetzenpfotes Mentor! Ein neidisches Kribbeln schoss durch Gelbjunges. Jetzt wird Farnfuß mehr Zeit mit Fetzenpfote verbringen als mit uns.

Farnfuß neigte den Kopf. »Du kannst dich auf mich verlassen, Zedernstern«, miaute er.

Fetzenpfote trottete zu ihm, und Farnfuß trat vor, um sich mit seinem neuen Schüler gegenseitig die Nasen zu berühren.

Dann zogen sie sich in den Kreis der zuschauenden Katzen zurück und Zedernstern rief Brandjunges auf. »Krähenschweif, Brandpfote wird dein erster Schüler sein«, miaute der Clan-Anführer. »Du hast dich als Kriegerin bewährt, und ich weiß, du wirst alles, was du gelernt hast, an ihn weitergeben.«

Mit leuchtenden Augen ging die kleine, schwarze Kätzin zum Clan-Felsen und schaute auf zu ihrem Anführer. »Ich werde mein Bestes tun, Zedernstern«, antwortete sie.

Brandpfote sprang zu ihr und die beiden Katzen berührten sich mit den Nasen.

»Fetzenpfote! Brandpfote!« Alle Katzen im Clan riefen laut die neuen Namen und drängten sich vorwärts, um den beiden neuen Schülern zu gratulieren. Nur Gelbjunges und ihre Wurfgefährten hielten sich zurück.

»Sie sind nicht so großartig«, murmelte Nussjunges. »Wartet, bis wir erst Schüler sind. Wir werden es ihnen zeigen!«

Nachdem die Versammlung nun vorüber war, ließ sich Gelbjunges auf eine Seite fallen und hielt ihr Hinterbein nach vorn, damit sie ihre Pfote gründlich betrachten konnte. Der Schmerz pochte noch in ihr. Aber sosehr sie auch zwischen den Ballen suchte, sie konnte keinen Dorn finden. Sie setzte sich auf und sah, wie Farnfuß und Krähenschweif ihre neuen Schüler durch den Spalt in den Brombeerbüschen führten, die das Lager umgaben.

Sie werden das Territorium zu sehen bekommen, dachte Gelbjunges neidisch, ich wollte, ich könnte mit ihnen gehen. Aber im Augenblick konnte sie kaum ihre Hinterpfote auf den Boden bringen. Vielleicht sollte ich Salbeibart aufsuchen.

Doch während Gelbjunges auf dem Weg zum Heilerbau umständlich auf drei Beinen humpelte, erblickte sie eine Patrouille, die aus dem Tunnel ins Lager kam. Schmutzkralle lief zusammen mit Mausflügel vorneweg. Beide trugen Mäuse. Nesselfleck folgte, sie schleifte ein Eichhörnchen hinter sich her, das fast so groß war wie sie selbst. Rehsprung, eine der ältesten Kriegerinnen, hatte eine Amsel gefangen. Als Letzte kam Echsenstreif; sie humpelte, als ob auch sie Schmerzen in ihrem Hinterbein hätte.

»Geh lieber zu Salbeibart wegen dieses Dorns«, murmelte Schmutzkralle zwischen seinem Maulvoll Beute. »Deine Pfote könnte sich entzünden, wenn sie nicht versorgt wird.«

»Bin schon unterwegs.« Echsenstreif klang verärgert. »Das war das letzte Mal, dass ich Mäuse unter einem Dornbusch gejagt habe.« Sie humpelte an Gelbjunges vorbei und verschwand zwischen den Felsen in den Heilerbau.

Gelbjunges wartete geduldig, bis Echsenstreif wieder erschien; diesmal ging sie fast normal. »Danke, Salbeibart!«, rief die Kriegerin über die Schulter.

Die Heilerin streckte den Kopf aus ihrem Bau. »Leck es gründlich«, sagte sie zu ihr. »Und komm morgen wieder, damit ich mich vergewissern kann, dass es sich nicht entzündet hat.«

Gelbjunges stolperte vorwärts und wollte Salbeibart von dem Dorn in ihrem eigenen Fuß berichten, aber als sie mit ihrer Hinterpfote auftrat, merkte sie, dass der Schmerz verschwunden war. Der Dorn musste herausgefallen sein. Sie schaute sich um und suchte ihn im Gras, aber da war nichts, was scharf genug aussah. Na gut, solange es nicht mehr wehtut. Sie drückte fester mit der Pfote auf den Boden, um sich sicher zu sein, dass es wirklich besser ging.

»Hallo, Gelbjunges!« Eschenjunges’ Stimme unterbrach sie. Gelbjunges blickte hoch und sah ihre beiden Geschwister neben einem zerborstenen Baumstamm nicht weit vom Ältestenbau stehen. Neue Zweige hatten begonnen, aus den Überresten des Stammes zu sprießen, und formten eine schattige Höhle.

»Komm her!«, quiekte Nussjunges. »Wir haben einen Fuchs und seine Jungen entdeckt. Wir müssen sie aus dem Lager vertreiben!«

Einen Herzschlag lang glaubte Gelbjunges ihnen und ihr Nackenhaar stellte sich auf. Dann verstand sie, dass es nur ein weiteres Spiel war. Oh ja, die Ältesten werden richtig ängstliche Füchse abgeben!

Silberflamme lugte aus dem Bau der Ältesten, als Gelbjunges hinüber zu ihren Geschwistern sprang. Ihr Fell war gesträubt und ihre Zähne waren gebleckt. »Das ist unser Bau!«, fauchte Silberflamme. »Haltet euch fern oder ich ziehe euch das Fell ab und füttere damit meine Jungen!«